Neuigkeiten 2020


13.10.2020
"Walsemann-Bibliothek" an Gedenkstätte übergeben
Über 200 Bücher aus dem Nachlass von Ingeborg und Albrecht Walsemann an die Gedenkstätte übergeben.

Vor einigen Wochen wandte sich die Superintendentin a.D. und Sonderpädagogin Prof. Dr. Hanna Löhmannsröben aus Golm bei Potsdam an die Gedenkstätte und bot uns überraschend einen Teil der elterlichen Bibliothek mit über 200 Bänden zum Judentum, zu Nationalsozialismus, Kriegsverbrecherprozessen, Biografien und zur Euthanasie an. Der Hintergrund ist, dass die Mutter, Ingeborg Walsemann (geb. Blumhoff) nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers eines der vielen Mädchen war, die von der britischen Armee dienstverpflichtet und bei den Aufräum- und Pflegearbeiten eingesetzt wurden. Die Töchter Hanna Löhmannsröben und Mirjam Walsemann erklärten bei ihrem Besuch in Sandbostel am 9. Oktober, dass die elterliche Bibliothek in der Gedenkstätte im Sinne der Mutter gut aufgehoben sei. Sehr gerne nahmen wir dieses großzügige Angebot an. Empfangen wurden die Töchter von Ingeborg Walsemann vom Archivar und Bibliotheksleiter Ronald Sperling, dem Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Jan Dohrmann.

Von Links: Andreas Ehresmann, Hanna Löhmannsröben, Mirjam Walsemann und Ronald Sperling. Foto: J. Dohrmann
Von Links: Andreas Ehresmann, Hanna Löhmannsröben, Mirjam Walsemann und Ronald Sperling. Foto: J. Dohrmann

Zur großen Freude unserer ehrenamtlich tätigen Bibliothekarin Christa Steffens ist der gesamte Buchbestand bereits bibliothekarisch bearbeitet. Der freiberufliche Archivar Dr. Frank Eckart aus Berlin – ein Freund der Familie – hat die Sammlung strukturiert, auf 31 Seiten ausführlich erfasst und mit Signaturen versehen. Er konnte aufgrund der Beschränkungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie nicht aus Berlin anreisen und war digital zugeschaltet. Christa Steffens wird den Bestand nun weiter erschließen, verschlagworten und im GBV verzeichnen. Innerhalb der Gedenkstättenbibliothek werden wir die Bücher dann als eigenständige "Walsemann-Bibliothek" zugängig machen.


8.10.2020

Eröffnungsveranstaltung zur Sonderausstellung: „Gefangenschaft - Leiden - Tod - Rückkehr“. Sowjetische Soldaten aus dem Permer Gebiet in niedersächsischen Lagern jetzt online abrufbar

In kleinem Pandemiekonformen Kreis wurde am 8. Oktober die deutschsprachige Version der Sonderausstellung: „Gefangenschaft - Leiden - Tod - Rückkehr. Sowjetische Soldaten aus dem Permer Gebiet in niedersächsischen Lagern" im Bernard Le Godais-Saal eröffnet. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann wurden Grußworte von Astrid Wege vom Goethe-Instituts Moskau sowie von den russischen Kuratoren, Anna Otmachova und Valery Zarovnyannych verlesen. Alle drei konnten aufgrund der Einschränkungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie nicht zur Ausstellungseröffnung nach Sandbostel reisen. Umso erfreulicher war, dass der kommissarische Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Dr. Jens Binner und der Kurator der deutschsprachigen Version, Dr. Karl-Heinz Ziessow an der gestrigen Veranstaltung teilnehmen konnten.

Der Videomitschnitt der Eröffnungsveranstaltung ist jetzt in unserem youtube-Kanal oder hier abrufbar.

In schriftlicher Form liegen zudem die Grußworte von Astrid Wege (Goethe-Institut Moskau) und von Anna Otmachova und Valery Zarovnyannych aus Perm vor.


30.9.2020

Sonderausstellung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" verlängert

Aufgrund des großen Zuspruchs freuen wir uns, das wir die eigentlich heute endende Sonderausstellung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" um einen Monat bis zum 31. Oktober 2020 länger zeigen können.

Die Sonderausstellung kann in der ehemaligen Lagerküche während der regulären Winteröffnungszeiten besucht werden.

Montag - Freitag: 9.00 - 16.00 Uhr

Sonn- und Feiertags: 12.00 - 16.00 Uhr


7.9.2020
Laura Keiser beginnt FSJ Politik in Sandbostel

Am 1. September hat unsere neue Kollegin Laura Keiser ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Politik angetreten. Die 19-jährige hat in diesem Jahr ihr Abitur am Beruflichen Gymnasium in Bremervörde abgelegt und sich dann für den Freiwilligendienst beworben.

"Ich habe mich für das FSJ Politik in der Gedenkstätte Lager Sandbostel entschieden, da ich es als sehr wichtig empfinde, die Erinnerung an die Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und ich gerne meinen Teil dazu beitragen möchte. Ich freue mich deshalb sehr, dass ich nun die Möglichkeit habe, mich in die Aufrechterhaltung unserer regionalen Geschichte mit einzubringen", sagt Laura Keiser. Gleich am ersten Tag ihres FSJ hat sie sich mit einem Jugendbeitrag an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen beteiligt.

Finanziert wird die FSJ-Stelle durch die St. Lamberti Kirchengemeinde Selsingen und den Gedenkstättenverein Sandbostel e.V. Den Fördernden ist für diese große Unterstützung zu danken.

