Neuigkeiten 2019


15.2.2019
Italienische Überlebendenverbände ANED und ANEI besuchen die Gedenkstätte
Erstmals kamen die beiden Italienischen Verbände Associazione Nazionale Ex Deportati Nei Campi Nazisti (ANED) und Associazione Nazionale Ex Internati (ANEI) im Rahmen ihrer Viaggio della memoria (Gedenkreise) auch in die Gedenkstätte Lager Sandbostel.

In Sandbostel wurden die 84 Italienerinnen und Italiener aus den beiden Verbänden, darunter viele junge Menschen, von dem Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, begrüßt. In seiner Begrüßung betonte der Leiter die große Bedeutung dieser erstmaligen gemeinsamen Reise der beiden Verbände nach Deutschland und Sandbostel. Andreas Ehresmann führte aus, dass das Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel gemeinsam mit dem Zweiglager Wietzendorf eines der größten Verteillager von Italienischen Militärinternierten (IMI) war, die am 8. September 1943, nach der Kapitulation Italiens, in Gefangenschaft gerieten. 67.000 IMIs wurden in Sandbostel und Wietzendorf registriert und zügig in Arbeitskommandos im gesamten Elbe-Weser-Dreieck überstellt.

Einer von ihnen war beispielsweise der Italienische Offizier Michele Montagano. Gemeinsam mit 213 anderen Offizieren verweigerte er aber (wie viele andere auch) den Arbeitseinsatz auf einem Fliegerhorst. Nach einer Schein-Erschießung wurden die italienischen Soldaten zur Strafe in das Arbeitserziehungslager Unterlüß der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) eingewiesen. In Unterlüß waren Misshandlungen und Schwerstarbeit an der Tagesordnung und die Bedingungen ähnlich wie in einem Konzentrationslager. Im April 1945 wurde Michele Montagano befreit. Wir freuen uns sehr, dass Michele Montagano, der seit 1952 Mitglied der ANEI ist und lange Jahre der Vizepräsident der Associazione Nazionale Reduci dalla Prigionia (Nationale Vereinigung der Heimkehrer aus der Gefangenschaft) war, an der diesjährigen Befreiungsfeier des Stalag X B am 29. April teilnehmen und zu den Besucherinnen und Besuchern sprechen wird.

In Sandbostel wurde von der Lagerleitung ein System aus Schikanen und Strafen aufgebaut, um die Italienischen Offiziere zur Arbeit zu bewegen. So wurden zum Beispiel die Nahrungsmittel bewusst und völkerrechtswidrig stark reduziert. Im Kriegsgefangenenlager Sandbostel sind 173 italienische Soldaten gestorben und zunächst auf dem Lagerfriedhof in Sandbostel bestattet worden. Später sind die Gebeine exhumiert und auf den zentralen italienischen Ehrenfriedhof in Hamburg-Öjendorf umgebettet worden.
Nach der Einführung in die Geschichte des Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel erkundeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Viaggio della memoria eigenständig die historischen Lagergebäude und die beiden Ausstellungen in der Gedenkstätte. Die Vertreterinnen und Vertreter der beiden italienischen Überlebendenverbände zeigten sich sehr angetan von der Qualität und ausführlichen Darstellung der Geschichte des Stalag X B und versprachen, dass die Verbände wiederkommen werden. Gemeinsam gab es erste Überlegungen gedenkstättenpädagogische Projekte für Jugendliche zu entwickeln.


4.2.2019
Archäologische „Bodenfunde“ nach 15 Jahren der Gedenkstätte übergeben

Ein kurzer Telefonanruf in der Gedenkstätte Lager Sandbostel hat nach 15 Jahren zu einer überraschenden Postsendung mit zahlreichen archäologischen Fundstücken geführt.

Dabei handelt es sich um zwei Pappkartons mit Metallfundstücken, die vermutlich aus Metallsondengängen stammen. Der größte Teil der Objekte sind Kriegsgefangenenmarken, die auf einem heutigen Acker im Bereich der ehemaligen Lagerverwaltung 2004 gefunden wurden. Der damalige Sammler, ein promovierter Archäologe, hatte die Objekte bei sich im heimischen Keller eingelagert. Jahre nach seinem Tod 2011 hat nun die Ehefrau den Keller ausgeräumt. Erfreulicherweise sind die beiden Kartons mit den verrosteten Funden dabei nicht entsorgt worden, sondern an die Gedenkstätte – die dafür zuständige Stelle – übersandt worden.

