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Bremervörder Zeitung 12. August 2011

Die Welt ein bisschen sicher machen
Gedenkfeier mit Kranzniederlegung zum Abschluss des
Internationalen Workcamps in Sandbostel

Von Nora Buse

SANDBOSTEL. 24 Jugendliche aus drei Nationen haben sich in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen des fünften Internationalen Workcamps mit der Geschichte des ehemaligen Kriegs- und Gefangenenlagers in Sandbostel auseinander gesetzt. Am Mittwoch endete der Jugendaustausch mit einer Gedenkfeier an der Lagerkirche und einer Kranzniederlegung auf der Kriegsgräberstätte in Sandbostel. Zwei Projekte standen laut Campleiter Arpad Firstner im Fokus der Jugendbegegnung: Zum einen beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit dem Schicksal polnischer Häftlinge, zum anderen mit dem Namensziegelprojekt für sowjetische Gefangene. Jeder Campteilnehmer übernahm eine Patenschaft für einen Getöteten. Ausgerichtet wurde die Jugendbegegnung von der Stiftung Lager Sandbostel, der Gemeinde Sandbostel und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Hauptsponsor war das Deutsch- Polnische Jugendwerk. Finanziell unterstützt wurde die Jugendbegegnung außerdem vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Landkreis Rotenburg, der Samtgemeinde Selsingen, der Gemeinde Sandbostel und der Europe-Direct-Vertretung in Lüneburg. Auch der Fallschirmjägerbataillon 373 der Kaserne Seedorf beteiligte sich an der Organisation des Jugendworkcamps. Neben Vertretern dieser Organisationen und Politikern nahmen am Mittwoch unter anderem auch der belgische Kriegsgefangene Roger Cottyn und Ruth Grone, deren Vater als KZ-Häftling in Sandbostel umgekommen war, an der Gedenkfeier teil. "Der letzte Weltkrieg ist seit mehr als 66 Jahren vorbei, aber ich bin davon überzeugt, dass immer wieder auf die grausamen Folgen von Kriegen hingewiesen werden muss, und Gedenkfeiern dieser Art notwendig sind", betonte Sandbostels Gemeindebürgermeister

Sandbostels Bürgermeister Peter Radzio (links) und der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Buck eröffneten die Gedenkfeier. Peter Radzio. "Der größte Erfolg dieses Jugendcamps wäre, wenn durch Veranstaltungen dieser Art - ob in Sandbostel oder anderswo - ein wenig dazu beitragen würde, unsere Welt ein bisschen sicherer zu machen." Der Vorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, Karl-Heinz Buck, erinnerte an die dunklen Kapitel der Weltkriege: "Nazi- Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg unermessliches Leid über Polen und Russland gebracht. Viele Millionen Polen und Bürger der damaligen Sowjetunion haben ihr Leben verloren. Nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten, Frauen, Kinder, alte Männer. Vergessen wollen wir aber auch nicht die vielen Millionen Toten des Ersten Weltkriegs. Beide Kriege sind in ihrer Grausamkeit und Dimension beispiellos." Ziel des Internationalen Workcamps sei es, die Völker einander näher zu bringen und weitere Kriege zu verhindern. Der russische Botschaftssekretär Wladimir Kukin wertete das Internationale Workcamp als "konstruktiven Beitrag der Erinnerung". Jede neue Namenstafel sei ein weiterer Schritt gegen das Vergessen. "Reichen wir uns über den Gräbern die Hände", sagte Kukin. Peter Uhlig vom Landesverband der Deutschen Kriegsgräberfürsorge dankte den Organisatoren und ganz besonders den Jugendlichen. "Die Würde des Menschen bleibt auch im Tod unantastbar. Unser Gedenken kann stets nur ein mahnendes sein. Durch die Namensziegel haben die Toten ihre volle Menschenwürde zurückbekommen." Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören lobte das Engagement der Jugendlichen: "Die Toten haben wieder einen Namen und eine Lebensgeschichte. Zukünftige Generationen werden sich ihrer leichter erinnern und ihrer gedenken." Die zweiwöchige Jugendbegegnung sei ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung. Eines dürfe allerdings nie vergessen werden: "Das friedliche Zusammenleben auf diesem Planeten ist nicht selbstverständlich. Frieden müssen wir uns jeden Tag aufs Neue erkämpfen." Heute reisen die Campteilnehmer zurück in ihre Heimat in Polen, der Russischen Förderation und in Deutschland.

 

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