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Sandbostel. Auf die massive Kritik des neu gebildeten Runden Tisches hat jetzt der Vorstand der Stiftung Lager Sandbostel geantwortet. Ihr Vorsitzender Karl-Heinz Buck weist die Vorwürfe der Gruppe um Ivar Buterfas (Bendestorf) und Kurt Ringen (Hanstedt) zurück. Diese hätten sich durch ihr Vorgehen als ernst zu nehmende Gesprächspartner disqualifiziert. Von Rainer Klöfkorn
In Veranstaltungen haben die Teilnehmer des Runden Tisches die Arbeit der Lager-Stiftung und die Verhältnisse im ehemaligen Kriegs-gefangenen- und KZ-Auffanglager kritisiert. Beanstandet wurden unter anderem Grabungsverbote auf dem Gelände und politische Einflussnahme, gefordert wurde der Ankauf des Privathauses auf dem Gelände und die Auflösung der kreiseigenen Straßenmeisterei.
„Unseres Wissens gibt es kein Grabungsverbot“, heißt es in der Stellungnahme des Stiftungsvorstandes. Sollten erneute Grabungen beantragt werden, würden diese sicherlich genehmigt werden. Derzeit gebe es dafür allerdings keine Notwendigkeit. Zudem sei die Stiftung derzeit finanziell nicht in der Lage, für die geforderte Lagerung und Konservierung der gefundenen Kulturgüter zu sorgen.
Unwahr sei auch, dass die Politik Einfluss auf die Gestaltung der neuen Ausstellungen nehme. Buck: „Die Geschichte des Stalag X B wird so dargestellt wie sie war und nicht so, wie es sich mancher Zeitgenosse wünscht.“ Natürlich gebe es unterschiedliche Ansichten über die verschiedenen Phasen des Lagers und den Werdegang der Gedenkstätte. Die Wissenschaftler der Stiftung bildeten sich jedoch frei von jeglicher Einflussnahme eine Meinung und stellten diese in den Ausstellungen dar.
Wer, wie die Mitglieder des Runden Tisches, von Massengräbern auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers spreche, sollte den wissenschaftlich fundierten Artikel von Projektkoordinator Andreas Ehresmann (BZ vom 11. Oktober) lesen. Danach sei sehr unwahrscheinlich, dass noch Gräber vorhanden seien. Buck dazu: „Wenn die Akteure um Buterfas und Ringen Informationen über vorhandene Gräber haben, sollten sie ihr Wissen weitergeben.“
Unverständlich sei für die Stiftung auch der Vorwurf der „musealen Erstarrung“ der Gedenkstätte. In Sandbostel würden internationale Jugendworkcamps, Lesungen, Vorträge, Musikveranstaltungen, Sonderausstellungen und Gedenkfeiern durchgeführt. Außerdem treibe die Gedenkstätte gemeinsam mit der Gemeinde Sandbostel, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und mit Jugendgruppen das Namensziegelprojekt voran. Dieses Jahr werden voraussichtlich mehr als 8 000 Besucher die Gedenkstätte aufsuchen, die Zahl der Schulklassen habe sich bis jetzt im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Nach Meinung des Stiftungsvorstandes müsse auf dem Gelände auf das Nebeneinander von Gedenkstätte und Gewerbebetriebe möglich sein: „Alles andere wäre utopisch und nicht finanzierbar.“ Ansichtssache sei, ob eine Gewerbeschau auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers angebracht sei. Die Stiftung sei hierzu auch nicht gefragt worden. „Akzeptiert man aber die Betriebe, muss man ihnen auch gestatten, angemessen für sich zu werben“, sagt Buck.
Wenn der Runde Tisch die Arbeit der Wissenschaftler der Stiftung lobe, könne er nicht gleichzeitig die Verantwortlichen der Stiftung kritisieren. Denn diese hätten es erst ermöglicht, dass die Historiker in Sandbostel arbeiten könnten. Ohne die finanzielle Unterstützung des Landkreises Rotenburg, der Samtgemeinde Selsingen und der Gemeinde Sandbostel wäre eine Gedenkstätte überhaupt nicht möglich gewesen. Bundesweit einmalig ist auch, dass sich alle Verwaltungseinheiten eines Landkreises an der Finanzierung einer Gedenkstätte beteiligten.
Unverständlich ist der Stiftung auch das Vorgehen der Runden-Tisch-Teilnehmer. Es sei nicht zielführend. Zum anderen zeige der Umgang mit Kritikern – wie zum Beispiel auf der ersten Zusammenkunft am 7. September in Mintenburg – dass sie an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert seien. Buck: „Dieser Runde Tisch um Buterfas und Ringen hat sich unserer Meinung nach als ernst zu nehmender Gesprächspartner disqualifiziert.“
Die Stiftung Lager Sandbostel lege – im Gegensatz zu den Mitgliedern des Arbeitskreises – großen Wert auf einen demokratischen und fairen Umgang mit Mitmenschen. „Solange das nicht gewährleistet ist, werden sich die Verantwortlichen der Stiftung nicht mit Mitgliedern des Runden Tisches an einen Tisch setzen“, heißt es in der Stellungnahme.
Infos zur Stiftung
Bei der Gründung der Stiftung im Jahr 2004 verständigten sich alle neun Träger der Stiftung auf einen Kompromiss. Seinerzeit wollte man ein kleines Grundstück gegenüber der Lagerkirche kaufen, heute befinden sich 3,2 Hektar mit elf Gebäuden im Besitz der Stiftung. Die Verantwortlichen der Stiftung haben bisher rund 1,9 Mio. Euro an Fördergelder eingeworben und die Gedenkstätte auf den Weg gebracht. Akzeptiert wurde ein friedliches Nebeneinander von Gedenkstätte und Gewerbebetrieben. Dieses wird auch von beiden Seiten praktiziert