Neuigkeiten 2016


30.12.2016

Jahresrundbrief der Gedenkstätte erschienen

Den Jahresrundbrief, in dem das vergangene, erneut sehr ereignissreiche Jahr in der Gedenkstätte Lager Sandbostel resümiert wird, können Sie hier downloaden.

 

Download Jahresrundbrief der Gedenkstätte Lager Sandbostel


16.12.2016

Neuer Stiftungsvorstand gewählt

Von links nach rechts: Peter Radzio, Henning Müller, Dr. Torsten Lühring, Detlef Cordes // Foto: A. Ehresmann, 29.11.2016
Von links nach rechts: Peter Radzio, Henning Müller, Dr. Torsten Lühring, Detlef Cordes // Foto: A. Ehresmann, 29.11.2016

Turnusgemäß wurden durch die neun Träger der Stiftung Lager Sandbostel zum 29. November 2016 die Delegierten für das Kuratorium neu benannt. Auf der konstituierenden Sitzung des Kuratoriums wurde am 29. November 2016 auch der Vorstand der Stiftung Lager Sandbostel neu gewählt.
Einstimmig wurden von den Delegierten der Architekt Detlef Cordes aus Gnarrenburg und der Bürgermeister der Gemeinde Sandbostel, Peter Radzio in ihren Ämtern bestätigt.
Da der bisherige stellvertretende Vorsitzende, der 1. Kreisrat des Landkreises Rotenburg (Wümme), Dr. Torsten Lühring, nicht zur Wiederwahl bereitstand, wurde dieses Amt neu besetzt. Als Nachfolger wurde der Historiker und Mitarbeiter des Kreisarchives Rotenburg (Wümme), Henning Müller, neu in den Vorstand der Stiftung Lager Sandbostel gewählt.
Bei der konstituierenden Sitzung des Vorstandes wurden dann Detlef Cordes zum Vorsitzenden und Peter Radzio sowie Henning Müller zu stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel bestimmt.

 

Download Schreiben des Vorstandsvorsitzenden Detlef Cordes zu der Neuwahl


15.12.2016

Geänderte Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen

Blick in das Foyer der Dauerausstellung // Foto: Andreas Ehresmann, 19.07.2013
Blick in das Foyer der Dauerausstellung // Foto: Andreas Ehresmann, 19.07.2013

Nach ausführlichen Diskussionen der ehrenamtlichen Guides und der Abteilung Besucherbetreuung werden an Sonn- und Feiertagen geänderte Öffnungszeiten eingeführt.
Nunmehr ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel an Sonn- und Feiertagen von März bis Oktober von 11.00 – 17.00 Uhr und von November bis Februar von 12.00 – 16.00 Uhr geöffnet.
Die an jedem zweiten und vierten Sonntag eines Monats angebotenen öffentlichen Sonntagsrundgänge finden weiterhin um 14.00 Uhr statt und dauern etwa zwei Stunden.


1.12.2016

Enkel entnimmt Erde vom Lagerfriedhof für das Grab der Großmuter

Unangekündigt und für die Gedenkstättenmitarbeiter_innen sehr überraschend besuchte am 1. Dezember 2016 Mikhail Pereverzev aus Moskau die Gedenkstätte. Am Tag zuvor ist er von Moskau aus mit dem Flugzeug nach Hamburg geflogen, um dann mit dem Zug bis nach Bremervörde zu fahren und die letzten zehn Kilometer mit dem Taxi zu überbrücken. Mikhail Pereverzev besuchte auf den Spuren seines gleichnamigen Großvaters den Ort, an dem Mikhail Pereverzev am 4. Dezember 1941, fast auf den Tag genau vor 75 Jahren verstorben ist. Die wenigen bekannten Informationen über das Schicksal stammen von der so genannten Personalkarte I, dem „Ausweis“ eines Kriegsgefangenen. Daraus geht hervor, dass der Großvater Mikhail aus Moskau, im Zivilberuf Buchhalter, nur wenige Wochen in deutscher Kriegsgefangenschaft überlebte. Er starb sechs Wochen nach der Gefangennahme an nicht bekannter Ursache und wurde anonym und pietätlos in einem Massengrab auf dem Lagerfriedhof begraben.

Mikhail Pereverzev bei der Erdentnahme // Foto: Andreas Ehresmann, 1.12.2016
Mikhail Pereverzev bei der Erdentnahme // Foto: Andreas Ehresmann, 1.12.2016

Ein Ziel der Fahrt des Enkel Mikhail Pereverzev war, den Ort zu sehen, wo der Großvater bestattet ist, ein weiteres war aber auch Erde von den Massengräbern zu entnehmen, um diese in Moskau auf den Gräbern der Ehefrau und der Tochter von Mikhail Pereverzev zu verstreuen.
Nach mehreren Stunden intensivem Aufenthalt in der Gedenkstätte und auf dem ehemaligen Lagerfriedhof (der heutigen Kriegsgräberstätte) fuhr der Enkel wieder zurück nach Hamburg, von wo es am folgenden Tag wieder zurück nach Moskau ging.
Mikhail Pereverzev zeigte sich freudig überrascht davon, dass es in Sandbostel eine Gedenkstätte mit einer modernen und informativen Dauerausstellung und einem würdigen Friedhof gibt. Insbesondere war er sehr angetan von dem „Namensziegel-Projekt“, bei dem Jugendliche Tontäfelchen gravieren, mit den Namen der anonym vergrabenen sowjetischen Soldaten. Der Name des Großvaters war aber noch nicht auf eine Tontafel graviert. Mikhail Pereverzev überlegt nun, ob er in Moskau eine Votivtafel im Gedenken an seinen Großvater anfertigen lässt, um diese dann zusätzlich auf dem Friedhof niederzulegen.


17.11.2016

Umfangreiche Bodenfunde bei Sondengängen

Seit Anfang September diesen Jahres werden die wieder als landwirtschaftliche Nutzflächen genutzen Areale des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Sandbostel durch geschulte und von der Kreisarchäologie zugelassene Sondengänger systematisch untersucht. Bei dem „sondeln“ konnten die beiden ehrenamtlichen Teams (Thomas Kirscht/Matthias Glüsing und Dietrich Alsdorf/Marcel Kiesner) bisher umfangreiche lagerzeitliche Funde bergen.

Eine kleine Auswahl der geborgenen Metallobjekte // Foto: Andreas Ehresmann, 2.11.2016
Eine kleine Auswahl der geborgenen Metallobjekte // Foto: Andreas Ehresmann, 2.11.2016

Darunter sind Alltagsgegenstände der Kriegsgefangenen wie Essbestecke, Beschläge der Baracken, Ausrüstungsgegenstände der Kriegsgefangenen wie Knöpfe, Schnallen etc. und Ausrüstungsgegenstände der britischen Armee, die zum Zeitpunkt der Befreiung in diesem Areal ein Biwak hatten. Darunter befinden sich beispielsweise Fragmente von Ferngläsern, Feuerzeugen sowie einigen Projektilen.
Sämtliche Grabungsfunde wurden und werden der Gedenkstätte Lager Sandbostel übergeben. Dort wurden die Objekte gereinigt, inventarisiert und unter konservatorischen und archivarischen Aspekten eingelagert.

Ein massiver Metallschrank aus einer der Baracken im Bereich der Lagerverwaltung // Foto: Andreas Ehresmann, 17.10.2016
Ein massiver Metallschrank aus einer der Baracken im Bereich der Lagerverwaltung // Foto: Andreas Ehresmann, 17.10.2016

Ein herausragender Fund stammt aus dem ehemaligen Verwaltungsbereich. Hier wurde von Thomas Kirscht in der Nähe des Standortes einer Verwaltungsbaracke ein Tresorähnlicher Metallschrank geborgen. Die robuste Tür war ursprünglich verschlossen, wurde aber offensichtlich zu einem unbekannten Zeitpunkt aufgehebelt. Im Inneren konnten zwei datierte „Raucherkarten“ geborgen werden. Aufgrund des Gültigkeitsdatums der Karten („9.4 bis 6.5.45“) kann der Metallschrank auf Anfang April 1945 und somit lagerzeitlich datiert werden.
Wichtige Funde sind immer wieder Erkennungsmarken der Kriegsgefangenen, denn aufgrund der darin eingeprägten individuellen Kriegsgefangenennummer lassen sich die Marken individualisieren und teilweise einer konkreten Person zuordnen. In der aktuellen Kampagne wurden bisher 30 Marken oder Markenfragmente geborgen, bei denen die Nummern identifizierbar sind. Darüber hinaus wurden zahlreiche Bruchstücke von Erkennungsmarken geborgen, auf denen nur Teile lesbar sind.
Die zahlreichen Fundstücke und die genauen Fundzusammenhänge werden jetzt in der Gedenkstätte sorgsam analysiert. Vorab ist aber schon festzustellen, dass sich dadurch u.a. wichtige Erkenntnisse über die Stalag-Verwaltung gewinnen lassen werden.

Hintergrund: Das Suchen nach historischen Funden unter Einsatz einer Metallsonde, auch „sondeln“ genannt, ist ein beliebtes Hobby. Dabei wird mit einem Metalldetektor nach Gegenständen aus Metall im Boden gesucht.
In Niedersachsen und somit auch im Landkreis Rotenburg (Wümme) und auf den Äckern um die Gedenkstätte herum, bedarf das Sondengehen einer denkmalrechtlichen Genehmigung durch die Kreisarchäologie! Die Sondengänger erhalten dann die Genehmigung der so genannten „Nachsuche“ für ein begrenztes Gebiet, in dem dann bis in eine Tiefe von maximal 30 cm nach Metallgegenständen gesucht werden darf.
Die Gedenkstätte Lager Sandbostel arbeitet mit den ausgebildeten, ehrenamtlichen und für das ehemalige Lagerareal zugelassenen Sondengängern eng zusammen.


