Neuigkeiten 2017


24.11.2017
Jugendliche der Jugendbauhütte Stade unterstützen die Gedenkstätte
In den letzten zwei Wochen hat bereits der dritte Jahrgang der Mobilen Einsatztruppe (MOB) der Jugendbauhütte Stade geholfen die Gedenkstätte ganz praktisch bei Aufräum- und Gestaltungsarbeiten zu unterstützen.

Cara Schöpe, Paul Holzer und Vincent Güdde aus Deutschland und Anastasiia Stiekhina aus der Ukraine haben in der ersten Woche eine der massiven Unterkunftsbaracken ausgeräumt. Schutt und eingestürzte Bauteile wurden entsorgt. Dadurch ist nun ein weiterer Teil eines der historischen Lagergebäude als Ruinenstruktur begehbar. Mit diesem Projekt setzen die vier Jugendlichen die Arbeit ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger fort. Seit 2016 wurde so durch die Jugendlichen bereits eine andere Steinbaracke freigeräumt.
In der zweiten Woche haben die Jugendlichen der MOB dann ein großes zweiteiliges Rolltor aus Holz nachgebaut. Dadurch kann nun eine Garage, die in der Nachkriegszeit in einen Flügel der ehemaligen Lagerküche eingebaut wurde, durch die Gedenkstätte genutzt werden.

Von links: Anastasiia Stiekhina, Cara Schöpe, Detlef Cordes (Stiftung Lager Sandbostel), Vincent Güdde, Paul Holzer, Andreas Ehresmann (Stiftung Lager Sandbostel) und Eva Pfennig (Jugendbauhütte Stade)
Von links: Anastasiia Stiekhina, Cara Schöpe, Detlef Cordes (Stiftung Lager Sandbostel), Vincent Güdde, Paul Holzer, Andreas Ehresmann (Stiftung Lager Sandbostel) und Eva Pfennig (Jugendbauhütte Stade)

Hintergrund: Die Jugendbauhütte Stade wurde 2009 gegründet und ist heute eine von 13 Jugendbauhütten bundesweit, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz initiiert und gefördert werden. Jugendliche können dort ihr freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege (FSJ Denkmalpflege) absolvieren und dabei in einer Mischung aus traditionellem Handwerk und Baukultur, Denkmalpflege, Archäologie und Gemeinschaftsleben Erfahrungen gewinnen. Zudem werden durch die Jugendlichen kleine und allzu häufig finanzschwache Kultureinrichtungen, Museen oder Vereine bei dem Erhalt von bedeutenden Kulturgütern unterstützt. Sandbostel konnte seit 2016 nun schon den dritten Jahrgang begrüßen, die die Gedenkstätte ganz konkret und praktisch bei Aufräum-, Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen unterstützten. Der nächste Einsatz wurde schon wieder für das Frühjahr 2018 vereinbart.
Eine Besonderheit der Jugendbauhütte Stade ist die „Mobile Interkulturelle Einsatztruppe“, bei der bis zu sechs Jugendliche (drei Frauen und drei Männer sowie drei Deutsche und drei aus dem Ausland) bei den Einsatzstellen vor Ort untergebracht werden und diese über einen kürzeren Zeitraum unterstützen.

Kontakt: Jugendbauhütte im Landkreis Stade, Schloss Agathenburg, Hauptstraße, 21684 Agathenburg


15.10.2107

Gemeinsam viel geschafft

Mit viel Energie und Elan haben 18 Freiwillige und ehrenamtlich Engagierte am Samstag erneut die Gedenkstätte unterstützt, das Gedenkstättengelände aufgeräumt und gestaltet. Unter ihnen auch fünf ehemalige Soldaten der Bundeswehrkameradschaft Zeven.

Am fünften ehrenamtlichen Arbeitstag in diesem Jahr wurde unter anderem die vor kurzem erstmals bei einem Vortrag genutzte ehemalige katholische Kirche grundgereinigt. Ein großer gespendeter Heizkörper wurde schon vor wenigen Tagen eingebaut.

Die freigelegte Bodenplatte des historischen französischen Sakalraums und weitere ebenfalls freigelegte Zugänge zu ehemaligen Lagergebäuden wurden von Wildkraut befreit und abgeflammt. In dem zweiten Ausstellungsgebäude, der CVJM-Baracke wurde ein schon vor längerer Zeit von Jugendlichen sanierter Raum elektrifiziert und mit Beleuchtung versehen. Somit kann dieser Raum nun als weiterer Seminarraum auf dem Gedenkstättengelände genutzt werden. Das sichtbarste Ergebnis des Arbeitstages ist sicherlich der demontierte alte Baustahlmattenzaun des Vorbesitzers. Dadurch ist nun umlaufend nur noch der zurückhaltende 1,20 m hohe Gedenkstättenzaun als Begrenzung vorhanden. In den Gebäuden wurden stellenweise Verdunkelungen angebracht und auf dem Lagergelände die Triebe an zahlreichen Stubben entfernt. Dadurch können diese jetzt ohne Probleme gefräst werden.

Der nächste ehrenamtliche Arbeitstag (und letzte in diesem Jahr) findet am Samstag den 11. November von 9.00 bis 15.00 Uhr statt.

Sie sind herzlich eingeladen dabei zu sein und die Gedenkstätten an diesem Tag ganz praktisch beispielsweise beim Aufräumen und der Geländegestaltung zu unterstützen.

Fachwissen und Arbeitsgerät ist nicht notwendig. Für die Verpflegung ist gesorgt.

 

Eindrücke von dem Arbeitstag:


29.9.2017

KZ-Gedenkstätten befürchten schweren Schaden für die Erinnerungskultur
Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland

(Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mittelbau-Dora, Neuengamme, Ravensbrück und Sachsenhausen) zur Diskussion um einen drohenden AfD-Vorsitz im Kulturausschuss des Bundestags.

Vor dem Hintergrund von Meldungen zur Frage eines möglichen AfD-Vorsitzes im Kulturausschuss unterstützt die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten, in der die Leiterinnen und Leiter der vom Bund institutionell geförderten Gedenkstätten Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mittelbau-Dora, Neuengamme, Ravensbrück und Sachsenhausen zusammengeschlossen sind, die parteiübergreifende Initiative von Kulturschaffenden, die sich mit einem „Offenen Brief– Für Freiheit und Vielfalt in Kunst und Kultur!“ an den Ältestenrat des Bundestages gewandt haben (www.kulturausschuss-schuetzen.de)
Die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten teilt die Sorge, dass bei Übernahme des Vorsitzes im Ausschuss für Kultur und Medien durch einen Vertreter der AfD-Fraktion im In- und Ausland beträchtlicher Schaden für die in einem langen Prozess der gesellschaftlichen Verständigung entwickelte bundesdeutsche Erinnerungskultur droht. Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des demokratischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird von maßgeblichen Funktionsträgern der AfD infrage gestellt. Es darf nicht zugelassen werden, dass die parlamentarische Stimme bundesdeutscher Kulturpolitik in den Händen jener liegt, die eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ fordern, sich zum Stolz auf „die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ bekennen und erklären, dass man den Deutschen „diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten“ müsse.

Die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten fordert deshalb die Fraktionen im Deutschen Bundestag, die sich der Freiheit der Kultur und dem Gedenken an die Opfer des NS-Regimes verpflichtet wissen, dazu auf, durch die Geltendmachung ihrer Zugriffsrechte die Übernahme des Ausschussvorsitzes durch die AfD-Fraktion zu verhindern.

 

Berlin, den 29. September 2017

Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland
Dr. Insa Eschebach, Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück
Dr. Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau
Dr. Stefan Hördler, Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Ge-denkstätte und Museum Sachsenhausen
Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Buchenwald-Dora
Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten
Geschäftsführung:
Dr. Thomas Lutz, Gedenkstättenreferat
Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Tel.: 030-254509-15; lutz@topographie.de


27.9.2017

Georges Ville im Alter von 102 Jahren verstorben

Leider müssen wir mitteilen, dass der ehemalige französische Kriegsgefangene Georges Ville kurz vor seinem 103. Geburtstag am 9. September 2017 in Paris gestorben ist.

