Neuigkeiten Januar - Juni 2022


25.1.2022

Besuch der Grabung auf der Reitbrake in Bremen

Landesarchäologin Prof. Halle und Grabungsleiterin Cathrin Hähn im Gespräch mit Ines Dirolf. Foto: A. Ehresmann, 24.1.2022
Landesarchäologin Prof. Halle und Grabungsleiterin Cathrin Hähn im Gespräch mit Ines Dirolf. Foto: A. Ehresmann, 24.1.2022

Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann und Ines Dirolf besuchten gestern auf Einladung der Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle die Grabungsstelle der Bremer Landesarchäologie auf der Reitbrake in Bremen. Prof. Halle und die Archäologin und Grabungsleiterin Cathrin Hähn informierten vor Ort über den aktuellen Stand der Grabungen und insbesondere der Skelettfunde.
Die menschlichen Überreste stammen von sowjetischen Kriegsgefangenen, die auf dem dortigen sogenannten Russenfriedhof beerdigt wurden.

Andreas Ehresmann (links) lässt sich von Uta Halle die Grabungen im Aussenbereich erläutern. Foto: I. Dirolf, 24.1.2022
Andreas Ehresmann (links) lässt sich von Uta Halle die Grabungen im Aussenbereich erläutern. Foto: I. Dirolf, 24.1.2022

Den Standort des Friedhofs in Oslebshausen direkt neben den Hafengleisen legte die Stadt im Herbst 1941 fest, nachdem die Todesrate unter den sowjetischen Kriegsgefangenen in den Bremer Arbeitskommandos massiv anstieg. Unter den auf der Reitbrake Bestatteten waren auch Kriegsgefangene, die verwaltet vom Stalag X B über Sandbostel nach Bremen kamen. In der Nachkriegszeit exhumierte die Stadt Bremen die sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem „Russenfriedhof“ und bettete die Überreste auf das Gräberfeld NN für ausländische Kriegstote auf dem Osterholzer Friedhof um.

Blick in den überdachten Grabungsbereich mit den Skelettfunden im Hintergrund. Foto: A. Ehresmann, 24.1.2022
Blick in den überdachten Grabungsbereich mit den Skelettfunden im Hintergrund. Foto: A. Ehresmann, 24.1.2022

Dass dies nur unvollständig geschah, überraschte das Grabungsteam. Bis zu den tatsächlichen Grabungen war nicht bekannt, dass sich auf dem Gelände nicht nur mehrere Hundert einzelne Knochen, sondern ganze Skelette sowjetischer Kriegsgefangener befinden. Zweifel an der Vollständigkeit der 1948 vorgenommen Exhumierung kamen im Zuge der Bebauungspläne des Geländes auf. Noch 1946 hielt die Bremer Polizei in einem Dokumente mehr Gräber fest als zwei Jahre später offiziell umgebettet wurden.

Im Zuge der Umbettungen auf den Osterholzer Friedhof blieben die sowjetischen Kriegsgefangenen anonym. Uta Halle und Cathrin Hähn arbeiten nun gemeinsam mit weiteren Expert:innen daran, die Identität der gefundenen Skelette festzustellen und somit den sowjetischen Kriegsgefangenen ihren Namen zurück zu geben.
Über die neuesten archäologischen Funde und den Stand der Grabungen informieren Uta Halle und Cathrin Hähn am kommenden Dienstag, den 1.2.22 im Rahmen eines Online-Vortrag um 19 Uhr:
https://www.politische-bildung-bremen.de/veranstaltung/archaeologische-spuren-einer-unvollstaendigen-exhumierung


23.01.2022

Gedenkstättenverein Sandbostel e.V. wählt neuen Vorstand

Der neue Vereinsvorstand nach der Jahreshauptversammlung
Der neue Vereinsvorstand nach der Jahreshauptversammlung

Unter ungewöhnlichen Umständen fand die diesjährige Jahreshauptversammlung des Gedenkstättenvereins statt, nämlich digital. Nach den üblichen Regularien gaben Michael Freitag-Parey und Günther Justen-Stahl als stellvertretende Vorsitzende einen Bericht über das Jahr 2021. Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann hob dankbar die Unterstützung durch die Ehrenamtlichen aus dem Gedenkstättenverein hervor. Der Kassenführer Lars Lust konnte über eine gute finanzielle Lage des Vereins berichten.