7.11.2016
Anmeldung zur Tagung des Gedenkstättenvereins jetzt möglich

Tagung des Gedenkstättenvereins im Januar 2012 zum 20-jährigen Bestehen.
Tagung des Gedenkstättenvereins im Januar 2012 zum 20-jährigen Bestehen.

Die anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Gedenkstättenvereins Sandbostel vom 20. – 22. Januar 2017 in Bremervörde stattfindende Tagung „Gedenkstätte Lager Sandbostel: Blick zurück und Blick nach vorn“ soll dazu dienen, das Vierteljahrhundert seit der Gründung des Vereins am 16. Januar 1992 (unter dem Namen „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel“) bis zum aktuellen Entwicklungsstand der Gedenkstätte Lager Sandbostel Revue passieren zu lassen und Impulse zur Weiterentwicklung des Gedenkorts Sandbostel zu setzen.

Begehung des Gedenkstättengeländes während der Tagung des Gedenkstättenvereins im Januar 2007 zum 15-jährigen Bestehen.
Begehung des Gedenkstättengeländes während der Tagung des Gedenkstättenvereins im Januar 2007 zum 15-jährigen Bestehen.

Durch die Referate und Diskussionen in den Arbeitsgruppen der Tagung sollen Überlegungen zu Fragen angestellt werden, die auch grundsätzlich für die Gedenkstättenarbeit an Orten nationalsozialistischer Verfolgung von Bedeutung sind: Was bringt Menschen dazu, sich in Gedenkstätten zu engagieren bzw. sich dem Angebot von Gedenkstätten zu öffnen? Was hält sie davon ab? Was heißt erfolgreiche historisch-politische Bildungsarbeit an Gedenkstätten? - Wie sollte vor Ort an die Opfer eines Kriegsgefangenenlagers erinnert, wie sollten die Friedhöfe von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen gestaltet werden? - Wie ist mit den Überresten und dem historischen Gelände eines Kriegsgefangenenlagers umzugehen? Wie kann die Gedenkstätte Lager Sandbostel so ausgestaltet und ausgestattet werden, dass vor Ort Raum für erweiterte Besuchsangebote geschaffen wird? - Welche (neuen) Möglichkeiten für einen fruchtbaren Austausch zwischen den Gedenkstätten gibt es?


7.11.2016
Einladung zum Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Gedenkstättenvereins Sandbostel

Presseartikel in der Zevener Zeitung anlässlich der Geündung des Vereins "Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V." (Archiv Gedenkstätte Lager Sandbostel)
Presseartikel in der Zevener Zeitung anlässlich der Geündung des Vereins "Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V." (Archiv Gedenkstätte Lager Sandbostel)

Am 16. Januar 1992 wurde der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. gegründet. Der "Doku-Verein" war ein wichtiger Akteur auf dem Weg zu der heutigen Gedenkstätte Lager Sandbostel. Seit 2004 ist der mittlerweile in Gedenkstättenverein Sandbostel e.V. umbenannte Verein einer von neun Trägern der Stiftung Lager Sandbostel. Der Verein spielt nach wie vor bei der Erinnerung an die Menschen, die im Stalag X B Sandbostel gelitten haben und gestorben sind, bei den Bemühungen um den Erhalt der einmaligen Bausubstanz des Kriegsgefangenenlagers und im alltäglichen Gedenkstättenbetrieb eine wichtige Rolle.


1.10.2016
Erfolgreicher ehrenamtlicher Arbeitstag mit schwerem Gerät

Der Radlader beim Abschieben eines zwischen zwei historischen Unterkunftsbaracken angelegten Erdwalls // Foto: Andreas Ehresmann, 1.10.2016
Der Radlader beim Abschieben eines zwischen zwei historischen Unterkunftsbaracken angelegten Erdwalls // Foto: Andreas Ehresmann, 1.10.2016

Mit schwerem Gerät und viel Man-Power, haben ehemalige Soldaten der Bundeswehrkameradschaft Zeven und weitere ehrenamtlich engagierte am Samstag die Gedenkstätte unterstützt.
Insgesamt 15 Freiwillige haben das „neue“ Gedenkstättengelände weiter aufgeräumt und gestaltet. Diesmal wurden unter anderem mehrere vom Vorbesitzer angelegte Erdwälle eingeebnet und die das Gelände umgebenden Birken aufgeastet.
Dadurch ist auch das Anfang des Jahres erworbene Grundstück nun zurückhaltend in die Gesamtanlage integriert.


Der nächste ehrenamtliche Arbeitstag findet im März 2017 statt und wird rechtzeitig angekündigt.
Sie sind herzlich eingeladen, die Gedenkstätten an diesem Tag ganz praktisch beispielsweise beim Aufräumen und der Geländegestaltung zu unterstützen.
Fachwissen und Arbeitsgerät ist nicht notwendig. Für die Verpflegung ist gesorgt.


20.9.2016
Buchbestand der Gedenkstättenbibliothek vollständig online recherchierbar
Im Beisein der Bibliothekarin des Landschaftsverbandes Stade, Catrin Gold, konnte am 20. September der fertig gestellte online-Katalog der Gedenkstättenbibliothek übergeben werden. In den letzten eineinhalb Jahren wurden die Titel sämtlicher Bücher der Gedenkstätte ehrenamtlich in eine Datenbank übertragen und verschlagwortet. Wissenschaftler_innen, Student_inn_en, Schüler_innen und andere Interessierte können nun im Internet recherchieren und dann vor Ort die Literatur in der Präsenzbibliothek einsehen. Dadurch, so betonte der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, habe die Gedenkstättenarbeit in Sandbostel einen deutlichen Professionalisierungsschub erhalten.

Blick in die Gedenkstättenbibliothek. Im Hintergrund ist eine kleine Ergänzungsausstellung zur Geschichte der Lagerbibliotheken im Stalag X B zu erkennen // Foto: Andreas Ehresmann, 20.9.2016
Blick in die Gedenkstättenbibliothek. Im Hintergrund ist eine kleine Ergänzungsausstellung zur Geschichte der Lagerbibliotheken im Stalag X B zu erkennen // Foto: Andreas Ehresmann, 20.9.2016

Hintergrund: Mit der Eröffnung der Gedenkstätte 2013 wurden die bis dato nicht verzeichneten Bücher als Büchersammlung in einem, in die Dauerausstellung integrierten, Bibliotheksraum aufgestellt. 2014 begann die Studentin Annika Schmitt, im Rahmen eines Praktikums in der Bibliothek des Landschaftsverbandes Stades, damit gemeinsam mit der Bibliothekarin des Landschaftsverbands Stade, Catrin Gold, eine Struktur und Systematik für die zukünftige Gedenkstättenbibliothek zu entwickeln.

 

Eindrücke vom Aufbau der Bibliothek:

Parallel dazu konnte mit Christa Steffens eine ehrenamtliche Unterstützerin gewonnen werden, die in dem folgenden halben Jahr sämtliche Bücher inventarisierte und mit Signaturen markierte. Nunmehr konnte die vormalige Buchsammlung als Gedenkstättenbibliothek genutzt werden.

Screenshot der GBV-Suchmaske // Foto: Andreas Ehresmann, 20.9.2016
Screenshot der GBV-Suchmaske // Foto: Andreas Ehresmann, 20.9.2016

Ab Anfang 2015 wurde dann von Christa Steffens auch damit begonnen, sämtliche Bücher in einem online-Katalog zu verzeichnen, der nun über den Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) im Internet recherchierbar ist. Vor Ort betreute der Gedenkstättenarchivar Ronald Sperling das Bibliotheksprojekt und beraten wurden Christa Steffens und Ronald Sperling regelmäßig von Catrin Gold vom Landschaftsverband Stade.

 

Link zum online-Katalog

 

Mit dem Link kommen Sie auf die Startseite der wissenschaftlichen Bibliotheken im Landkreis Rotenburg. In der Rubrik "Alle Bibliotheken", am oberen Bildrand, können Sie auch die Bibliothek der Gedenkstätte Lager Sandbostel separat aufrufen.


12.9.2016

Dokumente und Orden von belgischem Kriegsgefangenen übergeben

Jannine Hautphenne und ihr Ehemann (Bildmitte) im Gespräch mit dem Archivar Ronald Sperling, dem Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann sowie den Pädagogen Dr. Lars Hellwinkel und Werner Borgsen (von rechts) // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016
Jannine Hautphenne und ihr Ehemann (Bildmitte) im Gespräch mit dem Archivar Ronald Sperling, dem Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann sowie den Pädagogen Dr. Lars Hellwinkel und Werner Borgsen (von rechts) // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016

Überraschend wurde dem Archiv der Gedenkstätte am Tag des offenen Denkmals ein größeren Bestand von Orden und Dokumenten von der Tochter eines ehemaligen belgischen Kriegsgefangenen übergeben.

Jannine Hautphenne, die Tochter des belgischen Kriegsgefangenen Léonard Hautphenne, kam zufällig mit Ihrem Ehemann am Tag des offenen Denkmals in die Gedenkstätte. Die beiden brachten den militärischen Nachlass des Vaters mit nach Sandbostel. Da die Kinder und Enkel kein Interesse an den Zeugnissen der Gefangenschaft des Léonard Hautphenne haben hat die Tochter entschieden, dass das Archiv der Gedenkstätte der richtige Ort sei, um die Dokumente und Orden des Vaters dauerhaft zu bewahren.

Die Dokumente und sieben Orden bzw. Medaillen stammen zum Großteil aus der Nachkriegszeit und spiegeln das Leben des ehemaligen Kriegsgefangenen Léonard Hautphenne nach der Rückkehr nach Belgien. Aus der Kriegsgefangenschaft ist die Metallmarke mit der eingestanzten Kriegsgefangenennummer und ein Foto erhalten geblieben.

