Neuigkeiten 2015


22.12.2015
Jahresrundbrief 2015 der Gedenkstätte Lager Sandbostel erschienen
In dem Jahresrundbrief stellt der Leiter der Gedenkstätte die Höhepunkte und herausragende Ereignisse des vergangenen Jahres dar.
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15.12.2015
Gedenkstätte ist Standort einer Bücherkiste mit Kinderliteratur zum Nationalsozialismus
Seit Anfang Dezember 2015 ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel Standort einer Bücherkiste mit Kinderliteratur über Nationalsozialismus, Shoa und jüdisches Leben für Schülerinnen und Schüler im Alter von acht bis zwölf Jahre.

Diese Bücherkiste mit derzeit 16 Büchern kann als komplette Kiste ausgeliehen werden, um mit den Kinderbüchern und zu einigen Titeln bereits vorhandenen Unterrichtsmaterialien im Grundschulunterricht die Themen zu behandeln. Weiteres Material wird noch erarbeitet. Wenn Sie die Bücherkiste für Ihren Unterricht ausleihen möchten, können Sie sich an den Friedenspädagogen Michael Freitag-Parey wenden (info(at)stiftung-lager-sandbostel.de, 04764-22 54 810).

Bei Interesse an einer Fortbildung zum Thema Kinder- und Jugendliteratur setzen Sie sich ebenfalls mit Michael Freitag-Parey in Verbindung.

 

Hintergrund: Anlässlich eines Grundschulprojekts wurde im Juni 2015 in Kooperation mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in der Gedenkstätte Lager Sandbostel eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer aus dem Bereich der Grundschule zum Thema „Kinderliteratur über den Nationalsozialismus“ angeboten. Ein Ergebnis aus dieser Fortbildung war die Gründung eines in der Gedenkstätte Lager Sandbostel angesiedelten Arbeitskreises mit Lehrerinnen und Lehrern der umliegenden Grundschulen, der das Ziel verfolgt, das Thema des Nationalsozialismus in dieser Region in den Unterricht der 4. Klasse altersgerecht, sensibel und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen einzubinden. Ein zweites Ergebnis der Fortbildung ist die Zusammenstellung einer sogenannten Bücherkiste zum Thema „Kinderliteratur über den Nationalsozialismus“. In Niedersachsen gibt es insgesamt drei dieser Bücherkisten mit ausgewählter Literatur für Schülerinnen und Schüler der Grundschulen. Zwei stehen in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, eine in der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Die Bücherkiste kann ab sofort ausgeliehen werden.


3.12.2015

Stiftung kauft weiteres Grundstück des ehemaligen Stalag X B

Das Kuratorium der Stiftung Lager Sandbostel hat am 30. November 2015 einstimmig beschlossen, dass die Stiftung noch im Dezember ein weiteres Areal des ehemaligen Kriegsgefangenenlager mit sieben, größtenteils lagerzeitlichen Gebäuden erwerben wird.

Das gelb umrandete Gedenkstättengelände mit den zwei Ausstellungsgebäuden. Blau umrandet ist das neue Grundstück zu erkennen.
Das gelb umrandete Gedenkstättengelände mit den zwei Ausstellungsgebäuden. Blau umrandet ist das neue Grundstück zu erkennen.

Die Kaufsumme wird dankenswerterweise vom Landkreis Rotenburg (Wümme) zur Verfügung gestellt. Durch den Zuerwerb kann das Gedenkstättengelände abgerundet und die bisher ungeordnete Eingangssituation in die Gedenkstätte würdig gestaltet werden.
Vom Kuratorium wurde zudem beschlossen, dass darüber hinaus keine weiteren Grundstücke erworben werden sollen, da das Gedenkstättengelände mit nun 4,2 Hektar und 18 zum Großteil historischen Lagergebäuden einen repräsentativen Ausschnitt aus allen Lagerbereichen und Lagerphasen enthält und eine weitere Vergrößerung für die Stiftung nicht realisierbar ist.

Hintergrund: Auf dem 1,5 Hektar großen Grundstück befinden sich vier historische Unterkunftsbaracken aus der Aufbauphase des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel (1939/40), eine zu dem Barackenensemble gehörige Latrine sowie die ehemalige katholische Kirche und das dazugehörige Gemeindezentrum aus der Nachnutzungsphase als Notaufnahmelager für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR. Insbesondere die massiven Unterkunftsbaracken sind allerdings durch die jahrzehntelange Vernachlässigung des Vorbesitzers in einem sehr maroden, baufälligen Zustand.
In einem ersten Schritt soll das sehr ungepflegte Grundstück aufgeräumt und zurückhaltend gestaltet werden. Im zweiten Schritt werden die ehemaligen Unterkunftsbaracken, die zwar ruinös, aber in ihrem Überformungszustand noch weitgehend im Originalzustand sind, als bauliche Ruinenstruktur gesichert und als begehbare Exponate in das Außengelände der Gedenkstätte einbezogen.
Ein kulturgeschichtlich und memorial bedeutendes, von französischen Kriegsgefangenen gemaltes und derzeit übertünchtes Wandtriptychon soll zunächst einmal gesichert werden. Später wird dann über eine mögliche Freilegung der Bilder und den weiteren Umgang mit dem einmaligen sakralen Zeugnis entschieden.


7.11.2015

Delegation aus der französischen Kleinstadt Murat besucht die Gedenkstätte
Am Samstag den 7. November 2015 hat eine 30köpfige Delegation aus der Kleinstadt Murat im französischen Zentralmassiv die Gedenkstätte Lager Sandbostel besucht.