 

Bei den anschließenden Wahlen wurde Thomas Grunenberg zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt; er folgt auf Ronald Sperling. Thomas Grunenberg ist pensionierter Lehrer aus Worpswede und engagiert sich seit 2018 ehrenamtlich an der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Anschließend wurde Carsten Karstensen aus Anderlingen zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Er betreut seit kurzem die neu gestaltete, aber noch im Aufbau befindliche Homepage des Vereins. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wurde Günther Justen-Stahl wiedergewählt. Bei den Beisitzer*innen wurden Gaby Reetz und Jan Dohrmann in ihren Ämtern bestätigt. Neu gewählt zur Beisitzerin wurde die Studentin Laura Keiser aus Bremervörde. Sie hatte von September 2020 bis August 2021 ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Gedenkstätte absolviert und arbeitet jetzt dort weiter als Guide.

 

Der Gedenkstättenverein Sandbostel e. V. wurde im Jahr 1992 gegründet und setzte sich seitdem für die Errichtung einer Gedenkstätte am historischen Ort des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B Sandbostel ein. Seit der Gründung der Stiftung Lager Sandbostel 2004 ist der Verein einer ihrer neun Träger und unterstützt sie in finanzieller, personeller sowie organisatorischer Hinsicht. Ein großer Teil der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Gedenkstätte Lager Sandbostel ist in dem Verein organisiert.


18.01.2022

Neue Kollegin in der Gedenkstätte Lager Sandbostel begrüßt

Seit Jahresanfang verstärkt Ines Dirolf das Team der Gedenkstätte Lager Sandbostel als Leiterin des Archivs und Assistenz der Gedenkstättenleitung. Ines Dirolf hat an der Universität Bremen Geschichte mit den Schwerpunkten Osteuropäische Geschichte und Nationalsozialismus studiert und arbeitet seit mehreren Jahren als freie Mitarbeiterin am Denkort Bunker Valentin in Bremen. Aber auch in Sandbostel ist Ines Dirolf kein unbekanntes Gesicht: Von September 2018 bis August 2020 war sie bereits als wissenschaftliche Volontärin an der Gedenkstätte tätig.

Ines Dirolf ist von nun an für die Inventarisierung und inhaltliche Erschließung neuer Archivalien zuständig. Das Archiv der Gedenkstätte Lager Sandbostel bewahrt Dokumente, Fotos, Kunstwerke und Objekte zur Geschichte und Nachgeschichte des Stalag X B Sandbostel auf. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Recherche und Beratung bei Anfragen zu Kriegsgefangenen, Zivilinternierten und KZ-Häftlingen im Stalag X B. Auch die Nachgeschichte gerät zunehmend in den Fokus, wie vermehrte Anfragen zu Wachmannschaften, dem britischen Civil Internment Camp und dem DDR-Notaufnahmelager zeigen. Besonders die Archivbesuche und die Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen und Studierenden sind Kernpunkte, mit denen Ines Dirolf sich befassen wird.

Neben der Arbeit im Archiv unterstützt Ines Dirolf als Assistenz der Gedenkstättenleitung mit der Akquise externer Finanzhilfen. Die redaktionelle Betreuung und Koordination der Internetauftritte und Newsletter sind ebenso Teil ihres Aufgabenbereichs.

 

Nach einem Beschluss des Kreistages des Landkreises Rotenburg (Wümme) im Dezember 2021 konnte die Archiv- und Assistenzstelle von 24 Wochenstunden auf eine Vollzeitstelle erweitert werden. Die Stelle wird nun gemeinsam von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und dem Landkreis Rotenburg (Wümme) finanziert.

 

Willkommen zurück in Sandbostel, Ines!