Stiftung Lager Sandbostel I Gedenkstätte Lager Sandbostel
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Stader Tageblatt 17. Mai 2011

Wer hat Material von Kriegsgefangenen?

Stiftung des Lagers Sandbostel möchte die Situation der einst Internierten darstellen.

LANDKREIS. Überall im Landkreis Stade, wie auch sonst im Elbe- Weser-Raum, waren im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene aus dem Lager Sandbostel eingesetzt - sei es in der Landwirtschaft, der Industrie oder überall sonst, wo Arbeitskräfte gebraucht wurden. Für die Dokumentations- und Gedenkstätte, die in Sandbostel bei Bremervörde bis 2013 entsteht, werden derzeit Dokumente und Objekte von solchen Einsätzen gesucht.

Wie Karl-Heinz Buck von der Stiftung Lager Sandbostel und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dörthe Engels bei einem Besuch im Stadtarchiv Stade deutlich machten, kann mit Hilfe von Hinterlassenschaften aus der Kriegszeit die Geschichte des Lagers und seiner Insassen nacherzählt werden. Dafür setzen sie darauf, dass sich noch Fotos, Tagebücher, Briefe, Zeichnungen und andere Erinnerungsstücke finden lassen.
In Sandbostel sollen einzelne Biographien exemplarisch vorgestellt und mit Dokumenten der Zeit sowie Zeitzeugeninterviews verbunden werden. In Betracht komme dabei vielerlei: ein Talisman oder ein Rosenkranz, der einen Gefangenen begleitete, Briefe und Fotos, die Trost spendeten, „Andenken" an das Lager Sandbostel oder nach dem Krieg entstandene Gedichte und Bilder sowie in Sandbostel erworbene Gebrauchsgegenstände.
Nach Recherchen von Buck und Engels sind die Gefangenen an ihren Einsatzstellen größtenteils gut behandelt worden. Zum Teil haben sie auch nach dem Krieg den Kontakt zu den Familien, von denen sie eingesetzt wurden, von ihrer Heimat aus noch eine Weile aufrechterhalten.
Besonderes Interesse hat auch die Stadt Stade an Befunden. Denn nach bisherigem Kenntnisstand hat es in Ottenbeck am Rande des Fliegerhorstes ein sogenanntes Italienerlager gegeben. Unklar ist, ob dort Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter interniert waren. Bei einer Grabung dort waren Fragmente von Erkennungsmarken gefunden worden, die sich Menschen aus dem Lager Sandbostel zuordnen ließen.
„Wir wissen wenig über das Lager", sagt Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer. „Wir erhoffen uns ein paar Auskünfte dazu." Wie akribisch gearbeitet werden muss, um Biographien und Geschehnisse von damals zu erhellen, macht auch Stadtarchivarin Dr. Christina Deggim deutlich. In Aufnahmebüchern aus dem Krankenhaus aus dieser Zeit ist zum Beispiel vermerkt, wenn dort Gefangene aus Sandbostel behandelt wurden. Möglicherweise dienen solche Belege dazu, biographische Daten in Sandbostel zu vervollständigen.
Wer helfen kann, das Schicksal der Kriegsgefangenen zu erhellen, kann sich nach Auskunft der Beteiligten sicher sein, selbst nicht in den Blickpunkt zu kommen. Karl-Heinz Buck: „ Es geht nicht darum, Menschen für irgend etwas verantwortlich zu machen. So sei es auch möglich, Foto- und andere Dokumente zu anonymisieren. (coq)

An wen wenden?
Wer den Forschern für die Dokumentation in Sandbostel mit Material helfen kann, wendet sich an Dr. Christina Deggim im Stadtarchiv Stade, Johannisstraße 5, Tel.: 04141/401460, oder an die Stiftung Lager Sandbostel, Tel.: 04764/810520,
oder M@il: info@stiftung-lager-sandbostel.de

 

Stiftung Lager Sandbostel • Gedenkstätte Lager Sandbostel • Greftstr. 3 • 27446 Sandbostel
info@stiftung-lager-sandbostel.de • Tel.: 04764-225 4810 • Fax: 04764-225 4819