Ausstellung


Die Dauerausstellung in der Gedenkstätte Lager Sandbostel ist räumlich und inhaltlich zweigeteilt und wird in zwei verschiedenen Gebäuden am westlichem und am östlichen Ende des Gedenkstättengeländes präsentiert. Der erste Ausstellungsteil zur Geschichte des Stalag XB (1926–1945) ist in der so genannten »Gelben Baracke« und der zweite zur Nachgeschichte (1945–2013) in der so genannten »CVJM-Baracke« untergebracht.


Blick in die Ausstellung zur Geschichte des Stalag X B. Foto: Andreas Ehresmann, 24.7.2013
Blick in die Ausstellung zur Geschichte des Stalag X B. Foto: Andreas Ehresmann, 24.7.2013

Ausstellungsteil I – 1926 bis 1945

Der Ausstellungsteil zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers in der »Gelben Baracke« adaptiert in seiner Ausstellungsarchitektur das Raumschema einer Unterkunftsbaracke. Mehrere in der Tiefe gestaffelte, lebensgroße, hinterleuchtete und leicht bläulich verfremdete Porträts verschiedener Kriegsgefangener, Zivil- und Militärinternierter in einem stilisierten, nicht durchschreitbaren Mittelgang prägen die Eingangsperspektive.

 

Im Eingangsbereich befinden sich neben einem übergeordneten Einleitungstext zur gesamten Ausstellung ein dreidimensionales Lagermodel mit einer Computerpräsentation, welche die Transformation des Ortes von 1939 bis 2013 zeigt, und ein kurzer tabellarischer Überblick über die Vor- und Nachgeschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel. Auf zwei Luftfotos der britischen Armee vom April 1945 sind die verschiedenen Lagerbereiche, die heute noch erhaltene Bausubstanz sowie die Umgebung  des Lagers farblich markiert und mit Erklärungen versehen, so dass sich leicht die Struktur des ehemaligen Lagers wie auch der heutigen Gedenkstätte sowie deren Einbettung in die  Region erkennen lassen.


In den folgenden Ausstellungsnischen wird die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers sowohl thematisch, als auch einer gewissen Chronologie folgend dargestellt. Wesentliche zeitliche Brüche wie die Radikalisierung des Kriegsgefangenenwesens mit der Ankunft der sowjetischen Kriegsgefangenen ab Oktober 1941 und die Ankunft Tausender Häftlinge aus den Außenlagern des KZ Neuengamme im April 1945 sind als einschneidende Zäsuren in der Lagerhistoriographie inhaltlich hervorgehoben.


In den einzelnen Themenbereichen werden die Inhalte in mehreren Rezeptionsebenen präsentiert, die eine gestaffelte und je nach Interesse vertiefbare Betrachtung ermöglichen. Auf hinterleuchteten Glaswänden erläutern kurze B-Texte die einzelnen Kapitel. Auf vorgelagerten Pulten und auf zusätzlichen Tischen in der Raummitte finden sich in einer zweiten horizontalen Rezeptionsebene weiterführende Informationen. In und auf den Pulten und Tischen befinden sich dann als dritte Ebene Vitrinen, Klappbücher und Computer-, Video- und Audiostationen, die eine ausführliche Vertiefung einzelner Aspekte ermöglichen.


Die Themenbereiche sind im Einzelnen: 1. Kriegsgefangenenwesen und Aufbau des Stalag X B; 2. Bewachung und Aufnahme der Gefangenen; 3. Leben im Lager; 4. Kriegsgefangene zwischen Rassismus und politischem Kalkül; 5. Arbeit für die deutsche Kriegswirtschaft; 6. KZ-Häftlinge im Stalag X B sowie 7. Befreiung und Leben nach dem Krieg.

 

Blick in die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte. Foto: Andreas Ehresmann, 30.4.2013
Blick in die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte. Foto: Andreas Ehresmann, 30.4.2013

Ausstellungsteil II – 1945 bis 2013

Die Inhaltsebene im zweiten Ausstellungsteil zur Nachkriegsgeschichte in der »CVJM-Baracke« führt als mäanderndes horizontales Band in Hüfthöhe durch mehrere Räume der Baracke. Auf mehreren dazwischen angeordneten vertikalen Wänden befinden sich die einleitenden Kapiteltexte und hervorgehobene Einzelthemen.

 

Die Ereignisgeschichte wird chronologisch – beginnend mit der Befreiung bis zur Gegenwart – dargestellt. Die Themenbereiche sind im Einzelnen: 1. Die Befreiung des Stalag X B Sandbostel; 2. Das Internierungslager für SS-Angehörige 1945–1948; 3. Das Strafgefängnis-Lager Sandbostel 1948–1952; 4. Das Notaufnahmelager Sandbostel 1952–1960; 5. Nutzung durch die Bundeswehr 1962–1973, 6. Das Gewerbegebiet „Immenhain“ seit 1974; 7. Die Entstehung der Gedenkstätte und 8. Das Sandbostel-Gedächtnis.


Die Memorialkultur, die bereits unmittelbar nach der Befreiung mit einem ersten britischen Denkmal im ehemaligen Eingangsbereich des Lagers einsetzte, und die jüngeren geschichtspolitischen Debatten und Auseinandersetzungen begleiten die gesamte Ausstellung auf textilen Fahnen als eigenständige visuelle Ebene »hinter« der Inhaltsebene. Durch diese kontinuierliche Thematisierung der Memorialkultur erfolgt quasi ausstellungsimmanent in allen Nachnutzungsphasen der stetige Verweis auf die zugrunde liegende Geschichte des Stalag X B. Die Memorialkultur kulminiert dann in einem abschließenden Raum mit der Entwicklung der Gedenkstätte seit den 1980er-Jahren, dem Aufbau der Gedenkstätte und dem Umgang mit dem historischen Ort in der Gegenwart.


Mit dem »Sandbostel-Gedächtnis« befindet sich mittig im zentralen Ausstellungsraum ein weiterer wichtiger Themenbereich. An dieser Stelle wird die Erinnerung der Überlebenden an Sandbostel in der Memoirenliteratur sowie in Ausstellungen und Denkmälern in vielen Ländern Europas dargestellt. Deutlich wird, dass bei Kriegsgefangenen, Militär- und Zivilinternierten sowie KZ-Häftlingen aus über 50 Staaten, Kolonien und Dominions (nach damaliger Zählung) auch die Erinnerung in heute über 100 Staaten präsent ist.

 


YouTube-Video durch beide Ausstellungsteile von Holger Kania (21:32 min)


Die Ausstellung zur Geschichte des Stalag X B Sandbostel

Die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte