6.5.2026
Würdige Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung
Am Mittwoch, den 29. April 2026 erinnerten etwa 100 Gäste an die Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel vor 81 Jahren und gedachten all jener, die in dem Lager gelitten haben oder gestorben sind.
Bereits am Vorabend konnten wir Gäste aus Belgien und den Niederlanden zum traditionellen Generationenabend begrüßen. Beim gemeinsamen Abendessen konnte sich Angehörige und Ehren- und Hauptamtliche treffen, Kontakte wieder auffrischen oder neue knüpfen.
Am 29. April 2026 begrüßte zunächst Günther Justen-Stahl die Gäste auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel. Der Stiftungsvorsitzende betonte, dass Erinnerungsarbeit stets auch Demokratieförderung ist, an der nicht gespart werden darf. Die Regionalbischöfin Sabine Preuschoff ging in ihrer anschließenden Rede darauf ein, dass auch die evangelische Kirche, sowohl viele der Repräsentanten als auch der Gemeindemitglieder in weiten Teilen den Nationalsozialismus begeistert unterstützt haben. Und auch heute ließen sich wieder Autoritarismus und Hass erkennen.
Der zweite Teil der Gedenkveranstaltung wurde in der Lagerküche der Gedenkstätte Lager Sandbostel fortgesetzt. Mitarbeiter:innen der Gedenkstätte trugen Zitate aus den Erinnerungen von Befreiten und Befreiern vor. Danach begrüßte die stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte, Ines Dirolf, die Gäste. Sie erinnerte zunächst an die Zeitzeug*innen und Angehörigen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Zudem warnte sie vor Vereinfachungen in der Erinnerung, mit der Instrumentalisierung von Geschichte möglich wird.
Anschließend betonte die Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten Dr. Elke Gryglewski in ihrem Grußwort die Radikalisierung im Nationalsozialismus und die Bedeutung der Gedenkstätten heute angesichts erneuerter Radikalisierungen in der Gesellschaft.
Sören Heins, der sein FSJ in der Gedenkstätte Lager Sandbostel macht, antwortete in seinem Beitrag auf die Frage, was er aus dem Umgang mit der NS-Geschichte zieht, dass man Menschen nicht wie Dreck behandeln darf und allen einen Platz in einer solidarischen Gesellschafgt einräumt werden muss.
Abschließend teilte Willem Reijnders aus den Niederlanden, der Neffe von Petrus J. Ursem, die Geschichte seines Onkels mit den Gästen. Petrus (Piet) Ursem war ein Frisör im niederländischen Wognum, der sich weigerte Zwangsarbeit für die deutschen Besatzer zu leisten und versteckte. Vermutlich verriet ihn sein Vorgesetzter, woraufhin Piet Ursem verhaftet wurde. Er durchlief mehrere KZ-Lager und wurde letztlich am 29. April 1945 in Sandbostel befreit. Seine Familie erhielt die Nachricht seiner Befreiung und erwartete hoffnungsvoll seine Rückkehr. Allerdings verstarb Piet Ursem Anfang Mai 1945 an den Folgen der KZ-Haft mit nur 20 Jahren.
Willem Reijnders führte weiter aus, dass in der Familie nicht über Piet Ursem gesprochen wurde, bis er sich auf die Spuren von Piet Ursem machte, was in mit seinen Cousins nach Neuengamme und Sandbostel führte.
Einfühlsam wurde die Gedenkveranstaltung von Stasya Zubova an der Geige begleitet.
Anschließend folgte die Kranzniederlegung und das individuelle Gedenken am Gedenkstein an der Lagerkirche.
Abschließend konnte noch eine Gedenkandacht mit Regionalbischöfin Sabine Preuschoff in der Lagerkirche besuchen.
Wir danken allen Ehrenamtlichen, die den Gästen in Rundgänge die Geschichte des Ortes näher gebracht haben und am Tresen und im Cafe die Gäste begrüßt haben. Und wir danken allen Gästen für ihre zahlreiches Erscheinen, was den Tag zu einem würdigen Gedenktag gemacht hat.
Downloadbare Reden:
8.4.2026
Neues Studienheft zu NS-Verfolgten aus Polen und der Sowjetunion erschienen
Unter dem Titel "Perspektiven öffnen – Leerstellen aufzeigen: NS-Verfolgte aus Polen und der Sowjetunion in Norddeutschland" befassen sich die Bildungsmaterialien des neuen Studienhefts der KZ-Gedenkstätte Neuengamme mit Geschichte(n) und Erinnerung(en) rund um den deutschen Vernichtungskrieg im östlichen Europa mit besonderem Fokus auf polnische und sowjetische NS-Verfolgte in Nordwestdeutschland. Zu ihnen zählen auch polnische und sowjetische Kriegsgefangenen aus dem Stalag X B Sandbostel wie Sergej Litvin.
Wir laden alle Interessierten zur Vorstellung der neuen Bildungsmaterialien mit World Café am Donnerstag, 16. April 2026 von 18.15 bis 20.00 Uhr in Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee, ESA
Ost, Raum 221, 1. Etage ein. Der Eintritt ist frei. Um eine online Anmeldung bis zum 15.4. wird freundlich gebeten: https://www.gedenkstaetten-hamburg.de/.../perspektiven...
Zu erwerben ist das Studienheft hier: https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/.../leerstell.../
31.3.2026
Wir trauern um Kees Koreman
Mit großer Bestürzung müssen wir mitteilen, dass unser Freund Kees Koreman aus den Niederlanden am 28.2.206 verstorben ist. Kees wurde 83 Jahre alt.

Kees war zwei Jahre alt, als sein Vater Cornelis Lambertus Koreman im befreiten KZ-Auffanglager Sandbostel verstarb. Kees’s Vater war Funktechniker in Groningen. Am 28. Februar 1945 verhaftet ihn der Sicherheitsdienst (SD), da ihm vorgeworfen wurde, „versteckte“ Radios repariert zu haben. Am 17.4.45 wurde er als KZ-Häftling in das KZ Neuengamme verschleppt. Vermutlich brachte ihn die SS im Zuge der Lagerevakuierungen auf den sogenannten „Krankentransport“, der nach tagelanger Irrfahrt am 18. April 1945 im KZ-Auffanglager ankam. Dort erlebte er am 29. April 1945 die Befreiung durch die britischen Truppen, verstarb aber eine Woche später in Sandbostel. Das Grab von C.L. Koreman konnte nie gefunden werden.

Kees nahm Ende der 1980er Kontakt auf, um nach dem Grab seines Vaters zu suchen. Besonders der Kontakt mit Klaus Volland war für Kees wichtig. Denn Kees hatte nicht nur seinen Vater verloren, sondern die gesamte Familie war durch den Verlust des Vaters in schwierigen materiellen Verhältnissen. Die Erfahrung, dass es Menschen wie Klaus Volland gibt, die sich für die Forschung und die Erinnerung vor Ort einsetzen, war für Kees ein wichtiger Schritt in Richtung Aussöhnung.