Dokumente und Orden die der Gedenkstätte übergeben wurden // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016
Dokumente und Orden die der Gedenkstätte übergeben wurden // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016

Jannine Hautphenne hat dazu erläutert, dass die Mutter nach dem Krieg einige Fotografien aus der Gefangenschaft verbrannt hat, da sie davon ausging, dass der Vater auf dem Hof ein Verhältnis gehabt habe und sie die Bilder immer daran erinnert hätten.

Der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann zeigte sich sehr erfreut über den Besuch und die Übergabe der Dokumente und der Orden. Dies zeige das große Vertrauen dass Angehörigen ehemaliger Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge in die verantwortungsvolle Arbeit der Gedenkstätte haben. In der Gedenkstätte werden die Dokumente und Objekte nun archivarisch verzeichnet und dann teilweise in der Pädagogik eingesetzt.


12.9.2016

Erfolgreicher Tag des offenen Denkmals

Werner Borgsen bei einer Einführung in die Geschichte des Stalag X B am Lagermodel // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016
Werner Borgsen bei einer Einführung in die Geschichte des Stalag X B am Lagermodel // Foto: Andreas Ehresmann, 11.9.2016

Erneut beteiligte sich die Gedenkstätte am 11. September am bundesweit ausgetragenen Tag des offenen Denkmals.
Mit etwa 150 Besucherinnen und Besucher war die Gedenkstätte, die sich in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal an dem Denkmaltag beteiligte, gut besucht. Die Interessierten konnten sich in stündlich angebotenen Rundgängen über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers und die Nachnutzung des Areals informieren.

 Im Anschluss haben viele Gäste die Gelegenheit genutzt und sich individuell auf dem Gelände umgeschaut und insbesondere einen Blick in die Anfang des Jahres neu erworbenen Gebäude geworfen, wie beispielsweise die ehemalige katholische Kirche aus der Nutzungszeit als Durchgangslager für jugendliche DDR-Flüchtlinge.
Im Seminarraum war eine kleine Cafeteria eingerichtet, so dass hier über das Gesehene bei Kaffee und Kuchen weiter gesprochen werden konnte.
Beeindruckende Gespräche haben sich mit mehreren Angehörigen von zwei ehemaligen Kriegsgefangenen aus Belgien ergeben. Die Angehörigen, die durch Zufall just am Tag des offenen Denkmals in der Gedenkstätte waren haben dem Archiv in dem einen Fall Dokumente und in dem anderen Dokumente und Orden ihrer Väter übergeben.

Impressionen:


30.8.2016

"gut:jetzt! - Zeit für Frieden". Neuer Gottesdienst in der Lagerkirche Sandbostel

Am Sonntag, dem 11. September, wird der Gottesdienst mit dem Namen „gut:jetzt!“ das zweite Mal in der Lagerkirche in Sandbostel angeboten. Das Thema: „Angst!?“. Ausgangspunkt dafür ist der 15. Jahrestag der Anschläge auf das World-Trade-Center am 11. September 2001 in New York, der nicht nur die USA in Angst und Schrecken versetzt hat. Seither wurde die Freiheit des Einzelnen immer weiter eingeschränkt aus Angst, Anschläge wie der auf das World-Trade-Center könnten sich auch an anderen Orten wiederholen. 15 Jahre und viele Anschläge später gehört die Angst vor dem Terror zum Alltag. Nicht wenige machen sich die Situation einer verunsicherten Gesellschaft zu Nutzen und schüren – populistisch und mit einfachen Parolen - eine diffuse Angst vor dem Fremden und zwängen die Menschen in immer neue Sicherheitskonzepte. Viele andere, wie auch der Theologe Paul M. Zulehner, warnen vor dieser Entwicklung. Sein neuestes Buch hat aus diesem Grund den Titel: „Entängstigt euch!“. Vielleicht ist es, mit dem Blick auf die vielen Themen, die uns persönlich aber auch vor allem in Europa und dieser Welt bewegen, das Motto der Stunde: „Entängstigt euch!“. Fast möchte man ergänzen: „Endlich!“.
Die Vorbereitung für den Gottesdienst beginnt um 17.30 Uhr in der Lagerkirche. In verschiedenen Workshops ist in der Folge dann Zeit, die Musik auszuwählen und zu proben, den Impuls, die Ansprache oder Interaktives und Aktionen vorzubereiten, die Liturgie, die Moderation, Gebete und stille Zeit auf den Weg zu bringen. Ein Gottesdienst zum selber machen, der als ein solcher eben auch ein Forum bietet, eine Kreativwerkstatt ist, schon vor dem eigentlichen Gottesdienst, der dann um 19.00 Uhr gemeinsam gefeiert wird.

 

Hintergrund: „Ein Forum, eine Werkstatt, ein Gottesdienst. – Mitmachen, feiern, auftanken.“ Das sind die Schlagworte eines neuen Gottesdienstformates, dass der Diakon und Friedenspädagoge an der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Michael Freitag-Parey und die Selsinger Pastoren Manfred Thoden und Pastor Markus Stamme gemeinsam entwickelt haben. „gut:jetzt“ soll ein Forum, eine Werkstatt, ein Gottesdienst sein und zwar generationsübergreifend. „Wir wollen nicht nur miteinander Gottesdienst feiern und auftanken sondern den Gottesdienst auch zusammen vorbereiten und gestalten. Dazu ist jede und jeder herzlich eingeladen“ betonen die Veranstalter. Der Gottesdienst wird an markanten Tagen des Jahres angeboten, so z.B. am 11. September und ebenso in diesem Jahr noch am 9. November 2016, dem „Schicksalstag“ der deutschen Geschichte (u.a. Novemberprogrom, 1938 und Fall der Berliner Mauer, 1989).


Informationen und weitere Auskünfte zu „gut:jetzt!“: Michael Freitag-Parey, Email: michael.Freitag(at)fub-oese.de, Manfred Thoden, Email: manfred.thoden(at)kkbz.de und Markus Stamme, Email: markus.stamme(at)kkbz.de


12.8.2016
Prof. Dr. Inge Marszolek verstorben

Inge Marszolek (1947-2016) // Foto: Andrea Genest
Inge Marszolek (1947-2016) // Foto: Andrea Genest

Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass unser Fachbeiratsmitglied, Frau Prof. Dr. Inge Marszolek, am Freitag den 12. August 2016 nach einer kurzen, schweren Krankheit im Alter von 69 Jahren verstorben ist.


Inge Marszolek studierte Geschichte und Romanistik in Bochum und in Berlin. Sie promovierte und habilitierte sich danach an der Universität Hannover. Bis 2012 hat sie an der Universität Bremen in den Fächern Geschichte und Kulturwissenschaften gelehrt. Als Gast war Inge Marszolek am International Institute for Holocaust Research (1999/2000) und an der Hebrew University in Jerusalem (2001) tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte waren Geschichte und Gedächtnis im 20. Jahrhundert, Mediengeschichte, Visual – und Sound History sowie die Alltagsgeschichte des 20.Jahrhunderts.
Inge Marszolek war seit vielen Jahren Mitglied der Fachkommission für die Förderung und Fortentwicklung der Gedenkstättenarbeit in Niedersachsen. In dieser Funktion war sie eine profunde und kompetente Kennerin der niedersächsischen Gedenkstätten, die in vielen Beiräten und Gremien zur Entwicklung der niedersächsischen Gedenkstättenlandschaft beigetragen hat.


Von 2009 bis 2013 war Prof. Dr. Inge Marszolek im Auftrag der Fachkommission „Patin“ der Gedenkstätte Lager Sandbostel und hat in dieser Funktion intensiv den Neugestaltungsprozess der Gedenkstätte und insbesondere die Erarbeitung der zweigeteilten Dauerausstellung begleitet. Inge Marszolek war dabei eine sehr aufmerksame, kritisch-solidarische und immer der gemeinsamen Sache verpflichtete Kollegin.
Konsequenterweise konnten wir 2012 Prof. Marszolek dafür gewinnen, als Mitglied im wissenschaftlichen Fachbeirat der Stiftung Lager Sandbostel den Auf- und weiteren Ausbau noch intensiver zu begleiten.


Die Gedenkstätte Lager Sandbostel verliert eine Freundin und wichtige Beraterin.

 

Andreas Ehresmann

Leiter der Gedenkstätte


9.8.2016
Fördervertrag über 50.000 Euro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergeben

Andreas Ehresmann, Detlef Cordes, Dieter Kunze, Timo Jahns (von links) bei der Übergabe des Fördervertrages
Andreas Ehresmann, Detlef Cordes, Dieter Kunze, Timo Jahns (von links) bei der Übergabe des Fördervertrages

Am 9. August 2016 haben Dieter Kunze, der Ortskurator Stade der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) und Timo Jahns von „Lotto Niedersachsen“ dem Vorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes und dem Geschäftsführer der Stiftung und gleichzeitigem Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Andreas Ehresmann, den symbolischen Fördervertrag über 50.000 Euro übergeben.
Für die Gedenkstätte sind die 50.000 Euro eine hochwillkommene Förderung die zusammen mit einer gleichhohen Fördersumme der Hermann Reemtsma Stiftung aus Hamburg zur Sicherung und Begehbarmachung von vier historischen Unterkunftsbaracken aus der Aufbauphase des Kriegsgefangenenlagers genutzt werden wird.