Georges Ville (zweiter von links) in der Rolle des Hamlet. Foto: nicht bekannt, 1944. Privatbesitz G. Ville, Paris
Georges Ville (zweiter von links) in der Rolle des Hamlet. Foto: nicht bekannt, 1944. Privatbesitz G. Ville, Paris

Georges Ville war von 1942 bis 1945 als französischen Kriegsgefangener im Stalag X B Sandbostel. Hier betätige er sich als Dolmetscher und als Redakteur der französischen Lagerzeitung „Servir“. Vielen ehemaligen Kriegsgefangenen war Georges Ville aber vor allem als Schauspieler in der französischen Theatergruppe „L’Equipe“ bekannt, bei der er während seiner gesamten Gefangenschaft als Schauspieler aktiv war. Herausragend war 1944 seine Verkörperung des Hamlets in dem gleichnamigen Stücke von William Shakespeare. Das Stück war so erfolgreich, dass es mehrmals auch in den Arbeitskommandos wiederholt wurde.

Georges Ville 2011 in Paris. Foto: Dörthe Engels, 2011. Gedenkstätte Lager Sandbostel
Georges Ville 2011 in Paris. Foto: Dörthe Engels, 2011. Gedenkstätte Lager Sandbostel

Georges Ville wurde nach seiner Rückkehr nach Frankreich Deutschlehrer. 1981 besuchte er Bremervörde und traf sich hier mit hier Ludwig Meyer, in dessen ehemaliger Druckerei neben Stalag-Formularen auch die Lagerzeitung gedruckt wurde.
Im Jahr 2011 konnte Dörthe Engels Georges Ville noch einmal in Paris interviewen. Seine Aussagen flossen in die Neugestaltung der Dauerausstellung zur Geschichte des Stalag X B Sandbostel ein.


28.8.2017
HASOWEH. Kunstinstallation von Ursula Dietze an Gedenkstätte übergeben

HASOWEH. Hommage an Herta Müller und alle die den Hunger überleben wollten. Foto: A. Ehresmann, 28.8.2017
HASOWEH. Hommage an Herta Müller und alle die den Hunger überleben wollten. Foto: A. Ehresmann, 28.8.2017

Im Beisein des Geschichts-Projektkurs „Denkmale“ der 12. Klasse der Berufsbildenden Schulen (BBS) Bremervörde unter der Leitung des Lehrers Daniel Christian Graack hat die Künstlerin Ursula Dietze am 28. August ihre Installation „HASOWEH. Hommage an Herta Müller und alle die den Hunger überleben wollten“ der Gedenkstätte Lager Sandbostel übergeben.
Die eindrucksvolle Installation wird nun dauerhaft in einem Raum der ehemaligen Lagerküche A präsentiert.
Die Arbeiten der Künstlerin Ursula Dietze sind narrativ - erzählend. Sie wollen durch die künstlerische Interpretation eines Themas erweiterte Sichtweisen anbieten.
In dieser Arbeit wurden in Mixed Media Technik Keramik, Fundstücke aus rostendem Metall, Eisenblech und Eisenrohr zusammen gefügt. Wesentlicher Teil der Gestaltung sind, auf die Keramik übertragene und eingebrannte Fotokopien von Fotos Hunger leidender Menschen. Ergänzt wird der Tisch mit den sieben verrosteten Essschalen in der Sandbosteler Präsentation durch einen an der Wand angebrachten „silbernen“ Teller mit Besteck, als Synonym für die Täter. Mit diesem Kontrast Rost-Silber / Opfer-Täter soll die Ungleichbehandlung und das Unterdrückungsverhältnis im Kriegsgefangenenlager symbolisiert werden.

Eindrücke von der Übergabe:


25.8.2017

Raymond Gourlin im Alter von 92 Jahren verstorben

Mit Bestürzung müssen wir mitteilen, dass in der Nacht zum 19. August 2017 der ehemalige französische KZ-Häftling Raymond Gourlin im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Raymond Gourlin, 24.1.1925 - 19.8.2017
Raymond Gourlin, 24.1.1925 - 19.8.2017

Raymond Gourlin wurde am 24.1.1925 in Chaumont im französischen Département Haute-Marne geboren. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie schloss sich der 19jährige Raymond gemeinsam mit seinem Bruder dem Maquis an und kämpfte gegen die deutsche Besatzung. 1944 wurde er verhaftet und in das KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. Raymond Gourlin musste in einem Außenlager in Wilhelmshaven Zwangsarbeit leisten. Nach der Bombardierung des Wilhelmshavener Lagers wurde er zusammen mit 400 weiteren Häftlingen auf einen Todesmarsch über hunderte Kilometer geschickt. Am 18. April 1945 gelangte Raymond Gourlin mit dem Transport in das Kriegsgefangenenlager (Stalag) X B Sandbostel, in das kurz vor Kriegsende insgesamt etwa 9.500 KZ-Häftlinge gebracht wurden. Wenige Tage später wurden die noch marschfähigen KZ-Häftling, unter ihnen Raymond Gourlin, erneut in Bewegung gesetzt und über Stade in Richtung Flensburg deportiert. Hier gelang ihm am 3. Mai 1945 die Flucht.

Raymond Gourlin (mit Sonnenbrille) bei seinem letzten Besuch in Sandbostel am 2. Mai 2015. Foto: A. Ehresmann
Raymond Gourlin (mit Sonnenbrille) bei seinem letzten Besuch in Sandbostel am 2. Mai 2015. Foto: A. Ehresmann

Nach dem Krieg engagierte sich Raymond Gourlin viele Jahre in der Amicale de Neuengamme et de ses Kommandos, dem französischen Verband der ehemaligen KZ-Häftlinge aus Neuengamme. Mehrfach besuchte Raymond Gourlin gemeinsam mit der Amicale française de Neuengamme auch die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Zuletzt konnten wir ihn am 2. Mai 2015, im Rahmen der französischen Pelerinage anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung in Sandbostel begrüßen. Eindrucksvoll war ein sich anschließendes Zeitzeugengespräch mit Raymond Gourlin im Rathaus von Stade.
Raymond Gourlin war ein steter und kritischer Mahner, der die Entstehung der Gedenkstätte in Sandbostel wohlwollend begleitet hat, aber stets und vehement die Errichtung einer Erinnerungs- und Informationstafel in dem heute wieder als landwirtschaftliche Nutzfläche genutzten Lagerteil gefordert hat, in dem die KZ-Häftlinge untergebracht waren.
An der diesjährigen Pelerinage der Amicale de Neuengamme am 26. Mai 2017 konnte Raymond Gourlin nicht mehr teilnehmen, zu geschwächt war er zu diesem Zeitpunkt schon. Aber ihm konnte von seinen Kameraden berichtet werden, dass bei dem Besuch die Informationstafel präsentiert wurde, die zukünftig an dem Feld aufgestellt wird, wo Raymond Gourlin und seine Kameraden in Sandbostel untergebracht waren.

Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin hat Sarah Mayr Porträtfotos von ehemaligen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aus Sandbostel angefertigt und Interviews mit ihnen geführt.


24.8.2017

Reiseberichte über den Peacetrain nach Großbritanien.

Holly Aylett im Gespräch mit den Jugendlichen des peace trains. Foto: M. Freitag-Parey
Holly Aylett im Gespräch mit den Jugendlichen des peace trains. Foto: M. Freitag-Parey

Vom 15. – 28. Juli 2017 reiste der Peacetrain von Sandbostel nach Großbritanien. Die Reise, an der 24 Jugendliche teilnahmen, fand zusammen mit dem Diakon und Friedenspädagogen Michael Freitag Parey statt. Das Projekt des Peacetrain wird getragen und initiert durch den Kirchenkreis der Freizeit und Begegnungsstätte Oese zusammen mit der Gedenkstätte Sandbostel. Thema dieser Reise war die Auseinandersetzung mit dem Thema "Freiheit". Was macht Frei? Was mußt du tun um frei Leben zu können? Welche Verantwortung hast du für die Freiheit? Diesen Fragen näherten sich die Jugendlichen auf ihrer Reise. Sie machten verschiedene Erfahrungen und führten viele Gespräche.


