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Bremervörder Zeitung 24. August 2007

"Meilenstein auf dem Weg zur Gedenkstätte"

Gedenkfeier zum Ende des Camps der internationalen Jugend-begegnung in Sandbostel- Arbeit der Jugendlichen gewürdigt

Rund 100 Bürger und Politiker nahmen an der Gedenkveranstaltung zum Abschluss des internationalen Jugend-Camps in Sandbostel teil. Fotos: Schmidt

Sandbostel. „Das Workcamp Sandbostel 2007 - Die Zukunft der Erinnerung wird als ein Meilenstein auf dem Weg zu einer regionalen Gedenkstätte Lager Sandbostel mit internationaler Bedeutung eingehen.“ Mit diesen Worten würdigte Landrat Hermann Luttmann am Mittwoch die Arbeit der russischen, französischen, moldawischen und deutschen Teilnehmer des Camps der internationalen Jugendbegegnung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zum Ende des Camps gab es eine Gedenkfeier auf dem Lagergelände und der Kriegsgräberstätte, an der neben Landesminister Hans-Heinrich Ehlen rund 100 Bürger aus Sandbostel sowie zahlreiche Kommunalpoltiker teilnahmen.
„Auf diesem historischen Gelände befand sich im Zweiten Weltkrieg eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager: Das Stalag XB. Wir erinnern uns heute in dieser Gedenkstunde daran, dass an diesem Ort Menschen gelitten haben und gestorben sind“, sagte Luttmann.
Gerade auch die russischen Kriegsgefangenen, die nicht den Schutz der Genfer Konvention genossen, „haben unter für uns heute nicht vorstellbaren unmenschlichen Lebensbedingungen und Behandlungen des Wachpersonals leiden müssen“, fügte der Landrat hinzu.
„Auch wenn niemand von uns Jüngeren persönliche Schuld trägt: Wir dürfen nicht vergessen, was hier in Sandbostel - aber auch sonst während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Europa - im deutschen Namen für menschenverachtendes Unrecht verübt wurde. Wir müssen alles dafür tun, dass dies bei uns nicht wieder geschieht“, forderte der Landrat, der als Vertreter des Volksbundes auch Mitglied im Kuratorium der Stiftung Lager Sandbostel ist. Luttmann: „Über 62 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Kriegsgefangenen, Internierten und KZ-Häftlinge von alliierten Truppen befreit wurden. Seit vielen Jahren findet am Jahrestag der Befreiung, dem 24. April 1945, eine Gedenkveranstaltung statt“, sagt Luttmann. Die Initiative hierzu sei vom Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel ausgegangen. Auch hierfür gebühre dem Verein Dank und Anerkennung.
„Es ist wichtig, die Erinnerung an die Kriegsschrecken aufrecht zu erhalten, da für uns in Mitteleuropa der Krieg weit weg ist und inzwischen die meisten Menschen Gott sei Dank keine eigenen Erfahrungen mit Kriegshandlungen haben“, betonte Luttmann, der auch an die langjährigen Bemühungen um eine angemessene Erinnerungskultur in der Region erinnerte: „Wie an anderen Orten in Deutschland hat es auch hier lange Zeit gebraucht, einen Weg zu finden, im Kriegsgefangenenlager als der historischen Stätte der begangenen Gräueltaten eine Stätte des Gedenkens einzurichten“, unterstrich Luttmann. „Viele Jahre wurde gestritten über einen richtigen Ort für eine Gedenkstätte in Sandbostel -nicht wenige waren der Meinung, die immer gut gepflegte Kriegsgräberstätte reiche aus und einer Gedenkstätte im ehemaligenLager bedürfe es nicht“, so Luttmann. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der noch vorhandenen Gebäude, insbesondere aber wegen der herausragenden Bedeutung, die das ehemalige Stalag XB im Zweiten Weltkrieg hatte, halte er jedoch den jetzt eingeschlagenen Weg, eine Gedenkstätte hier im Lager einzurichten, für richtig“, erklärte Luttmann weiter. Ganz wichtig ist in Luttmanns Augen, dass die einheimische Bevölkerung „diesen Weg mitgeht“. „Unserem hiesigen Landtagsabgeordneten und Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen ist für sein Engagement zu danken. Er hatte erkannt, dass der Schlüssel für eine Gedenkstätte im Lager hier in Sandbostel liegt und hat dann die Weichen mit Hilfe der Herren Hastedt und Rademacher richtig gestellt“, sagte Luttmann mit Blick auf die beiden Vermittler beim Streit um die Gedenkstätte. „Andere öffentlich spektakulärere Aktionen für die Gedenkstätte, mit denen die Bewohner Sandbostels in ein schlechtes Licht gerückt wurden, waren hingegen eher kontraproduktiv“, so Luttmann. Sandbostel habe gerade in den vergangenen Tagen erneut unter Beweis gestellt, dass es eben nicht ein Dorf der „ewig Gestrigen“ ist, sondern „weltoffen und gastfreundlich“. Der Dank Luttmanns galt der Sandbosteler Bevölkerung für ihre Gastfreundschaft und allen Helfern, Organisatoren und Sponsoren, die das Camp möglich gemacht haben - insbesonderere Stefan Schmidt, Jugend- und Bildungsreferent des Landesverbandes des Volksbundes, sowie Bodo Henze, Leiter des Jugend-Campes Jugendarbeit des Volksbundes.
Die besondere Bedeutung Sandbostels bei der Aufarbeitung der Geschichte, betonte auch Harald Ottmar, Regierungsvertreter aus Lüneburg, und Bezirksvorsitzender des Volksbundes. Die Besonderheit Sandbostels beruht seiner Einschätzung nach auf mehreren Komponenten: „Hier am Ort befand sich eines der größten Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht. Hier am Ort befindet sich einer der größten niedersächsischen Kriegsgräberstätten. Hier am Ort vermitteln die über 20 Gebäude, davon neun Lagerbaracken, einen mahnenden Eindruck über eine Zeit, in der bis 1945 über eine Millionen Menschen aus 46 Nationen das Lager durchlaufen oder belegt haben. Sandbostel war eine der zentralen Verteilstellen“, betonte Ottmar. Zwischen 10.000 und 50.000 Internierte kamen hier in den Jahren ums Leben, sagte der Regierungsvertreter aus Lüneburg und verband dies mit einem Appell an die Gäste der Gedenkfeier:
„Wenn wir hier gemeinsam mit den jungen Menschen, die europaweit unsere künftigen Entscheidungsträger sein werden, stehen, und indem die jungen Menschen aktiv dafür eintreten, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Ost und West und zwischen Kulturen zu bauen, dann bin ich zuversichtlich, dass der Weg in eine friedliche Zukunft auf der Basis des Erinnerns sicher beschritten wird.“

Die Teilnehmer der Gedenkfeier beim Fußmarsch vom Lagergelände zur Kriegsgräberstätte.

Regierungsvertreter Harald Ottmar und Landrat Hermann Luttmann (rechts) bei der Kranzniederlegung auf der Kriegsgräberstätte.

 

 

 

 

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