Zwei der historischen Unterkunftsgebäude die mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gesichert und als Ruinenstruktur begehbar gemacht werden // Foto: Andreas Ehresmann, 28.9.2015
Zwei der Gebäude die mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gesichert und als Ruinenstruktur begehbar gemacht werden // Foto: Andreas Ehresmann, 28.9.2015

Hintergrund 1: Anfang des Jahres konnte die Stiftung Lager Sandbostel dank der Förderung durch den Landkreis Rotenburg (Wümme) einen weiteren, etwa 1,5 Hektar großen, Teilbereich des ehemaligen Lagers erwerben, auf dem sich mit vier historischen Unterkunftsbaracken aus der Aufbauphase 1939 und einer dazugehörigen Latrine ein wichtiges Gebäudeensemble des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers befindet.
Da der bisherige Eigentümer allerdings seit Jahrzehnten keinerlei Instandsetzungsarbeiten durchgeführt hat, waren alle Gebäude zum Zeitpunkt des Erwerbs in einem sehr desolaten und maroden Zustand. Große Teile der Dächer sind nicht mehr zu halten. In der Gedenkstättenkonzeption ist vorgesehen, die maroden Gebäude als Ruinenstruktur begehbar und so der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Hintergrund 2: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde 1985 gegründet und ist die größte private Initiative für Denkmalpflege. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich bundesweit für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Dabei wird ein umfassender Ansatz verfolgt, der von der Notfallrettung gefährdeter Bausubstanz über Jugendprojekte wie die „Jugendbauhütten“ bis hin zum jährlich bundesweit ausgetragenen „Tag des offenen Denkmals“ reicht.
Die Gedenkstätte Lager Sandbostel und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verbindet bereits seit vielen Jahren das gemeinsame Ziel des Erhalts der bundesweit einmaligen Bausubstanz des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag X B Sandbostel. Bereits 2008 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 40.000 Euro als Komplementärförderung zur Verfügung gestellt um damit in einem ersten Projekt das Dach einer der beiden ehemaligen Lagerküchen zu erneuern. 2016 waren vier Jugendliche der von der DSD getragenen Jugendbauhütte Stade insgesamt vier Wochen in Sandbostel um auch ganz konkret und praktisch bei der Sicherung der Gebäude zu helfen. Und bereits seit 2006 beteiligt sich die Gedenkstätte am „Tag des offenen Denkmals“, so auch in diesem Jahr am Sonntag den 11. September von 9.00 – 18.00 Uhr.


6.8.2016
Osteland-TV # 25 mit Bericht über das 8. Int. Jugendworkcamp erschienen

Am 6. August 2016 ist eine neue Ausgabe der 14tägig erscheinenden Informationssendung Osteland-TV der Arbeitsgemeinschaft Osteland online gestellt worden. Ein sieben minütiger Beitrag von Claus List widmet sich in der 25. Ausgabe des Internetmagazins dem 8. Internationalen Jugendworkcamp Sandbostel, das vom 13. bis zum 26. Juli 2016 in der Gedenkstätte stattgefunden hat.

 

Den Beitrag finden Sie hier ...


25.7.2016

Historische Fundamente einer Unterkunftsbaracke freigelegt

Teilnehmer_innen des 8. internationalen Jugendworkcamps bei Freilegungsarbeiten // Foto: A. Ehresmann, 21.7.2016
Teilnehmer_innen des 8. internationalen Jugendworkcamps bei Freilegungsarbeiten // Foto: A. Ehresmann, 21.7.2016

Im Rahmen von zwei internationalen Jugendbegegnungen wurde von Jugendlichen aus insgesamt neun Ländern im April und zuletzt im Juli 2016 die völlig überwucherte Bodenplatte eines abgerissenen Gebäudeteils einer ehemaligen Unterkunftsbaracke freigelegt. Bei einer Gedenkveranstaltung am 25.7 konnten die baulichen Zeugnisse nun der Öfentlichkeit vorgestellt werden.
Bei der Freilegung wurde festgestellt, dass die Bodenplatte aus Beton noch relativ gut erhalten ist. Deutlich erkennbar ist in der Barackenmitte die doppelte Reihe erhöhter Punktfundamente/Sockel, auf denen das Ständerwerk des 300 qm großen und innenwandlosen Unterkunftsraums stand.
Umlaufend ist auch das Streifenfundament aus Backsteinen weitgehend erhalten. Im Abstand von etwa 20 cm nach innen versetzt befindet sich ein weiterer Fundamentstreifen aus Kalksandstein der in einer Wellenform umlaufend um den ganzen Barackenteil festgestellt werden konnte. Die Betonplatte ist formschlüssig an die Wellenstruktur angeschüttet.

Detailaufnahme des Streifenfundaments aus Backstein rechts und der daneben liegende wellenförmige "Fundamentstreifen" // Foto: A. Ehresmann, 20.7.2016
Detailaufnahme des Streifenfundaments aus Backstein rechts und der daneben liegende wellenförmige "Fundamentstreifen" // Foto: A. Ehresmann, 20.7.2016

Bisher konnte die Funktion dieser wellenförmigen Struktur bzw. dieses zweiten Streifenfundaments nicht eindeutig und abschließend geklärt werden.
Da der Mitte der 1970er-Jahre abgerissene Barackenteil lagerzeitlich zumindest zeitweise als Gebets- und Andachtsraum durch französische Kriegsgefangene genutzt wurde, besteht aber die Möglichkeit, dass der Sakralraum im Inneren eine wellenförmige Innenfassade hatte und somit aufwändiger als bisher gedacht gestaltet war.
Bei den Freilegungen konnte auch eine weitere Nutzungsschicht festgestellt werden, die sich in die historische Bausubstanz eingeschrieben hat. In den 1970er-Jahren hat der Nutzer des Geländes auf der gesamten Bodenplatte ein Raster mit Wäschestangen eingebracht. Die eingetieften und mit Beton ausgefüllten Löcher mit den Stümpfen der Wäschestangen sind deutlich erkennbar. Ferner wurde an einer Längsseite eine größere Betonrampe, die über das Streifenfundament auf die Bodenplatte führt, angefügt.


15.7.2016

Beginn des 8. Internationalen Jugendworkcamps

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit dem Betreuerteam und Vertretern der Gedenkstätte vor den historischen Unterkunftsbaracken // Foto: Stefan Algermissen, 15.7.2016
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit dem Betreuerteam und Vertretern der Gedenkstätte vor den historischen Unterkunftsbaracken // Foto: Stefan Algermissen, 15.7.2016

Am Donnerstag den 15. Juli 2016 begann das 8. Internationale Jugendworkcamp in Sandbostel. In den nächsten zwei Wochen werden 22 Jugendliche aus sieben Nationen (auflisten) gemeinsam die Gedenkstätte bei dem Unterhalt der historischen Gebäude unterstützen.
Nach der Anreise in die Freizeit- und Begegnungsstätte Oese, der Unterkunft der Jugendlichen, kam die internationale Jugendgruppe am Freitag zu einem ersten Kennenlernen des historischen Ortes in die Gedenkstätte.
Bei der offiziellen Begrüßung stellte die Campleiterin Daria Antonova die Jugendlichen und das Team den Vertretern der Gedenkstätte und der Stiftung Lager Sandbostel sowie der Presse vor.
Der Vorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes betonte die große Bedeutung von Internationalen Jugendbegegnungen gerade in den heutigen Zeiten, die leider allzu oft von Vorurteilen und Ängsten geprägt sind. In der Gedenkstätte kommen die Jugendlichen zusammen um gemeinsam zu diskutieren, zu arbeiten und zu gedenken. Zudem ist die praktische Arbeit auf dem Gelände für die Gedenkstätte eine große und wichtige Unterstützung zum Erhalt der historischen Bausubstanz.
Nach der Begrüßung stellten der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, und der gedenkstättenseitige Campleiter, der Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey, ausführlich die Gedenkstätte und insbesondere die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag X B Sandbostel vor. Bei einem Rundgang über das Außengelände wurden auch einige der Bereiche angeschaut, bei denen die Jugendlichen ab Samstag eingesetzt werden. Vor allem geht es darum, mehrere historische Bodenplatten von Unterkunftsbaracken freizulegen und Fenster in einer ehemaligen Latrine denkmalgerecht zu sanieren.

Hintergrund: In Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Kirchenkreis Bremervörde-Zeven und der Gemeinde Sandbostel lädt die Stiftung Lager Sandbostel vom 13. bis zum 26. Juli 2016 zum 8. Internationalen Jugend-Workcamp nach Sandbostel ein.
Ziel der internationalen Jugendbegegnungen ist es in diesem Jahr, mehrere archäologische Suchgrabungen im Bereich des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers durchzuführen. Unter fachlicher Anleitung soll versucht werden, bisher nicht genau bekannte Standorte von Baracken zu ermitteln. Daneben werden weitere Workshops angeboten, die sich mit dem Aufarbeiten des vor kurzem neuerworbenen Grundstücks beschäftigen, dass vormals ebenfalls ein Teil des Stalag X B war.
Neben diesen ganz praktischen Aufgaben wollen die Veranstalter mit den Jugendlichen inhaltlich zum Thema „Befreiung und befreien“ arbeiten. So dient die Geschichte der Befreiung des Lagers am 29. April 1945 auch als Grundlage dafür, um über Begrifflichkeiten wie Befreiung und Freiheit nachzudenken.
Und auch das Freizeitprogrammpunkt setzt auf Begegnung, Aktion und ein Miteinander. Sportbegegnungen, eine Kanu-Tour auf der Oste, Theater, Freizeit am Strand an der nahegelegenen Nordsee, ein Besuch der Großstadt Hamburg und viele weitere Programmpunkte und Begegnungen in der Region und in Sandbostel selber, ziehen sich durch die gemeinsamen zwei Wochen.
Untergebracht sind die Jugendlichen in der Freizeit- und Begegnungsstätte Oese.


24.06.2016

Presseberichterstattung zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Kranzniederlegung auf dem Lagerfriedhof in Sandbostel // Foto: Theo Bick
Kranzniederlegung auf dem Lagerfriedhof in Sandbostel // Foto: Theo Bick

Am 22. Juni 2016 erinnerte die Gedenkstätte Lager Sandbostel an den 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.

