Neuigkeiten Juli - Dezember 2021


16.9.2021

Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus stärken – Gedenkstättenarbeit sichern!
Presseerklärung des Verbandes der Gedenkstätten in Deutschland e.V. (VGDF) und der Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten

Anläßlich der 9. bundesweiten Gedenkstättenkonferenz in Stuttgart hat der Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. und die Arbeitsgemeinschaft  KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland eine gemeinsame Presseerklärung zur Bundestagswahl am 26. September herausgegeben.

Darin betonen die Autor:innen, dass die kommende Bundestagswahl eine Richtungsentscheidung ist, die Auswirkungen auch auf die Arbeit der Gedenkstätten an Orten der NS-Verbrechen haben wird. Der Gedenkstättenverband und die AG KZ-Gedenkstätten erwarten angesichts zahlreicher Herausforderungen, wie der aktuelle Verbreitung von antisemitischen Verschwörungslegenden und verharmlosenden NS-Vergleichen durch Pandemieleugner:innen sowie dem Erstarken von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus, dass die neue Bundesregierung ihrer Verantwortung für eine demokratische Geschichts- und Erinnerungskultur gerecht wird. Das gemeinsame Ziel, so die Verfasser:innen muss es sein, die Opfer des NS-Terrors zu würdigen und ein reflexives Geschichtsbewusstsein sowie historisches Urteilsvermögen in der Gesellschaft zu stärken.

Bedauerlicherweise, so beklagen die Autor:innen findet die Erinnerungskultur allerdings in den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien keinen angemessenen Niederschlag. Die Jüdische Allgemeine titelte in ihrer Ausgabe vom 20.08.2021 dazu „Wahlprogramme: Leerstelle Erinnern“. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sei aber grundlegend für die demokratische Selbstverständigung und muss es auch in Zukunft bleiben. Vor diesem Hintergrund hat der Gedenkstättenverband die kulturpolitischen Sprecher:innen der Bundestagsfraktionen um eine Stellungnahme zu zentralen Forderungen gebeten. Die Antworten sind veröffentlicht unter https://www.gedenkstaettenverband.de/neuigkeiten/wahlpruefsteine-bundestagswahl-2021/.


12.9.2021

Digitales Angebot zum Tag des offenen Denkmals freigeschaltet


1.9.2021

Gedenkveranstaltung anläßlich des 82. Jahrestags des deutschen Überfalls auf Polen

Am frühen Morgen des 1. Septembers 1939 eröffnete die deutsche Kriegsmarine das Feuer auf einen polnischen Stützpunkt bei Danzig. Zeitgleich bombardierten Luftwaffengeschwader die Kleinstadt Wielun. So begann das nationalsozialistische Deutschland vor 82 Jahren den Zweiten Weltkrieg, einen Krieg, der bis zu seinem Ende im Jahr 1945 mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Wir nahmen den gestrigen Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen zum Anlass, um der als Folge des Krieges von Besatzung, Gefangeneschaft und Verfolgung betroffenen Menschen zu gedenken.

Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann begrüßte die Anwesenden auf der "Kriegsgräberstätte Parnewinel" in Selsingen, dem ersten Lagerfriedhof des Stlag X B Sandbostel. Konsul Mariusz Pindel sprach ein Grußwort für das Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg. Jan Dohrmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel) nahm eine historische Einordnung der Ereignisse um den 1. September 1939 vor und betonte darin die globale Dimension des deutschen Überfalls auf Polen. Anschließend verlas Mika Schoolmann Auszüge aus dem Tagebuch von Cecylia Jordan-Rowadowska, die 1944 im Warschauer Aufstand kämpfte und daraufhin als Kriegsgefangene in das Stalag X B kam. Die Gedenkveranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung. Musikalisch Begleitet wurde die Veranstaltung von Christian Sutter an der Gitarre.


