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Gästeführer unterstützen Pädagogen bei Arbeit in Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel
Sandbostel. Die Dokumentations und Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Sandbostel erlebt seit Monaten einen nicht gekannten Besucheransturm. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden rund 2.500 Besucher auf dem Gelände gezählt. Zu viele, als das Burkhard Rexin sich alleine um alle kümmern könnte. Deshalb hat der pädagogische Leiter der Doku-Stätte seit kurzem Unterstützung von Werner Zeitler aus Sandbostel und Hubert Sandmann aus Selsingen - zwei ausgebildeten Gästeführern.
Seit der Pensionierung von Dr. Klaus Volland hat Burkhard Rexin die Aufgabe der pädagogischen Betreuung der Gedenkstätte übernommen. Wie zuvor Volland ist auch der Sandbosteler, der an der Realschule in Zeven unterrichtet, vom Kultusministerium für diese Aufgabe freigestellt worden. Zehn Stunden pro Woche kümmert er sich um Schulklassen, die das ehemalige Lager besuchen.
Unterstützt wird Rexin dabei von Werner Zeitler und Hubert Sandmann. Denn alleine könnte der Realschullehrer den Besucheransturm nicht bewältigen. Von den bislang rund 2.500 Besuchern waren nämlich rund 60 Prozent Schulklassen. „Das macht es unbedingt nötig, dass wir einen qualifizierten Pädagogen haben“, erklärt Karl-Heinz Buck, Vorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel. Das pädagogische Betreuungskonzept fußt auf zwei Säulen. Diese zweite Säule bilden die Gästeführer.„Bei Gruppen von bis zu 70 Schülern reicht ein Pädagoge nicht“, erklärt Burkhard Rexin. Und an dieser Stelle kommen die Gästeführer ins Spiel: Während sich der Pädagoge um einen Teil der Gruppe kümmert, werden die anderen Schüler von ihnen über das Gelände geführt. „Eine sinnvolle Arbeitsteilung“, wie Karl-Heinz Buck findet.
Burkhard Rexin, der von sich selbst sagt, er sei eher Pragmatiker als Historiker, hat selbst eine enge Bindung zu dem ehemaligen Lager. Der Großvater des 44-Jährigen, der als Flüchtling aus Ostpreußen kam, fand nach dem Krieg im Lager Unterkunft. „Meine Mutter wuchs im Lager auf und lebte dort bis zu ihrem 20. Lebensjahr“, sagt Burkhard Rexin, der sich selbst als Zeitzeugenkind bezeichnet.
Den Schulklassen will er möglichst viel über das Lager vermitteln - über alle Epochen, auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als in den Baracken Flüchtlinge aus der DDR untergebracht waren. Damit bei den Kindern und Jugendlichen aber überhaupt etwas von dem Besuch in Sandbostel hängen bleibe, sei eine gründliche Unterrichtsvorbereitung notwendig. „Wir leben davon, wie gut die Lehrer das Thema in den Klassen vorbereitet haben“, erklärt Rexin.
Längst kommen nicht mehr nur Schulklassen aus dem Landkreis Rotenburg. Seitdem das Kultusministerium den Besuch der Gedenkstätte empfiehlt und finanziell fördert (siehe Kasten) kommen Schülergruppen aus ganz Norddeutschland nach Sandbostel. „Das zeigt, dass wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind“, sagt der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Buck.
Finanzielle Förderung
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten verwaltet und verausgabt Mittel des Landes Niedersachsen, die zur Förderung von Gedenkstättenfahrten -innerhalb das Landes Niedersachsen - verwendet werden. Dazu gehört auch der Besuch des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB in Sandbostel.
Voraussetzung für die finanzielle Förderung sind ein entsprechender - formloser - Antrag, dem allerdings drei Kostenvoranschläge von Reisediensten bei der geplanten Anreise mit dem Bus beziehungsweise eine Übersicht der Kosten bei der geplanten Anreise mit der Bahn, ein Gesamtfinanzierungsplan sowie die Bestätigung der Terminvereinbarung mit der zu besuchenden Dokumentations- beziehungsweise Gedenkstätte beigefügt werden muss.
Fundstücke und Videofilme
Die Programme für Schulklassen, die in der Dokumentations- und Gedenkstätte in Sandbostel angeboten werden, dauern zwischen zwei und drei Stunden und beinhalten einen geführten Rundgang über das großflächige Lagergelände. Je nach verfügbarem Zeitraum kann auch die Kriegsgräberstätte in Sandbostel besichtigt werden.
Einige der Originalbaracken sowie die Lagerkirche sind betretbar. In den Gedenkstättenräumen erwartet die Schulklassen eine für sich selbst sprechende Dauerausstellung mit Fundstücken vom Lagergelände, diversem Foto- und Textmaterial, Lageplänen und ähnlichem sowie die Möglichkeit, zwei kurze Stummfilme von der Befreiung des Lagers im April/ Mai 1945 und einen Film aus dem Jahr 2000 anzusehen, in dem sich Zeitzeugen an die Tage der Befreiung erinnern. Pädagogisches Arbeitsmaterial rundet das Programm ab.
Ergänzend besteht die Möglichkeit, einen Mitarbeiter vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ für eine ausführliche kostenlose Besichtigung der Kriegsgräberstätte Sandbostel zu buchen, der ebenfalls pädagogisch mit den Schülerinnen und Schülern arbeitet.
Für Schulklassen besteht die Möglichkeit, Fördermittel bei der „Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten“ für die Buskosten zu erhalten. Dazu muss der Besuch rechtzeitig, das heißt einige Wochen vorher beantragt werden. Weitere Infos dazu gibt es im Internet.
www.stiftung-ng.de