 

Presseberichte:

am 20.06.2016 (Bremervörder Zeitung)

am 24.06.2016 (Bremervörder Zeitung)

 

Reden:

Dr. Jens Binner (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten)


02.05.2016

Presseberichterstattung zum 71. Jahrestag der Befreiung des Stalag X B Sandbostel

Wiktor Listopatzki (links) und Rint Massier (rechts) bei der Gedenkveranstaltung // Foto: Rainer Klöfkorn, 29.4.2016
Wiktor Listopatzki (links) und Rint Massier (rechts) bei der Gedenkveranstaltung // Foto: Rainer Klöfkorn, 29.4.2016

Am 29.04.2016 erinnerte die Gedenkstätte Lager Sandbostel an den 71. Jahrestag der Befreiung des Stalag X B durch die britische Armee.

 

Presseberichte: 

am 30.04.2016

am 02.05.2016

 

Reden:

Ruth Gröne (Tochter von Erich Kleeberg)

Rint Massier (Sohn von Jan Massier)

Gerd A. Meyer (Sohn von Anatolij M. Pokrowskij)


23.4.2016

Angehörige errichten Gedenktafel für Wasilij Pawlowitsch Konjuchow

Svetlana Paevskaia und Sergei Koniukhov vor der neuen Gedenktafel // Foto: Andreas Ehresmann, 23.4.2016
Svetlana Paevskaia und Sergei Koniukhov vor der neuen Gedenktafel // Foto: Andreas Ehresmann, 23.4.2016

Am Samstag den 23. April 2016 besuchten Sergei Koniukhov und seine Schwester Svetlana Paevskaia aus Moskau die Gedenkstätte Lager Sandbostel, um hier eine Gedenktafel für Ihren Großvater Wasilij Pawlowitsch Konjuchow aufzustellen.
Bereits Anfang des Jahres hatte sich Sergei Konjkhov an die Gedenkstätte gewandt, um zu erfahren ob sein Großvater auf dem Lagerfriedhof bestattet sei. Da die Personalkarte von Wasilij Pawlowitsch Konjuchow vorlag, konnte dies nach einigen Recherchen bestätigt werden. Allerdings konnte nur festgestellt werden, dass der Großvater, nachdem er am 9. April 1942, im Alter von 31 Jahren, im Lagerlazarett verstorben ist, auf dem Lagerfriedhof in einem der Massengräber bestattet wurde. Der genaue Ort der Grablege ist heute nicht mehr feststellbar.
Dennoch reifte in Sergei Konjkhov schnell der Wunsch, für seinen Großvater eine individuelle Gedenktafel aufzustellen. In enger Absprache mit der Gedenkstätte wurde die Gedenktafel in Moskau hergestellt. Nachdem offizielle Einladungen der Gedenkstätte ausgestellt und die Visa erteilt wurden, planten Sergei Koniukhov und Svetlana Paevskaia ihre Reise.
Am Freitag flogen die beiden von Moskau nach München. Mit einem Mietwagen fuhren sie dann die Nacht durch und kamen am Samstagmorgen übernächtigt in der Gedenkstätte Lager Sandbostel an.
Hier wurden die Angehörigen von dem Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, empfangen. Nach einem ausführlichen Rundgang fuhren die drei auf den ehemaligen Lagerfriedhof.
Gemeinsam wurde vor Ort entschieden, dass die Gedenktafel auf einem der Massengräber im hinteren Bereich des Friedhofes aufgestellt werden soll. Hier stehen bereits mehrere individuelle Gedenktafeln im Gedenken an hier ruhende sowjetische Soldaten.
Nach der Aufstellung der Gedenktafel gedachten die beiden Enkel in einer ergreifenden Zeremonie ihrem verstorbenen Großvater Wasilij Pawlowitsch Konjuchow. Svetlana Paevskaia weihte die Gedenkplatte mit Wasser, welches Sie extra aus Moskau mitgebracht hatte.
Nach der Zeremonie besuchten Sergei Koniukhov und Svetlana Paevskaia erneut die Gedenkstätte Lager Sandbostel. Bereits am nächsten Tag traten die beiden wieder ihren Heimweg an.

 

Wasilij Pawlowitsch Konjuchow (23.4.1911 - 9.4.1942)
Wasilij Pawlowitsch Konjuchow (23.4.1911 - 9.4.1942)

Hintergrund: Am 23. April 1911 wurde Wasilij Pawlowitsch Konjuchow im weißrussischen Witebsk geboren. Nach einer Ausbildung arbeitete er hier als Maschinist. Nachdem Konjuchow in die Rote Armee eingezogen wurde, gerät er nur wenige Monate nach dem Überfall des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion am 19. September 1941 in Zolotonosha (100 Kilometer südlich von Kiew) in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Zunächst wurde Wasilij Pawlowitsch Konjuchow im Stalag XI B (357) Oerbke, einem der so genannten „Russenlager“ in der Lüneburger Heide, mit der Kriegsgefangenennummer 5358 registriert. Von hier wurde er aus unbekannten Gründen zum Stalag X D Wietzendorf verlegt und mit der Kriegsgefangenennummer X D 6718 neu registriert. Nachdem das Lager Wietzendorf dem Stalag X B Sandbostel als Zweiglager unterstellt wurde, wurde Wasilij Pawlowitsch Konjuchow formal zwar von Sandbostel aus verwaltet, er war aber vermutlich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Wietzendorf anwesend. Erneut wurde Konjuchow aus unbekannten Gründen verlegt – diesmal direkt in das Stalag X B Sandbostel.
Knapp sieben Monate nach seiner Gefangennahme wurde er dann vermutlich am 6. April 1942 mit einer durch einen Schuss verursachten Trümmerfraktur des linken Oberschenkels in das Lagerlazarett eingeliefert. Hier starb Wasilij Pawlowitsch Konjuchow nur drei Tage später mit 31 Jahren und wurde pietätlos auf dem Lagerfriedhof in einem der Massengräber vergraben.


20.4.2016

Neue Gottesdienstreihe in der "Lagerkirche Sandbostel"

Der Kirchenkreis Bremervörde-Zeven geht neue Wege. Mit einem neuen Gottesdienstformat, bei dem sich jeder in die Vorbereitung, die etwa eineinhalb Stunden vor dem Gottesdienst beginnt, einbringen kann, sollen in der „Lagerkirche Sandbostel“ an historisch bedeutenden Daten Friedensgottesdienste gefeiert werden. Der Ort, die „Lagerkirche Sandbostel“ auf dem Areal des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Sandbostel, ist dabei, so Michael Freitag-Parey, der als friedenspädagogische Fachkraft des Kirchenkreises an der Gedenkstätte Lager Sandbostel arbeitet, „bewusst gewählt worden, da er Geschichte, Aufbruch, Vergebung und Versöhnung ausstrahlt“.
Die Gedenkstätte begrüßt dieses neue Format, da durch diesen Zugang möglicherweise junge Menschen angesprochen werden, sich weitergehend mit der Geschichte des historischen Ortes, der systematischen Ungleichbehandlung der Menschen im Nationalsozialismus und dem konkreten Schicksal der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge zu beschäftigen, die in Sandbostel gelitten haben und gestorben sind.

Hintergrund: Nach der Befreiung des Stalag XB nutzte die britische Verwaltung das ehemalige Kriegsgefangenenlager für die Internierung von SS-Angehörigen. Die britische Lagerleitung war bemüht, die Rechte der internierten SS-Männer – auch das Recht auf freie Religionsausübung – einzuhalten.
Am 03.11.1945 wurde der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst in einer Baracke des Internierungslagers abgehalten. Kurze Zeit später wurde eine so genannte Nissenhütte (ein halbrunde Wellblechhütte) als überkonfessionelles Kirchengebäude errichtet.
Nachdem das britische Internierungslager aufgelöst wurde, wurde das Areal ab März 1948 als Gefängnis Lager Sandbostel zum Vollzug von kürzeren bis mittleren Haftstrafen genutzt. Mit der seelsorgerischen Betreuung der Gefangenen wurde nun die St.-Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen beauftragt.
1952 wurde das ehemalige Kriegsgefangenenlager zum Notaufnahmelager für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR. Nachdem die Nissenhütte wegen Baufälligkeit ersetzt werden musste, wurden die Konfessionen getrennt und zwei neue Kirchen errichtet. Für die evangelischen Flüchtlinge entsteht 1957 am Platz der ökumenischen Nissenhüttenkirche der heute noch vorhandene Kirchenbau.
Das Kirchengebäude wurde 2014 saniert, vor dem Gebäude befinden sich bereits seit 2002 ein kleiner Gedenkstein und ein von der Kirchengemeinde neu gestalteter Gedenkort für die im Stalag XB gestorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge.

Vier Termine in dem neuen Gottesdienstformat stehen bisher fest:

  • 8. Mai 2016, zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus
  • 11. September 2016, anlässlich des Jahrestages der Terroranschläge von 2001 in den USA
  • 12. November 2016, nachträglich anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und des Mauerfalls am 9. November 1989
  • 28. Januar 2017, nachträglich anlässlich des Holocaust-Gedenktages, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945

Der Gottesdienst beginnt jeweils um 19.00 Uhr, ab 17.30 Uhr beginnen kleine Workshops mit denen der jeweilige Gottesdienst vorbereitet wird.