Kees war stets in Begleitung seiner Frau Swaantje, die ihn in seiner Suche unterstützte. Das Ehepaar Koreman wurde zu treuen Gästen in der Gedenkstätte und bei Gedenkveranstaltungen. Kees’ (und
Swaantjes) offene und fröhliche Art machte es uns leicht, in ihm einen Freund zu finden. Und wir sind ihm dankbar dafür, seine Geschichte mit uns geteilt zu haben. Besonders am 80. Jahrestag der
Befreiung im April 2025, als Kees seine Geschichte mit Jugendlichen teilte, hinterließ tiefen Eindruck – auf beiden Seiten. Denn so war Kees, offen auch für die andere Seite.
Bis zuletzt haben Kees und Swaantje gemeinsam die Welt bereist, zuletzt waren sie gemeinsam am Nordpol. Unsere Gedanken und Wünsche sind bei Swaantje und der Familie und Freunden, denen wir viel
Kraft für diese schwere Zeit wünschen.
22.1.2026
Fotografieren lernen an einem besonderen Ort. Neue Workshoptermin 2026
Auch 2026 bietet Carsten Karstensen, der ehrenamtlich in der Gedenkstätte Lager Sandbostel arbeit, Fotoworkshops an, um das Basiswissen zu lernen, um in typischen Fotosituationen das Bild im Kopf auch zum Bild auf der Speicherkarte zu machen. Neben den elementaren Grundlagen der Fotografie werden die verschiedenen Einstellmöglichkeiten der Kamera und die Wirkung auf die Bilder behandelt. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Teilnehmenden völlige Anfänger oder fortgeschrittene Amateure sind. Er wendet sich an alle, die ihre Kamera besser kennenlernen und verstehen wollen.
Erstmals bietet Carsten Karstensen in 2026 zusätzlich auch einen Workshop speziell Porträtfotografie an. Hier spielen Emotionen eine herausragende Rolle. Die Bilder sollen nicht nur ein Gesicht, sondern die Persönlichkeit eines Menschen zeigen. Dieser Tagesworkshop beinhaltet das Basiswissen für die Erstellung gelungener Porträts.
Um die Theorie praxisnah umzusetzen, wird zum Abschluss aller Workshops intensiv fotografiert. Dabei dient die Gedenkstätte Lager Sandbostel bei Bremervörde als Hintergrund des praktischen Teils. Die Geschichte des Lagers als historischem Ort wird in den Fokus genommen und die Teilnehmenden arbeiten mit eigenen Aufnahmen zur Vergangenheit des Lagers.
Der Fotoworkshop findet am Samstag, dem 30. und Sonntag, dem 31. Mai 2026 sowie am Samstag, dem 5. und Sonntag, dem 6. September 2026 statt.
Der Porträtworkshop findet am Samstag, dem 6. Juni 2026 sowie am Samstag, den 12. September 2026 statt.
Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos, eine Spende für die Arbeit der Gedenkstätte Lager Sandbostel kann erfolgen. Anmeldung: c.karstensen (at) stiftung-lager-sandbostel.de
16.1.2026
Kinder aus verbotenen und unerwünschten Beziehungen in Zeiten des Krieges
Geschichte, Erinnerung, Kontinuitäten
Berlin, 19.–21. März 2026
Eine Tagung der Gedenkstätte Lager Sandbostel und des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin.
Die Tagung widmet sich einem bislang wenig beachteten Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs: den Kindern aus sogenannten „verbotenen“ und gesellschaftlich verdrängten Beziehungen zwischen
Zwangsarbeiter*innen, Kriegsgefangenen im Deutschen Reich, deutschen Besatzungssoldaten sowie lokalen Frauen oder Männern. Die Verfolgung dieser Beziehungen durch die NS-Behörden war von
staatlicher Repression und Gewalt sowie rassistischer Ideologie geprägt – ihre Folgen wirkten weit über 1945 hinaus.
Anlässlich der Präsentation der Wanderausstellung „trotzdem da! – Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen“, erarbeitet an der
Gedenkstätte Lager Sandbostel und bis 26. April 2026 in Berlin zu sehen, bringt die Tagung Historiker*innen, Pädagog*innen, Nachkommen der Betroffenen sowie Akteur*innen der Erinnerungskultur in
einen interdisziplinären Dialog.
Im Mittelpunkt stehen historische Einordnungen, lebensgeschichtliche Erfahrungen und transgenerationale Perspektiven. Zugleich öffnet die Tagung den Blick auf die Nachkriegszeit sowie auf
vergleichende Perspektiven in Europa und darüber hinaus. Ziel ist es, Forschungslücken sichtbar zu machen, Erinnerungskultur kritisch zu reflektieren und Impulse für neue Formen
historisch-politischer Bildungsarbeit zu geben.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Wir bitten um Anmeldung bis zum 15. März 2026: veranstaltung_ns-zwangsarbeit(at)topographie.de. Eine Online-Teilnahme ist möglich.
Programm
Donnerstag, 19. März 2026
Ab 15:30 Ankommen und Begrüßungskaffee
16:00 Begrüßung und Einführung
Dr. Christine Glauning (Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit), Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
16:30 Projektvorstellung „trotzdem da!“
Lucy Debus (Projekt trotzdem da!), Gwendoline Cicottini (Projekt trotzdem da!/Gedenkstätte Buchenwald)
17:00 Selbstständige Besichtigung der Ausstellung
19:00 Öffentliche Abendveranstaltung „The Lion is telling the Story of the Forest“. Film (20 Min.) und Gespräch. Mit Gerd A. Meyer (Sohn aus einer verbotenen Beziehung), Ksenja Holzmann (Denkort
Bunker Valentin/Projekt Multi-peRSPEKTif) und N.N. (Projekt Multi-peRSPEKTif) zu multiperspektivischen Perspektiven auf Erinnerungskultur(en) und verbotene Beziehungen. Moderation: Lucy Debus
(Projekt trotzdem da!)
21:00 Ende
Freitag, 20. März 2026
09:00 Begrüßung
1 Historische Kontexte
09:15 Panel 1: Kinder aus verbotenen Beziehungen im Deutschen Reich
Marcel Brüntrup (Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen), Gwendoline Cicottini (trotzdem da!) Gedenkstätte Buchenwald), Lukas Schretter (Ludwig Boltzmann Institut für
Kriegsfolgenforschung, Online)
11:00 Kaffeepause
11:15 Panel 2: Kinder aus verbotenen Beziehungen in den besetzten Gebieten
Jakub Gałęziowski (University of Warsaw), Mieke Kirkels (Historikerin, Margraten, Niederlande, Online), N.N.
13:00 Mittagspause
2 Lebensgeschichten und gesellschaftliche Bedingungen
14:15 Panel 1: Lebensgeschichten von Kindern aus unerwünschten Beziehungen während des Zweiten Weltkriegs
Lucy Debus (Projekt trotzdem da!), Sophie Hubbe (Historikerin, München), N.N.
16:00 Kaffeepause
16:15 Panel 2: “Unerwünschte” Kinder in verschiedenen Kriegs- und Gewaltkontexten: Vergleichende Perspektiven
Julia Roos (Indiana University Bloomington), Stef Scagliola (Historikerin, Niederlande), N.N.
18:00 Tageszusammenfassung & Diskussion
19:00 Ende
Samstag 21. März 2026
09:00 Begrüßung
3 Transgenerationale Perspektiven und Erinnerungskultur
09:15 Panel 1: Transgenerationale Folgen der Verfolgung im NS und gesellschaftlichen Ausgrenzung in der Nachkriegszeit
Karen Heddinga (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) im Gespräch mit Nachfahren aus verbotenen Beziehungen der ersten und zweiten Generation
11:00 Kaffeepause
11:15 Panel 2: Kinder aus verbotenen Beziehungen in der Erinnerungskultur und juristische Aufarbeitung
Jan Dohrmann (Projekt trotzdem da!) Christine Glauning (Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit), Thomas Muggenthaler (Bayerischer Rundfunk)
13:00 Fazit und Abschlussdiskussion
14:00 Ende der Tagung und Abreise
13.1.2026
Offener Brief: Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen
Wir - Einrichtungen historisch-politischer Bildung - sehen das in letzter Zeit massive Auftauchen von erfundenen KI-generierten Inhalten (AI Slop) zum Nationalsozialismus auf Social Media-Plattformen mit großer Sorge. Diese Postings verfälschen die Geschichte durch Verharmlosung und Verkitschung und verändern die Sehgewohnheiten der Nutzer*innen, die zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln. Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Auf Initiative von AI-Slop betroffener Gedenkstätten formuliert das Netzwerk Digital History und Memory einen offenen Brief an Social-Media-Plattformen.
Kontakt: Dr. Iris Groschek, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen [email protected]
13. Januar 2026
In den Sozialen Netzwerken tauchen in den letzten Monaten immer mehr massenhaft mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Inhalte mit Bezug zum Nationalsozialismus auf, die keine historischen Ereignisse abbilden, sondern frei erfunden sind. Diese umgangssprachlich als AI-Slop bezeichneten Inhalte zeigen beispielsweise vermeintliche Situationen in nationalsozialistischen Lagern oder bei deren Befreiung. Diese zeichnen ein extrem verzerrtes und falsches Bild. Beispielsweise kursieren KI-generierte Bilder, die ein angebliches Wiedersehen zwischen Gefangenen und Befreiern zeigen, oder erfundene Szenen weinender Kinder hinter Stacheldraht. Mit Künstlicher Intelligenz werden hier Inhalte erstellt, die aus Versatzstücken historischer Fakten und emotionalisierter Fiktion bestehen.
Hinter diesen Inhalten stehen unterschiedliche Motive: Zum einen nutzen sogenannte Content-Farmen die emotionale Wucht des Holocaust, um mit minimalem Aufwand maximale Reichweite zu erzielen. Ein Geschäftsmodell, das auf Klicks und Werbeeinnahmen basiert. Zum anderen werden diese Inhalte gezielt eingesetzt, um historische Fakten zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten. Die Algorithmen der Plattformen begünstigen dabei emotional aufgeladene Inhalte, unabhängig von deren Wahrheitsgehalt.
Diese Entwicklung beobachten wir als Einrichtungen historisch-politischer Bildung mit großer Sorge. KI-generierte Inhalte verfälschen die Geschichte durch Verharmlosung und Verkitschung. Sie verändern die Sehgewohnheiten der Nutzer*innen, die zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln. Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben.
Wir setzen uns für eine digitale Öffentlichkeit ein, in der Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung und ihre Nachkommen davor geschützt sind, dass ihre Lebensgeschichten von Unbekannten für Profit instrumentalisiert werden. Historische Quellen und wissenschaftliche Forschung dürfen nicht von massenhaft KI-generierten Inhalten verdrängt werden. Wir wollen, dass echte Stimmen und vielfältige Perspektiven gehört werden.
Wir sind nicht gegen digitale Formen des Gedenkens und der Vermittlung. Auch künstliche Intelligenz kann in der historisch-politischen Bildungsarbeit durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Die gesamtgesellschaftliche Herausforderung besteht jedoch darin, ethische und historisch verantwortungsvolle Standards für diese Technologie zu entwickeln. Plattformbetreiber tragen dabei eine besondere Verantwortung: Sie müssen sicherstellen, dass das Leid der Opfer nicht durch emotionalisierte Fiktionen trivialisiert wird.
Wir fordern Plattformbetreiber auf:
Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten:
- Gedenkstätte Bergen-Belsen
- Gedenkstätte Buchenwald
- KZ-Gedenkstätte Dachau
- KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
- KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
- KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
- Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Arolsen Archives
Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenkstätte Hadamar
Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel
Gedenkstätte Lager Sandbostel
Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht e.V.
Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors
Jüdisches Museum Berlin
KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund
Netzwerk Digital History und Memory
Sprecher*innenrat des Netzwerks der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen an Orten ehemaliger NS-Kriegsgefangenenlager
Ständige Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum:
- Denkmal für die ermordeten Juden Europas
- Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
- Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz
- Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Topographie des Terrors
Stiftung Bayerische Gedenkstätten
Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten
Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V.
9.1.2026
Wir trauern um Johann - ein Nachruf