 

Herzlich willkommen in Sandbostel, Laura!


3.9.2020
Bewegendes Gedenken an deutschen Überfall auf Polen vor 81 Jahren

Am 1. September fanden sich etwa 50 Menschen auf der "Kriegsgräberstätte Parnewinkel" in Selsingen ein, um dem deutschen Überfall auf Polen vor 81 Jahren zu gedenken. Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Günther Justen-Stahl, verlas Mariusz Pindel ein Grußwort des Generalkonsulats der Republik Polen in Hamburg. Der Konsul betonte die Bedeutung des ehemaligen Lagerfriedhofs in Selsingen für die Erinnerungskultur, auf dem die Wehrmacht bis 1941 die ersten Verstorbenen aus dem Stalag X B bestattete.

Jan Dohrmann nahm in seiner Rede eine historische Einordnung der Ereignisse um den 1. September 1939 vor: "Auch anhand der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel können wir beweisen, dass die Maschinerie der Kriegsvorbereitungen im Deutschen Reich bereits im Sommer angelaufen war", sagte der Gedenkstättenmitarbeiter. Außerdem berichtete er von der Gefangenschaft polnischer Soldaten im Stalag X B, die von Arbeit, Hunger, Krankheiten und Gewalt geprägt war. Es folgte ein Jugendbeitrag von Laura Keiser, die am 1. September ihr FSJ an der Gedenkstätten begonnen hat, in dem die 19-jährige hervorhob, dass auch polnische Frauen nach dem Warschauer Aufstand 1944 in Sandbostel interniert wurden. "Erinnern und Gedenken hört nie auf. Es ist ein vielfältiger Prozess, der sich über Generationen erstreckt und immer ein Teil unserer Gesellschaft sein sollte", appellierte Laura Keiser an die Anwesenden.

Nachdem Pastor Manfred Thoden von der St. Lamberti Kirchengemeinde Selsingen ein Gebet des polnisches Papstes Johannes Paul II. verlas, erfolgte eine Kranzniederlegung durch die Vertreter des polnischen Generalkonsulats in Hamburg, sowie des Gedenkstättenvereins Sandbostel e.V. und der Stiftung Lager Sandbostel.

Auf der dem zweiten und größeren ehemaligen Lagerfriedhof in Sandbostel endete die Veranstaltung mit einer Blumenniederlegung vor dem Hochkreuz auf dem polnischen Grabfeld und der Möglichkeit des individuellen Gedenkens. Das Duo "Capella Cecilia" mit Andrea Breimeier an der Querflöte und Angela Steuer an der Violine begleitete die Gedenkstunde musikalisch.


18.8.2020
Anmeldung zum Workshop-Tag 2020 ab sofort möglich


15.8.2020
Vortrag über 'comfort women' als Video verfügbar


7.8.2020
Wir trauern um Peter Matthiesen

Mit großer Bestürzung müssen wir mitteilen, dass am 5. August Peter Matthiesen im Alter von fast 81 Jahren an Herzversagen verstorben ist.
Peter war seit sehr vielen Jahren der Gedenkstätte Lager Sandbostel und dem Gedenkstättenverein Sandbostel e.V. eng verbunden, bis zum letzten Jahr war er noch der Kassenwart des Vereins.

Wir veröffentlichen im folgenden einen Nachruf des Ehrenmitglieds des Gedenkstättenvereins und langjährigen Weggefährten Dr. Klaus Volland.

Unsere Gedanken sind bei Peters Frau Elisabeth und seiner großen Familie.

Dr. Klaus Volland
Nachruf für Peter Matthiesen
Am 5. August ist Peter Matthiesen, langjähriges Vorstandsmitglied des Gedenkstättenvereins Sandbostel und als eifriger ehrenamtlicher Mitarbeiter insbesondere im Besucherdienst ein  bekanntes Gesicht der Gedenkstätte Lager Sandbostel, kurz vor der Vollendung seines 81. Lebensjahrs in seinem Haus in Bremervörde-Nieder Ochtenhausen gestorben.

Peter Matthiesen stammte aus Friedrichsanbau in der Nähe von Schleswig und  wuchs in  bescheidenen Verhältnissen mit zahlreichen Geschwistern auf. Der  Vater blieb im Krieg an der Ostfront verschollen, seine Spur verlor sich 1945 in der Tucheler Heide. Der Verlust des Vaters war für Peter  sicher ein Motiv, sich später in Sandbostel zu engagieren. Nach Beendigung der Volksschule begann er eine Lehre bei der Post, zunächst in Schleswig, dann in Süderbrarup. Peter erzählte gern schalkhaft Anekdoten, so etwa über seinen Mitlehrling und Namensvetter Klaus Matthiesen, den späteren Minister in Nordrhein-Westfalen. In Süderbrarup lernte Peter in einer Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde auch seine Frau Elisabeth kennen.

Im April 1965 zog die junge Familie nach Bremervörde, wo Peter sich eine Existenz als Steuerberater aufbaute. Er wurde ob seiner hohen Qualifikation sehr geschätzt. Die Matthiesens zogen dann mit schließlich vier Kindern nach Nieder Ochtenhausen aufs Land. Peter liebte die aus Friedrichsanbau vertraute Landluft und seinen großen Garten mit den vielen hohen Bäumen. Er blieb seiner Schleswiger Heimat stets verbunden und machte gleichwohl auch Nieder Ochtenhausen zu seiner Heimat. Zehn Jahre führte Peter den TuS Nieder Ochtenhausen und stand immer wieder im Fußballtor auf dem Platz  vor seinem Haus.  Eine Großtat vollbrachte er, als er als Vereinsvorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Nieder Ochtenhausen die innerörtliche Umsetzung eines Kornspeichers organisierte und sich dabei u. a. auch als schwindelfreier Ziegeldecker hervortat.  Der Kornspeicher ist seither ein beliebter kultureller Treffpunkt mit einem großen Einzugsgebiet.