4.4.2016
„Mobile Einsatztruppe“ der Jugendbauhütte Stade hilft zwei Wochen bei Aufräum- und Sicherungsmaßnahmen in der Gedenkstätte

Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann, Josefine Keilack, Joris Zidorn, Rasmus Neuhaus und Selina Krischak (von links) besichtigen mit der Leiterin der Jugendbauhütte Stade, Eva Pfennig und dem Stiftungsvorsitzenden Detlef Cordes die Baustelle.
Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann, Josefine Keilack, Joris Zidorn, Rasmus Neuhaus und Selina Krischak (von links) besichtigen mit der Leiterin der Jugendbauhütte Stade, Eva Pfennig und dem Stiftungsvorsitzenden Detlef Cordes die Baustelle.

Am Montag den 4. April haben Josefine Keilack (19), Selina Krischak (19), Rasmus Neuhaus (19) und Joris Zidorn (18) von der „Mobilen Einsatztruppe“ (MOB) der Jugendbauhütte Stade begonnen, für 2 Wochen die Gedenkstätte Lager Sandbostel bei den Aufräum- und Sicherungsmaßnahmen, an den Ende letzten Jahres erworbenen und stark verfallenen Unterkunftsbaracken aus der Aufbauphase des Stalag X B, zu unterstützen.
Zunächst werden die vier Jugendlichen in einer der historischen Unterkunftsbaracken die eingestürzten Dachteile und herumliegenden Müll entsorgen. In einem zweiten Schritt werden dann die abgängigen Restdachflächen demontiert und entsorgt. Dadurch wird das marode Gebäude erstmals überhaupt wieder zugängig. Damit zukünftig Besucherinnen und Besucher die historische Baracke in der Ruinenstruktur besichtigen und dabei einen Raumeindruck der ehemaligen Unterkunftsbaracke erhalten können, werden dann abschließend von Baufirmen die erhaltenen aufrechtstehenden Mauern gesichert.
Die Gedenkstätte freut sich sehr über die große Unterstützung durch die Jugendlichen, die das freiwillige soziale Jahr in der Denkmalpflege absolvieren und in diesem Rahmen ganz konkret am Erhalt der zeitgeschichtlich bedeutenden Bausubstanz in Sandbostel beitragen.

Hintergrund: Die Jugendbauhütte Stade wurde 2009 gegründet und ist heute eine von 13 Jugendbauhütten bundesweit, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz initiiert und gefördert werden. Jugendliche können dort ihr freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege (FSJ Denkmalpflege) absolvieren und dabei in einer Mischung aus traditionellem Handwerk und Baukultur, Denkmalpflege, Archäologie und Gemeinschaftsleben Erfahrungen gewinnen. Zudem werden durch die Jugendlichen kleine und allzu häufig finanzschwache Kultureinrichtungen, Museen oder Vereine bei dem Erhalt von bedeutenden Kulturgütern unterstützt.
Eine Besonderheit der Jugendbauhütte Stade ist die „Mobile Einsatztruppe“, bei der vier Jugendliche (zwei Frauen und zwei Männer) bei den Einsatzstellen vor Ort untergebracht werden und diese über einen kürzeren Zeitraum unterstützen.
Kontakt: Jugendbauhütte im Landkreis Stade, Schloss Agathenburg, Hauptstraße, 21684 Agathenburg


22.3.2016

Wissenschaftlicher Fachbeirat besichtigt neues Gedenkstättengrundstück

Der wissenschaftliche Fachbeirat bei der Begehung einer der „neuen“ Baracken. Von links: Dr. Stefan Hesse, Jan Effinger, Prof. Dr. Inge Marszolek, Detlef Cordes (beide im Hintergrund) und Dr. Detlef Garbe // Foto: Andreas Ehresmann, 22.3.2016
Der wissenschaftliche Fachbeirat bei der Begehung einer der „neuen“ Baracken. Von links: Dr. Stefan Hesse, Jan Effinger, Prof. Dr. Inge Marszolek, Detlef Cordes (beide im Hintergrund) und Dr. Detlef Garbe // Foto: Andreas Ehresmann, 22.3.2016

Auf Einladung des Stiftungsvorsitzenden Detlef Cordes kam der wissenschaftliche Fachbeirat der Stiftung Lager Sandbostel am 22. März 2016 zu einer Sitzung in der Gedenkstätte Lager Sandbostel zusammen. Das Hauptthema der Fachbeiratssitzung war die Gestaltung des jüngst neu erworbenen Gedenkstättengrundstücks.
Der Stiftungsvorsitzende Detlef Cordes und der Geschäftsführer der Stiftung und Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, stellten den Mitgliedern des Fachbeirates die Ansätze und die geplanten Maßnahmen bei der Gestaltung der maroden historischen Lagergebäude vor.
Cordes und Ehresmann betonten, dass das Ziel der jetzigen Maßnahmen nicht die Rekonstruktion der verfallenen Unterkunftsbaracken sei, sondern die Schaffung einer „begehbare Ruinenstruktur“, bei der die Besucherinnen und Besucher sich sicher in den Ruinen bewegen können und die Raumstrukturen der Steinbaracken aus der Aufbauphase des Kriegsgefangenenlagers wahrnehmen und in den Gesamtkontext der Gedenkstätte einordnen können.
Bei einer Begehung der ruinösen Gebäude zeigte sich der Fachbeirat überrascht über die jetzt schon deutlich zu erkennenden Veränderungen auf dem Areal, denn seit Mitte Februar wird von vielen Freiwilligen mit großem Engagement das Gelände und die Gebäude aufgeräumt. Zustimmung äußerte der Fachbeirat zu dem plausiblen Gestaltungskonzept das die beiden Stiftungsvertreter vorgestellt haben und lobten den sensiblen Umgang mit der ruinösen Bausubstanz.

Hintergrund: Der wissenschaftliche Fachbeirat wurde 2005 im Zuge der Gründung der Stiftung Lager Sandbostel eingerichtet. Der Beirat, in dem anerkannte Fachleute verschiedener Wissenschaftsdisziplinen vertreten sind berät das Kuratorium und den Vorstand der Stiftung Lager Sandbostel in allen Angelegenheiten zur Erfüllung des Stiftungszwecks.

Im wissenschaftlichen Fachbeirat der Stiftung Lager Sandbostel sind:
Dr. Jan Joost Assendorp, Bezirksarchäologe
Jan Effinger, Geschäftsführer Bezirksverband Lüneburg, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Dr. Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Vorsitzender)
Dr. Stefan Hesse, Kreisarchäologe Landkreis Rotenburg/Wümme
Prof. Dr. Inge Marszolek, Universität Bremen


18.3.2016
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B Sandbostel

Am 29. April 1945 befreite die britische Armee in Sandbostel 14.000 Kriegsgefangenen und 6.000 KZ-Häftlinge. Insbesondere in dem Bereich in dem die KZ-Häftlinge untergebracht waren, fanden die britischen Soldaten zahlreiche unbestattete Leichnahme und apatisch umherirrende Menschen vor. Auch in den fünfeinhalb Jahren zuvor starben tausende Kriegsgefangene, vor allem aus der Sowjetunion.

Die Kriegsgefangenen wurden ab 1941 auf dem Lagerfriedhof (der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel), die KZ-Häftlinge zunächst auf dem Lagergelände selbst oder in der Nähe bestattet. Die Gräber wurden zwischen 1954 und 1956 exhumiert und auf dem Lagerfriedhof umgebettet.

Am 29. April jährt sich die Befreiung des Stalag X B zum 71 mal. Wir möchten Sie herzlich einladen an der Veranstaltung im Gedenken an die im Stalag X B verstorbenen Menschen teilzunehmen.

 

Programm:

16.00 Uhr Kriegsgräberstätte Sandbostel (Lagerfriedhof, Beverner Str., 27446 Sandbostel)

Ansprache Friedhelm Helberg (Kreistagsvorsitzender Rotenburg (Wümme))

Ansprache eines ehemaligen Kriegsgefangenen (angefragt)

Gebete (bisher zugesagt: Superintendent Wilhelm Helmers, Ev.-luth. Kirchenkreis Bremervörde-Zeven; Probst Martin Tenge (Regionaldechant), katholische Kirche; Fatih Kurutlu (1. Vorsitzender der türkisch islamischen Gemeinde zu Bremerhaven, 2. Vors. Rat ausländischer Mitbürger der Stadt Bremerhaven, Mitglied im Bremer Rat für Integration))

Kranzniederlegung für die in Sandbostel umgekommenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge

17.30 Uhr Gedenkstätte Lager Sandbostel / ehemalige Lagerküche (Greftstr., 27446 Sandbostel)

Ansprache Ministerin Frauke Heiligenstadt (nds. Kultusministerin)

Grußworte Bischof Ralf Meister (Ev.-lutherische Landeskirche Hannovers)

Ansprache Rint Massier (Sohn des verstorbenen KZ-Häftlings Jan Massier, Niederlande)

Jugendbeitrag eines deutsch/polnisch/ukrainischen Workcamps

Im Anschluss individuelles Gedenken am Gedenkstein für die in Sandbostel umgekommenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge

19.00 Uhr Gedenkgottesdienst in der evangelischen Lagerkirche


12.3.2016

Anmeldung zum 8. Internationalen Jugendworkcamp 2016 jetzt möglich

In Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Kirchenkreis Bremervörde-Zeven und der Gemeinde Sandbostel lädt die Stiftung Lager Sandbostel vom 13. bis zum 26. Juli 2016 zum 8. Internationalen Jugendworkcamp in Sandbostel ein.

 Ziel der internationalen Jugendbegegnungen ist es, die noch vorhandenen Gebäude des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers zu sichern, Spuren aus der Zeit der Nutzung des Lagers Besucherinnen ud Besuchern zugänglich zu machen und der Opfer unter den Kriegsgefangenen und den im April 1945 nach Sandbostel deportierten KZ-Häftlingen zu gedenken.