Wir trauern um unseren Freund und Wegbegleiter Johann Dücker, der am 15. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren in Basdahl verstorben ist. Neben der Trauer, die uns nach wie vor umfasst, empfinden wir aber nun, wie auch schon zu seinen Lebzeiten, große Dankbarkeit und Freude für sein leidenschaftliches Engagement im Bereich der Gedenk- und Erinnerungsarbeit.
Der Impuls für seine und auch die Motivation seiner Frau Katharine sich in diesem Themenfeld zu engagieren, entspringt einer persönlichen Erfahrung aus dem Jahr 1945. Damals ist Johann neun Jahre alt, als er mit ansieht, wie auf dem Hof seiner Eltern zwei unbekannte KZ-Häftlingen auf der Flucht von SS-Angehörigen erschossen und später am Rande des Hofes verscharrt werden. Der Rahmen, in dem dieses Erleben eingebettet ist, ist der Todesmarsch, der sich Mitte April 1945 von Bremen-Farge nach Bremervörde zieht. Einer von vielen, die durch das ganze Elbe-Weser-Dreieck führen. Tausende KZ-Häftlinge, für alle sichtbar, ziehen dabei durch die Ortschaften und so auch durch Volkmarst und Basdahl.

Die Suche nach den unbekannten Gräbern der beiden Menschen und deren Geschichte, wird im jungen Erwachsenenalter zum Thema für Johann und lässt ihn bis zu seinem Lebensende nicht wieder los.
Alleine und später gemeinsam mit seiner Frau Katharine gibt er sich dieser Suche hin. Im Mai 2023 findet Johann Dücker unter Mithilfe der Gedenkstätte Lager Sandbostel, der kirchlichen Friedens-
und Gedenkstättenarbeit des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. die sterblichen Überreste „der beiden Jungs“, wie Johann sie liebevoll nannte. Am
27. Januar 2024 sind beide, ohne ihre Identität herausgefunden zu haben, auf dem Friedhof in Volkmarst beigesetzt worden.
Am 4. Oktober 2025 hat Johann Dücker für sein Engagement für die Gedenk- und Erinnerungsarbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht bekommen. Am Tag danach wurde das Theaterstück „Johann
und die Namenlosen“ von Schüler:innen der Berufsbildenden Schulen in Osterholz-Scharmbeck in der historischen Lagerküche der Gedenkstätte Lager Sandbostel in seinem Beisein aufgeführt.