26.8.2021

"Echo der Hölle - Stalag X B". Bewegende Vernissage des Bildzyklus von Tetjus Tügel jr.

Blick in die Ausstellung. Foto: A. Ehresmann, 2021
Blick in die Ausstellung. Foto: A. Ehresmann, 2021

Rund 30 Personen - Freunde und Weggefährten und Kulturinteressierte - kamen zu der Vernissage des Bildzyklus "Echo der Hölle - Stalag X B" von Tetjus Tügel jr. in den Bernard Le Godais-Saal in die Gedenkstätte Lager Sandbostel. 20 Jahre nach der Enstehung und 19 Jahre der ersten und bis dato einzigen Präsentation in der Region Sandbostel konnten die 35 teils großformatigen und teils DIN A4-großen Bilder erstmals am historischen Lagerstandort präsentiert werden. In dem Zyklus hat Tejus Tügel 2001 seine Gefühle und Gedanken verarbeitet, die er nach der Lektüre des Buches zum Stalag X B Sandbostel von Werner Borgsen und Klaus Volland hatte.

Tetjus Tügel (1950-2018) bei der Entstehung des Bildzyklus. Foto: Ada Leddin, 2001
Tetjus Tügel (1950-2018) bei der Entstehung des Bildzyklus. Foto: Ada Leddin, 2001

Bereits vor zwei Jahren hatte Klaus Volland die Initiative ergriffen, die eindrucksvollen Bilder in der Gedenkstätte zu zeigen. Aufgrund der Corona-Pandemie sollte sich die Präsentation aber bis zum vergangenen Donnerstag verzögern.

Unter Beteiligung der Lebensgefährtin des 2018 verstorbenen Künstlers, Ada Leddin - die auch für die Hängung der Bilder in der ehem. katholischen Kirche verantwortlich zeichnet - führte Klaus Volland einfühlsam in den Bildzyklus ein und erinnerte an den in der Region bekannten und geschätzen "Malerpoeten" Tetjus Tügel.

Auch Ada Leddin erinnerte sehr warmherzig an ihren Lebensgefährten und betonte, dass es sich bei der Präsentation um die erste Ausstellung nach dem Tod Tetjus Tügels handelt.

 

„Das Echo der Hölle: Stalag X B“. Gemäldezyklus von Tetjus Tügel jr.

26. August bis zum 31. Oktober 2021, Bernard Le Godais-Saal, Greftstraße 3, 27446 Sandbostel

Eindrücke von der Vernissage. Fotos: J Dohrmann, A. Ehresmann, 2021


10.8.2021

„Historymaker“ – Wer bin ich? Ein Seminar zur Frage nach den Wurzeln der Identität

Was macht einen Menschen unverwechselbar und prägt die eigene Identität? Dieser Frage geht ein Seminar nach, das vom 20.- 24. September 2021 im Evangelischen Bildungszentrum Bad Bederkesa in Kooperation mit der Gedenkstätte Lager Sandbostel stattfindet.