31.7.2017
Janika Krafthöfer ist mit Facharbeit über Sandbostel Landessiegerin im Geschichtswettbewerb

Anfang des Jahres hat die St.-Viti-Gymnasiastin Janika Krafthöfer mehrfach im Archiv und der Bibliothek der Gedenkstätte Lager Sandbostel für eine Seminararbeit im Fach Geschichte bei ihrem Kursleiter Stephan Hall recherchiert. 

Die Seminararbeit mit dem Thema „Die Bedeutung des Glaubens in der Kriegsgefangenschaft am Beispiel des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel“ war gleichzeitig ihr Beitrag für den 25. „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“, der jedes Jahr von der Körber-Stiftung ausgeschrieben wird. Nach der Bewertung wurden nun aus den insgesamt 1.639 eingereichten Beiträgen die Landessieger_innen prämiert und Förderpreise vergeben.
Wir haben uns sehr gefreut, dass Janika Krafthöfer mit ihrem Beitrag eine von 29 niedersächsischen Landessiegerinnen geworden ist. Herzlichen Glückwunsch! Und wir drücken Janika die Daumen für die zweite Stufe des Wettbewerbes, bei der es um die Bundessiege geht.

Kurzbeschreibung des Beitrages aus der Bewertung der Körber-Stiftung
Beitragsnummer 20171839 »Die Bedeutung des Glaubens in der Kriegsgefangenschaft am Beispiel des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel« von Janika Krafthöfer (Klasse 11, St.-Viti-Gymnasium, Zeven)
Heimweh – Hunger – Hoffnung:  Diese Begriffe repräsentieren wahrscheinlich viele der Gedanken von Kriegsgefangenen. Während des 2. Weltkrieges mussten hunderttausende Menschen das Leid der Gefangenschaft erfahren. Viele Kilometer trennten sie von ihren Familien in der Heimat. Doch woher nahmen die Menschen die nötige Kraft und Motivation, diese Leidenszeit durchzustehen? Welche Rolle konnte der Glaube für Kriegsgefangene spielen? Dieser Frage ging Janika Krafthöfer anhand des Kriegsgefangenenlagers Stalag X B in Sandbostel nach. Sie näherte sich dem Thema u.a. über Recherchen in der Gedenkstätte des Lagers sowie durch ein Interview mit einem Zeitzeugen.


26.7.2017
Delegation der russischen Gulag-Gedenkstätte Perm-36 besucht Sandbostel

Die Delegation beim Besuch des Lagerfriedhofs Sandbostel. Von links: Lydia Milke, Andreas Ehresmann, Sergei Shevyrin, Natalija Semakova, Daniel Seifert und Dr. Jens Binner. Foto: Werner Zeitler (Gedendkstätte Lager Sandbostel)
Die Delegation beim Besuch des Lagerfriedhofs Sandbostel. Von links: Lydia Milke, Andreas Ehresmann, Sergei Shevyrin, Natalija Semakova, Daniel Seifert und Dr. Jens Binner. Foto: Werner Zeitler (Gedendkstätte Lager Sandbostel)

Auf Einladung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und mit Unterstützung des niedersächsischen Kultusministerium besuchte in den letzten drei Tagen eine Delegation der russischen Gedenkstätte Perm-36 Niedersachsen. Neben einem Besuch des Stiftungssitzes in Celle und der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen war der Besuch der Gedenkstätte Lager Sandbostel am heutigen Mittwoch der dritte und abschließende Programmpunkt der Reise.
Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann begrüßte die Direktorin Natalija Semakova, den Historiker Sergei Shevyrin, die Übersetzerin Lydia Milke und die Kollegen der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Daniel Seifert und Dr. Jens Binner.
Neben einem umfassenden Besuch der Ausstellungen, der historischen Gebäude und des ehemaligen Lagerfriedhofs informierten sich die Kollegen aus der Gulag-Gedenkstätte im Ural vor allem über Ziele, Methoden und Inhalte der Gedenkstättenarbeit in Sandbostel.


26.7.2017

Neues Veranstaltungsprogramm Juli bis Dezember 2017 erschienen


14.7.2017
Internationale Jugendfahrt „peace train 2017“ startet in Sandbostel

Der Name peace train ist im übertragenen Sinne zu verstehen. Es ist ein „Zug“ durch Europa und in 2017 im Besonderen durch Großbritannien. Peace train lädt ein, einander zu begegnen, Geschichte zu teilen, zu feiern und Zeichen zu setzen: Zeichen des Friedens! Mit dem diesjährigen Thema „Frei!?“, treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem auf Menschen, die an der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B mitgewirkt haben.

Foto: M. Freitag-Parey
Foto: M. Freitag-Parey

Am Samstag den 15. Juli startet der „peace train“ in Sandbostel. Vom 15. – 28. Juli 2017 wird die Gruppe mit drei Kleinbussen quer über die britische Insel fahren. „Von daher ist der Name „peace train“ im übertragenen Sinne gemeint“, erläutert Michael Freitag-Parey, Friedenspädagoge im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven und an der Gedenkstätte Lager Sandbostel. „Denn wir unternehmen quasi einen Zug durch Großbritannien.“
Am Sonntag geht es weiter nach Amsterdam und dann per Fähre nach Newcastle. Von dort weiter in den Loch Lommand Nationalpark und am Abend dann nach Comrie.
Zwei Wochen sind die Jugendlichen unterwegs. Zwei Wochen voller Erfahrungen und persönlicher Momente. Jeden Tag berichten die Jugendlichen nun kontinuierlich auf facebook, twitter und instagram unter „@kirchehannovers“ oder unter https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/frontnews/2017/07/13 von ihrer Reise - und nehmen alle Daheimgebliebenen auf diesem Weg mit in ihrem "peace train"!


22.6.2017
Gedenkveranstaltung anlässlich des 76. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Anlässlich des 76. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion gedachten am 22. Juni auf dem ehemaligen Lagerfriedhof Sandbostel rund 25 Personen der dort in Massengräbern ruhenden sowjetischen Soldaten.

Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017
Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017

Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann hob in seiner Begrüßung die Bedeutung des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion hervor, der den Beginn eines neuartigen Weltanschauungs- und Vernichtungskriegs markierte. Der erbarmungslose Umgang zeigte sich auch und insbesondere im Umgang mit den sowjetischen Kriegsgefangenen in deutschem Gewahrsam. „Der Tod durch Verhungern, Erfrieren, Krankheiten und durch direkte Gewalt der Wachmannschaften war nicht nur einkalkuliert, sondern er war bewusst herbeigeführt“, so Ehresmann. Von den insgesamt etwa 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangene starben etwa 3,3 Millionen Kriegsgefangene. „Die systematische Missachtung des Kriegsvölkerrechts und der Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen“, so betonte er abschließend, „gelten heute als eines der größten Kriegsverbrechen in der Geschichte“.

Dr. Marco Mohrmann, überbrachte die Grüße des Landkreises Rotenburg (Wümme), den er auch im Kuratorium der Stiftung Lager Sandbostel vertritt. Mohrmann dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätte. Er hob die große Bedeutung der erfolgreichen gedenkstättenpädagogische Arbeit und insbesondere das "Namensziegelprojekt" hervor. Bei diesem werden die Namen und die Lebensdaten der anonym bestatteten sowjetischen Kriegsgefangenen von Jugendlichen in Tontäfelchen graviert und diese dann auf dem Friedhof angebracht.

Dr. Reinhard Otto bei seiner Ansprache // Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017
Dr. Reinhard Otto bei seiner Ansprache // Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017

Dr. Reinhard Otto aus Lemgo erläuterte in seiner Ansprache, wie die sowjetischen Kriegsgefangenen von der Wehrmachtverwaltung registriert und auch nach dem Tod und des ungeordnet scheinenden Verscharrens in Massengräbern noch sehr genau verzeichnet wurden. Diese Unterlagen hatte später die Sowjetunion zur Verfügung. “Angehörige“, so Otto, „hätten also jederzeit erfahren können, wo ein Vater, Sohn oder Gatte liegt“. Diese Informationen wurden aber aus ideologischen Gründen nicht mitgeteilt. Jahrzehntelang galten die sowjetischen Kriegsgefangenen als „Vaterlandsverräter“.
Erst Ende der 1990er-Jahre wurde in einem großen Forschungsprojekt begonnen, die Unterlagen zu erschließen. Somit konnten nun erstmals Angehörige erfahren wo ihre Toten bestattet sind. Allerdings, so betonte Otto, mussten nun aber auch an fast allen Friedhöfen die Zahlen der verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen nach unten korrigiert werden.