Vor seinem Wohnhaus in Basdahl an der Bundesstraße 71 steht und erinnert ein von Johann aufgestellter Gedenkstein an den Todesmarsch und den Tod der beiden Menschen, die nicht unweit davon
erschossen wurden. Viele Jahre die einzige Erinnerung an den Todesmarsch.
Mit Johann Dücker verlieren wir einen treuen Freund. Einen aufrechten Streiter für die Erinnerung an die Menschen die im Nationalsozialismus gelitten haben und gestorben sind und einen steten
Mahner, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf.
27.10.2025
NEU! Ausstellungskatalog "trotzdem da" ab sofort erhältlich!
Der Katalog ist in der Gedenkstätte Lager Sandbostel, an den jeweiligen Präsentationsorten der Ausstellung, im Buchhandel und direkt beim Verlag Assoziation A erhältlich.
Aus der Verlagsvorschau:
25.9.2025
Wir trauern um Piet Dam
Mit großer Bestürzung müssen wir mitteilen, dass am gestrigen Morgen Piet Dam nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie in Maasluis verstorben ist. Wir verlieren einen großartigen Forscher und engen Freund der Gedenkstätte. Piet Dam ist 82 Jahre alt geworden.

Als Sohn des in Sandbostel nach der Befreiung in Rotenburg verstorbenen Koos Dam, der als KZ-Häftling über das Konzentrationslager Neuengamme nach Sandbostel kam, suchte Piet Dam jahrzehntelang nach dem Grab seines Vaters. Erst 2004 erfuhren er und seine Familie vom genauen Begräbnisort von Koos Dam auf dem Waldfriedhof in Rotenburg (Wümme). Doch Piet Dam recherchierte nicht nur zu seinem Vater. Jahrzehntelang hat er sich den Recherchen um die niederländischen KZ-Häftlinge im KZ-Auffanglager Sandbostel verschrieben und einen umfassenden Wissens- und Archivbestand zusammengetragen. Das daraus entstandene Worddokument mit 2757 Seiten ist sehr beeindruckend und enthält zu allen niederländischen KZ-Häftlingen, die in Sandbostel waren die bekannten Informationen. Piet Dam bezeichnete sich selbst als niederländischer Freiwilliger der Gedenkstätte. 2012 übergab er den dazu gehörigen Archivbestand (etwa 30 Aktenordner) der Gedenkstätte Lager Sandbostel, um die Unterlagen weiteren Angehörigen zugänglich zu machen. Ein bezeichnendes Bonmot von Piet dazu war, dass er sich vor Jahrzehnten an die Gedenkstätte wandte, um Informationen zu bekommen und das er nach Jahrzehnten uns immer noch neue Informationen gibt.
Mit Piet verlieren wir daher nicht nur einen wichtigen Forscher, sondern auch ein wichtiges Bindeglied zwischen den Archiven, der Gedenkstätte und den niederländischen Angehörigen. Und wir verlieren einen Freund. Piet und Mimi Dam waren seit Jahrzehnten treue Gäste der Gedenkstätte und den Gedenkveranstaltungen und hinterlassen eine Lücke, die sich nicht schließen lässt. Oder wie es die Tochter eines ehem. belgischen Kriegsgefangenen in einem Trauerbrief an uns sehr treffend beschrieben hat: „Sein Platz in Sandbostel wird für immer leer bleiben“.

Wir danken Piets Sohn sehr, dass wir im August noch die Gelegenheit hatten, von Piet Abschied zu nehmen. Piet Dam besuchte mit seinem Sohn und Enkel, sowie seinem Cousin und dessen Frau
die Gedenkstätte und das Grab seines Vaters ein letztes Mal mit dem niederländischen WensAmbulance Oost-Nederland (Wünschewagen). Da leider schon ohne seine geliebte Frau Mimi, die bereits im April
dieses Jahres verstarb.
Was wir neben allen Geschichten, die wir mit Piet verbinden, nicht vergessen werden: Piet und Mimi kamen nie mit leeren Händen in die Gedenkstätte, immer hatten sie niederländische
Pfefferminzpastillen, Kekse, mal einen kleinen Käselaib oder, in der Frühphase der Gedenkstätte, auch mal einen Heizlüfter gegen unsere kalten Füße dabei. Uns werden die Gespräche mit Piet und
Mimi bei einer Tasse schwarzem Tee sehr fehlen.
Unsere Gedanken und Wünsche sind bei seinem Sohn, Ronald und seiner Familie, denen wir viel Kraft für diese Zeit wünschen.
24.9.2025
Erklärung zur Absage der Sonderausstellung „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen. Die Blockade Leningrads 1941 – 1944“
Nach der Absage der Sonderausstellung „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen. Die Blockade Leningrads 1941 – 1944“ am 10. September 2025 durch die Stiftung und die Gedenkstätte Lager Sandbostel gab es viele teils sachliche, teils aufgeheizte, teils jedoch auch indiskutable Reaktionen. Uns erreichten mehrere Briefe und E-Mails, vom ausrichtenden Verein „Deutsch-Russische Friedenstage Bremen e.V.“, von anderen Interessensgruppen und von Einzelpersonen. Auch in der Printpresse wurde darüber berichtet. Auf einen Teil der pöbelnden oder sehr aggressiven Reaktionen (bis hin zum Wunsch des Kriegstodes) gegen Journalisten und den Leiter der Gedenkstätte in einem „Leserbrief“ gehen wir nicht weiter ein, da diese völlig indiskutabel sind. Es gab jedoch auch Reaktionen, die wir ernst nehmen und auf die wir hier eingehen möchten.
10.9.2025
Absage der Sonderausstellung „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen. Die Blockade Leningrads 1941 – 1944“
Bei der Eröffnung der vom Verein „Deutsch-Russische Friedenstage e.V. Bremen“ erarbeiteten Sonderausstellung „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen. Die Blockade Leningrads 1941 – 1944“
kam es in der Eröffnungsrede seitens des Vereinsvorsitzenden zu Aussagen und Positionen zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die in keiner Weise mit den Positionen
der Gedenkstätte und der Stiftung Lager Sandbostel übereinstimmen.
Es wurden darüber hinaus Vergleiche und Analogien gezogen, die ebenfalls nicht der Haltung der Gedenkstätte und der Stiftung entsprechen und historisch falsch sind.
Wie sich nach der Eröffnungsveranstaltung zeigte, hatten wir bezüglich der Ausstellung eine gänzlich andere Intention als der Verein. Wir dachten eine Ausstellung zur Leningrad-Blockade zu
zeigen, nicht einen Krieg zu rechtfertigen. Wir teilen die Positionen des Vereins Deutsch-Russische Friedenstage e.V. nicht und konnten das in Diskussionen auch nicht lösen.
Um hier eine klare Trennung auch öffentlich zu signalisieren, haben wir nach längeren Diskussionen schweren Herzens beschlossen, die Präsentation der Ausstellung in Sandbostel zu beenden. Dies
ist aus unserer Sicht der deutlichste Weg, uns von den Positionen des Vereins Deutsch-Russische Friedenstage e.V. zu distanzieren.
Zeitnah planen wir nun eine Veranstaltung, die sich mit der Instrumentalisierung von Erinnerung in Russland befasst, unter anderem des Gedenkens an die Hungerblockade Leningrads.
17.07.2025
Zugangsweg vom
23. bis zum 25.7.25 gesperrt!
Die Gedenkstätte ist aber offen. Besucher:innen können über die Lagerküche auf das Gelände und in die Ausstellungsgebäude kommen.
Wir haben an beiden Pfingstfeiertagen zu
(7.6. bis 9.6.2025)!
20.05.2025
80. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel
am 29.04.2025

