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Bremervörder Zeitung 30. April 2010

Ein Zeitzeuge im Gymnasium

Bremervörde/Sandbostel. Diesen Geschichts- und Französischunterricht werden Schüler des Bremervörder Gymnasiums so schnell wohl nicht vergessen. Noch vor der offiziellen Gedenkfeier zur Befreiung des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel hatten mehr als 100 Schüler die Gelegenheit, einem Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs Fragen zu stellen: Maurice Leblan, ehemaliger Kriegsgefangener im Stalag X B, kam auf Einladung von Französischlehrer Konrad Wodausch ins Gymnasium.

Geschichts- und Französischunterricht in einem lieferte der Gast aus Frankreich Schülern und Lehrern.Monsieur Leblan beantwortete bereitwillig sowohl die persönlichen Fragen – etwa zu seinen Tagebuchnotizen – als auch zu politischen Themen, resümiert Wodausch die Veranstaltung vor der Gedenkfeier in Sandbostel, wo Leblan ebenfalls das Wort ergriff (die Zevener Zeitung berichtete). So interessierten sich die Schüler dafür, wie in seiner Heimat mit ehemaligen Kriegsgefangenen umgegangen wurde – etwa im Vergleich zu Russland, wo Kriegsgefangene oft als „Verräter“ diskriminiert wurden, wie eine aus Russland stammende Schülerin berichtete.

Unterschiedliche Erwartungen

Zu den Bremervörder Gymnasiasten sprach der heute 90-Jährige über eine Zeit, in der er kaum älter als seine Zuhörer war. Doch diese Zeit unterscheide sich von den Erwartungen der heutigen Jugendlichen wie Tag und Nacht, schilderte Wodausch seine Eindrücke nach den Gesprächen zwischen dem Zeitzeugen und den Schülern. So berichtete Leblan, dass sich zehn französische Kriegsgefangene in Sandbostel nach der harten Arbeit des Torfschneidens im Gnarrenburger Moor ein Brot teilen mussten. Auch erzählte er von seinen Erinnerungen an skelettierte Menschen, die sich zu zehnt auf ein Brotstück oder eine Zigarette warfen.

Freude über Austausch

Maurice Leblan freute sich, als er erfuhr, dass die Schüler der neunten Klassen kürzlich Gäste in Frankreich und anschließend Gastgeber für ihre französischen Freunde gewesen waren. Auf diese Weise kämen sich die jungen Leute näher – ganz im Gegensatz zu den „erzwungenen Begegnungen“ in seiner Jugend. Mit großem Interesse nahm der Gast die von Anne Vollmers überreichte Dokumentation über den Schüleraustausch entgegen. Mit Freude nahm er die Würdigung zur Kenntnis, die Sandbostel während des Austausches erfahre. Ebenso freute sich der Franzose über die Schülerin Kim Grebe, die den Gast im Gymnasium in seiner Muttersprache begrüßt hatte. (bz/ts)

Maurice Leblan zeigt einigen Schülerinnen Fotos.Interesse auch nach der Veranstaltung: Maurice Leblan zeigt einigen Schülerinnen Fotos.

 

 

 


 

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