Exkursion zur „Aktion Reinhard“ in die Region Lublin, PL (16.-22.03.2020)


Unterschiedliche Orte und Aspekte der nationalsozialistischen Verbrechen haben bis heute keinen adäquaten Platz in der gesellschaftlichen Erinnerung eingenommen. Viele Schauplätze stehen „im Schatten“ von Auschwitz-Birkenau, das als Symbol des Holocaust gilt.
Hierzu zählt im Besonderen die Tatorte der als „Aktion Reinhard“ bezeichneten Ermordung von mehr als 1,7 Millionen überwiegend polnischen Jüdinnen und Juden, allen voran die ehemaligen Mordlager Sobibor, Belzec und Treblinka.
Auch zehntausenden deutsche Jüdinnen und Juden fielen dem Massenverbrechen im Generalgouvernement zum Opfer. Sie waren überwiegend zwischen März und Juni 1942 in den Distrikt Lublin deportiert worden und wurden nach einer meist kurzen Zwischenstation in sogenannten „Transitghettos“ in die Mordlager verschleppt.

Die Exkursion in die Region Lublin soll dieses oft vergessene Kapitel des Holocaust näherbringen und wird unterschiedliche Aspekte des deutschen Mordprogramms im besetzten Polen thematisieren. Neben der Geschichte des ehemaligen Ghettos in Lublin widmen wir uns den Erinnerungsorten der beiden Vernichtungslager Sobibor und Belzec sowie der Gedenkstätte Majdanek.

Ein besonderer Blick gilt den deutschen Tätern in den Mordlagern. Vor ihrer Versetzung nach Polen erlernten sie ihr tödliches Handwerk in den Mordstätten der sogenannten „Euthanasie“. In diesem ersten nationalsozialistischen Massenverbrechen wurden zwischen Januar 1940 und August 1941 im gesamten Reichsgebiet ca. 80.000 Menschen ermordet, die als psychisch und unheilbar krank galten oder als „behindert“ klassifiziert wurden. Ein Vortragsabend im Vorfeld der Reise wird die Kontinuität im NS-Mordprogramm nachzeichnen und den Bogen in unsere Heimatregion thematisieren.

Der Vortragsabend findet statt in Rotenburg (Wümme) am 10. März 2020.
Zeitfenster und Veranstaltungsort geben wir in Kürze bekannt.
Vorläufiges Zeitfenster:
17.30 Uhr Vorbereitungstreffen zur Exkursion nach Polen anschl. kurzer Snack
19.00 Uhr Themenabend zu Thema und Inhalten der Exkursion nach Polen
(beide Veranstaltungen u.a. mit Dr. Andreas Kahrs)

 

Weitergehende Informationen und Anmeldung:

Michael Freitag-Parey, Gednekstätte Lager Sandbostel, 04764-22 54 810, m.freitag-parey@stiftung-lager-sandbostel.de

Programm: Exkursion zur Aktion Reinhard, in die Region Lublin, PL (17.-22.03.2020)
Leitung: Andreas Kahrs, Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V.
Unterbringung 17. – 21.: Hotel Victoria, Prezydenta Gabriela Narutowicza 58/60, 20-016 Lublin, Polen
Unterbringung 16.-17./21.-22.: Hotel Poznanski, Poznań (http://www.hotelpoznanski.pl/de/galerie)

Montag, 16.03.2020
16.00: Abreise ab Gemeindehaus der Kirchengemeinde in Sittensen; Kirchenweg 6, 27419 Sittensen
Abends Ankunft in Poznań

Dienstag, 17.03.2020
Weiterreise, ab 9.00 Uhr
Ankunft in Lublin gegen 15.00 Uhr. Anschließend u.a. Stadtführung Lublin.
18.30 – 21.30: Einführung und Programmauftakt. Rahmendaten „Aktion Reinhard“. Powerpoint-Präsentation mit Karten und Tagesplan. Fragen an die Fahrt. Erwartungen der TN.

Mittwoch, 18.03.2020
9.00 – 13.00: Geschichte des Lubliner Ghettos. Jüdische Geschichte Lublin und deutsche Besatzung. Orte des Ghettos und der Verfolgung. Auftakt der „Aktion Reinhard“ mit der „Auflösung“ des Lubliner Ghettos am 17.03.1942 (also vor genau 78 Jahren)
Lunchbreak
15.00 – 18.30: Lublin als Ort der Täter. Strukturen „Aktion Reinhard“. Orte und Institutionen. Deutsche Besatzung im Generalgouvernement.
Abend: Auswertungsrunde (45 Min.)

Donnerstag, 19.03.2020
8.00 – 11.00: Fahrt nach Belzec und Izbica. Zwischenstopp mit der Geschichte des Transitgettos Izbica und den Transporten aus dem Reichsgebiet.
Lunchbreak
12.00 – 17.00: Belzec als erstes Mordlager der „Aktion Reinhard“. Täter, Akteure und Opfer. Die Orte um das Lager herum. Zusammenwirkung mit der lokalen Bevölkerung, Orte der Täter: Die Kommandantur. Personal und Kontinuität zwischen „Euthanasie“ und „Aktion Reinhard“.
Rückfahrt nach Lublin.
Abend: Auswertungsrunde (45 Min.)

Freitag, 20.03.2020
9.00 – 12.00: Das jüdische Ghetto und Kriegsgefangenen Lager in Chelm. Der Wald Borek und das Massengrab der sowjetischen Gefangenen.
Lunchbreak
13.30 – 18.00: Das Lager Sobibor und die „Aktion Reinhard“. Das Lager in den Fotos der Täter und den Erinnerungen der Überlebenden. Jüdischer Widerstand und der Aufstand vom 14.10.1943.
Vorstellung der neuen Gedenkanlage.
Abend: Auswertungsrunde (45 Min.)

Samstag, 21.03.2020
9.00 – 13.30 (inkl. Pause): anschl. spätes Mittagessen.
Das Lager Majdanek und seine Umgebung. Lager Alter Flugplatz. Zusammenhang von Majdanek und der „Aktion Reinhard“. Lager Majdanek: Täter und Opfergruppen. Abschluss „Aktion Erntefest“: Vergessenes Massaker im November 1943.
Nach dem Mittagessen Rückreise nach Poznań.

Sonntag, 22.03.2020
8.00 bis 11 Uhr: Projektauswertung und offene Punkte. Ausblick.
Rückreise nach Sittensen. Hier endet die Exkursion.