Am
29.04.2025 jährte sich die Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel zum 80. Mal. Mit einer Gedenkveranstaltung wurde mit mehreren Hundert Gästen der Tag der Befreiung
gewürdigt und den Menschen gedacht, die im Lager Sandbostel gestorben sind oder gelitten haben.
Besonders gefreut hat uns, dass wir dieses Jahr über hundert Angehörige aus Australien, Belgien, Frankeich, Italien, Kanada, Polen, den Niederlanden, Russland, der
UK und den USA, begrüßen durften. Bereits am Vorabend gab es die Gelegenheit für Angehörige und Ehrenamtlich- sowie Festangestellte der Gedenkstätte, sich beim sogenannten Generationenabend
kennenzulernen, wieder zu treffen und auszutauschen.
Der Gedenktag begann mit verschiedensprachigen Rundgängen, da es für viele Angehörige der erste Besuch der Gedenkstätte war. Zeitgleich begann das sogenannte
Erzählcafe. Im Erzählcafe kamen Angehörige und Zeitzeugen aus der Aufbauzeit der Gedenkstätte mit Jugendlichen und Ehrenamtlichen zusammen, erzählten und tauschten sich aus.

Um
17 Uhr begann mit der Begrüßung durch den Stiftungsvorsitzenden Günther Justen-Stahl die Gedenkveranstaltung auf dem ehemaligen Lagerfriedhof. Ihm folgten Falko Mohrs (niedersächsischer Minister
für Wissenschaft und Kultur, Hannover) und der Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy (Ev.-luth. Landeskirche Hannovers). „Nie wieder ist jetzt“ war das Leitmotiv in Falko Mohrs Rede, in der
er unter anderem darauf einging, wie wichtig Erinnerungsarbeit von ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitenden in Gedenkstätten sei, um gegen eine erstarkende nationale und internationale
Umdeutung von NS-Verbrechen und einem erstarkenden Antisemitismus anzukämpfen.
Dr. Hans Christian Brandy hatte selbst am 27. April an der letzten Etappe des Gedenkmarschs vom Denkort Bunker Valentin nach Sandbostel teilgenommen und von dieser
Erfahrung berichtet.

Um
18 Uhr wurde die Gedenkveranstaltung in der Lagerküche auf dem Gelände der Gedenkstätte Lager Sandbostel fortgesetzt. Andreas Ehresmann (Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel) begrüßte die
Gäste, insbesondere die Angehörigen aus aller Welt. Auch erinnerte Andreas Ehresmann an die Überlebenden des Lagers in Sandbostel, die im letzten Jahr teilweise hochbetagt verstorben sind. In
seiner Begrüßungsrede ging Andreas Ehresmann zudem auf den Rechtsruck ein, wie er sich europaweit vollzieht und warnte dringlich davor, diesen unwidersprochen zu lassen und warum Gedenkorte
wie Sandbostel derzeit wichtiger denn je sind. Ihm folgte der britische Botschafter S.E. Andrew Mitchell CMG (Berlin) (Botschafter des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland), der
einfühlsame Worte für das Leid der Gefangenen fand und den Soldaten der britischen Armee dankte, die das Lager Sandbostel am 29.4.45 teils unter Verlusten befreiten. Ilana McCorquodale
(Australien) sprach nicht in ihrer Funktion als Bildungsreferentin des Sydney Jewish Museum, sondern als Tochter des in Sandbostel befreiten KZ-Häftling Mark Engelman. Mark Engelman wurde als
tschechischer Jude verfolgt und durch mehrere Konzentrationslager nach Sandbostel verschleppt und dort befreit. Auch nach seiner Emigration nach Australien und Israel sprach er lange nicht von
seinen Erfahrungen in KZ-Haft. Es folgte die Rede von Pavel Denisjuk, dem Enkel des in Sandbostel verstorbenen sowjetischen Kriegsfangenen Michail Kulikov. Pavel Denisjuk lebt seit dem 24.
Februar 2022 in Dubai, er und seine Familie konnten allerdings leider kein Visum bekommen, so dass die Rede stellvertretend von Selina Kaufmann (studentische Mitarbeitende der Gedenkstätte)
verlesen wurde. In seiner Rede ging Pavel Denisjuk eindrücklich auf den Horror von Krieg ein, der auch noch Jahrzehnte nachwirkt. Besonders Deutschland dankte Pavel Denisjuk für seinen Beitrag
zur Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung von Jörn Schipper am Vibraphon begleitet.
Anschließend folgten Kranzniederlegungen von Vertreter*innen des konsularischen Korps, der Landes- und Kommunalpolitik, von Delegationen der Überlebendenverbände und von Einzelpersonen.
Stellvertretend für die Angehörigen, die nicht vor Ort sein konnten, wurde im Rahmen des Projekts "Memorial Stones" ein Backsteinziegel vom Gedenkstättengelände von Jugendlichen mit den
Lebensdaten bemalt und beim Gedenkstein ausgestellt.
Danke an alle Ehrenamtlichen, die diesen Tag möglich gemacht haben und Danke insbesondere auch an alle Angehörigen, die teilweise einen sehr weiten Weg auf sich genommen haben, um diesen Tag zu
einem sehr besonderen zu machen
13.5.2025
Rechtlicher Hinweis - Fotos!
Während des Friedensfestivals werden Video- und Fotoaufnahmen gemacht, welche auf unseren Homepages sowie den sozialen Medien (Facebook, Instagram, etc.) zur
Eigenwerbung veröffentlicht werden. Die Personendarstellung auf diesen Fotos erfolgt mehr oder weniger zufällig.
Mit der Teilnahme an den Veranstaltungen des Gedenkstättenverein Sandbostel e.V., der kirchlichen Gedenkstättenarbeit und der Stiftung Lager Sandbostel, erfolgt die
Einwilligung der anwesenden Personen zur unentgeltlichen Veröffentlichung und zwar ohne dass es einer ausdrücklich Erklärung der betreffenden Personen bedarf.
Sollte eine anwesende Person nicht mit einer Veröffentlichung seiner Fotos einverstanden sein, bitten wir ums sofortige Mitteilung an die anwesenden haupt- und
ehrenamtlichen Mitarbeitern oder den Vorstandsmitgliedern des Gedenkstättenverein Sandbostel e.V..
14.04.2025
“steps to remember“
Gedenkmarsch vom Denkort Bunker Valentin zur Gedenkstätte Lager Sandbostel, 23. – 27. April 2025
Kurz vor Kriegsende wurden KZ-Häftling aus Außenlagern des KZ Neuengammes im Wilhelmshavener und Bremer Raum auf einen Todesmarsch in das Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel geschickt. 1985 gab es anlässlich des 40. Jahrestag einen ersten Gedenkmarsch, 2025 wird dieser anlässlich des 80. Jahrestags wiederholt. Siehe hierzu: https://geschichte-erlaufen.de/
Ablauf:
23. April 2025, 18.30 Uhr, Auftaktveranstaltung im Ludwig-Baumann-Saal des Gustav-Heinemann-Bürgerhaus, Vegesack
24. April 2025, 9:00 Uhr, Treffen Denkort Bunker Valentin, 10.00 Uhr, Marsch nach Hagen im Bremischen; 20.00 Uhr, Vortrag Prof. Dr. Jochen Oltmer (Universität
Osnabrück): "Gewaltbedingte Migration - Was ist das?"
25. April 2025, 10.00 Uhr Marsch nach Beverstedt; 18.00 Uhr, Lesung zu Julius Brumsack; 19.00 Uhr, Konzert mit den Bands Meilentaucher (Eystrup) und Someday Jacob
(Bremen)
26. April 2025, 10.00 Uhr, Marsch nach Oerel; 19.00 Uhr, Szenische Lesung mit Musik vom Chor belCanto und den Musikerinnen Jaqueline Parada & Birgit Lackner mit
„Musik aus dem Gefangenenlager“
27. April 2025, 9.00 Uhr, Marsch nach Sandbostel
Seit 2022 wurden von der Gedenkstätte Lager Sandbostel zehn Betonstelen zur Erinnerung des Todesmarsches von KZ-Häftlingen von Bremen-Farge nach Sandbostel entlang der damaligen Route
aufgestellt. Im Rahmen des Gedenkmarsches „steps to remember“ werden die verbliebenen drei Stelen aufgestellt.
26. April 2025, 11:45 Uhr, Friedhof Volkmarst (Begrüßung: Thomas Busch, Bürgermeister Volkmarst, Rede: Michael Freitag-Parey, Gedenkstätte Lager Sandbostel); 15:00 Uhr,
Bahnhof Barchel (Rede:Ines Dirolf, Gedenkstätte Lager Sandbostel)
27. April 2025, 10:00 Uhr Friedhof Oerel-Glinde (Rede: Dr. Lars Hellwinkel (Gedenkstätte Lager Sandbostel))
Im Rahmen des Gedenkmarsches werden auf Initiative der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) am Bahnhof Bremervörde zusätzlich zu der bereits vorhandenen Gedenkstele eine Gedenktafel
in Erinnerung an die KZ-Häftlinge des Todesmarsches Bremen-Farge nach Sandbostel eingeweiht.
27. April 2025, 11.00 Uhr, Bahnhof Bremervörde (Grußwort: Günther Justen-Stahl, Stiftung Lager Sandbostel, Rede: Christoph Nagel, Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe
Elbe-Weser (EVB)
27. April 2025, 15.00 Uhr, ehemalige Lagerküche, Gedenkstätte Lager Sandbostel
Abschlussveranstaltung des Gedenkmarsches „steps to remember“
Begrüßung: Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Reden: Christoph Schröder (Berufsbildende Schulen Osterholz-Scharmbeck)
Polizeidirektorin Antje Schlichtmann (Leiterin PI
Osterholz-Scharmbeck)
Polizeipräsident Thomas Ring, PD Lüneburg
Landrat Marco Prietz, Rotenburg (Wümme)
Dr. Dirk Götting (Polizeiakademie Niedersachen)
Teilnehmer*innen des Gedenkmarsches
Moderation: Sara Mehnen
Musik: Holzbläserensemble des Polizeiorchesters Niedersachsen
14.04.2025
Stolpersteinverlegungen in Hamburg und Groningen am 12.04.25


