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Ehemalige Soldaten der Armia Krajowa aus Polen zu Besuch in der Gedenkstätte Sandbostel
Ein bisschen verloren stehen die drei Männer bei ihrem Besuch auf dem Gelände des ehemaligen Kriegs-gefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B Sandbostel. „Das Lager war doch viel größer. Schließlich waren hier Tausende von Häftlingen aus aller Welt inhaftiert.“ Włdodzimierz Wroński, Witold Traczyk und Henryk Kalski sind nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes im Oktober 1944 in dem Lager inhaftiert worden. Mit dem Zug kamen sie in Bremervörde an, von wo sie zu Fuß nach Sandbostel laufen mussten. Das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager Stalag X B war ein halbes Jahr vor dem Ende des Krieges übervoll, Die Soldaten Traczyk und Kalski mussten im Theatergebäude auf dem Fußboden schlafen. Sie blieben zwei bis drei Wochen in Sandbostel, bis sie nach Hamburg in das Lager Gross-Borstel überstellt wurden. Dort wurden sie zur Zwangsarbeit eingesetzt, jedoch nicht in kriegswichtigen Betrieben. An dieser Stelle wurden die Genfer Konventionen eingehalten.
Befragt nach ihren Erfahrungen im Lager antworten alle drei einhellig: „Das Essen war unglaublich schlecht.“ Suppe, die vor allem aus Wasser bestand, und ein Brot hätten sie sich zu zehnt teilen müssen. Alle drei meldeten sich nach Hamburg zur Arbeit, da ihnen alles besser erschien als dieses kalte, feuchte, einsam gelegene Lager, in dem es keine Aussicht auf Verbesserung ihrer Situation gab. Und in der Tat berichten alle drei, dass sie in Hamburg besseres Essen erhielten und durch den Kontakt mit der Zivilbevölkerung auch bisweilen etwas zugesteckt bekamen. „Wir waren Kriegsgefangene und wurden dementsprechend besser behandelt als Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge“, betont Henryk Kalski.
Die drei Männer wurden im Rahmen des Besuchsprogramms der Freien und Hansestadt Hamburg für ehemalige Zwangsarbeiter eingeladen, ein Programm, das seit 11 Jahren besteht und vom Freundeskreis Neuengamme durchgeführt wird. Sie kamen zum ersten Mal nach dem Krieg zurück, um noch einmal Hamburg zu sehen und die Stätten, an denen sie in Kriegsgefangenschaft waren. „Immerhin“, so betont Herr Kalski, „auf eine gewisse Weise haben wir Hamburg mit aufgebaut.“ Sie waren zu Aufräumarbeiten eingeteilt, wenn die Stadt erneut von Bombenabwürfen betroffen war. Die Bombennächte erinnern alle als Stunden voller Angst. Vor allem, wenn sie im Hochbunker im sechsten Stock das Ende der Bombennächte abwarten sollten. „Da blieben wir lieber unten in den Straßen“, resümiert Herr Traczyk lakonisch.
Die Männer wurden in Norddeutschland befreit und kehrten in den folgenden Monaten zurück nach Polen. Ihre Lebenswege gestalteten sich recht unterschiedlich. Während zwei von ihnen ihr Studium nachholen konnten und ihren Platz in der polnischen Nachkriegsgesellschaft einnahmen, geriet der dritte in die Fänge des politischen Systems. Er blieb noch bis 1948 als polnischer Soldat auf Sylt stationiert und wurde einige Tage nach seiner Rückkehr nach Polen festgenommen. Mit dem Vorwurf der Kollaboration wurde er zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, die er in dem berüchtigten Gefängnis Wronka absaß. Doch auch nach seiner erneuten Haftentlassung war der Weg zunächst ein beschwerlicher. Er bekam erst einmal keine Arbeit und schaffte es nur langsam, sich eine Zukunft aufzubauen.
Die Armia Krajowa, die sog. Heimatarmee, unterstand während des Zweiten Weltkrieges der Exilregierung in Polen. Obwohl es sich um die größte Polnische Armee handelte, wurde sie im kommunistischen Polen offiziell weitgehend verschwiegen. Eine stärkere Würdigung erhielten die ehemaligen Soldaten erst nach dem politischen Umbruch 1989.
„Für uns“, so betont Andreas Ehresmann als Projektkoordinator für den Aufbau der Gedenkstätte Lager Sandbostel zuständig, „ist es wichtig, die Geschichte der Frauen und Männer der Armia Krajowa gesondert von der der übrigen polnischen Kriegsgefangenen und den KZ-Häftlingen aus Polen darzustellen. Ihre Geschichte ist lange kaum beachtet gewesen.“Alle drei sind zufrieden, Sandbostel noch einmal gesehen zu haben. Herr Kalski bedauert ein wenig, dass er seiner Frau das Theatergebäude nicht mehr zeigen konnte, in dem er untergebracht war. Das hätte er gerne noch einmal gesehen. Sie gehen mit dem Versprechen, sich in ihrem Veteranenverband um weitere Dokumente und Fotos für die Gedenkstätte zu bemühen. Gerne würden sie in zwei Jahren wiederkommen, um sich die dann fertig gestellte Ausstellung anzuschauen.