Boris Arkhipov bei seinem Grußwort // Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017
Boris Arkhipov bei seinem Grußwort // Foto: A. Ehresmann, 22.6.2017

Boris Arkhipov der Seniorkonsul des Generalkonsulates der Russischen Föderation in Hamburg bedankte sich in einem spontanen Grußwort für die Arbeit in der Gedenkstätte Lager Sandbostel und insbesondere für das Bewahren der Erinnerung an die sowjetischen Kriegsgefangenen. Zudem verwies Arkhipov darauf, dass gerade an Orten wie dem ehemaligen Lagerfriedhof mit den sowjetischen Massengräbern deutlich wird, wie wichtig es ist immer wieder für Frieden einzutreten.
Abschließend legten Andreas Ehresmann, Boris Arkhipov und der neue Vorsitzende des Gedenkstättenverein Sandbostel e.V., Ronald Sperling, Kränze im Gedenken an die im Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel verstorbenen sowjetischen Soldaten nieder.

 

Programm (downloadbare Grußworte und Beiträge sind hervorgehoben)
Begrüßung Andreas Ehresmann, Geschäftsführer und Gedenkstättenleiter

Grußwort Dr. Marco Mohrmann, Kreistag Rotenburg (Wümme)

Ansprache Dr. Reinhard Otto, Lemgo

Grußwort Boris Arkhipov, Seniorkonsul der Russischen Föderation, Hamburg


18.6.2017
Neville Wigram, Commander der britischen Truppen bei der Befreiung des Stalag X B im Alter von 101 Jahren gestorben

Neville Wigram
Neville Wigram

Wie wir erst heute erfahren haben ist Lieutenant Colonel George Neville Clive Wigram der 2nd Baron Wigram und Commander der britischen Grenadier Guards bei der Befreiung des Stalag X B am 23. Mai 2017 im Alter von 101 Jahren in England gestorben.
Im April 1945 kommandierte der 30jährige Neville Wigram im Dienstrang eines Captain das No 2 Squadron, 2nd Armoured Battailon (mit britischen Sherman Panzern) und die King‘s Company, 1st Motor Battalion der britischen Grenadier Guards. Diese Grenadiergruppe befreite nach heftigen Abwehrkämpfen das Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel.

Im Kriegstagebuch des einen Tag nach der Befreiung nach Sandbostel kommenden 205 Military Gouvernment Dettachment schreibt der Berichterstatter: "It is infact a BELSON in miniature with an estimated population of 20.000 PWX and 8.000 Political Prisoners."

Hintergrund: The Liberation of Stalag XB SANDBOSTEL – 29 April 1945 (from Neville Wigram, 5th April 2015)
On the 28th April 1945 the 2nd Armoured Battalion Grenadier Guards was near ZEVEN awaiting orders to advance to prevent all German troops from crossing the River ELBE and entering SCHLESWIG-HOLSTEIN. The Grenadiers were facing very fierce opposition and found all roads to be blocked or cratered, and all bridges blown.
We knew that there was a Prisoner of War Camp at SANDBOSTEL and we were planning to relieve this. But unexpectedly two French POWs had escaped and told us that, since our crossing of the RHINE at the end of March about one third of the Camp had been taken over by the SS for political déportés. There were now 8,000 Prisoners of War and 14,000 déportés – mostly French. Since 5th April 2,500 déportés had died and now that they were inflicted with Typhus 500 were dying each day. Liberation and medical assistance was urgently needed. It was understood that there would be little opposition from the Prison Staff.
On the 29th April the Grenadier Group comprising the King’s Company, 1st Motor Battalion, motorised infantry, and No 2 Squadron 2nd Armoured Battalion in Sherman tanks, accompanied by a team from the Royal Army Medical Corps advanced towards SANDBOSTEL.
The camp was situated on the other side of the River OSTE. All the bridges had been blown and the river bank on the camp side was steep and wooded. Our infantry met very strong opposition and obviously needed tank support.

The Royal Engineers came to build a bridge and also brought collapsible boats. As they were working the enemy fired mortars on them so that they were not able to complete the bridge before dark. We therefore decided to postpone our attack until the next day.
When the bridge was completed the tanks were able to cross the river. Now two more companies joined the King’s Company and supported by No 2 Squadron they advanced towards the Camp. They killed all the SS and unfortunately six Grenadiers were killed and several wounded.
The Camp was now definitely liberated and the medical team was able to enter the huts.  Much publicity has been given to describe the conditions within the Concentration Camps at BELSEN and BUCHENWALD, but it was considered that life in SANDBOSTEL was just as bad.


23.5.2017
„Mobile Interkulturelle Einsatztruppe“ hilft beim Erhalt der historischen Unterkunftsbaracken
Bereits zum dritten Mal ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel ein Einsatzort der so genannten „Mobilen Interkulturellen Einsatztruppe“ (MOBI) der Jugendbauhütte Stade.

Von links: Arsen Amirkhayan, Detlef Cordes (Stiftungsvorsitzender), Helena Berg, Andreas Hinrich, Tinatin Davadze, Eva Pfennig (Leiterin der Jugendbauhütte Stade) und Andreas Ehresmann (Leiter der Gedenkstätte) // Foto: R. Sperling, 23.5.2017
Von links: Arsen Amirkhayan, Detlef Cordes (Stiftungsvorsitzender), Helena Berg, Andreas Hinrich, Tinatin Davadze, Eva Pfennig (Leiterin der Jugendbauhütte Stade) und Andreas Ehresmann (Leiter der Gedenkstätte) // Foto: R. Sperling, 23.5.2017

Nach zwei erfolgreichen Arbeitseinsätzen im vergangenen Jahr fiel es nicht schwer, die Jugendbauhütte Stade, als Trägerin der MOBI, dafür zu gewinnen, auch im Jahr 2017 wieder Jugendliche nach Sandbostel zu schicken, um der Gedenkstätte bei der Gestaltung mehrerer maroder historischen Unterkunftsgebäude zu helfen.
Arsen Amirkhayan, Helena Berg, Tinatin Davadze, Andreas Hinrich und Alexander Szymanski, setzten die Arbeit ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger fort. 2016 haben die Jugendlichen des damaligen Einsatzes in einer Steinbaracke die eingestürzten Dächer und Unmengen von Schutt entfernt.
Im jetzigen Einsatz haben die fünf Jugendlichen aus Armenien, Georgien und Deutschland nun in mehreren Gebäuden die massiven und teilweise instabilen Außenwände mit Metallstreben stabilisiert. Durch die vom Architekten und Stiftungsvorsitzenden, Detlef Cordes, entwickelten Metallaussteifungen lassen sich auch verformte und geneigte Wände in Situ fixieren. Dadurch können die ruinenähnlichen Gebäude in Zukunft sicher begangen werden und dadurch Raumeindrücke der Unterkunftsbaracken aus der Aufbauphase wahrgenommen werden.
Für die Gedenkstätte ist die Unterstützung durch die „Mobile Interkulturelle Einsatztruppe“ eine sehr große Hilfe. Maßnahmen wie aktuell die Stabilisierung der Wände wären ohne solche engagierten und kompetenten Arbeitseinsätze sonst kaum zu bewältigen.
Ein weiterer dreiwöchiger Arbeitseinsatz der Jugendlichen wurde jüngst bei einem Besuch der Leiterin der Jugendbauhütte Stade, Eva Pfennig, schon für Juli/August 2017 ausgemacht.

