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Bremervörder Zeitung 11. August 2008
Le Godais: Das ist ein Europa der Herzen
Jugendliche des Workcamps in Sandbostel präsentieren ihr Land beim "Abend der Nationen" - Unterhaltsame und kurzweilige Veranstaltung

Von Domenica Rode

Sandbostel. Für viel Applaus und gute Stimmung haben die Jugend-lichen des Workcamps Sandbostel am Freitag beim „Abend der Nationen“ gesorgt. Vor zahlreichen Besuchern stellten sie ihre Heimat-länder selbst erarbeiteten Beiträgen vor. Kurzweilige Unterhaltung war bei Diashows, kleinen Theatersketchen, musikalischen Beiträgen und Spielen mit den Besuchern angesagt.
„Ich bin selber überrascht, was die Jugendlichen auf die Beine stellen“, sagte Camp-Leiter Bodo Henze, der sich freute, so viele Besucher aus Sandbostel und Umgebung in der Gaststätte „Zum Grünen Jäger“ begrüßen zu können.
Joachim Behnken, der stellvertretende Vorsitzende von Pro Europa, übermittelte den Camp-Teilnehmern die Grüße von Bernard le Godais. Dieser war als Kriegsgefangener langjähriger Lagerinsasse in Sandbostel und hat trotz der schrecklichen Erfahrungen seinen Frieden gefunden und richtet sich nun in einem Schreiben an die Jugendlichen in Sandbostel: „Ich danke euch, dass ihr Arbeit leistet für ein Europa in Frieden. Das ist ein Europa mit der Freiheit der Menschen die Brüder geworden sind, Brüder werden und Brüder bleiben. Das ist ein Europa der Herzen“. Er habe erkannt, dass nur Versöhnung und Verbrüderung unter den Menschen auf Dauer Frieden schaffe. Die Jugendlichen in Sandbostel seien daher auf dem richtigen Weg.

Jury aus der Ukraine und Campbetreuerin Anneke
Jury aus der Ukraine trägt ein Lied aus seiner Heimat vor unter der Begleitung von Campbetreuerin Anneke auf der Gitarre.
Die Camp-Teilnehmer aus den acht Nationen, Frankreich, Ukraine, Weißrussland, Russland, Moldawien, Italien, Polen und Deutschland, hatten sich alle etwas Besonderes einfallen lassen, um ihr Land zu präsentieren. Den Anfang machten die Ukraine gemeinsam mit Weißrussland mit einem musikalischen Beitrag des Camp-Teilnehmers Jury und einem Spiel, das wir in Deutschland unter dem Namen „Die Reise nach Jerusalem“ kennen. Hierbei wurden die Zuschauer zum Mitmachen aufgefordert. Acht Besucher meldeten sich, um nach flotten Rhythmen um die Stühle zu tanzen. Nach jeder Runde wurde ein Stuhl weggenommen, bis unter dem Gelächter der übrigen Zuschauer nur noch ein Stuhl für den Gewinner übrig blieb.
Viel Applaus erhielt Andrej aus Russland für sein Lied, das er selbst auf der Gitarre begleitete. Die Lacher auf ihrer Seite hattendie übrigen Teilnehmer dieser Gruppe mit dem Gedicht: „Ein Bauer verkauft seine Kuh auf dem Markt“.
Die französischen Jugendlichen erzählten Wissenswertes über ihr Land und sangen gemeinsam mit dem Publikum „Die Marseillaise“, deren Text auf dem Tageslichtpr­jektor angezeigt wurde. Paolo, der einzige Teilnehmer aus Italien hatte sich ebenfalls etwas Unterhaltsames einfallen lassen. Nach einem Lied von Frank Sinatra stellte er gemeinsam mit Camp-Betreuer Martin pantomimisch eine typische Szene aus einem Lokal im „Bella Napoli“ da, in der sich zwei Freunde genüsslich eine Flasche Wein zu Gemüte führen. Im anschließenden deutschen Beitrag wurde der Märchenklassiker „Die Bremer Stadtmusikanten“ erzählt und mit Pappschablonen   vorgeführt.   Die  Jugendlichen aus Polen warteten mit vielen Informationen aus verschiedenen Regionen des Landes auf. Den letzten Beitrag bildete Moldawien mit einer reizvollen Bilddokumentation über das Land. Mit einem kleinen Imbiss, den die Camp-Teilnehmer gemeinsam für die Besucher vorbereitet hatten, ging dieser unterhaltsame Abend mit vielen interessanten Gesprächen zu Ende.
Französische Küche   Besucher
Was wäre Frankreich ohne seine gute Küche? Mit ein paar Kostproben verwöhnen die französischen Campteilnehmer die Besucher.   Fröhliche Stimmung herrscht beim Publikum. Fotos: Rode

Zum Thema:
Friedliches Europa als Lebenswunsch
Bernard le Godais war langjähriger Insasse im „Kriegsgefangenen- und KZ Auffanglager Stalag X B“ in Sandbostel. In dieser leidvollen Zeit hat er durch Hinwendung, Vergebung, Versöhnung und Verbrüderung seinen Weg zum Frieden gefunden. Seit dieser Zeit setzt er sich unermüdlich für den Frieden in Europa und in der Welt ein.
Das christliche und soziale Engagement bildet nach le Godais die Grundlage für dauerhaften Frieden unter den Menschen. Bernard le Godais gründete den französischen Verein von Pro Europa, der sich für die Idee der Verwirklichung einer aktiven europäischen Bürgerschaft einsetzt. Im Mai diesen Jahres wurde der 80-jährige Ehrenpräsident von Pro Europa.
Das Gelände von Sandbostel wäre nach Meinung von Bernard le Godais der rechte Standort für dauerhafte Friedensarbeit im Sinne des großen Europäers Robert Schumann. Ihm schwebt ein ökumenisches Zentrum vor, das hier aufgebaut werden könnte.






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