Peter Matthiesen war lange Jahre im Vorstand des Gedenkstättenvereins Sandbostel als Kassenführer tätig. Seine Kassenführung wurde stets als mustergültig gelobt. Er kam darüber hinaus  in vielen Bereichen zum Einsatz: Bei den Gedenkveranstaltungen leistete er immer wieder Fahrdienste und war zusammen mit Elisabeth bis zuletzt zuständig für die Besorgung von Blumen- und Kranzschmuck. Bei den Jubiläumstagungen des Gedenkstättenvereins moderierte er mehrfach eine Arbeitsgruppe, und er liebte es, zusammen mit Elisabeth ehemalige Kriegsgefangene bzw. deren Angehörige in ihr Haus in Nieder Ochtenhausen einzuladen, wo sie herzlich bewirtet wurden.  Aus einer Begegnung am Gedenkstein auf dem  Lagergelände in Sandbostel entwickelte sich eine besonders enge freundschaftliche Beziehung der Matthiesens zu  Anne-Marie DeKlerck aus der Nähe von Brügge, der Tochter eines ehemaligen belgischen Kriegsgefangenen, und zu ihrer Familie. - Auch im Kinderschutzbund Bremervörde nahm Peter das Amt des Kassenführers gewissenhaft und zuverlässig wahr, an der Seite der Vorsitzenden Elisabeth Matthiesen.

Peter hielt sich bis ins hohe Alter körperlich fit durch das regelmäßige Training in einer Nieder Ochtenhausener Laufgruppe und wirkte noch als Spätsiebziger mit seinem dichten schwarzen Haar jugendlich. Dass er geistig fit war, bewies er u. a. durch ein verblüffendes Personengedächtnis und ein unschlagbares topographisches Wissen nicht nur über den Raum Bremervörde und Sandbostel. Peter war ein Lexikon, das  über Vieles Auskunft geben konnte.

Wir haben einen unvergesslichen Menschen, einen guten Freund verloren!

Bremervörde, den 7. August 2020


3.8.2020

Erfolgreicher Theaterworkshop im Rahmen von "meet&work kreativ"

Die „meet & work“ - Woche wurde am 24. Juli 2020 durch den Teil „meet & work kreativ“ in Form eines Theaterworkshops ergänzt. 15 junge Erwachsene aus der Region von Buxtehude über Bremervörde, Zeven und Tarmstedt bis Worpswede hatten sich angemeldet. Die Theaterpädagogin und Regisseurin Gaby Reetz aus Zeven bot den Workshop an.
Mit großer Motivation und Spielfreude entwickelten sich die Teilnehmer schnell zu einem tollen Team, das sich mit Hilfe von theatralen Spielen und Übungen dem Thema „Haltung zeigen“ näherte.

Durch die Darstellung von Emotionen, Körperhaltungen, Improvisationen und gezielten Bewegungsformen entstanden überraschende und überzeugende Bilder, die besonders zunächst im nonverbalen Bereich auszudrücken vermochten, was es bedeutet, zivilcouragiert zu reagieren. Das war interessant sowohl für die Spielenden als auch für die jeweils Zuschauenden und förderte insbesondere durch kurze Feedback-Runden und Gespräche das Bewusstsein dessen, was man unter „Haltung zeigen“ versteht und was es allgemein, aber auch für einen selbst bedeutet.
Das gemeinsame Spiel und der theatrale Prozess intensivierte, was man natürlich eigentlich weiß: Jeder möchte Zivilcourage beweisen, möchte „richtig“ eingreifen, wenn man „Haltung zeigen“ muss, egal ob bei rassistischen verbalen oder sogar körperlichen Angriffen oder weil man sich gegen Polizeiübergriffe wehren will, weil man die Notwendigkeit begreift, sich für den Klimaschutz einzusetzen, weil man Rechtsradikale in ihre Schranken verweisen will oder weil man sich gegen sexuelle Übergriffe wehren möchte und muss.
Klar wurde aber auch, dass man nicht nur immer den Helden spielen würde, sondern dass man auch Angst haben kann, dass man zögert einzugreifen, dass man differenzierte Formen des „Haltung Zeigens“ finden kann und muss.

Alle Spiele und Übungen trugen dazu bei, sich selbst noch einmal bewusst zu machen, was es heißt, „Haltung zu zeigen“, ob politisch, historisch, gesellschaftlich, im persönlichen Umfeld oder auch auf sich selbst bezogen. Die starke Handlungsorientierung und der damit verbundene aktive Gedankenaustausch motivierte, Denkanstöße zu gewinnen, einen Standpunkt zu beziehen, diesen für sich und andere zur Diskussion zu stellen und somit gesellschaftliches Leben mit zu gestalten.
Es wurde klar, dass in diesem Kontext theatrales Arbeiten vielfältige ästhetische Gestaltungs- und Handlungsfelder eröffnet und dass hierin eine Chance liegt, den Bildungsbegriff (auch den der Gedenkstättenarbeit) zu erweitern und dabei zu einer positiven Selbsterfahrung zu gelangen.


