Stiftung Lager Sandbostel I Gedenkstätte Lager Sandbostel
Strafgefängnis
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Notaufnahmelager für DDR-Flüchtlinge
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Kriegsgefangene im Stalag XB

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes eines Kriegsgefangenenlagers, des größten Mannschaftsstammlagers (STALAG XB) im ehemaligen Wehrkreis X in Nordwestdeutschland, von dem aus mehrere Hunderttausend Kriegsgefangene aus weit über 55 Nationen in über 1108 Arbeitskommandos des Stalag XB Zwangsarbeit für das nationalsozialistische Deutsche Reich leisten mussten.

Kriegsgefangenlager waren dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt, das zusammen mit dem Reichsernährungsministerium die Verantwortung für die Versorgung der Kriegsgefangenen der Wehrmacht  trug.
Sonderbehörden des Arbeitsamtes trugen die Verantwortung für den Einsatz der Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter, Abteilungen der Gestapo übernahmen zusammen mit Verantwortlichen der Kommandantur als Abwehr Aufgaben wie Bespitzelung und Bestrafung der Kriegsgefangenen und die Werbung von Kollaborateuren für die nationalsozialistische Wehrmacht.

Die Kriegsgefangenen wurden von Wehrmachtsverbänden, in den Arbeitskommandos von Landesschützenverbänden bewacht.

Erst ab August 1944 wurden die Kriegsgefangenenlager der SS-Führung unterstellt, was für die Verwaltung in den Kriegsgefangenenlagern zunächst keine Auswirkungen hatte, am Ende des Krieges aber die Deportation von Häftlingen während der  sogenannten Todesmärsche aus Konzentrationslagern in Kriegsgefangenenlager möglich machte.
So kamen ab Januar 1945 nicht nur weitere Kriegsgefangene vieler Nationen, u.a. amerikanische Soldaten,  aus den geräumten Lagern der näher rückenden Front ins Stalag XB, sondern auch über 9000 KZ-Häftlinge aus dem geräumten KZ Neuengamme in Hamburg und seinen aufgelösten Außenlagern in Nordwestdeutschland.

Aufbau des Stalag XB

„Ein Zug mit 28 Wagen bringt 70 Zelte aus Nürnberg für 10.000 Gefangene im Lager Klenkenholz (Sandbostel)“
Die Wirtin der Bahnhofsgaststätte Selsingen, Anna Schröder, über einen Materialtransport für das Stalag X B. Aufzeichnungen von Anna Schröder, Selsingen, nicht datiert, Maschinenschrift, ohne Seitenzählung, Eintrag zum 5.9.1939. Gedenkstätte Lager Sandbostel

Im August 1939 setzte eine Kommission des Heeresbauamtes Bremen fest, dass in der Nähe des Dorfes Sandbostel im Teufelsmoor bei Bremervörde ein Kriegsgefangenenlager für den Wehrkreis X errichtet werden sollte.

Im September 1939 wurde begonnen,  das Lager zwischen dem Ort Sandbostel und einem 1933 im Teufelsmoor errichteten Arbeitsdienstlager aufzubauen.
Das aufgegebene Lager des Reichsarbeitsdienstes wurde als Kaserne für die  Wachmannschaften der Wehrmacht genutzt.
(Luftbild der britischen Armee vom 07.04.1945, IWM)

 

 

Ab Frühjahr 1940 wurden von den Kriegsgefangenen die ersten Steinbaracken und Funktionsbaracken erbaut, später kamen Holzbaracken in Fertigbauweise dazu.
1941 gab es über 100 Unterkunftsbaracken und weitere Funktionsbaracken wie Latrinen, Lagerküchen, Gefängnisbaracken und die Kommandantur.

 

Zum Lagerkomplex gehörte ein Krankenhaus, das sogenannte Reservelazarett XB sowie ein aus zwei Bracken bestehendes Straflager im Moor.

Die komplexe Lagergeschichte des Stalag XB spiegelt den Verlauf des 2. Weltkrieges wider.