Nichts desto trotz muss kritisch konstatiert werden, dass durch den unbedarften und erstaunlich laienhaften Umgang mit den Funden viel von der Substanz zerstört wurde. Rost und Aluminiumfraß hat an den 15 Jahre in Plastikfundbeuteln lagernden Stücken deutliche Spuren hinterlassen und insbesondere viele der fast 100 Kriegsgefangenenmarken, die bei zeitnaher und adäquater konservatorischer Behandlung, noch hätten lesbar gemacht werden können, sind für immer verloren.

Es freut uns sehr, dass diese bedeutenden archäologischen Fundstücken nun der Gedenkstätte übergeben wurden. Aber insbesondere diese Übergabe und der teils desolate Zustand der Kriegsgefangenenmarken zeigt auch, was mit solchen „Bodenfunden“ passiert, wenn sie unbearbeitet und laienhaft aufbewahrt werden. Die Substanz leidet massiv, sei es durch Rost, sei es durch Aluminiumfraß. Wir möchten hiermit alle motivieren, solche „Bodenfunde“ an die geeigneten Stellen zu übergeben, bevor die Informationen die den Funden inne ruhen verloren gehen.

 

Hintergrund: Das Suchen nach historischen Funden unter Einsatz einer Metallsonde, auch „sondeln“ genannt, ist ein beliebtes Hobby. Dabei wird mit einem Metalldetektor nach Gegenständen aus Metall im Boden gesucht.
In Niedersachsen und somit auch im Landkreis Rotenburg (Wümme) und auf den Äckern um die Gedenkstätte herum, bedarf das Sondengehen einer denkmalrechtlichen Genehmigung durch die Kreisarchäologie! Die Sondengänger erhalten dann die Genehmigung der so genannten „Nachsuche“ für ein begrenztes Gebiet, in dem dann bis in eine Tiefe von maximal 30 cm nach Metallgegenständen gesucht werden darf.
Die Gedenkstätte Lager Sandbostel arbeitet mit den ausgebildeten, ehrenamtlichen und für das ehemalige Lagerareal zugelassenen Sondengängern eng zusammen.


29.1.2019

save the date - 29.4.2019

Gedenkveranstaltung zum 74. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B Sandbostel

Die Veranstaltung beginnt am Montag den 29. April 2019 um 16.00 Uhr auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der heutigen Kriegräberstätte Sandbostel (Beverner Str. in 27446 Sandbostel). Um 17.30 Uhr wird die Veranstaltung in der ehemaligen Lagerküche in der Gedenkstätte fortgesetzt. Enden wird die Veranstaltung um 19.00 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche.
Wir möchten Sie herzlich einladen an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Das genaue Programm wird noch gesondert bekannt gegeben.


28.1.2019

Übergabe von Archiv-Funden aus Sandbostel zu toten sowjetischen Kriegsgefangenen aus Kiel anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus

Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar hat der Verein Mahnmal Kilian heute auf dem Kieler Nordfriedhof Aktenmaterial zu 31 ehemaligen russischen kriegsgefangenen Zwangsarbeitern an die Friedhofsleitung und das Kieler Stadtarchiv übergeben. Die Toten sind seit 1949 anonym auf diesem Friedhof bestattet, nachdem sie bei einem Bombenangriff auf die Kieler Werften und ihr Barackenlager am 23. Juli 1944 umgekommen waren, weil sie als Russen keine Bunker aufsuchen durften. Damit kann nun zumindest einigen der insgesamt 209 dort bestatteten russischen/sowjetischen Bürgerinnen und Bürgern endlich ein Name zugeordnet werden.
Zu der symbolischen Übergabe mit einigen der jetzt bekannten Portraitfotos und Personalkarten waren zahlreiche MedienvertreterInnen erschienen. Neben der Friedhofsleitung mit Frank Wunder waren Johannes Rosenplänter vom Kieler Stadtarchiv und der Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft Kiel, Hans-Friedrich Möller anwesend. Für den Verein Mahnmal Kilian waren der Historiker Dr. Lars Hellwinkel, die Mitarbeiterin des Kriegszeugenprojekts Anja Manleitner sowie Dr. Henning Repetzky und Dr. Jens Rönnau vom Vorstand gekommen. Hellwinkel und Rönnau erläuterten die Hintergründe sowie Überlegungen, wie man auch in der Bildungsarbeit mit dem gefundenen Material umgehen könnte.