Hintergrund: Die Jugendbauhütte Stade wurde 2009 gegründet und ist heute eine von 13 Jugendbauhütten bundesweit, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz initiiert und gefördert werden. Jugendliche können dort ihr freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege (FSJ Denkmalpflege) absolvieren und dabei in einer Mischung aus traditionellem Handwerk und Baukultur, Denkmalpflege, Archäologie und Gemeinschaftsleben Erfahrungen gewinnen. Zudem werden durch die Jugendlichen kleine und allzu häufig finanzschwache Kultureinrichtungen, Museen oder Vereine bei dem Erhalt von bedeutenden Kulturgütern unterstützt.
Eine Besonderheit der Jugendbauhütte Stade ist die „Mobile Interkulturelle Einsatztruppe“, bei der bis zu sechs Jugendliche (drei Frauen und drei Männer sowie drei Deutsche und drei aus dem Ausland) bei den Einsatzstellen vor Ort untergebracht werden und diese über einen kürzeren Zeitraum unterstützen.
Kontakt: Jugendbauhütte im Landkreis Stade, Schloss Agathenburg, Hauptstraße, 21684 Agathenburg


19.5.2017
Fotos von historischen Unterkunftsbaracken bei "LensCulture Emerging Talents Awards" prämiert
Wir freuen uns sehr, dass Ende 2016 zwei Bilder, der US-amerikanischen Fotografin Gesche Würfel bei dem jährlich stattfindenden „LensCulture Emerging Talents Awards“ prämiert wurden. 2015 hatte die Fotografin mehrere Aufnahmen der historischen Gebäuden in Sandbostel für ihr Projekt "Was vom Tage übrig bleibt - 71 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs" aufgenommen.

Bei dem Wettbewerb wurden acht bis dato noch weitgehend unbekannte Fotografinnen und Fotografen als 'Juror's Picks' von einer internationalen Jury ausgewählt.

Die Fotos der Gewinnerinnen und Gewinner des LensCulture-Wettbewerbs, darunter auch die beiden „Sandbostel-Fotos“ von Gesche Würfel, werden vom 15. bis zum 21. Mai 2017 jeden Abend ab 18.00 Uhr auf die Fenster des International Center of Photography (IPC) Museum in New York City projiziert, so dass die Bilder von der Strasse aus sehen können.

Gesche Würfel, "What Remains of the Day" (Stalag XB, Sandbostel), 2015
Gesche Würfel, "What Remains of the Day" (Stalag XB, Sandbostel), 2015

Würfels Projekt beschäftigt sich mit den verblassenden Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Sie fotografiert Orte, die für das Hitler-Regime von Bedeutung waren, mit Negativfilm und überbelichtet diese Fotos für 71 Sekunden (71 Sekunden, da ein Großteil der Fotos 2016 gemacht wurden; die Fotos, die in Sandbostel gemacht wurden, wurden 70 Sekunden überbelichtet, da sie 2015 aufgenommen wurden), so dass nur Spuren dieser Orte aufgezeichnet werden. Ähnlich wie Erinnerungen sind diese Fotos oft fragmentiert und verschwommen.
Die GewinnerInnen dieses und drei weiterer LensCulture-Fotowettbewerbe werden in dem Buch "The Best of LensCulture 2016" publiziert. Würfels Foto der ehemaligen Gefangenenbaracken des Kriegsgefangenenlagers Stalag X B Sandbostel wurde für den Einband ausgewählt.

Hintergrund: Die Jurorin MUTSUKO OTA (Editorial Director des IMA Magazine, Tokyo, Japan) die das Projekt von Gesche Würfel im LensCulture Emerging Talents Awards - Wettbewerb ausgesucht hat, begründet ihre Auswahl:

Gesche Würfel, "What Remains of the Day" (Stalag XB, Sandbostel), 2015
Gesche Würfel, "What Remains of the Day" (Stalag XB, Sandbostel), 2015

"Memory and time are one of the fundamental questions of human experience and, in particular, are important factors in photography as a medium. In each country, preserving and passing on the negative memories of the past is done as a form of asset management-though inevitably, the intensity lessens as time goes by.
In this work, Gesche Wurfel approaches the vital problems of memory and time in a direct manner, looking at the vulnerability of our recollections to inadvertent alterations that happen in the brain. This affects us not only personally but leads to the instability of history in general, as our collective story is constantly being reshaped or erased in order to serve the present. By using long exposures, Wurfel is able to visually express the negligence of human beings towards the past, while appealing to our senses by taking advantage of photography's instant intelligibility and physical immediacy. This brilliant work communicates a clear and important message on the subject and brings a unique perspective to our sense of history."


5.5.2017

Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung stärken – Gedenkstätten an den Orten des NS-Terrors fordern größere Anstrengungen für Aufarbeitung und Vermittlung und ein Ende der Ungleichgewichte.
Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland und des FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland

Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des demokratischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik Deutschland. Dieser breite, teilweise in heftigen Konflikten in Politik und Gesellschaft errungene Konsens in der Erinnerungskultur wird gegenwärtig vom erstarkenden Rechtspopulismus offen bekämpft. Im Mittelpunkt der immer wieder zu leistenden historisch-politischen Selbstvergewisserung stehen die Gedenkstätten an den historischen Orten des NS-Terrors. Trotz der Weiterentwicklung zu aktiven Museen und Lernorten ist ihre Unterstützung nicht ausreichend, um den bei stark gestiegener Besucherzahlen und sich verändernden gesellschaftlichen Herausforderungen in den letzten Jahren massiv gewachsenen Aufgaben gerecht werden zu können. Die Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen fordern daher die Regierungen des Bundes und der Länder auf, ihre Anstrengungen im Bereich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus deutlich zu erhöhen.

 

Download der gesamten Pressemitteilung als pdf


4.5.2017
Niederländisches Dodenherdenking in der Gedenkstätte Lager Sandbostel
Traditionell lädt die „Nederlandse Traditie Vereniging Seedorf“, NTVS (Niederländische Traditionsvereinigung Seedorf) jedes Jahr am 4. Mai zum „Dodenherdenking“ in die Gedenkstätte Lager Sandbostel.

Die Vorsitzende der NTSV, Geke van Nes, bei Ihrer Ansprache // Foto: A. Ehresmann, 4.5.2017
Die Vorsitzende der NTSV, Geke van Nes, bei Ihrer Ansprache // Foto: A. Ehresmann, 4.5.2017

Das nationale Totengedenken wird in den gesamten Niederlanden begangen und seit vielen Jahren von der niederländischen Gemeinschaft aus Seedorf auch vor der Lagerkirche in Sandbostel ausgerichtet. In diesem Jahr konnte die Vorsitzende Geke van Nes 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen.
Nach einer kurzen Ansprache von Geke van Nes erschallte um 19.59 traditionell das Trompetensignal des „taptoe“, des Zapfenstreichs. Anschließend erfolgten dann, wie in den gesamten Niederlanden, um 20.00 Uhr zwei Schweigeminuten. Beendet wurden die Schweigeminuten mit der niederländischen Nationalhymne.

Pieter Dotinga und Geke van Nes am Gedenkstein für die in Sandbostel verstorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge // Foto: A. Ehresmann, 4.5.2017
Pieter Dotinga und Geke van Nes am Gedenkstein für die in Sandbostel verstorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge // Foto: A. Ehresmann, 4.5.2017

Nachdem die Vorsitzende, Geke van Nes gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der NTVS, Pieter Dotinga, einen Kranz am Stein für die in Sandbostel gestorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen niedergelegt haben, gab es für die Teilnehmerinnen udn Teilnehmer die Möglichkeit des individuellen Gedenkens.
Zum Abschluss des diesjährigen Dodenherdenking lud die Nederlandse Traditie Vereniging Seedorf zu einer "kopje koffie" in das Vereinshaus „Klein Seedorf“ in die Luftlandekaserne Seedorf ein.

 

Hintergrund 1: Ursprünglich war das Dodenherdenking am 4. Mai (dem Datum der Unterzeichnung der deutschen Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden) als nationaler Gedenktag für die niederländischen Opfer im Zweiten Weltkrieg gedacht.
1961 erfolgte allerdings eine offizielle Erweiterung, die nunmehr alle niederländischen Kriegsopfer oder Verstorbenen seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs umfasst.
Einen Tag später am 5. Mai wird dann die Befreiung von der deutsche Besatzung gefeiert.