Etwa 60 Personen waren bei Einweihung der Stolperschwelle anwesend, auch der Initiator der Schwelle Ingo Wille (gemeinsam mit Holger Artus). Mit Reden von Christian Römmer (Stiftung Hamburger Gedenkstätten), Ralf Neubauer (Bezirksamtleiter), Heike Lattekamp (stellv. Landesleiter ver.di HH) und Jan Krüger wurde Schwelle eingeweiht. Die Hamburger Stadtreinigung übernimmt die Patenschaft für die Stolperschwelle.

Einer der KZ-Häftlinge im Hamburger Außenlager Spaldingstraße war Johann Geubels aus Groningen. Als Mitglied der Widerstandsgruppe De Groot wurde er im Februar 1945 verhaftet und über das KZ Neuengamme in das Lager in der Spaldingstraße verschleppt. Mitte April brachte ihn die SS auf einen Todesmarsch nach Sandbostel in das KZ-Auffanglager. Dort erlebte er noch die Befreiung des Lagers am 29.04.45 vor bald 80 Jahren, verstarb allerdings einen Montag später im Alter von 34 Jahren an den Folgen der KZ-Haft. Seit vergangenen Samstag erinnert nun ein Stoplerstein in Groningen an Johann Geubels. Über 70 Gäste waren bei der Einweihung anwesend, darunter alleine 20 Familienmitglieder der Familie Geubels.
Wir freuen uns sehr, dass nun an beiden Orten an die KZ-Häflinge erinnert wird und
danken Ingo Wille und Holger Artus für ihre Initiative.
14.04.2025
Wir bleiben über Ostern zu!
(18. bis 21.04.25)
Gemeinsam erinnern. Erzählcafé in der Gedenkstätte Lager Sandbostel am 29.4.2025
20.3.2025
Einladung zu den Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung des Stalag X B
29. April 1945 – 29. April 2025
80. Jahrestag der Befreiung des Stalag X B Sandbostel
Einladung zu den Gedenkveranstaltungen
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freund*innen, liebe Lesende,
am Nachmittag des 29. April 1945 wurden die rund 14.000 Kriegsgefangene und 7.000 KZ-Häftlinge im Kriegsgefangenenlager X B Sandbostel von britischen Truppen befreit. Aus den Berichten und
Überlieferungen der britischen Soldaten wissen wir um die infernalischen, grauenhaften Zustände auf die sie trafen – vor allem in dem Lagerteil, in dem kurz vor Kriegsende noch 9.500 KZ-Häftling
untergebracht wurden. Die Erinnerung an diese Befreiung wird von den Angehörigen der damals inhaftierten Menschen in zahlreichen Ländern Europas bis heute lebendig gehalten. Viele von ihnen
werden auch in diesem Jahr an der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung teilnehmen.
Orte wie das Lager Sandbostel und seine Geschichten zeigen uns, wohin völkischer Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit führen können.
Uns ist es daher wichtig, gemeinsam und solidarisch für unser demokratisches Gemeinwesen sowie für eine offene und kritische Erinnerungskultur einzutreten.
Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. In Europa führt Russland bereits seit drei Jahren einen umfassenden Angriffskrieg gegen die Ukraine. In zahlreichen Ländern, einschließlich Deutschland,
gewinnen rechtspopulistische Bewegungen an Einfluss und sind teilweise bereits in Regierungen vertreten. Gewissheiten, die wir für sicher hielten, werden zunehmend unter anderem auch von
traditionell verbündeten Staaten in Frage gestellt. Vergleiche mit dem Nationalsozialismus, so absurd sie auch erscheinen mögen, werden herangezogen, um die Verbrechen zu relativieren.
Geschichtsrevisionismus, Elemente rechter Verschwörungstheorien und antisemitische Stereotype finden bis in bürgerliche Kreise Zustimmung und Rechtfertigung. Diese Phänomene sind aber keine
bloßen „Versehen“ oder „Proteste“, sondern folgen klar erkennbaren neurechten Strategien, denen sich eine demokratische Zivilgesellschaft dauerhaft entgegenstellen muss. Gedenkstätten spielen
dabei eine wichtige Rolle, bei Besucherinnen und Besuchern ein kritisch-reflexives Geschichtsbewusstsein zu fördern und im Austausch zu stärken.
Im Namen unserer haupt- und ehrenamtlichen Kolleg*innen lade ich Sie herzlich ein, mit uns im gesamten April mit verschiedenen Veranstaltungen den 80. Jahrestag der Befreiung zu begehen. Ich
würde mich freuen, wenn ich Sie bei der Gedenkveranstaltung am 29. April oder der einen oder anderen Veranstaltung im Begleitprogramm begrüßen darf.
Andreas Ehresmann
Leiter
Gesamtprogramm
3. April 2025, 18.00 Uhr, Kinosaal, Gedenkstätte Lager Sandbostel
Neue Erkenntnisse zum Räumungsmarsch des AEL Farge
Vortrag von Dr. Lars Hellwinkel (Gedenkstätte Lager / Athenaeum Stade)
Am 7. April 1945 begann die Gestapo Bremen mit der Räumung des Arbeitserziehungslagers (AEL) Farge. Neben dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ Neuengammes vom Außenlager Farge in Richtung
Bremervörde ist die Geschichte der Marschgruppe der Gestapo-Häftlinge im Elbe-Weser-Raum deutlich weniger bekannt. Im Vortrag soll der Verlauf des Marsches anhand ausgewählter Dokumente und des
Schicksals eines zwischen Breddorf und Rhadereistedt erschossenen sowjetischen Gestapo-Häftlings rekonstruiert werden.
13. April 2025, 18.00 Uhr, ehemalige Lagerküche, Gedenkstätte Lager Sandbostel, Eintritt 10,- Euro (nur Abendkasse)
Konzert des Robin Chapel Chor (Edinburgh, Großbritannien) mit englischen und deutschen Liedern
Die interkonfessionelle Robin Chapel wurde zum Gedenken an Lieutenant Robin Tudsbery gebaut, der am 30. April 1945 kurz vor dem Ende des Krieges gemeinsam mit zwei Kameraden in Kutenholz (LK
Stade) starb, als ihr Panzerspähwagen über eine Mine fuhr. Die Eltern errichteten ihm zu Ehren im heimischen Edinburgh die Robin Chapel. Robin Tudsbery diente während des 2. Weltkrieges eine Zeit
lang als Leibwächter der britischen Königsfamilie. Die Verbindung zum Königshaus hält bis heute und der Robin Chapel Choir sang auch während der Krönungsfeierlichkeiten für König Charles.
Begrüßung: Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Einführung: Debbie Bülau (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Musik: Robin Chapel Chor, Edinburgh
23. – 27. April 2025
“steps to remember“. Gedenkmarsch vom Denkort Bunker Valentin zur Gedenkstätte Lager Sandbostel