Aufgebaut wurde das Lager von polnischen Kriegsgefangenen, die zunächst Unterkunftsbaracken und Funktionsgebäude für ca. 10000 Kriegsgefangene errichten mussten.
Interniert wurden im Stalag XA in Sandbostel, dem ersten Mannschaftsstammlager in Nordwestdeutschland ab September 1939

  • In einem Stalag Mannschaftdienstgrade aus den eroberten Gebieten in Polen, Westeuropa (z.B. Belgien, Niederlande und Frankreich) und Südosteuropa
  • In einem Offizierslager (Oflag) Offiziere aus den eroberten Ländern. Diesen Teil des Lagers verlegte man 1941 in andere Offizierslager.
  • In einem Marinelager (Marlag) unter Hoheit der nationalsozialistischen Kriegsmarine britische Marinesoldaten und Offiziere aus dem gesamten Commonwealth von den gekaperten und versenkten Schiffen des Handelskrieges gegen Großbritannien. Diesen Teil des Lagers verlegte man ab Herbst 1941 in das benachbarte Westertimke.
  • In einem Internierungslager (Ilag) für Zivilistinnen und Zivilisten  Angehörige feindlicher Nationen und die gefangengenommenen Zivilisten von den Handelsschiffen. Auch dieser Teil des Lagers wurde ab 1941 nach Westertimke umgesetzt.

Die Aufnahmekapazitäten wurden schon 1940 nach dem Krieg gegen Frankreich überschritten. Das Stalag XB wurde auf 30000 Kriegsgefangene erweitert, weitere Baracken aufgestellt.

Ab Herbst 1941 wurden Lagerbereiche geräumt, um Kapazitäten für die Unterbringung sowjetischer Kriegsgefangener zu schaffen. Das inzwischen umbenannte Stalag XB am Standort Sandbostel erhielt erneut einen eigenen Arbeitsamtsbezirk und verwaltete Hunderte von Arbeitskommandos zwischen Elbe und Weser.

Ungleichbehandlung und Rechtsverletzungen

Innerhalb der Kriegsgefangenenlager gab es eine von den Verantwortlichen gewollte Hierarchie unter den Gefangenen.
An der Spitze standen amerikanische und britische Soldaten, die überwiegend korrekt nach den Vorgaben der Genfer Konvention behandelt wurden. Sie erhielten zahlreiche Hilfspakete des Internationalen Roten Kreuzes und waren bis zum Ausbleiben dieser Pakete nach dem Zusammenbruch der Postlinien am Ende des Krieges angemessen versorgt.

„Ich esse mich nur ein paar Mal im Monat satt, wenn ich Pakete bekomme. Die anderen Tage gehe ich hungrig ins Bett.“
Unbekannter französischer Kriegsgefangener in einem Brief nach Hause, zitiert nach einem Bericht der Commission de Contrôle Postal des Prisonniers de Guerre, 17.8.1942

Auch Westeuropäern wie Franzosen und Belgiern wurden viele der Rechte von Kriegsgefangenen zugestanden, sie erhielten jedoch weniger Hilfspakete und litten oft unter Hunger und Versorgungsproblemen. Internationale Hilfsdienste und Schutzmächte kontrollierten die Behandlung und nahmen Beschwerden entgegen. Ihre Berichte sind erhalten.
Den serbischen und polnischen Kriegsgefangenen wurde die Kontrolle durch eine Schutzmacht verwehrt.
Italienische Militärinternierte erhielten einen Sonderstatus. Sie wurden von den deutschen Wachmannschaften und den Mitgefangenen der anderen Nationen als Verräter betrachtet und standen am unteren Ende der Lagerhierarchie.
Sie wurden schlechter ernährt und ab Herbst 1944 vor die Wahl gestellt, mit der nationalsozialistischen Wehrmacht zu kollaborieren oder als zivile Arbeiter Hunger und härtester Zwangsarbeit ausgesetzt zu sein.

Den sowjetischen Kriegsgefangenen verweigerte man die Rechte von Kriegsgefangenen. Sie unterstanden zahlreichen Sonderregelungen wie dem sofortigen Schießbefehl, erhielten keine Pakete mit zusätzlicher Nahrung, es gab keine Kontrolle und Versorgung durch internationale Hilfsdienste. Ihre Angehörigen erhielten keine Nachricht.

Unter den sowjetischen Kriegsgefangenen brachen mehrfach Epidemien aus. Sie starben im Stalag XB zu Tausenden an Mangelkrankheiten und den Folgen der Mangelversorgung in den Durchgangslagern an der Front.

Die sowjetischen Kriegsgefangenen stellen die größte Opfergruppe des Stalag XB, Tausende von ihnen wurden ohne Namen in 70 Massengrabreihen auf dem ehemaligen Lagerfriedhof in Sandbostel (heute Kriegsgräberstätte) beerdigt.

Heute sind noch 26 historische Gebäude des Stalag XB erhalten, 11 wurden im Rahmen des Aufbaus der Gedenkstätte saniert und sind öffentlich zugänglich.

 

 

 


 

Stiftung Lager Sandbostel • Gedenkstätte Lager Sandbostel • Greftstr. 3 • 27446 Sandbostel
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