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Bremervörder Zeitung 20. Juli 2009

Moldawien rockt den Festsaal

Friedensarbeit im Workcamp in Sandbostel: Jugendliche stellen beim "Nationenabend" im "Grünen Jäger" Heimatländer vor.

Von Frauke Siems

Sandbostel. Regierende machen Staatsbesuche, Jugendliche gehen für den Frieden ins „Workcamp“. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltet als gemeinnütziger Verein jährlich bis zu 80 Jugendbegegnungen im In- und Ausland. Eine davon findet zurzeit in Sandbostel statt. 34 junge Leute aus sieben Nationen leben bis Ende der Woche Völkerverständigung am praktischen Beispiel. Am Freitag fand im Dorfgasthof „Zum Grünen Jäger“ ein stimmungsvoller Abend der Nationen statt.

Es ist das dritte Workcamp, das Bodo Henze leitet. Zum „Länder-Kulturabend“ begrüßt der pensionierte Berufssoldat viele Sandbosteler Bürger, darunter auch Bürgermeister Peter Radzio. Nacheinander stellen die 34 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren ihre Heimatländer vor. Die Gastgeber besingen Deutschland aus der Sicht der 66-jährigen „Hannelore Müller“. Der junge Aleksej berichtet von seiner weißrussischen Heimat und singt zum Abschluss ein Lied. Milena, Bartek, Kataryna, Dominika und Agnizka laden die Gäste ins Nachbarland Polen ein, wo die Menschen „nett und offen sind und sehr hart arbeiten“.

Den weitesten Weg hatte Cholpon aus Kirgistan. „Wo ist das eigentlich genau?“, raunt es im Publikum. „Dat is‘ al meist China“, meint eine Zuhörerin. Mit Bodo Henzes technischer Hilfe zeigt Cholpon einen Film über ihre kirgisische Heimat. Demnach sind die Kirgisen „eines der ältesten Völker Zentralasiens“. Das pflanzenreiche Land zählt fünf Millionen Einwohner. Jana, Jewgenia, Alexander, Dimitrij und Artjam entführen die Gäste in farbenfroher Tracht ins „größte Land der Welt“, nach Russland. Nach einem stimmungsvollen Folklore-Tanz zum Auftakt berichtet Lena Shamrei: „Russland hat 148 Millionen Einwohner, es grenzt an zwölf Staaten, zwölf Meere und drei Ozeane.“Das „bekannte russische Lied“, das die Gruppe zunächst ein bisschen verlegen in deutscher Sprache anstimmt, trägt die Melodie von Boris Rubaschkins „Casatschok“. Die letzte Strophe singen die Jugendlichen in ihrer Muttersprache, und das Publikum klatscht begeistert mit.

Anschließend berichten Inga, Kevin und Kati von Estland, der Hauptstadt Talinn und der nationalen Unabhängigkeit seit 1991. Zuguterletzt rockt Moldawien den Saal im „Grünen Jäger“. Alexander, Mihail, Elena, Natalia und Piotr bezeichnen ihre Heimat als „ein Land, wo alle singen und tanzen und lebensfroh sind“. Wie zum Beweis singen sie ein moldawisches Lied und beziehen die Gäste mit ein. Im Nu befinden sich auch Sandbostels Bürgermeister sowie die SPD-Bundestagsabgeordnete Margrit Wetzel und der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Bernd Wölbern mittenmang im internationalen Reigen.

Bei einem gemeinsamen Imbiss und netten Gesprächen soll der Abend ausklingen. „Hier sind die Erwachsenen gefragt, auf die Jugendlichen zuzugehen und umgekehrt“, appelliert Bodo Henze, bevor er das Mikro zur Seite legt. Der Rest fügt sich von selbst. Im „Aufeinanderzugehen“ haben die Sandbosteler inzwischen Übung.

Der Nationenabend ist nur eine von vielen Aktivitäten der Campteilnehmer. In erster Linie dient die von der Kriegsgräberfürsorge organisierte Begegnung der Versöhnung und Verständigung unter den Völkern. Die Jugendlichen arbeiten auf der örtlichen Kriegsgräberstätte und helfen bei der Restaurierung des ehemaligen Lagergeländes. Aktive Friedensarbeit, denn im Zweiten Weltkrieg waren mehr als eine Million Menschen aus 46 Nationen im Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB in Sandbostel interniert. Die Zahl derer, die im Lager ihr Leben ließen, schwankt zwischen 10.000 und 50.000.

Die Politik habe die Voraussetzungen für ein vereintes Europa geschaffen, aber es sei wichtig, dass sich der Wunsch danach bei der jungen Generation fortsetzt, hatte Bodo Henze im vergangenen Jahr formuliert. Auch die Teilnehmer des dritten Workcamps sind hochmotiviert. Da „mault keiner, wenns an‘s Arbeiten geht“, betont Henze. Im Gegenteil: „Die würden noch viel mehr machen, wenn das Programm das zuließe.“ Doch letzteres ist prall gefüllt: „Begegnung“, „politisch-historische Bildung“ und „Freizeit“ stehen auf dem Plan. Die Instandsetzungsarbeiten auf dem Lagergelände finden in enger Absprache mit der „Stiftung Lager Sandbostel“ statt. Daneben unternehmen die Campteilnehmer Fahrten unter anderem nach Hamburg und ins Auswandererhaus nach Bremerhaven. Für Sonnabend war ein Sportfest geplant. Der Höhepunkt soll die von den Jugendlichen gestaltete Gedenkfeier am kommenden Mittwoch werden.

Henze spricht von seinem „bislang schönsten Camp“. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Gäste von den Sandbostlern „gleich so gut aufgenommen wurden“. Die Betreuer seien mittlerweile ein „eingespieltes Team“. Auch das Konzept sei von Jahr zu Jahr optimiert worden.

www.volksbund.de

Viele Sandbosteler Bürger waren am Freitag gespannt auf die Darbietungen beim "Länder-Kulturabend"

 

 

 

 

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