29.7.2020

Stellungnahme zu rassistischen Übergriffen in Zeven und Gnarrenburg

In den letzten Wochen machten mehrere mutmaßlich rechte Gewalttaten in der Region Schlagzeilen. Nach der Ermordung von Amadou Diabate am 25. Juni 2020 in Zeven äußerten sich Geflüchtete zu alltäglichen Schroffheiten, behördlichen Schikanierungen, feindseligen und rassistischen Kommentaren bis zu Bedrohungen. Nur wenige Wochen später wird in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2020 ein syrisches Restaurant in Gnarrenburg angezündet und ein Hakenkreuz an die Wand geschmiert. Erst im vergangenen Jahr beschmierten Unbekannte einen Gedenkstein für die ermordeten Jüdinnen und Juden aus Zeven und beschädigten Teile des Friedhofs für sowjetische Kriegsgefangene am Nord-West-Ring (Hierzu haben wir bereits im Oktober 2019 eine Stellungnahme veröffentlicht).

Welche mörderischen Formen Rassismus und Antisemitismus in der Bundesrepublik annehmen können, zeigen der Anschlag in Hanau, die Ermordung des Politikers Dr. Walter Lübcke in Kassel und der Anschlag in Halle, dessen Täter unter großer medialer Aufmerksamkeit in diesen Tagen vor Gericht steht. Dass rassistische und antisemitische Gewalt nicht nur andernorts vorkommt, verdeutlichen uns aber auch die jüngsten Vorfälle hier in der Region. Besonders in Zeven richtet sich die Gewalt konkret gegen Geflüchtete oder als ausländisch gelesene Personen, die bedroht, beschimpft, beleidigt und gegängelt werden.

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel verurteilt nicht nur die Gewalt, sondern auch den zugrunde liegenden Rassismus und Antisemitismus dieser Taten. Diese Vorkommnisse zeigen die Notwendigkeit, sich grundlegend mit rassistischen und antisemitischen Strukturen in der Gesellschaft und Politik auseinanderzusetzen. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel ist dabei eine von vielen Einrichtungen, die an den Antisemitismus und Rassismus im Nationalsozialismus erinnert. Die rassistisch begründete Ungleichbehandlung der Kriegsgefangenen im Kriegsgefangenenlager Stalag X B Sandbostel durch die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs ist ein zentrales Thema der Ausstellung. Gleichzeitig beschäftigen wir uns an diesem Ort in vielfältiger Weise mit dem heutigen Rassismus und laden Besucherinnen und Besucher ebenso dazu ein.

Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel verurteilen die rassistische Gewalt im Landkreis Rotenburg (Wümme) und fordern einen kritischen öffentlichen Umgang mit solchen Taten.


25.7.2020

BBC-Moderator Huw Edwards besucht die Gedenkstätte Lager Sandbostel und Westertimke

Ines Dirolf zeigt Edwards das ehemalige Ilag in Sandbostel
Ines Dirolf zeigt Edwards das ehemalige Ilag in Sandbostel

Der walisische Journalist und Nachrichtensprecher Huw Edwards hat sich gestern auf die Spuren der Geschichte seines Großvaters im Zweiten Weltkrieg begeben. John Edwards war mehrere Jahre als Seemann der britischen Handelsmarine in Lagern der deutschen Kriegsmarine interniert. Begleitet wurde Huw Edwards von einem Team der britischen BBC, deren Abendsendung "News at Ten" er seit 2003 moderiert. Anlass für die Reise ist eine Beitragsreihe über die Familiengeschichten der Nachrichtensprecher*innen, die zum 75. Jahrestag des Kriegsendes gesendet wird.

Edwards und Dirolf in der Gedenkstätten-Bibliothek
Edwards und Dirolf in der Gedenkstätten-Bibliothek

Der erste Halt führte Huw Edwards in die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Einen Teil des Kriegsgefangenenlagers Stalag X B nutzte die Kriegsgmarine zeitweise zur Unterbringung von Zivilpersonen feindlicher Nationalität - vor allem Seeleute der britischen Handelsmarine. In diesem Internierungslager (Ilag) genannten Bereich wurde auch der 35-jährige Schiffszimmerer John Edwards im Jahr 1941 registriert und verbrachte dort die ersten Monate seiner Internierung. Die wissenschaftliche Volontärin Ines Dirolf begleitete Huw Edwards auf einen Rundgang über die Gedenkstätte Lager Sandbostel und gab ihm einen Überblick über die komplexe Geschichte des Ortes. Obwohl sein Interesse in Hinblick auf die Geschichte seines Großvaters besonders den Zivilinternierten galt, zeigte sich Edwards sehr berührt von dem Schicksal der anderen Gefangenengruppen in Sandbostel, insbesondere der sowjetischen Kriegsgefangenen und der KZ-Häftlinge. In der Bibliothek der Gedenkstätte zeigten Ines Dirolf und der studentische Mitarbeiter Jan Dohrmann dem Journalisten historische Fotos, Erinnerungsberichte ehemaliger Zivilinternierter und ausgewählte Archivalien, darunter die Erkennungsmarke eines unbekannten Zivilinternierten.