Kurz vor Kriegsende wurden KZ-Häftling aus Außenlagern des KZ Neuengammes im Wilhelmshavener und Bremer Raum auf einen Todesmarsch in das Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel geschickt.
1985 gab es anlässlich des 40. Jahrestag einen ersten Gedenkmarsch, 2025 wird dieser anlässlich des 80. Jahrestags wiederholt. Siehe hierzu: https://geschichte-erlaufen.de/
Ablauf:
23. April, 18.30 Uhr, Auftaktveranstaltung im Ludwig-Baumann-Saal des Gustav-Heinemann-Bürgerhaus, Vegesack
24. April 2025, 9:00 Uhr, Treffen Denkort Bunker Valentin, 10.00 Uhr, Marsch nach Hagen im Bremischen; 20.00 Uhr, Vortrag Prof. Dr. Jochen Oltmer (Universität Osnabrück): "Gewaltbedingte
Migration - Was ist das?"
25. April 2025, 10.00 Uhr Marsch nach Beverstedt; 18.00 Uhr, Lesung zu Julius Brumsack; 19.00 Uhr, Konzert mit den Bands Meilentaucher (Eystrup) und Someday Jacob (Bremen)
26. April 2025, 10.00 Uhr, Marsch nach Oerel; 19.00 Uhr, Szenische Lesung mit Musik vom Chor belCanto und den Musikerinnen Jaqueline Parada & Birgit Lackner mit „Musik aus dem
Gefangenenlager“
27. April 2025, 9.00 Uhr, Marsch nach Sandbostel
26. und 27. April 2025
Einweihung von drei Stelen zum Gedenken an den Todesmarsch in das Stalag X B Sandbostel
Seit 2022 wurden von der Gedenkstätte Lager Sandbostel 10 Betonstelen zur Erinnerung des Todesmarsches von KZ-Häftlingen von Bremen-Farge nach Sandbostel entlang der damaligen Route aufgestellt.
Im Rahmen des Gedenkmarsches „steps to remember“ werden die verbliebenen drei Stelen aufgestellt.
26. April 2025, Friedhof Volkmarst; Bahnhof Barchel (Reden: Michael Freitag-Parey, Ines Dirolf (beide Gedenkstätte Lager Sandbostel))
27. April 2025 Friedhof Oerel-Glinde (Rede: Dr. Lars Hellwinkel (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
27. April 2025, 11.00 Uhr, Bahnhof Bremervörde
Einweihung einer Informationstafel am Bahnhof Bremervörde zum Gedenken an den Todesmarsch in das Stalag X B Sandbostel
Grußwort: Günther Justen-Stahl, Stiftung Lager Sandbostel
Rede: Christoph Nagel, Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB)
27. April 2025, 15.00 Uhr, ehemalige Lagerküche, Gedenkstätte Lager Sandbostel
Abschlussveranstaltung des Gedenkmarsches „steps to remember“
Begrüßung: Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Reden: Christoph Schröder (Berufsbildende Schulen Osterholz-Scharmbeck)
Polizeidirektorin Antje Schlichtmann (Leiterin PI
Osterholz-Scharmbeck)
Daniela Behrens (Ministerin für Inneres und Sport)
Dr. Dirk Götting (Polizeiakademie Niedersachen)
Teilnehmer*innen des Gedenkmarsches
Moderation: Sara Mehnen
Musik: Holzbläserensemble des Polizeiorchesters Niedersachsen
29. April 2025, 14.00 Uhr, Gedenkstätte Lager Sandbostel, Treffpunkt Foyer im Hauptausstellungsgebäude
Öffentliche Kurzrundgänge (auf Deutsch, Französisch und Englisch)
Kurze Einführung in die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag X B Sandbostel. Besuch der Historischen Unterkunftsbaracken.
Die Teilnahme ist kostenlos. Es ist keine Anmeldung notwendig.
29. April 2025, 14.00 – 16.00 Uhr, Gedenkstätte Lager Sandbostel, Seminarraum „Kino“
Erzählcafé „Gemeinsam erinnern“ – Gesprächsrunde für junge Leute aus der Region, mit Menschen, deren Familienmitglieder in der Zeit des Nationalsozialismus im Konzentrationslager oder im
Kriegsgefangenenlager gefangen gewesen sind. Sowie jemandem, der dabei geholfen hat, das Wissen über diesen Ort am Leben zu halten und die Gedenkstätte zu gründen.
In offener und respektvoller Runde wollen wir zusammen über Geschichte, Gegenwart und Zukunft sprechen: Wurde in eurer Familie über die NS-Zeit gesprochen? Wann hast du erfahren, was mit deinem
Vater passiert ist? Warum sind Gedenkstätten wichtig? Wieso haben Sie sich für die Erinnerung an diesen Ort eingesetzt? Die Veranstaltung ist besonders für junge Leute aus der Region gedacht. Ihr
könnt zuhören aber auch eure eigenen Fragen einbringen und dabei mit unseren Gästen ins Gespräch kommen. Anmeldung bis zum 23. April: [email protected])
Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B Sandbostel
29. April 2025, 17.00 Uhr, Lagerfriedhof Sandbostel
Begrüßung: Günther Justen-Stahl (Stiftung Lager Sandbostel)
Reden: Falko Mohrs, Minister für Wissenschaft und Kultur, Hannover
Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy (Ev.-luth. Landeskirche
Hannovers)
Gedenken: Kranzniederlegung
29. April 2025, 18.00 Uhr, ehemalige Lagerküche, Gedenkstätte Lager Sandbostel
Begrüßung: Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Reden: S.E. Andrew Mitchell CMG (Berlin), Botschafter des Vereinigten Königreichs Großbritannien und
Nordirland
Ilana McCorquodale (Sydney Jewish Museum, Australien), Tochter des
als jüdischer Tscheche
verfolgten M. Engelman
Pavel Denisjuk (Dubai/Russland), Sohn eines sowjetischen
Kriegsgefangenen
Gedenken: Kranzniederlegung
06.02.2025
Projekt "Gedenksteine - Erinnern, das verbindet" (Memorial Stones - Remembering that connects)"
Das Projekt "Gedenksteine - Erinnern, das verbindet" (Memorial Stones - Remembering that connects) richtet sich an alle, die nicht persönlich an der Gedenkveranstaltung am 29. April 2025 in
Sandbostel teilnehmen können.
Für das Projekt werden Gedenksteine von Jugendlichen mit den Namen der Person erstellt, an die Sie erinnern möchten. Stellvertretend für Sie, werden wir diese gemeinsam mit jungen Freiwilligen am
80. Jahrestag auf dem Gedenkstättengelände verlegen.
Die Teilnehmenden erhalten im Anschluss an das Projekt ein Bild des Moments der Verlegung sowie ein Bild des Steins.
Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, kontaktieren Sie uns noch bis zum 15.03.2025 bitte hierüber: memorialstones(at)stiftung-lager-sandbostel.de.
Schicken Sie uns Ihren Namen, den Namen der Person, an die erinnert werden soll und alle zusätzlichen für Sie wichtigen Informationen. Fragen zu dem Projekt können Sie uns ebenfalls über diese
Mail zusenden.
29.1.2025
Würdige Gedenkveranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Etwa 60 Personen nahmen an der eindrucksvollen dreigeteilten Veranstaltung anlässlich des 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus teil.