Hintergrund 2: Im Kriegsgefangenenlager Sandbostel gab es viele zivile Seeleute aus den Niederlanden und den niederländischen Kolonien, die auf ihren Handelsschiffen von der deutschen Kriegsmarine aufgebracht und zunächst in das Zivilinternierungslager im Stalag X B und später dann in das Marlag/Milag-Nord in Westertimke überstellt wurden. Todesfälle unter den zivilen Niederländern sind bisher nicht bekannt.
Kurz vor Kriegsende wurden etwa 9.500 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme und einigen Außenlagern im Bremer Raum mit Transporten nach Sandbostel deportiert. Darunter befanden sich auch 519 Niederländer. Am 29. April 1945, dem Tag der Befreiung, wurden noch 377 niederländische KZ-Häftlinge lebend gezählt. Aber auch nach der Befreiung starben noch zahlreiche Häftlinge an Entkräftung, darunter fast 200 Niederländer. Insgesamt kehrte nur ein Drittel lebend aus Sandbostel in die Niederlande zurück (175 Personen).


2.5.2017
Würdige und gut besuchte Gedenkveranstaltung am 29.4.2017
Die diesjährige Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung des Stalag X B bzw. der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B war eine überaus gelungene und würdige Veranstaltung. Am gesamten Tag besuchten um die 350 Personen die Gedenkstätte und nahmen an den angebotenen Rundgängen und den drei Veranstaltungsteilen teil.

Kränze und Gestecke für dem Gedenkstein für die Sandbostel gestorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge // Foto: A. Ehresmann, 29.4.2017
Kränze und Gestecke für dem Gedenkstein für die Sandbostel gestorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge // Foto: A. Ehresmann, 29.4.2017

Landrat Hermann Luttmann betonte gleich zu Beginn der Veranstaltung auf dem Lagerfriedhof, dass wohl kaum an einem anderen Ort im Landkreis Rotenburg (Wümme) „Spuren des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte noch so sichtbar“ seien wie auf dem Lagerfriedhof und „insbesondere auch im ehemaligen Kriegsgefangenenlager“. Der Landrat betonte zudem, dass auch in Sandbostel im deutschen Namen unsägliches Unrecht geschehen ist und ihn bis heute immer wieder das Verhalten der örtlichen Bevölkerung, die überwiegende Gleichgültigkeit dem Schicksal der Häftlinge gegenüber, nachdenklich mache.
Die Rednerinnen und Redner lobten durchgehend die in den letzten Jahren entstandene moderne und professionelle Gedenkstätte Lager Sandbostel und betonten die große Bedeutung von Gedenkstätten wie der in Sandbostel. Diese seien insbesondere in Zeiten wichtig, in denen es eine neue „völkisch nationale Bewegung“ gäbe, die eine Kehrtwende in der Erinnerungspolitik fordere, so betonte der Vizepräsident des niedersächsischen Landtages, Karl-Heinz Klare. Die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajić, ergänzte, dass Sandbostel ein exemplarisch wichtiger Ort sei, an dem „Mechanismen von Ausgrenzung und Entwürdigung erarbeitet und reflektiert“ werden könne. Der niederländische Generalkonsul Ton Lansink hob hervor, dass „Erinnern Freiheit bedeutet“. Und er führte weiter aus, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit sei. Sie drohe zu verschwinden, wenn Menschen aufhören, Geschichte und persönliche Geschichten weiterzugeben.

Michelle Callan bei ihrer Ansprache auf dem Lagerfriedhof. Rechts am Bildrand der ehemalige Zivilinternierte Harry Callan aus Irland. Foto: A. Ehresmann, 29.4.2017
Michelle Callan bei ihrer Ansprache auf dem Lagerfriedhof. Rechts am Bildrand der ehemalige Zivilinternierte Harry Callan aus Irland. Foto: A. Ehresmann, 29.4.2017

Gerade vor diesen Ausführungen war die Ansprache von Michele Callan aus Irland, über das Schicksal ihres Schwiegervaters, Harry Callan wichtig und eindrucksvoll. Der an der Gedenkveranstaltung teilnehmende Harry Callan wurde als 17jähriger irischer Hilfskoch auf einem Handelsschiff festgenommen und gelangte zunächst in das Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Später wurde er dann über das Marlag/Milag Nord in Westertimke nach Bremen-Farge zum Bunkerbau deportiert. Aufgrund der dortigen Erlebnisse hat Harry Callan lange Jahre nicht über das Erlebte gesprochen.
Im zweiten Veranstaltungsteil sprach dann auch Cornelis „Kees“ Koreman über seinen Vater Cornelis Lambertus Koreman. Der niederländische KZ-Häftling Cornelius Koreman gelangte mit einem Todesmarsch aus dem KZ Neuengamme nach Sandbostel. Hier verstarb er noch nach der Befreiung zwischen dem 1. und dem 5. Mai 1945. Kees Koremann hat seinen Vater nicht kennengelernt und erfuhr erst durch die Unterstützung der Gedenkstätte näheres zu seinem Vater.

 

Programm (downloadbare Grußworte und Beiträge sind hervorgehoben)
16.00 Uhr Kriegsgräberstätte Sandbostel
Begrüßung Peter Radzio, stellv. Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel
Grußwort Hermann Luttmann, Landrat des Landkreises Rotenburg (Wümme)
Grußwort Karl-Heinz Klare, Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Hannover
Ansprache Michele Callan, Schwiegertochter des ehemaligen irischen Zivilinternierten Harry Callan
Multireligiöse Gebetsreihe
Kranzniederlegung

17.30 Uhr Gedenkstätte Lager Sandbostel
Begrüßung Andreas Ehresmann, Geschäftsführer der Stiftung Lager Sandbostel und Gedenkstättenleiter
Grußwort Dr. Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur
Grußwort Ton Lansink, Generalkonsul des Königreichs der Niederlande, Düsseldorf Niederländische Version
Ansprache Kees Koreman, Sohn des niederländischen KZ-Häftlings Cornelius Lambertus Koreman
Jugendbeitrag der BBS Bremervörde
Kranzniederlegung/individuelles Gedenken

Musikalische Begleitung: Choriginell (Osterholz) unter der Leitung von Wilhelm Alexander Torkel
1. "Wer läutet draußen vor der Tür?" (Text: Theodor Kramer)
2. "Mein Vater wird gesucht"(Text: Hans Drach)
3. "Oh, Freedom!" (Gospel)

 

19.00 Uhr Evangelische Lagerkirche

Gedenkgottesdienst mit Pastor Manfred Thoden und Pastor Markus Stamme (ev.-luth. St. Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen), Diakon Michael Freitag-Parey (Kirchenkreis Bremervörde-Zeven, Kirchliche Friedens- und Gedenkstättenarbeit an der Gedenkstätte Lager Sandbostel) und Reverend Fiona Solman (Rector of Etwall and Egginton, Church of England). Interviev mit Fiona Solman im Gottesdienst


7.4.2017
Tagung „Gedenkstätte Lager Sandbostel: Blick zurück und Blick nach vorn": Beiträge jetzt online
Anfang des Jahres fand vom 20. bis zum 22. Januar in Bremervörde die Tagung „Gedenkstätte Lager Sandbostel: Blick zurück und Blick nach vorn“ statt. Ausgerichtet wurde die Tagung anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums vom „Gedenkstättenverein Sandbostel e.V.“, unter der Tagungsleitung von Dr. Klaus Volland.

Dr. Rolf Keller von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten bei seinem Vortrag // Foto: A. Ehresmann, 21.1.2017
Dr. Rolf Keller von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten bei seinem Vortrag // Foto: A. Ehresmann, 21.1.2017

Durch die Referate und Diskussionen im Plenum und in den anschließenden Arbeitsgruppen wurden Überlegungen zu Fragen angestellt, die auch grundsätzlich für die Gedenkstättenarbeit an Orten nationalsozialistischer Verfolgung von Bedeutung sind: Was bringt Menschen dazu, sich in Gedenkstätten zu engagieren bzw. sich dem Angebot von Gedenkstätten zu öffnen? Was hält sie davon ab? Was heißt erfolgreiche historisch-politische Bildungsarbeit an Gedenkstätten? - Wie sollte vor Ort an die Opfer eines Kriegsgefangenenlagers erinnert, wie sollten die Friedhöfe von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen gestaltet werden? -  Wie ist mit den Überresten und dem historischen Gelände eines Kriegsgefangenenlagers umzugehen? Wie kann die Gedenkstätte Lager Sandbostel so ausgestaltet und ausgestattet werden, dass vor Ort Raum für erweiterte Besuchs-angebote geschaffen wird? - Welche (neuen) Möglichkeiten für einen fruchtbaren Austausch zwischen den Gedenkstätten gibt es?
Mit dieser Tagung wurden deutliche Impulse zur Weiterentwicklung des Gedenkortes Sandbostel gesetzt. Nunmehr liegen die Beiträge in digitaler Form vor und können heruntergeladen werden.