Vor der Milag-Gedenkanlage in Westertimke
Vor der Milag-Gedenkanlage in Westertimke

Von Sandbostel aus fuhren Huw Edwards und sein Team mit Ines Dirolf und Jan Dohrmann in das etwa 30 Kilometer entfernte Westertimke weiter. In das dort im Herbst 1941 eingerichtete Marinelager und Marineinternierungslager (Marlag/Milag) Nord verlegte die deutsche Kriegsmarine bis Mai 1942 alle kriegsgefangenen Marinesoldaten und internierten zivilen Seeleute aus Sandbostel. John Edwards verbrachte im Marlag/Milag Nord die längste Zeit seiner Gefangenschaft bis er 1944 in Folge eines Gefangenenaustauschs in seine Heimat zurückkehren konnte. Heute erinnert eine kleine Gedenkanlage neben der ehemaligen Kommandantur, die heute als Wohnhaus genutzt wird, an das nahezu komplett überbaute Lager. Westertimkes Bürgermeisterin Karin Gieschen, der frühere Bürgermeister Peter Heyer und Bernd Heitmann begrüßten den Besuch aus London. Heitmann hatte 2005 die Einweihung des Denkmals zum 60. Jahrestag der Befreiung begleitet und war als Friedhofsgärtner mit der Pflege der Anlage betraut. Herr Heyer und Herr Heitmann beantworteten Fragen zur lokalen Erinnerung an das Marlag/Milag Nord.

Über die Reise von Huw Edwards wird die BBC im September anlässlich des 75. Jahrestags der Kapitulation Japans und des Kriegsendes Beiträge in verschiedenen Formaten veröffentlichen. Eine kurze Version soll in der Nachrichtensendung "News at Ten", die Edwards moderiert, gezeigt werden und eine längere unter anderem über das Internet abrufbar sein.


8.7.2020

Gedenken an die nach der Befreiung des Stalag X B Sandbostel in alliierten Militärlazaretten in Bassum verstorbenen KZ-Häftlinge

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel hat am 7. Juli 2020 auf dem Friedhof von Bassum im Landkreis Diepholz an die dort ruhenden KZ-Häftlinge aus dem KZ-Auffanglager Sandbostel erinnert, die nach ihrer Befreiung im Stalag X B am 29. April 1945 von der britischen Armee in zwei in dem ehemaligen Ausweichkrankenhaus des Rote Kreuz Krankenhauses Bremen an der Bremer Straße eingerichtete Feldlazarette, das 7 Canadian General Hospital und das 8 British General Hospital, gebracht wurden und dort zwischen dem 18. Mai 1945 und dem 7. Juli 1945 gestorben sind. Weitere 20 französische KZ-Häftlinge wurden 1949 exhumiert und nach Frankreich überführt.

Heute ruhen auf der kleinen Grabanlage auf dem Friedhof von Bassum 28 namentlich bekannte Tote, darunter 3 Ungarn, 17 Russen, 1 Spanier, 1 Belgier, 3 Rumänen, 3 Letten sowie 1 Unbekannter, wobei die Zuordnung der Nationen teilweise fehlerhaft ist, denn die Gedenkstätte Lager Sandbostel konnte in Bassum das Grab des holländischen KZ-Häftlings Jan Breider aus dem KZ Neuengamme nachweisen, der am 29. Juni 1945 im 8 British General Hospital verstorben ist und dort heute als Rumäne ruht. Mit Hilfe der Arolsen Archives wird die Gedenkstätte Lager Sandbostel versuchen, auch die übrigen Identitäten der in Bassum beerdigten KZ-Häftlinge aus dem KZ-Auffanglager im Stalag X B Sandbostel zu klären.


6.7.2020

Erinnerung an die 1945 in Rotenburg verstorbenen KZ-Häftlinge aus dem Stalag X B Sandbostel

Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums Rotenburg verlasen die Namen der auf dem Waldfriedhof ruhenden KZ-Häftlinge. Foto: J. Dohrmann, 5.7.2020
Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums Rotenburg verlasen die Namen der auf dem Waldfriedhof ruhenden KZ-Häftlinge. Foto: J. Dohrmann, 5.7.2020

Am 5. Juli 1945 verstarb mit dem polnischen KZ-Häftling Czeslav Rotek im 86th British General Hospital in Rotenburg-Unterstedt der letzte am 29. April 1945 im Stalag X B Sandbostel befreite Häftling aus dem KZ Neuengamme und seiner Außenlager. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel hat dieses Todesdatum zum Anlass genommen, auf dem Rotenburger Waldfriedhof an die 376 KZ-Häftlinge aus dem KZ-Auffanglager Sandbostel zu erinnern, die zwischen dem 11. Mai 1945 und dem 5. Juli 1945 in dem in einem ehemaligen Bremer Ausweichkrankenhaus eingerichteten britischen Armeelazarett verstarben und 1947 auf den Rotenburger Waldfriedhof umgebettet worden sind.

Der historische Gedenkstein aus Unterstedt und Namensstelen mit den Namen der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen. Foto A. Ehresmann, 7.5.2015
Der historische Gedenkstein aus Unterstedt und Namensstelen mit den Namen der auf dem Waldfriedhof bestatteten KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen. Foto A. Ehresmann, 7.5.2015

Heute ruhen auf diesem Gräberfeld 135 Russen, 86 Polen, 29 Franzosen, 14 Letten, 11 Holländer, 10 Ungarn, 6 Belgier, 5 Deutsche, 9 Jugoslawen, 3 Griechen, 2 Litauer, 2 Spanier, 2 Tschechen, 1 Slowake, 1 Este und 25 Tote unbekannter Nationalität. Darunter auch polnische, jugoslawische und sowjetische Kriegsgefangene aus dem Stalag X B Sandbostel, die während des Zweiten Weltkrieges in einem Rotenburger Wehrmachtslazarett starben sowie 28 sowjetische Kriegsgefangene aus dem Arbeitskommando Drübber im Landkreis Verden, die 1947 von den Briten nach Rotenburg umgebettet worden sind. Zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt Rotenburg Andreas Weber legten Mitarbeiter der Gedenkstätte auf der Gräberfläche für die KZ-Opfer und Kriegsgefangenen auf dem Waldfriedhof Blumen nieder. Schüler des Ratsgymnasiums Rotenburg beteiligten sich an der Gedenkveranstaltung und verlasen die bekannten Namen der vor 75 Jahren in Unterstedt verstorbenen KZ-Häftlinge aus dem Stalag X B Sandbostel. Ein von der Schülerin Marie Kehrstephan gespieltes Stück auf der Klarinette mit einer anschließenden Gedenkminute schloss die kleine Zeremonie ab.