Auf dem Lagerfriedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers erläuterte zunächst die stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Ines Dirolf, den historischen Hintergrund des Friedhofes und zeigte die Ungleichbehandlung der Kriegsgefangenen auf, die bis in den Tod reichte: Auf der einen Seite die mit einer gewissen Würde in Einzelgräbern bestatteten Kriegsgefangenen verschiedener Nationen und auf der anderen Seite die sowjetischen Kriegsgefangenen die pietätlos in Massengräbern verscharrt wurden.

Nach der Befreiung wurde der Lagerfriedhof mehrfach umgestaltet und dabei auch oberirdisch verändert. Bei aktuellen Sanierungsarbeiten an oberirdischen Grabbegrenzungen wurden direkt unter einem Fundament die Gebeine eines mutmaßlich sowjetischen Kriegsgefangenen gefunden und exhumiert. Nachdem dieser Teil des Friedhofes fertig gestellt ist, wurden nun am 27. Januar die Gebeine des unbekannten sowjetischen Soldaten in das Massengrab hinzugebettet. Stellvertretend für alle in dem Massengrab ruhenden Rotarmisten wird die Grablege mit einer Informationstafel gekennzeichnet. Die Selsinger Pastorin, Petra Lemmel, von der St. Liborius-Kirchengemeinde begleitete die Einbettung und leitete durch die religiöse Zeremonie. Musikalisch begleitete Holger Hartmann die Einbettung mit der Trompete.
Fotos: A. Ehresmann und T.Schmidt, 27.1.2025

Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fand in der Gedenkstätte Lager Sandbostel statt.
In seiner Begrüßung erläuterte der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, dass sich das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz nach der Befreiung durch Einheiten der
sowjetischen Armee am 27. Januar 1945 erinnerungskulturell zu dem herausragenden Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und zum Ort und Symbol des absoluten Tiefpunktes deutscher
Geschichte entwickelte. Der 27. Januar, so führte Ehresmann weiter aus, wird als Gedenktag zunehmend wichtiger, denn entgegen den lang gehegten vermeintlichen Gewissheiten, scheint es so, dass
wir – als Gesamtheit – nichts aus der deutschen Geschichte gelernt haben und es immer mehr Menschen gibt, die in Krisen – die es ohne Zweifel gibt – auch in unserer als so stabil gedachten
Demokratie, vermeintlich einfachen Lösungen u.a. der AfD folgen wollen. Eine Gefahr, die Ehresmann sieht, ist, dass sich die Menschen in Deutschland schnell an die kontinuierliche
Diskursverschiebung nach rechts gewöhnen und jede neue wohldosierte Steigerung oder verklausulierte rechte Volte stoisch ertragen.
Abschließend forderte der Gedenkstättenleiter, Gedenkstätten als wichtige außerschulische Lern- und Forschungsorte in ihrer Funktion ernst zu nehmen: als Orte der Bildung, des Austausches, des Aushandelns und der Demokratiebildung. Und Erinnerungskultur braucht Räume, um ins Gespräch zu kommen, um Nachdenken zu können und um Fragen stellen zu können. Dazu müssen Gedenkstätten, so der abschließende Appell Ehresmanns an Bund, Land und Kommunen, auch bei engen Haushalten, auf Dauer personell, räumlich und finanziell auskömmlich gesichert sein.

Der Landrat Marco Prietz griff in seiner Rede die Gefahren, die in dem zunehmenden Unwissen über den Holocaust und die Shoah liegen, auf und betonte, dass es wichtig sei, das Wissen um die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bewahren. Je weniger Zeitzeugen es noch gibt, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus erzählen können, desto wichtiger sind authentische Orte wie die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Zudem warnte der Landrat vor den Gefahren, die er in der schnellen Entwicklung der sozialen Medien sieht, in denen gerade junge Menschen nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können. Es sei aber wichtig, dass Menschen auch komplexe und differenzierte Informationen verstehen, um sich ein fundiertes eigens Urteil bilden zu können. Vor diesem Hintergrund, so Marco Prietz, ist politische Bildungsarbeit und die Gedenkstättenarbeit nicht hoch genug einzuschätzen.
Abschließend wurden in der Gedenkstätte die historischen Unterkunftsbaracken und zahlreiche weitere Gebäude mehrfarbig in Regenbogenfarben beleuchtet. Damit wurde ein weithin sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus gesetzt. Solche Einstellungen dürfen in der Gesellschaft keinen Platz haben. Die Gedenkstätte setzt sich für Frieden, Freiheit, Toleranz, Gleichberechtigung und Inklusion und gegen jegliche Menschenfeindlichkeit ein.
Fotos: Carsten Karstensen