In diesem Jahr werden die Jugendlichen im praktischen Teil mehrere archäologische Suchgrabungen im Bereich des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers durchführen. Unter fachlicher Anleitung wollen wir versuchen, bisher nicht genau bekannten Standorte von Baracken zu ermitteln. Zudem wollen wir versuchen, ob wir Objekte und Gegenstände aus dem Alltag der Kriegsgefangenen zu finden.

Von Sportbegegnungen, verschiedenen Workshopangeboten, Freizeit am Strand an der nahegelegenen Nordsee bis hin zu Besuchen in der faszinierenden Großstadt Hamburg wartet ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm auf alle, die Lust haben Jugendliche aus anderen Ländern kennenzulernen, sich mit der gemeinsamen Geschichte zu beschäftigen und zwei Wochen ein interessantes Camp mitzugestalten.

 

Teilnehmen können 20 Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahre.

 

Reiseroute: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisen am 13. Juli selbstständig an.

Unterbringung/Verpflegung: Die Unterbringung erfolgt in einer Freizeit und Begegnungsstätte, Vollverpflegung

Teilnahmebeitrag: Der Teilnahmebeitrag beträgt bei Jugendlichen aus Westeuropa 150,- Euro und bei Jugendlichen aus Osteuropa 100,- Euro.

Pass/Visum: Je nach Herkunftsland gültiger Personalausweis, Reisepass und/oder Visum

Gesundheitsbestimmungen: Ein Impfschutz gegen Tetanus wird empfohlen

Die Anmeldung kann auf verschiedene Weise erfolgen:

Download Faltblatt

 

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18.2.2016
save the date - 29.4.2016
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B Sandbostel

Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung // Foto: Lewke-Björn Rudnick, 29.4.2015
Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung // Foto: Lewke-Björn Rudnick, 29.4.2015

Die Veranstaltung beginnt am 29. April 2016 um 16.00 Uhr auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel (Beverner Str. in 27446 Sandbostel). Um 17.30 Uhr wird die Veranstaltung in der ehemaligen Lagerküche in der Gedenkstätte fortgesetzt. Enden wird die Veranstaltung um 19.00 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst in der Lagerkirche.
Wir möchten Sie herzlich einladen an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Das genaue Programm wird noch gesondert bekannt gegeben.


15.2.2016
Erfolgreicher erster Aufräumtag des neuen Gedenkstättenareals
15 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kamen am vergangenen Samstag zu einem ersten Aufräum- und Arbeitstag nach Sandbostel um das Ende 2015 neu erworbene so genannte "Edelmann-Restgrundstück" aufzuräumen.

Bäume und Sträucher werden gefällt, um den Blick auf die historischen Unterkunftsbaracken freizulegen // Foto: Andreas Ehresmann, 13.2.2016
Bäume und Sträucher werden gefällt, um den Blick auf die historischen Unterkunftsbaracken freizulegen // Foto: Andreas Ehresmann, 13.2.2016

Hoch motiviert, mit viel Engagement und schwerem Gerät haben die Unterstützerinnen und Unterstützer am Samstag damit begonnen, dass neue Grundstück aufzuräumen. Um das Gelände zu gestalten und die vier historischen Unterkunftsgebäude in die bisherige Gedenkstätte einzubinden, ist es zunächst notwendig, den starken Baum- und Strauchbewuchs zu entfernen. Dadurch sollen einerseits die teilweise sehr maroden Holzgebäude freigestellt und belüftet, und andererseits die historische Kargheit des Geländes angedeutet werden.
Danach werden in einem zweiten Schritt die ruinösen historischen Unterkunftsbaracken aus den Jahren 1939/40 gesichert und als Ruinen begehbar gemacht. Für die Sicherung der Gebäude wurden der Stiftung Lager Sandbostel von zwei Stiftungen 100.000,- Euro zur Verfügung gestellt. Damit werden zeitnahe Fachfirmen beauftragt, das noch erhaltene Mauerwerk zu sichern und zu stabilisieren.
Die gesamten Aufräumarbeiten müssen allerdings zunächst in ehrenamtlicher Eigenleistung erbracht werden. Nach dem samstäglichen Arbeitseinsatz zeigt sich, dass sich das Ergebnis des ersten Tages wahrlich sehen lassen kann:


- hinter dem „Haus Altenberg“ wurden alle Bäume und das Strauchwerk gefällt
- ein alter und völlig eingewachsener Weidezaun zwischen dem alten und neuen Gelände wurde entfernt
- vor dem Haus Altenberg wurden die ersten großen Bäume und Gehölze gefällt
- die gesamten Sträucher und Büsche hinter der ersten historischen Unterkunftsbaracke (zum Haus Altenberg hin) wurden entfernt
- vor der ersten Baracke zur Greftstraße hin wurden alle Bäume und Gehölze gefällt sowie in ersten Teilen der Baracke das eingestürzte Dach, Dachpappe und Müll herausgeräumt

Teilweise freigelegte historische Bodenplatte // Foto: Andreas Ehresmann, 13.2.2016
Teilweise freigelegte historische Bodenplatte // Foto: Andreas Ehresmann, 13.2.2016

Bei den Aufräumarbeiten im vorderen Bereich der ersten Baracke hat sich herausgestellt, dass die historische Bodenplatte der bereits vor Jahrzehnten abgetragenen vorderen Hälfte der Baracke noch weitgehend vorhanden ist und lediglich von einer Grasnarbe bedeckt ist. Ein Teilbereich davon wurde zur genaueren Untersuchung freigelegt. Angedacht ist, die Bodenplatte in Gänze freizulegen und in die Gestaltung einzubeziehen.


11.2.2016
75.000ster Besucher seit Bestehen der Gedenkstätte Lager Sandbostel
Am Mittwoch, den 10. Februar 2016 konnten der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes, und der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, den 75.000sten Besucher seit dem Bestehen der Gedenkstätte in Sandbostel begrüßen.

Der Stiftungsvorsitzende Detlef Cordes beim Überreichen eines Ausstellungskataloges an Jonas Pfalzgraf // Foto: Andreas Ehresmann, 11.2.2016
Der Stiftungsvorsitzende Detlef Cordes beim Überreichen eines Ausstellungskataloges an Jonas Pfalzgraf // Foto: Andreas Ehresmann, 11.2.2016

Seit der Eröffnung einer ersten provisorischen Gedenkstätte am historischen Standort des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel am 3. September 2007 verzeichnet die Gedenkstätte Lager Sandbostel ein sehr großes Besuchsinteresse. Seit der offiziellen Eröffnung der neu gestalteten Gedenkstätte im Jahr 2013 besuchen im Schnitt etwa 12.500 Menschen pro Jahr die Gedenkstätte. Lediglich im vergangenen Jahr mussten wir aufgrund einer personellen Veränderung erstmals einer nennenswerten Zahl von Gruppen absagen, dadurch sank die Besucherinnen- und Besucherzahl in 2015 auf etwa 11.800, ein nach wie vor sehr hohes Niveau. In 2016 werden die zahlreichen Gruppen noch stärker von ehrenamtlichen Gästebegleiterinnen und -begleitern betreut, so dass davon auszugehen ist, dass die Besuchszahlen in 2016 erneut zunehmen werden.

Der 75.000ste Besucher besuchte im Rahmen eines Wahlpflichtseminars mit weiteren Freiwilligen des Freiwilligen Sozialen Jahrs und des Bundesfreiwilligendienstes die Gedenkstätte. Jonas Pfalzgraf aus Hamburg und 13 weitere Freiwillige waren eine Woche in der Freizeit- und Begegnungsstätte Oese zu Gast und nahmen an einem Seminar mit dem Titel „Historymaker - Story of your Life“ teil. Ziel des Seminars war, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich damit auseinander setzen, wie die deutsche Geschichte vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart die Geschichte der eigenen Familien beeinflusst hat und immer noch beeinflusst.

Neben der individuellen Biografienarbeit in Oese standen auch zwei Besuche in der Gedenkstätte Lager Sandbostel auf dem Programm. Die Gruppe wurde in Oese und in Sandbostel vom Friedenspädagogen Michael Freitag-Parey begleitet. Nach dem Besuch des ehemaligen Lagerfriedhofs folgte eine intensive Einführung in die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers. Anschließend nahmen die Jugendlichen an dem "Namensziegelprojekt" teil und fertigten kleine Tontafeln mit den Namen und den Lebensdaten von verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen an.

An ihrem zweiten Tag in der Gedenkstätte trafen die Seminarteilnehmerinnen und –teilnehmer den 70jährigen Gerd Meyer, der von seiner ungewöhnliche Geschichte erzählte. Gerd Meyer, Sohn eines in Sandbostel gestorbenen  sowjetischen Kriegsgefangenen, berichtete von seiner intensiven Spurensuche, durch die er im Jahre 2009 schließlich die Familie seines Vaters in Russland fand.

 

Der Stiftungsvorsitzende Detlef Cordes überreichte Jonas Pfalzgraf einen Ausstellungskatalog der Gedenkstätte als Präsent und betonte, dass es ihn immer wieder freue, dass so viele Jugendgruppen nach Sandbostel kommen, um sich hier intensiv mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers auseinander setzten. Es sei immer wieder wichtig, so Cordes, die Erinnerung wachzuhalten, um daraus für die Zukunft zu lernen. Ein Appell den Jonas Pfalzgraf nur unterstützen kann: "Es ist wichtig das man sich erinnert, damit das nie wieder passiert".


2.2.2016
Deutsch-Polnisch-Israelische Delegation besucht Gedenkstätte

Am Dienstag, den 2. Februar 2016 besuchten der stellvertretende Bürgermeister der Hansestadt Stade, Klaus Quiatkowsky, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter der Stader Partnerstädte aus Givat Shmuel (Israel) und Gołdap (Polen) die Gedenkstätte Lager Sandbostel.