 

Tagungsprogramm (downloadbare Vorträge sind hervorgehoben):

Freitag, 20. Januar 2017


Samstag, 21. Januar 2017


Sonntag, 22. Januar 2017

  • Berichte aus den Arbeitsgruppen
  • Exkursion in die Gedenkstätte Lager Sandbostel

29.3.2017
Gedenkstättenverein wählt neuen Vorstand

Der neu gewählte Vorstand: Peter Matthiesen, Günter Justen-Stahl, Ronald Sperling, Werner Zeitler, Detlef Cordes (von links). Nicht im Bild: Michael Freitag-Parey. Foto: Andreas Ehresmann, 29.3.2017
Der neu gewählte Vorstand: Peter Matthiesen, Günter Justen-Stahl, Ronald Sperling, Werner Zeitler, Detlef Cordes (von links). Nicht im Bild: Michael Freitag-Parey. Foto: Andreas Ehresmann, 29.3.2017

Bereits in der Einladung zur diesjährigen Jahreshauptversammlung des Gedenkstättenverein Sandbostel e.V. im „Grünen Jäger“ in Sandbostel, hatte der Vorsitzende Dr. Klaus Volland angekündigt, dass sowohl er als auch sein Stellvertreter Werner Borgsen von ihren Ämtern zurücktreten und nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit geht nach 25 Jahren eine Ära zu Ende. Der Verein und die Entstehung der Gedenkstätte Lager Sandbostel ist untrennbar mit den beiden Lehrern Dr. Klaus Volland und Werner Borgsen verbunden. Klaus Volland dankte in einer emotionalen Rede seinen einstigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern und betonte, dass sowohl er als auch Werner Borgsen auch weiterhin aufmerksam die äußerst positive Entwicklung der Gedenkstätte verfolgen werden.
Der als Gast anwesende Geschäftsführer der Stiftung Lager Sandbostel und Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, betonte, das die Stiftung, die Gedenkstätte und auch er persönlich den beiden zu großem Dank verpflichtet sei. Ohne das unermüdliche und nicht zu erschütternde Engagement der beiden auch in turbulenten Zeiten gäbe es die Gedenkstätte heute nicht so wie es sie gibt.
Von der sehr gut besuchten Jahreshauptversammlung wurden jeweils einstimmig Ronald Sperling zum ersten Vorsitzender, Günter Justen-Stahl zum stellv. Vorsitzender, Werner Zeitler zum zweiten stellv. Vorsitzender und Michael Freitag-Parey zum Beisitzer gewählt. Nicht zur Wahl stand der zweite Beisitzer Detlef Cordes und wiedergewählt wurde Peter Matthiesen als Kassenwart.
Der neue Vorsitzende, Ronald Sperling dankte den Vereinsmitgliedern für das Vertrauen und betonte, dass er sich freue, dass Klaus Volland und Werner Borgsen dem Gedenkstättenverein trotz ihres Rücktritts aus den Ämtern auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.
Der neugewählte Vorstand wird nun sehr zügig zu einer ersten konstituierenden Sitzung zusammen kommen und die ersten, neuen, Schritte beraten.

Hintergrund: Am 16. Januar 1992 wurde, von oft schon seit Jahren für eine Gedenkstätte am historischen Standort engagierten Personen, unter ihnen Dr. Klaus Volland, Werner Borgsen und Dr. Dietmar Kohlrausch, der Verein „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e. V.“ gegründet. Der „Doku-Verein“ wurde in den folgenden Jahren zum Motor, historische Befunde über das Lager Sandbostel zu veröffentlichen. Er schuf aber auch dafür ein Bewusstsein, dass es sich bei den auf dem historischen Gelände erhaltenen Relikten um das größte zusammenhängende Ensemble von Lagerbaracken auf bundesdeutschem Boden handelte (und handelt), die es zu erhalten galt. Der Rotenburger Stadtarchivar Dr. Dietmar Kohlrausch war seit Gründung des Vereins bis zu seinen überraschenden Tod im April 2009 der Vorsitzende des Vereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. Im Anschluss übernahm der bisherige Stellvertreter, Dr. Klaus Volland, den Vorsitz. 2015 wurde der Verein umbenannt in „Gedenkstättenverein Sandbostel e.V.“


25.3.2017
Neues Grundschulprojekt: „Heimat, Krieg, Frieden und Flucht

Nachdem Michael Freitag-Parey, der Friedenspädagoge an der Gedenkstätte Lager Sandbostel, erstmals im Jahr 2015 ein eindrucksvolles und erfolgreiches Projekt mit vier 4. Klassen zum Thema „Krieg und Frieden“ an der Grundschule Selsingen durchgeführt hat, findet dieses Projekt in diesem Jahr gleich an vier Grundschulen in der Umgebung der Gedenkstätte statt. Die erweiterten Themen sind in diesem Jahr: Krieg, Frieden, Flucht und Heimat. Zu diesen Themen sind vom „Arbeitskreis Grundschule“ mehrere Unterrichtseinheiten an den Grundschulen Karlshöfen, Kuhstedt, Klenkendorfer Mühle und Selsingen erarbeitet worden. Der Unterricht zu den Themen beginnt in der nächsten Woche an allen vier Grundschulen.

Ähnlich wie in 2015 werden auch in diesem Jahr die Ergebnisse gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zunächst am 8. Mai, dem 72. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus, um 15.30 Uhr im Rathaus Selsingen präsentiert. Die Ausstellung ist hier eine Woche zu sehen bevor sie dann ab dem 15. Mai 15.30 Uhr für eine Woche im Sitzungssaal des Rathauses Gnarrenburg präsentiert wird.

 

Einladung zu den Ausstellungseröffnungen

 

Hintergrund: Anlässlich eines Grundschulprojekts wurde im Juni 2015 in Kooperation mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in der Gedenkstätte Lager Sandbostel eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer aus dem Bereich der Grundschule zum Thema „Kinderliteratur über den Nationalsozialismus“ angeboten.

Ein Ergebnis aus dieser Fortbildung war die Gründung eines in der Gedenkstätte Lager Sandbostel angesiedelten und vom Friedenspädaogen an der Gedenkstätte, Michael Freitag-Parey betreuten Arbeitskreises in dem: Silke Peters und Jutta Müller (GS Klenkendorfer Mühle), Angela Kerst (GS Selsingen), Leoni Engelmartin (GS Kuhstedt), und Volker Kullik (GS Karlshöfen) sind. Der "Arbeitskreis Grundschule" verfolgt das Ziel, das Thema des Nationalsozialismus in dieser Region in den Unterricht der 4. Klasse altersgerecht, sensibel und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen einzubinden.


15.3.2017
Horst Rademacher verstorben

Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass Horst Rademacher am 14. März  unerwartet gestorben ist. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel verliert mit Horst Rademacher einen wichtigen Unterstützer, dem wir zu besonderem Dank verpflichtet sind: 2004 organisierte und moderierte er in dem damaligen festgefahrenen Streit um die Einrichtung einer Gedenkstätte in Sandbostel an der Seite von Hans-Wilhelm Hastedt Gespräche zwischen den verschiedenen Akteuren, die schließlich am 17. Dezember 2004 zur einvernehmlichen Gründung der Stiftung Lager Sandbostel führten. Auch in den folgenden Jahren begleitete Horst Rademacher den Aufbau der Gedenkstätte Lager Sandbostel mit großer, wohlwollender Aufmerksamkeit.
2009 berichtete er gemeinsam mit seinem seinerzeitigen Ko-Moderator Hans-Wilhelm Hastedt über den langen Weg zur Stiftungsgründung bei der Befreiungsfeier am 29. April 2009.
Zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Lager Sandbostel hielt Horst Rademacher in der Lagerkirche eine bedeutende Ansprache.
Für uns blieb er stets ein einfühlsamer, auf Verständigung abzielender und anregender Gesprächspartner.
Horst Rademacher zeichnete sich durch die unermüdliche Bereitschaft zum sozialen Engagement, hohes diplomatisches Geschick und ein beispielhaftes historisches Verantwortungsbewusstsein aus.