Die Archivfunde waren im Zuge von Recherchen des Vereins Mahnmal Kilian zur Geschichte des von ihm als Erinnerungsort betriebenen Flandernbunkers in der Gedenkstätte Stiftung Lager Sandbostel aufgetaucht. Dort war es dem Historiker Dr. Lars Hellwinkel, Mitglied im Verein Mahnmal Kilian, gelungen, die Namen von 31 der insgesamt 209 anonym Bestatteten im Archiv  aufzuspüren. Er arbeitet in dieser niedersächsischen Gedenkstätte bei Bremervörde, wo sich einst das Stalag XB befand. Von dort aus wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen von der Wehrmacht zum Arbeitseinsatz im damaligen Wehrkreis X gezwungen, zu dem auch das heutige Bundesland Schleswig-Holstein gehörte. Viele von ihnen wurden auch in Kiel in der Rüstungsindustrie und im Bunkerbau eingesetzt, wo sie unter anderem zum Bau der U-Bootbunker eingesetzt wurden. Sie hausten im Barackenlager am Speckenweg in Kiel- Dietrichsdorf. Bei einem Bombenangriff am 23.Juli 1944 kamen dort 98 sowjetische Soldaten um, weil sie nicht in den schützenden Bunker des Lagers durften. Sie wurden zunächst in einem Massengrab am Speckenweg bestattet, dann 1949 auf den Nordfriedhof umgebettet, wo es bislang nur eine namenlose Grabstätte gibt.
Die gefundene Verlustliste der Marinebaubereitschaftsabteilung, bei der die Kriegsgefangenen eingesetzt waren, ermöglicht nun einem Teil dieser Opfer des Zweiten Weltkrieges in Kiel ihre Namen wiederzugeben. Zu 20 von ihnen konnten inzwischen sogar die Personalkarten gefunden werden und mit ihnen meist auch Portraitfotos samt Gefangenennummer, die in den Lagern aufgenommen worden waren.
Das bislang aufgefundene Aktenmaterial wurde heute ebenfalls an die Friedhofsverwaltung, das Kieler Stadtarchiv übermittelt. Mit der Übergabe möchte der Verein Mahnmal Kilian deutlich machen, dass zum Thema Zwangsarbeit in Kiel noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Insbesondere aber sollen die bislang unbekannten Opfer nach über 70 Jahren der Anonymität entrissen werden.

Personalkartenfoto mit zugehöriger Personalkarte von Fjodor Grinjow, sowjetischer Soldat und gelernter Landarbeiter. Er hält eine Tafel mit seiner Personalnummer und der Bezeichnung XB für das Stammlager Sandbostel. Fjodor Grinjow wurde am 20. Juni 1920 geboren und starb bei dem Bombenangriff auf die Kieler Werften mit dem Zwangsarbeitslager am 23. Juli 1944 im Alter von 24 Jahren


23.1.2019

Delegation aus der Gedenkstätte Sandbostel bei Jugend-Dialog-Veranstaltung im nds. Landtag

Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta vor den Jugendlichen, Begleitpersonen und Vertretern aus Politik und Gedenkstätten nach der Präsentation der Ergebnisse
Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta vor den Jugendlichen, Begleitpersonen und Vertretern aus Politik und Gedenkstätten nach der Präsentation der Ergebnisse

Am 21. Januar 2019 fand im Niedersächsischen Landtag eine Jugend-Dialog-Veranstaltung zum Thema „Wie erinnern wir in Zukunft?“ statt. Der Einladung von Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta folgten zahlreiche Schulen, Gedenkstätten und Initiativen, sodass sich insgesamt 60 Jugendliche aus ganz Niedersachsen auf den Weg nach Hannover machten.
Eingeführt und moderiert wurde die Begegnung von Prof. Dr. Dietmar von Reeken, Professor für Geschichtsdidaktik an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. In der anschließenden Gruppenarbeitsphase bekamen die Jugendlichen die Gelegenheit, sich intensiv über die von Herrn von Reeken gestellten Impulsfragen auszutauschen: Wie können Gedenkstätten Jugendliche motivieren, sich in der Erinnerungsarbeit zu engagieren? Wie soll Erinnern und Gedenken in der Zukunft aussehen, gerade wenn in naher Zukunft keine Zeitzeugen mehr befragt werden können? Welche Rahmenbedingungen braucht es hierfür?

Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta vor den Jugendlichen und Begleitpersonen im Plenarsaal des Landtagsgebäudes
Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta vor den Jugendlichen und Begleitpersonen im Plenarsaal des Landtagsgebäudes

Mit diesen Fragen haben sich auch Manuel van Gerrisheim, Wiebke Meyer, Mattes Neumann, Jenny Söhl und Maarten Tomforde vom Gymnasium Bremervörde beschäftigt. Sie wurden begleitet von Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey, FSJlerin Marie-Claire Müller und den beiden studentischen Mitarbeitern Nele Eilers und Jan Dohrmann von der Gedenkstätte Lager Sandbostel.
Der Präsentation der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen wohnten auch Kultusminister Grant-Hendrik Tonne und Abgeordnete der Landtagsfraktionen bei. Zum Abschluss der Veranstaltung führte Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta die Jugendlichen durch den Plenarsaal des Landtagsgebäudes und beendete so einen interessanten und informativen Begegnungstag in Hannover.


22.1.2019

NACHVORNEDENKEN. Jugend-Workshop-Tag zu Themen der Friedens- und Gedenkstättenarbeit

Foto: www.eilersfoto.de, Layout: Manuel Völker
Foto: www.eilersfoto.de, Layout: Manuel Völker

nach vorne denken... das klingt einfacher gesagt, als getan. Welche Themen müssen in der Friedens- und Gedenkstättenarbeit angeboten werden? Historisch-politische Bildungsarbeit, Menschenrechtserziehung, Antirassismusarbeit, Fragen der Vermittlung des Geschehenen, Fragen nach dem Wie von Gedenken und Erinnern. Aber welche Ansätze und Methoden eignen sich? Was ist der richtige Umgang mit diesen Themen? Und wie wird diese wichtige Arbeit in Zukunft aussehen? Zum Beispiel im Jahre 2045, wenn sich das Ende des 2. Weltkrieges zum 100. Mal jährt? Und welche Rolle spiele ich selbst beim Beantworten dieser Frage? Was ist meine Verantwortung? Wo sehe ich meine Aufgabe? Wir stellen uns diesen Fragen auch vor dem Hintergrund eines Europas, das politisch stark nach rechts rückt und rechtspopulistische Parteien die Gedenk- und Erinnerungskultur hier und anderswo in Frage stellen.

Auf Grundlage dieser Fragen bieten wir Workshops an, in denen wir nach vorne denken und Antworten suchen wollen. Gemeinsam mit euch und einer Reihe von Referent*innen aus der Friedens- und Gedenkstättenarbeit.

 

Workshops (Liste wird ergänzt):

  • Dr. Marcus Meyer (Denkort Bunker Valentin): Ey, was geht mich das an?“ – Gedenkstättenpädagogik auf Augenhöhe
  • Dr. Iris Groschek (KZ-Gedenkstätte Neuengamme): „I´m famous y´all“ - Instagram, Youtube, Snapchat an KZ-Gedenkstätten
  • Gesa Lonnemann (CVJM Niedersachsen): Tba.
  • Dr. Lars Hellwinkel (Gedenkstätte Lager Sandbostel): Tba.
  • Michael Freitag-Parey (Gedenkstätte Lager Sandbostel): Tba.
  • Gerd Meyer: Tba.

Alle Infos auf einen Blick:

  • Zielgruppe: junge Leute ab 16 Jahren
  • An- und Abreise: Selbstständig bis bzw. von Bremervörde (z.B. S-Bahn und Regionalbahn ab Hamburg) oder Zeven (z.B. Regionalbus 630 ab Bremen); von bzw. bis dort bieten wir einen Shuttle in die Gedenkstätte an
  • Verpflegung: Wir kümmern uns um Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen
  • Kosten: Es wird keine Teilnahmegebühr erhoben
  • Barrierefreiheit: Der Veranstaltungsort ist für Personen im Rollstuhl zugänglich

Anmeldung bitte per Email an: m-c.mueller(at)stiftung-lager-sandbostel.de

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15.1.2019

Neues Veranstaltungsprogramm Januar bis Juni 2019 erschienen