Kranzniederlegung der drei Bürgermeister auf dem ehemaligen Lagerfriedhof Sandbostel // Foto: Karina Holst, 2.2.2016
Kranzniederlegung der drei Bürgermeister auf dem ehemaligen Lagerfriedhof Sandbostel // Foto: Karina Holst, 2.2.2016

Der Besuch der 15köpfigen Delegation diente der Vorbereitung der bereits seit 1992 regelmäßig stattfindenden trinationalen Jugendbegegnungen Stade/Gołdap/Givat Shmuel, die in diesem Jahr im Juli in Stade beginnt. Das Austauschprogramm geht jeweils über zwei Jahre, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nacheinander in allen drei Ländern treffen, Freundschaften knüpfen und sich über Kultur, Geschichte und Politik austauschen. Das gemeinsame Erinnern gegen das Vergessen ist Grundlage jeder Begegnung.

 

Der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, der Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey und der Archivar Ronald Sperling betreuten die Delegation in der Gedenkstätte und boten einen Überblick über die Geschichte des Stalag X B und Einblicke in die gedenkstättenpädagogische Arbeit. Bei dem Besuch teilte der stellvertretende Bürgermeister Klaus Quiatkowsky der Gedenkstätte überraschend mit, dass die Hansestadt Stade die Übersetzung und Produktion des allgemeinen und bisher schon in sieben Sprachen vorliegenden Informationsblatts der Gedenkstätte ins Hebräische finanzieren wird. Freudig wurde diese großzügige Spende von den Gedenkstättenvertretern entgegen genommen, zumal damit nun erstmalig auch ein Informationsangebot für israelische Besucherinnen und Besucher geschaffen werden kann.

 

Mit den drei Bürgermeistern Klaus Quiatkowsky (Stade), Yossi Brodny (Israel) und Tomaz Luto (Gołdap) und) wurde vereinbart, dass die 30 Jugendlichen aus Deutschland, Israel und Polen in diesem Jahr auch die Gedenkstätte Lager Sandbostel besuchen werden. Die Jugendlichen werden sich hier mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel und dem Schicksal der Kriegsgefangenen, Zivil- und Militärinternierten sowie der KZ-Häftlinge die in Sandbostel gefangen waren, auseinanderzusetzen.

 

Zum Abschluss des Besuches in Sandbostel legten die Bürgermeister Kränze am Gedenkstein für die in Sandbostel verstorbenen KZ-Häftlinge auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel, nieder. Yossi Brodny aus Givat Shmuel betonte in einer kurzen Ansprache auf dem Lagerfriedhof, das er sich freut, wie vielfältig und hochwertig die Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit in Deutschland ist. Zudem habe er, so Brodny, gelernt, dass es ein Deutschland bis 1945 und eines nach 1945 gibt.


1.2.2016
Roger Cottyn verstorben
Roger Cottyn, der als belgischer Soldat fünf Jahre im Kriegsgefangenenlager Sandbostel gefangen war, ist am letzten Dienstag an seinem Wohnort in Rickling (Schleswig-Holstein) verstorben.

Roger Cottyn (1920-2016) // Foto: Rebecca Otten
Roger Cottyn (1920-2016) // Foto: Rebecca Otten

Bereits kurz nach dem Krieg, als Roger Cottyn als belgischer Soldat in Deutschland stationiert war, besuchte er den Bauernhof in Nartum, auf dem er während seiner Gefangenschaft in einem Arbeitskommando eingesetzt war. Mit den Landwirten und deren Familien verband ihn zeit seines Lebens eine enge Freundschaft.
Nach seiner Pensionierung zog Roger Cottyn mit seiner Ehefrau zunächst nach Süddeutschland und dann wegen des gesünderen Klimas nach Bad Segeberg. Nach deren Tod zog Roger Cottyn in ein Altenwohnheim in Rickling.
Der Gedenkstätte Lager Sandbostel war Roger Cottyn sehr verbunden und bei jedem Telefongespräch fragte er interessiert nach, was es Neues in Sandbostel gäbe.
Vielen wird der rüstige, stets lebensfrohe und freundliche Roger Cottyn unvergesslich bleiben. Regelmäßig kam er zu den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung des Stalag X B und zu den Internationalen Jugendworkcamps nach Sandbostel und berichtete eindrucksvoll von seinen Erlebnissen in deutscher Kriegsgefangenschaft. Aus seiner zunächst in der Zeitschrift seines Altenwohnheims publizierten Darstellung von Episoden seiner Gefangenschaft ist vor einigen Jahren die Autobiographie "Sechzig Monate in deutscher Kriegsgefangenschaft" entstanden.
Bei seinen Berichten, Vorträgen und Gesprächen mit Jugendlichen war Roger Cottyn ein stetiger Mahner, der immer objektiv berichtet hat und dankbar war für die Menschen, die ihm während seiner Gefangenschaft geholfen haben. Gerade die vielen Gespräche mit Jugendlichen, die stets beeindruckt seinen Erzählungen aus der Kriegsgefangenschaft gefolgt sind, hat er sichtlich genossen – zuletzt bei einem Zeitzeugengespräch vor 50 Schülerinnen und Schülern in Zeven im April letzten Jahres.

Seit kurzem litt Roger Cottyn an einer schweren Organerkrankung, wegen der er Mitte Januar in Bad Segeberg operiert werden musste. Ich konnte Roger Cottyn nach seiner Entlassung noch einmal in Rickling besuchen. Bei diesem Besuch war er schon schwer gezeichnet von der Krankheit und den Operationen, aber er wollte trotzdem auch jetzt noch die neuesten Dinge aus der Gedenkstätte hören. Roger Cottyn wurde 95 Jahre alt.

Gerne möchte ich Roger Cottyn mit einem Auszug aus dem Epilog seiner Autobiographie noch einmal selbst zu Wort kommen lassen:
"Die beste Therapie, um die gespeicherten Erlebnisse zu verarbeiten, ist diese aufzuschreiben. Was haben die verlorenen Jahre mir genommen oder gebracht? Die Periode hat mir ohne Zweifel meine Jugend genommen. Ganz brutal und ohne Übergang. Demgegenüber habe ich in der Zeit aber auch viel gelernt. Durch das Zusammenleben mit Menschen aus fremden Ländern, mit anderen Sprachen, anderen Religionen und Gebräuchen habe ich über das Fremde eine ganz neue Sichtweise erhalten. Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass für die Anderen auch ich ein Fremder war. Die physischen Schmerzen waren oft sehr quälend, jedoch der psychische Druck der Unfreiheit war meistens noch schwerer zu ertragen. Vergessen kann man dies alles nicht, aber nach so langer Zeit ist vieles verblasst. Und das ist auch gut so. Mit Respekt denke ich an Menschen zurück, die sich unter schwierigen Umständen für ihre Gefangenen einsetzten, die Menschlichkeit bewiesen."

 

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel verliert einen guten und treuen Freund.

Andreas Ehresmann

Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel


6.1.2016

Konvolut historischer Zeitungen dem Archiv übergeben

Eine überraschende Schenkung hat die Gedenkstätte Lager Sandbostel am 6. Januar 2016 erhalten. Karl-Heinz Flügel aus Gnarrenburg hat dem Vorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Detlef Cordes, dem Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann und dem Archivar Ronald Sperling bei einem Besuch eine beeindruckende Sammlung mit etwa 40 historischen Zeitungen für das Archiv übergeben.

Karl-Heinz Flügel, Andreas Ehresmann und Detlef Cordes (von links) bei der Übergabe des Zeitungskonvolutes // Foto: Ronald Sperling, 6.1.2016
Karl-Heinz Flügel, Andreas Ehresmann und Detlef Cordes (von links) bei der Übergabe des Zeitungskonvolutes // Foto: Ronald Sperling, 6.1.2016

Die Zeitungen (Hamburger Zeitung, Die Mitteilungen, Hamburger Nachrichten-Blatt) und einige weitere Einzeldokumente stammen vom April bis Juni 1945 und wurden von Karl-Heinz Flügel in den 1970er- und 1980er Jahren in Hamburg gesammelt. Der fortlaufende Zeitungsbestand dokumentiert in eindrücklicher Weise die Zeit kurz vor Kriegsende mit den letzten NS-Durchhalteparolen und die ersten Nachkriegsmonate mit den Bemühungen der britischen Armee die Ordnung aufrecht zu erhalten und die ersten Berichte über die Konzentrationslager.
Eindrucksvoll sind u.a. die in einer Sonderausgabe der Hamburger Zeitung ganzseitig abgedruckte Kapitulationserklärung des Hamburger Gauleiters Karl Kaufmann und ein Artikel in einer Sonderausgabe des „alliierten Nachrichtenblatts der 21. Heeresgruppe für die deutsche Zivilbevölkerung“ vom 9. Mai 1945, in dem die katastrophalen Bedingungen im Bereich des Stalag X B Sandbostel dargestellt werden, in dem die KZ-Häftlinge, die mit Todesmärschen noch kurz vor Kriegsende nach Sandbostel gelangten, untergebracht waren.

Gerade durch die in dem Zeitungskonvolut abgebildete Zeitspanne, kurz vor bis kurz nach Kriegsende, kann in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen eine dichte und eindrückliche Darstellung diese Phase erfolgen. Insbesondere die Nutzung in der Bildungsarbeit, sagte Karl-Heinz Flügel, sei ihm wichtig.

 

Zur Anerkennung der Gedenkstättenarbeit überreichte Karl-Heinz Flügel auch eine Gedenkmünze Papst Paul des II. „Die Bundesregierung verleiht das Bundesverdienstkreuz, ich möchte in Anerkennung für die Arbeit, die hier geleistet wird dieses Gedenkkreuz an euch übergeben“, sagte der Spender. Die Gedenkstätte freut sich über diese Anerkennung ihrer Arbeit.