9.2.2017

save the date - 29.4.2017

Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B Sandbostel

Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung // Foto: Lewke-Björn Rudnick, 29.4.2015
Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung // Foto: Lewke-Björn Rudnick, 29.4.2015

Die Veranstaltung beginnt am Samstag den 29. April 2017 um 16.00 Uhr auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel (Beverner Str. in 27446 Sandbostel). Um 17.30 Uhr wird die Veranstaltung in der ehemaligen Lagerküche in der Gedenkstätte fortgesetzt. Enden wird die Veranstaltung um 19.00 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche.
Wir möchten Sie herzlich einladen an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. In diesem Jahr ist ein Schwerpunkt der Veranstaltungen das Schicksal der KZ-Häftlinge im Kriegsgefangenenlager (Stalag) X B Sandbostel. Das genaue Programm wird noch gesondert bekannt gegeben.


6.2.2017

Basisinformationen auf der Homepage jetzt in acht Sprachen abrufbar

Ein Jahr nach dem Relaunch der Gedenkstättenhomepage sind die grundlegenden Basisinformationen jetzt auch in sieben weiteren Sprachen abrufbar. Über den Button „More languages“ oder über eine kleine Leiste mit Nationalfahnen am linken Rand der Homepage gelangen geneigte Besucherinnen oder Besucher zu den jeweiligen Übersetzungen. Angeboten werden aktuell: Englisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch und Russisch.
Mit diesen Sprachen ist der Großteil der nationalen Gefangenengruppen im Kriegsgefangenenlager Sandbostel abgedeckt. Dadurch wird nun den Angehörigen der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge in einer Vielzahl von Ländern ermöglicht, individuell Informationen zum Stalag X B und zu der heutigen Gedenkstätte in der Muttersprache zu erhalten und einen eventuellen Besuch vorzubereiten.
Zudem zeigt die Mehrsprachigkeit auch die Internationalität des historischen Orts und der Gedenkstätte Lager Sandbostel.


23.1.2017

Festakt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Gedenkstättenverein Sandbostel e.V.

Dr. Klaus Volland, bei der Begrüßung in Ostel in Bremervörde // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017
Dr. Klaus Volland, bei der Begrüßung in Ostel in Bremervörde // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017

Knapp 100 Gäste konnte der Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Sandbostel, Dr. Klaus Volland, am 20. Januar anlässlich des 25-jährigen Jubiläums zu einem Festakt in Bremervörde begrüßen.

In Grußworten würdigten der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der ehemalige niedersächsische Kultusminister Prof. Rolf Wernstedt, das Ehrenmitglied des Gedenkstättenverein und Tochter des in Sandbostel verstorbenen KZ-Häftling Erich Kleeberg, Ruth Gröne und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes, die unermüdliche und bedeutende Arbeit des Gedenkstättenvereins.

„Erkenntnis statt Bekenntnis. Zur Zukunft der Gedenkstättenarbeit“. So betitelte Dr. Jens-Christian Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, seinen Festvortrag, in dem er betonte, dass es bei der heutigen Gedenkstättenarbeit nicht um bloße Affirmation oder Appellation gehen kann, sondern das Reflexion im Mittelpunkt des heutigen Umgangs mit der NS-Geschichte stehen muss.
Es geht, so Wagner, darum, selbst bestimmte Reflexion der Vergangenheit und historisches Urteilsvermögen zu lernen.

Dr. Klaus Volland (rechts), ehrt mit Detlef Cordes, Christa Steffens und Werner Zeitler (von links), drei verdiente Mitglieder für ihren Einsatz // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017
Dr. Klaus Volland (rechts), ehrt mit Detlef Cordes, Christa Steffens und Werner Zeitler (von links), drei verdiente Mitglieder für ihren Einsatz // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017

Zum Abschluss des Festaktes würdigte der Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, Dr. Klaus Volland, verdiente Vereinsmitglieder die sich unermüdlich ehrenamtlich in und für die Gedenkstätte Lager Sandbostel engagierten. Christa Steffens hat in mehreren Jahren die gesamte Gedenkstättenbibliothek inventarisiert und im GBV verzeichnet. Werner Zeitler bietet zweiwöchentlich öffentliche Rundgänge an und pflegt unermüdlich das Gedenkstättengelände und der Architekt Detlef Cordes ist  für den Gedenkstättenverein im Vorstand der Stiftung Lager Sandbostel. Hier nimmt der den Vorsitz ein und engangiert sich umfassend für den Erhalt der historischen Bausubstanz.

Die einfühlsame musikalische Rahmung erfolgte durch Lieder zur Gitarre von Christina Schmidt aus Eitze. Nach dem ergreifenden Lied der Moorsoldaten endete der Festakt und Klaus Volland konnte die Gäste zu einem Sektempfang einladen.

Prof. Rolf Wernstedt, Dipl. Ing. Detlef Cordes, Elke Twesten MdL, Dr. Klaus Volland und Dr. Jens-Christian Wagner (von links) // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017
Prof. Rolf Wernstedt, Dipl. Ing. Detlef Cordes, Elke Twesten MdL, Dr. Klaus Volland und Dr. Jens-Christian Wagner (von links) // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017
Das Ehrenmitglied des Gedenkstättenvereins, Ruth Gröne bei ihrer nachdenklichen Ansprache // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017
Das Ehrenmitglied des Gedenkstättenvereins, Ruth Gröne bei ihrer nachdenklichen Ansprache // Foto: Andreas Ehresmann, 20.01.2017


15.1.2017

Erklärung der 5. bundesweiten Gedenkstättenkonferenz

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 5. Bundesweiten Gedenkstättenkonferenz haben sich vom 7. bis 9. Dezember 2016 im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln mit dem Thema „Forschung in Gedenkstätten – Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung“ beschäftigt. Die Gedenkstättenkonferenz setzt sich zusammen aus der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland und dem FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und –initiativen, das derzeit 264 haupt- und ehrenamtlich betreute  Gedenkstätten und Erinnerungsorte vertritt.

Die 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Einrichtungen aller Bundesländer stimmten darin überein, dass die Arbeit moderner Gedenk- und Dokumentationsstätten zwingend auf den Grundlagen zeithistorischer Forschung basieren muss. Nur dann können sie den sich fortwährend ändernden Fragestellungen nachwachsender Generationen gerecht werden, nur dann können sie jeden Versuch der politischen Instrumentalisierung des Gedenkens widerstehen. Universitäten und Forschungseinrichtungen sind dabei wichtige Partner der Gedenkstätten, aber ihre immanenten Forschungslogiken lassen sich nur selten mit den konkreten Forschungsbedürfnissen der Gedenkstätten vereinbaren. Die Mitglieder der Gedenkstättenkonferenz stellen einhellig fest, dass die Geschichte des NS-Regimes und seines Terrors keinesfalls „auserzählt“ ist. Deshalb fordern sie, dass neben der institutionellen Förderung „national bedeutsamer“ Gedenkstätten sowie der befristeten Projektförderung der Bundesgedenkstättenkonzeption eine Stiftung gebildet wird, die regelmäßig Forschungsprojekte kleiner wie großer Gedenkstätten unterstützt. Damit stünde dann auch den Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes und den Dokumentationsstätten zur NS-Geschichte ein der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur äquivalentes Förderinstrument zur Verfügung.

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag Siegmund Ehrmann diskutierten die Mitglieder der Gedenkstättenkonferenz auch weitere Fragen der Entwicklung der Erinnerungskultur und der Gedenkstättenförderung durch Bund, Land und Kommunen. Sie verständigten sich darauf, im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl mit den im Bundestag vertretenden Fraktionen über eine Fortentwicklung der gegenwärtigen Bundesgedenkstättenkonzeption zu sprechen.

 

Siehe dazu auch: Homepage des Gedenkstättenforum