„Im Mittelpunkt steht die lebenslang bedeutsame Frage nach der eigenen Identität“, sagt Pastor Jens Monsees, Pädagogischer Mitarbeiter im Bildungszentrum. „Viele fragen sich, wer sie sind, wer sie gerne sein möchten und werden sich ihrer eigenen Lebensgeschichte bewusst. Was macht mich als Person einzigartig und unverwechselbar?“
Unter dem Titel „Historymaker“ soll an der eigenen Lebensgeschichte gearbeitet und geschrieben werden. „Dazu gehört auch die Fremdwahrnehmung durch das eigene und das gesellschaftliche Umfeld, wie auch die jeweilige regionale und überregionale Geschichte“, ergänzt Michael Freitag-Parey. Der Diakon, der gleichzeitig auch Theater- und Friedenspädagoge ist, arbeitet an der „Gedenkstätte Lager Sandbostel“ bei Bremervörde. Gemeinsam mit Monsees leitet er das Seminar, das als Bildungsurlaub ausgeschrieben ist.
Wo komme ich her und was hat mich geprägt? Wer sind die anderen neben mir und welchen Einfluss haben Geschichte und Gesellschaft meines Landes? Wie werde ich zum ›Historymaker‹ meines Lebens – wie also kann ich meine eigene Geschichte schreiben, allein und mit anderen? Und wie kann das gesellschaftliche Miteinander unterschiedlicher Identitäten in gegenseitigem Respekt und ohne Ausgrenzung gelingen?
Neben diesen Fragen wird es, so die Veranstalter, auch um den religiösen Aspekt gehen. „In der jüdisch-christlichen Tradition ist grundlegend, dass menschliche Identität sich nur im Verhältnis zu Gott bestimmen lässt“, so Monsees. Einen besonderen Akzent erhält das Seminar durch die Auseinandersetzung mit Biografien und Identitäten aus der Geschichte der „Gedenkstätte Lager Sandbostel“ und die Arbeit an diesem besonderen Lernort der Region.

Weitere Informationen unter www.stiftung-lager-sandbostel.de und www.ev-bildungszentrum.de. Anmeldung unter info@ev-bildungszentrum.de.


10.8.2021

Neues Veranstaltungsprogramm erschienen


28.7.2021

Wischnewski-Fotos aus Sandbostel in der Großen Kunstschau Worpswede

Wir freuen uns sehr, dass sieben Fotografien des Worpsweder Bildhauer und Fotograf Jost Wischnewski aus seinem Zyklus „Stalag XB 2015-2017“ im Rahmen der Sonderausstellung "WIR. Bilder für eine neue Kunst des Zusammenlebens" in der Großen Kunstschau Worpswede gezeigt werden.

Der Fotograf Jost Wischnewski begleitete von 2015 bis 2018 die Aufräumarbeiten auf dem kurz zuvor zusätzlich erworbenen Areal der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Mit einem Gespür für die auratische Stimmung jedes kleinen Winkels erforschte er die verfallenen Gebäude und das Außengelände. Immer wieder fand er dort Motive, in denen die Vergangenheit dieses Ortes durch Relikte der Zeitgeschichte nachvollziehbar werden. Ein kurzer Zeitabschnitt der Vergangenheit ist für die Zukunft gesichert.

Die 7 in Worpswede gezeigten Fotografien sind Bestandteil eines umfassenden Kataloges mit Fotografien der Aufräum- und Umgestaltungsmaßnahmen von Jost Wischnewski. Der 128 Seiten starke Katalog ist in Worpswede und in der Gedenkstätte erhältlich.

Jost Wischnewski
STALAG XB, 2016/17
7 Fotografien
(1x 60 x 80 cm / 2x 50 x 70 cm / 3x 40 x 50 cm / 1x 30 x 40 cm)
Fine-Art-Print auf auf Sihl Baryta Paper auf Forex kaschiert, Rahmenleiste schwarz.

Zu dem Werk:

Die sieben Fotografien stammen aus dem gleichnamigen Werkkomplex, den der Worpsweder Künstler Jost Wischnewski in den Jahren 2016 und 2017 im ›Lager Sandbostel‹ fotografiert hat. Wischnewski beschäftigt sich also mit einem nicht weit von Worpswede gelegenen, vielschichtigen Memorialort deutscher Geschichte. Sicherlich ein Teil, der unleugbar zu unserer Landschaft gehört, der aber so gar nicht im Bewusstsein der Worpsweder*innen bzw. der ‚klassischen‘ Worpswede-Besucher_innen präsent ist. Der Ankauf wird es ermöglichen, in den Sammlungsräumen zum Thema ›Landschaft‹ einen weiteren produktiven, zum Nachdenken anregenden Widerhaken zu setzen.

Die Sonderausstellung Stalag X B 2015-2017 ist in digitaler Aufbereitung hier zu sehen.