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Bis zum 12. August werden 24 Jugendliche und junge Erwachsene aus Polen, Russland und Deutschland in Sandbostel zu Gast sein. Die Campteilnehmer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren werden die Gemeinde sowie die nähere und weitere Umgebung erkunden, Kontakte knüpfen und neue Erfahrungen sammeln. Das Programm ist eine Mischung aus internationaler Begegnung, Weiterbildung, Friedensarbeit und Ferienreise. Geplant sind unter anderem eine Wattwanderung in Cuxhaven, ein Ausflug nach Hamburg mit Stadtführung in englischer Sprache und Hafenrundfahrt, ein Besuch im Heidepark Soltau und ein bunter "Nationenabend" im Gasthof "Zum Grünen Jäger" in Sandbostel. Wesentlicher Teil des Camps ist der tatkräftige Einsatz der Jugendlichen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB in Sandbostel. Wo die Nazis im Zweiten Weltkrieg hunderttausende Menschen aus 70 Nationen gefangen hielten und tausende Inhaftierte an Hunger und Seuchen starben oder ermordet wurden, kommen die Jugendlichen über 60 Jahre später zusammen, um die Stiftung Lager Sandbostel bei der Errichtung einer Gedenkstätte am historischen Ort zu unterstützen. Ein wichtiger Programmpunkt ist laut Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel und Projektkoordinator der Stiftung Lager Sandbostel, die Erstellung von Tonziegeln. Morgen werden die jungen Gäste die Ziegel herstellen und die Namen von verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen eingravieren. "Diese Namensziegel werden auf dem ehemaligen Lagerfriedhof – der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel – angebracht", erläutert Ehresmann. Ziel sei es, den dort in anonymen Massengräbern bestatteten sowjetischen Kriegsgefangenen ihre Namen zurückzugeben. Darüber hinaus erarbeiten die Campteilnehmer "in Rundgängen, Seminaren und Workshops die historisch-politische Geschichte des Ortes", so Ehresmann. Geplant seien auch Gespräche mit Zeitzeugen und eine Dokumentation über das Schicksal polnischer Gefangener, ergänzt Campleiter Arpad Firstner. Bei der Eröffnung des Jugendcamps sagte Sandbostels Bürgermeister Peter Radzio, auch 66 Jahre nach Kriegsende sei es wichtig, dass Menschen verschiedener Nationen den Dialog suchten, "sich kennen lernen und Freundschaften schließen". Miteinander reden Miteinander zu reden sei besser als mit Vorurteilen zu leben, unterstrich der Bürgermeister. "Trotz der schlimmen Folgen von Kriegen" hätten "immer noch nicht alle Machthaber dieser Welt begriffen, dass es im Krieg nur Verlierer" gebe. Peter Radzio brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Camp "zu einem besseren Verständnis anderen gegenüber" beitragen möge. Auch der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Buck, der wie Clement-Volker Poppe vom Kuratorium der Stiftung an der Camp-Eröffnung auf dem Sportplatz teilnahm, appellierte an die Jugendlichen, den Gedanken der Völkerverständigung in ihre jeweilige Heimat zurückzutragen. Campleiter Firstner und Peter Radzio dankten den vielen Unterstützern der Begegnung. Hauptsponsor ist das Deutsch-Polnische Jugendwerk. Für die Verpflegung der Gäste, die in der Waldhalle einquartiert sind, sorgt das Fallschirmjägerbataillon 373 aus Seedorf. Der Sportverein Sandbostel stellt sein Vereinsheim und das Sportgelände zur Verfügung. Eine der meistbeschäftigten Betreuerinnen ist Jelena Schamrei als Übersetzerin. Campleiter Arpad Firstner ermunterte die Teilnehmer, Wünsche zu äußern, damit die Begegnung ein Erfolg wird: "Macht mit und sagt uns, was wir zu tun haben", sagte er. Nach seiner Erfahrung dauert es zwei Wochen, bis die Gruppe zu einem Team zusammenwächst. Dann aber seien Freundschaften und Verbindungen hergestellt, die jahrelang hielten und nicht zu unterschätzen seien. (bz/fs)