5.7.2020

„meet&work“. Neues Angebot in der Gedenkstätte

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel bietet in den Sommerferien ein neues Angebot an für Leute jeden Alters, die Lust haben mit gänzlich Unbekannten, Altbekannten und Freunden gemeinsam einen Tag oder mehr zu arbeiten. „meet&work“ heißt das neue Format und findet zunächst einmalig als „Versuchsballon“ statt vom 22. bis 24. Juli, sowie am 29. August von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Auf dem Programm steht das gemeinsame Arbeiten auf dem Gelände der Gedenkstätte.

„Wir bieten allen, die Lust und Zeit haben einen gelassenen Werkstatttag an. Gemeinsam arbeiten und etwas schaffen. Neue Leute kennenlernen. Altbekannte und Freunde wiedertreffen. Gemeinsam gut essen und ins Gespräch kommen. Dazu gibt es den einen und anderen Impuls zur Geschichte dieses Ortes,“ so Michael Freitag-Parey zu der Idee von „meet&work“ und ergänzt: „Wir haben ganz unterschiedliche Aufgaben auf der Todo-Liste für diese Tage stehen. Diese reichen von Reparatur- und Pflegearbeiten auf dem Aussengelände bis hin zum gemeinsamen Nachdenken darüber, wie die Friedens- und Gedenkstättenarbeit morgen und übermorgen aussehen kann oder auch aussehen muss. Wir haben z.B. vor neue Konzepte und Ideen vorzustellen und sie dem Praxistest zu unterziehen.“ „Zudem wollen wir das gemeinsame Arbeiten auch immer wieder mit Kurz-Impulsen und gemeinsamen Interaktionen zum historischen Ort unterbrechen“, führt Lars Hellwinkel aus, der gemeinsam mit Freitag-Parey dieses neue Format konzipiert hat und anbieten wird.

Ergänzt wird das neue Angebot von zwei weiteren Programmen in einem ähnlichen Stil. So findet am Freitag, 24. Juli „meet&work kreativ“ statt. Ein Theater-Workshop zum Thema „Haltung zeigen“ mit Gaby Reetz, die über Jahrzehnte hinweg für die Theaterarbeit am Gymnasium St. Viti in Zeven verantwortlich war und in dieser Zeit zahlreiche Stücke auf die Theaterbühne der Schule gebracht hat. Ebenso ist am gleichen Tag parallel dazu ein Foto-Workshop geplant. Hier laufen zur Zeit noch die Gespräche mit möglichen Referenten. Kurz nach dem Schulstart findet am Samstag, den 29. August ein weiteres Angebot statt: „meet&work for peace – Ein Chrashkurs in Sachen Frieden“ mit Michael Freitag-Parey.

Weitere Infos in Stichworten:

  • Kosten: Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. – Du kannst uns jedoch gerne eine Spende zukommen lassen.
  • Verpflegung: An allen vier Tagen gibt es ein kostenloses Mittagessen sowie am Nachmittag ein kostenloses Kuchenbuffet. Wir bitten jedoch darüber hinaus, dass jede/r Teilnehmer*in für Getränke selber sorgt.
  • Übernachtung: Sollte das Interesse bestehen an beiden „meet&work“-Tagen hintereinander teilzunehmen ist eine Übernachtung ortsnah möglich: www.fub-oese.de
  • JULEICA: Nach Teilnahme einer unserer „meet&work“ – Tage erhältst du im Nachgang ein Zertifikat mit dem du deine JULEICA auffrischen kannst.
  • Alter: Keine Altersbeschränkung (14 – 99 Jahre)
  • Was ist mitzubringen: für den 22./23. Juli - Arbeitskleidung (z.B. auch Arbeitshandschuhe) und wetterfeste Kleidung (z.B. ggf. auch Sonnenschutz).
  • Anmeldungen und Rückfragen: m.freitag-parey@stiftung-lager-sandbostel.de; l.hellwinkel@stiftung-lager-sandbostel.de

3.7.2020

Ausstellungseröffnung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" mit einleitendem Vortrag vom Kurator Karl Rössel (Köln): Mitschnitt jetzt abrufbar

Eröffnungsveranstaltung bei YouTube siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=Do0U4rj_p8c


25.6.2020

Neues Veranstaltungsprogramm Juli bis Dezember 2020 erschienen


22.6.2020

79. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion


12.6.2020

Gedenkveranstaltung für Fernand Deffaux in Stade

Gedenkveranstaltung auf dem Garnisonsfriedhof in Stade. Foto: Lars Hellwinkel, 12.6.2020
Gedenkveranstaltung auf dem Garnisonsfriedhof in Stade. Foto: Lars Hellwinkel, 12.6.2020

