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Bremervörder Zeitung 30. Juli 2010

Gedenkfeier im Zeichen des Friedens

Workcampteilnehmer gestalten Veranstaltung

Von Lisa Masthoff

SANDBOSTEL. Zur Erinnerung an die Opfer, die im Lager Sandbostel während des Zweiten Weltkrieges leiden und sterben mussten, fand am Mittwoch eine Gedenkfeier im Rahmen des internationalen Jugendcamps statt. Nicht nur das Gedenken an Opfer von Gewalt und Terror stand im Mittelpunkt der Veranstaltung: Auch sollte der jüngeren Generation ein Bewusstsein für den Frieden und die Völkerversöhnung vermittelt werden - ein Hauptziel des Sandbosteler Jugendcamps.

„Miteinander reden, um die Anderen zu verstehen, ist sicherlich besser, als sich mit Vorurteilen gegenüber zu stehen.“ Mit diesem Wunsch an die jungen Menschen, die an dem diesjährigen Workcamp teilnehmen, eröffnete Peter Radzio, Bürgermeister der Gemeinde Sandbostel, die Gedenkfeier.

Er bedankte sich unter anderem bei dem Jugend- und Bildungsreferenten Jörg Schgalin so wie bei dem Vorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Karl-Heinz Buck, für die Unterstützung bei der Organisation sowie der Durchführung des Jugendcamps.
Die 26 jungen Menschen aus acht Nationen hatten die Gedenkfeier auf dem Gelände des Lagers Sandbostel unter Anleitung ihres Campleiters Wolfgang Große gestaltet. Gemeinsam sangen die Campteilnehmer „So ist Versöhnung“ und sprachen später eine Gedenkrede in acht Sprachen.

Oberstleutnant Andreas Klapp, dessen Bataillon schon seit Bestehen der Jugendcamps in Sandbostel durch Bereitstellen der Transporte sowie Verpflegung und Unterkunft maßgeblich zum Gelingen dieser internationalen Zusammenkunft beiträgt, versteht die Arbeit der Jugendlichen als große Hilfe für die Völkerverständigung. Gerade Sandbostel sei ein geeigneter „Gedenk- und Lernort“. Ferner würde die Besonderheit des Veranstaltungsortes Lager Sandbostel dadurch ausgedrückt, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Arbeit des Workcamps unterstützt.

Anschließend konnten Besucher der Gedenkfeier den freigelegten Weg auf dem Gelände des ehemaligen NS-Kriegsgefangenlagers und KZ-Auffanglagers in Sandbostel in Augenschein nehmen. In den letzten Tagen hatten die Campteilnehmer gemeinsam daran gearbeitet, diesen Pfad aufzudecken.
Auf dem Kriegsgräberfriedhof wurde die Veranstaltung fortgeführt. Landrat Hermann Luttmann hob hervor, dass die internationalen Workcamps bewusst an „Orten der Erinnerung an Krieg und Zeiten der Gewaltherrschaft“ durchzuführen seien: Jugendliche könne man auf diese Art und Weise, leichter für ihre Rolle als Friedensstifter in der Welt sensibilisieren.

Trotz der nun lang zurückliegenden Zeit des Friedens in Europa sei aktueller Antisemitismus sowie Gewalt gegenüber ausländischen Mitbürgern ein Zeichen dafür, dass die internationalen Workcamps sowie die Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräber einen wichtigen Beitrag zu weltweiten Frieden leisten.
Gerade der internationale Rahmen der Jugendcamps ließe Jugendliche spüren, wie wichtig ein friedvolles Miteinander sei, so der Landrat. Abschließend verwies Luttmann auf die drei gefallenen Soldaten des Fallschirmbataillons 373 aus Seedorf, die in Afghanistan ihr Leben für den Frieden verloren. „Arbeit für den Friedensei somit ein aktuelles Anliegen für die gesamte Weltbevölkerung.

Nahmen an der Gedenkfeier teil: Peter Radzio (von links), Hermann Luttmann, Elke Twesten, Oberstleutnant Klapp und Karl-Heinz Buck. Fotos: MasthoffDie Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Twesten richtete sich in ihrer Ansprache speziell an die Workcampteilnehmer. Sie habe während ihrer Jugendzeit in ihrem Heimatort Scheeßel nicht gewusst, dass sich wenige Kilometer von ihr entfernt das Lager Sandbostel befindet, in dem Menschen unter schrecklichen Qualen zu leiden hatten. Als junge Erwachsene in den 70er und 80er Jahren sei es schwer möglich gewesen, „Geschichte hautnah mitzuerleben“, so Elke Twesten.
„Das mutige unerschrockene und engagierte Eintreten für eine Gedenkstätte von Holocaust-Überlebenden und Menschen, die ihre Verantwortung für die Zukunft wahrnehmen“ habe nicht nur bei ihr dazu geführt, sich mit der Geschichte hier in der Region auseinander zu setzen. Die Landtagsabgeordnete ist davon überzeugt, dass durch das Bewahren und den Aufbau der Gedenkstätte der Nationalsozialismus aufzuarbeiten sei. „Sie können gerade hier die Erinnerung an die NS-Zeit ganz anders wahrnehmen als aus Filmen und Büchern. Ich hoffe, dass Sie. im Workcamp Freundschaften geschlossen haben, die dazu beitragen die Völker dieser Welt zu versöhnen“, wandte sich Twesten in ihrer Ansprache direkt an die Teilnehmer.

In Gedenken an die Gräueltaten des Lagers Sandbostel zündeten die Jugendlichen des Workcamps Kerzen an.Zum Abschluss der Ge-denkveranstaltung legten zwei der 26 Jugendlichen einen Kranz am Mahnmal nieder. Die restlichen Teilnehmer zündeten Kerzen an, im Gedenken an die Opfer des NS-Kriegsgefangenenlagers Sandbostel. Abschließend verlasen die Jugendlichen aus den verschiedenen Nationen Europas in ihren Muttersprachen einige Gedenkworte. In ihnen wurde immer wieder das Bedürfnis nach Frieden und Hoffnung auf Versöhnung der Völker ausgedrückt.

Im Anschluss waren alle Teilnehmer der Veranstaltung zu einem gemeinsamen Essen am Hüßelhus in Sandbostel eingeladen.

 

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