Die Gruppe war auf dem Weg zu der Eröffnungsveranstaltung des Denkort Bunker Valentin in Bremen am Sonntag und hat am Vortag einen Tagesbesuch in Sandbostel gemacht um die Gedenkstätte zu besuchen und vor allem um zehn Männern und Jugendlichen aus Murat zu gedenken, die in Sandbostel verstorben sind.
Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren unter anderem die Tochter von Raymond Portefaix sowie der Sohn und der Enkel von Jean Chastel, die beide in Sandbostel befreit wurden und die Schwiegertochter von Jean Lemmet, der am 14.4.1945 im Stalag X B verstorben ist. Zudem begleiteten der Bürgermeister Murats und drei offizielle Stadtvertreter die Gruppe.
Die Angehörigen und die offiziellen Vertreter waren sehr angetan von der Gedenkstätte und der würdigen Arbeit die vor Ort geleistet wird.
Nach einem ausführlichen Rundgang und der Besichtigung des Bereichs in dem die KZ-Häftlinge untergebracht waren, legte die Delegation am Gedenkstein bei der Lagerkirche einen Kranz nieder und gedachte der zehn in Sandbostel verstorbenen Männer und Jugendliche aus Murat.
Im Anschluss fuhr die Gruppe zur Kriegsgräberstätte Sandbostel, und gedachte auch hier, auf dem ehemaligen Lagerfriedhof, der Verstorbenen.
Für die Gedenkstätte Lager Sandbostel zeigen die Besuche von ausländischen Delegationen sowie von Überlebenden und Angehörigen stets aufs neue das Vertrauen, dass der Gedenkstätte entgegengebracht wird, verantwortungs- und würdevoll mit dem historischen Ort umzugehen - in Erinnerung an die Menschen, die hier gelitten haben und gestorben sind.
 
Hintergrund: Nach einem tödlichen Anschlag der französischen Resistance auf einen Wehrmachtsoffizier wurden am 24. Juni 1944 als Vergeltungsmaßnahme alle 119 im Dorf Murat verbliebenden Männer zwischen 16 und 50 Jahre durch die Wehrmacht verhaftet und über Compiègne in das Konzentrationslager Neuengamme gebracht. Die meisten wurde weiterverlegt in das Außenlager Bremen-Farge, wo sie Zwangsarbeit beim Bau des U-Bootbunkers Valentin leisten mussten. Nachdem das Außenlager geräumt wurde, wurden ab Mitte April 1945 etwa 20 der Männer aus Murat zusammen mit insgesamt etwa 9.500 weiteren KZ-Häftlingen mit mehreren Todesmärschen auch in das Stalag X B Sandbostel gebracht.
Insgesamt starben 80 Männer aus Murat, nur 39 kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg zurück in ihre Heimatstadt.
In Sandbostel starben zehn Einwohner Murats: Jean Louis BATTUD, Jean LEMMET, René BERGER, Pierre MARGERIT, Jean BRISFERT, Marius QUAIREL, Alfred CHARBONNIER, Jean ROUSSET, Emile COUTISSON, Pierre URGON.


3.11.2015

Italienisches Filmteam dreht TV-Dokumentation über Vittorio Vialli in Sandbostel

Am 3. November 2015 begann ein italienisches Filmteam mit den zweitägigen Dreharbeiten für eine Dokumentation über den italienischen Militärinternierten Vittorio Vialli.

Das Team wurde seinen Kindern, Bruno und Silvana Vialli begleitet.
Von dem 1913 geborenen Marineoffizier Vittorio Vialli sind knapp 150 heimlich aufgenommene Fotografien aus dem Stalag X B Sandbostel überliefert.
Nach der Befreiung schloss er sein unterbrochenes Studium ab. 1961 wurde er Professor für Geologie und Paläontologie an der Universität von Bologna. Vittorio Vialli starb 1983.
Erstmals soll die Dokumentation im Februar 2016 im italienischen Fernsehkanal RAI ausgestrahlt werden.

 

Hintergrund: Die italienischen Soldaten wurden nach der Absetzung Mussolinis durch den italienischen König vom Deutschen Reich vor die Wahl gestellt, ob sie auf deutscher Seite weiterkämpfen, oder aber in Kriegsgefangenschaft gehen wollen. Über 600.000 italienische Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Bei der Entwaffnung der italienischen Soldaten kam es zu Massakern durch die Wehrmacht. Um Mussolini, der über ein kleinen Restbereich in Norditalien herrschte, weiterhin zu unterstützen, wurde der völkerrechtlich nicht vorgesehene Status der Militärinternierten geschaffen. Obwohl der Status formal eine bessere Behandlung vorsah, wurden die italienischen Militärinternierten von den Wachsoldaten und der deutschen Bevölkerung als Verräter angesehen und im Alltag deutlich schlechter behandelt.

Das Kriegsgefangenenlager in Sandbostel und das zum Stalag X B gehörende Zweiglager Wietzendorf war mit etwa 67.000 Italienischen Militärinternierten eines der größten Verteillager im Deutschen Reich.


Relaunch der Homepage ab 1. November 2015 freigeschaltet

In den letzten Wochen wurde die Internetpräsenz der Gedenkstätte Lager Sandbostel grundlegend überarbeitet.

Ein neues Layout, eine aktualisierte Verzeichnisstruktur und die Überarbeitung der Inhalte vereinfachen nun die Nutzung.