Heute hat der Französischkurs der Klasse 10f2 des Gymnasiums Athenaeum in Stade des französischen KZ-Häftlings Fernand Deffaux gedacht, der vor 75 Jahren am 12. Juni 1945 in Stade gestorben ist. Geboren am 26. April 1914 in Bury im Département Oise wurde Fernand Deffaux im Oktober 1944 in das KZ Neuengamme deportiert und erhielt dort die Häftlingsnummer 54395. Eingesetzt im Außenlager Meppen-Versen wurde er bei dessen Räumung im April 1945 auf die Todesmärsche von Meppen nach Bremen-Farge und von Farge in das Stalag X B Sandbostel gezwungen. Am 29. April 1945 in Sandbostel befreit, sollte Fernand Deffaux am 10. Juni 1945 über den Flugplatz Ottenbeck bei Stade nach Paris ausgeflogen werden. Er hatte sich jedoch im KZ-Auffanglager mit Typhus angesteckt und war so schwach, dass der französische Transportoffizier den Lufttransport ablehnte und Fernand Deffaux in das Stader Krankenhaus bringen ließ, wo er am frühen Morgen des 12. Juni 1945 starb. Die Familie war lange Zeit davon ausgegangen, dass Fernand Deffaux beim Untergang der Cap Arcona ums Leben gekommen ist. Erst 2015 konnte die Gedenkstätte Lager Sandbostel mit Hilfe der Amicale de Neuengamme sein Schicksal klären. Fernand Deffaux ruht in einem Einzelgrab auf dem Garnisonsfriedhof Stade.


26.5.2020

Radiointerview mit Andreas Ehresmann zur virtuellen Gedenkfeier online

Am 4. Mai hat der Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel in einem Interview mit der Radiosendung "re(h)v(v)o(l)lte" des Freien Sender Kombinats (FSK) aus Hamburg über die Entstehung der virtuellen Gedenkveranstaltung anläßlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Stalag X B und die Möglichkeiten und Grenzen dieses Formates gesprochen. Nunmehr ist das Interview auch im Audioportal Freier Radios (freie-radios.net) nachhörbar.

„virtuelle gedenkfeiern können das zusammenkommen nicht ersetzen, aber sie bieten auch eine chance.“ ein gespräch mit andreas ehresmann, leiter der gedenkstätte sandbostel (24:48 min)


8.5.2020
Gedenken anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes

Seit mehreren Jahren ruft eine Personeninitiative aus Stade dazu auf, am 8. Mai, dem Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und dem Ende des nationalsozialistischen Dritten Reichs, Blumen für diejenigen niederzulegen, die den Tag der Befreiung nicht mehr erlebten. Dazu hat der Heimatforscher Michael Quelle die Gräber von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen im Landkreis Stade recherchiert.

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel hat sich in diesem Jahr, dem 75. Jahrestag des Kriegsendes, an der Gedenkaktion beteiligt und auf 27 der insgesamt 90 bisher bekannten Friedhöfe, mit Gräbern von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aus dem Stalag X B Sandbostel, Blumen und Gestecke niedergelegt.

Auf der Homepage der Gedenkstätte sind in der Rubrik Geschichte/Friedhöfe/Weitere Friedhöfe alle uns derzeit bekannten 89 Friedhöfe mit Gräbern von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen aus Sandbostel, in den niedersächsischen Landkreisen Rotenburg (Wümme), Stade, Cuxhaven,  Harburg, Osterholz, Lüneburg, Heidekreis und Verden sowie in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein, dokumentiert.

Blumen und Gestecke wurden am 8. Mai 2020 niedergelegt auf folgenden Friedhöfen:

  • Bremen, ehemaliger "Russenfriedhof Grambker Heerstraße"
  • Bremen, Osterholzer Friedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Bremen Hastedt, Jüdischer Friedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Hamburg, Öjendorfer Italienischer Ehrenfriedhof – Italienische Militärinternierte
  • Hamburg, Bergedorfer Friedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Hamburg, Neuer Friedhof Harburg – Polnische AK-Angehörige und sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Bossel, Gemeindefriedhof – Sowjetischer Kriegsgefangener
  • Niedersachsen, Bremervörde, Bahnhof – Ankunftsort von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen auf dem Weg in das Kriegsgefangenenlager (Stalag) X B Sandbostel
  • Niedersachsen, Dollern, Gemeindefriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Gräpel, Gemeindefriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Helmste, Gemeindefriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Hepstedt, Kriegsgräberstätte – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Kronshusen bei Zeven, Kriegsgräberstätte – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Neuenkirchen/Schwanewede – nach der Befreiung verstorbene KZ-Häftlinge
  • Niedersachsen, Nottensdorf – Ein sowjetischer Kriegsgefangener
  • Niedersachsen, Oldenburg i. Old., Jüdischer Friedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Rotenburg (Wümme), Waldfriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene und Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten und KZ-Häftlinge
  • Niedersachsen, Sandbostel, Lagerfriedhof Stalag X B – Sowjetische Kriegsgefangene und Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten und KZ-Häftlinge
  • Niedersachsen, Selsingen-Parnewinkel, Lagerfriedhof Stalag X B – Sowjetische Kriegsgefangene und Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten
  • Niedersachsen, Groß Sterneberg, Gemeindefriedhof – Ein serbischer Kriegsgefangener
  • Niedersachsen, Schneverdingen, Gemeindefriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Stade, Garnisonsfriedhof – Polnischer Kriegsgefangener und französischer KZ-Häftling
  • Niedersachsen, Stade-Bützfelth, Gemeindefriedhof – Sowjetischer Kriegsgefangener
  • Niedersachsen, Stade-Wiepenkathen, Gemeindefriedhof – Sowjetische Kriegsgefangene
  • Niedersachsen, Steinkirchen, Gemeindefriedhof – Ein polnischer Kriegsgefangener
  • Niedersachsen, Verden, Domfriedhof – Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten
  • Niedersachsen, Zeven, Gemeindefriedhof – Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten

5.5.2020
Niederländisches Totengedenken an der Lagerkirche

Wie jedes Jahr am 4. Mai, dem niederländischen Gedenktag "Nationale Dodenherdenking", hat auch gestern die "Nederlandse Traditie Vereniging Seedorf e.V." (NTSV), an die niederländischen Opfer von Krieg und Verfolgung erinnert und ihrer gedacht. Aber den aktuellen Ereignissen angepasst, kamen in diesem Jahr mit dem Vorsitzenden Henk Tijink, dem stellvertretenden Vorsitzenden Pieter Dotinga und der Schriftführerin Wilma Sievert nur drei Repräsentanten um nach Sandbostel um einen Kranz am Gedenkstein für die in Sandbostel verstorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge vor der Lagerkirche niederzulegen. Die Kranzniederlegung, die Rede des Vorsitzenden Henk Tijink und das Verlesen eines Gedichts der niederländischen Schülerin Tamara Tromp sowie die traditionellen zwei Gedenkminuten, wurden aufgezeichnet. Die Mitglieder des NTSV, die sonst immer in einer großen Gruppe nach Sandbostel kamen, konnten die Zeremonie auf der Homepage der Vereinigung nachverfolgen.

Henk Tijink bei der Ansprache
Henk Tijink bei der Ansprache

Hintergrund 1:
Ursprünglich war das Dodenherdenking am 4. Mai (dem Datum der Unterzeichnung der deutschen Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden auf dem Timeloberg bei Lüneburg) als nationaler Gedenktag für die niederländischen Opfer im Zweiten Weltkrieg gedacht.
1961 erfolgte allerdings eine offizielle Erweiterung, die nunmehr alle niederländischen Kriegsopfer oder Verstorbenen seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs umfass
Einen Tag später am 5. Mai wird dann die Befreiung der Niederlande von der deutschen Besatzung gefeiert.

Hintergrund 2:
Im Kriegsgefangenenlager Sandbostel gab es viele zivile Seeleute aus den Niederlanden und den niederländischen Kolonien, die auf ihren Handelsschiffen von der deutschen Kriegsmarine aufgebracht und zunächst in das Zivilinternierungslager im Stalag X B und später dann in das Marlag/Milag-Nord in Westertimke überstellt wurden. Todesfälle unter den zivilen Niederländern sind bisher nicht bekannt.
Kurz vor Kriegsende wurden etwa 9.500 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme und einigen Außenlagern im Bremer Raum mit Transporten nach Sandbostel deportiert. Darunter befanden sich auch 519 Niederländer. Am 29. April 1945, dem Tag der Befreiung, wurden noch 377 niederländische KZ-Häftlinge lebend gezählt. Aber auch nach der Befreiung starben noch zahlreiche Häftlinge an Entkräftung, darunter fast 200 Niederländer. Insgesamt kehrte nur ein Drittel lebend aus Sandbostel in die Niederlande zurück (175 Personen).


4.5.2020
Ab 7. Mai ist die Gedenkstätte mit einem reduzierten Angebot wieder geöffnet

Entsprechend der aktuellsten niedersächsischen „Rechtsverordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Corona-Virus“ können Museen, Ausstellungen und Galerien, Gedenkstätten in Niedersachsen ab dem 6. Mai 2020 wieder geöffnet werden.
Wir freuen uns sehr, dass wir wieder öffnen können und Sie uns besuchen! Entsprechend der unverändert bestehenden Gefährdung durch den Corona-Virus werden wir die Gedenkstätte Lager Sandbostel aber ab 7. Mai 2020 zunächst auf unbestimmte Zeit mit einem reduzierten Angebot öffnen.

Zum Schutz der Besucher*innen und der Mitarbeiter*innen bzw. der Reduzierung des Risikos einer Ansteckung mit der Lungenkrankheit Covid-19 sind folgende Einschränkungen und Hygiene- und Abstandsmaßnahmen einzuhalten.

 

Einzelbesucherinnen und Besucher:

  • Der Zugang zu den Ausstellungsgebäuden und den Schaubaracken auf dem Gedenkstättengelände ist nur mit einer geeigneten Mund-Nase-Maske zulässig (sogenannte „Community Maske“). Eine „Community Maske“ schützt nicht vor Ansteckung, es reduziert aber den Tröpfchenausstoß der/s Träger*in und schützt die andere Person („Ich schütze dich, Du schützt mich“).
  • Im Eingangsbereich zur Hauptausstellung ist eine Handdesinfektion durchzuführen. Desinfektionsmittel steht zur Verfügung.
  • In den Ausstellungsgebäuden und den Schaubaracken der Gedenkstätte Lager Sandbostel sind zeitgleich maximal je 10 Personen zulässig.
  • Der Abstand zwischen den Besucherinnen und Besuchern muss mindestens eineinhalb Meter betragen (besser sind zwei Meter).

Gruppen:

  • Aktuell sind angemeldete Besuchsgruppen und Gruppenbildungen an den öffentlichen Sonntagsöffnungen noch nicht zulässig.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Niesen oder Husten sollte in die Armbeuge zu erfolgen.
  • Regelmäßiges und ausgiebiges Händewaschen  (mindesten 20 Sekunden, besser 30 Sekunden) reduziert die Ansteckungsgefahr.
  • Möglichst wenig mit den Händen anfassen reduziert die Gefahr einer Schmierinfektion.