Stiftung Lager Sandbostel I Gedenkstätte Lager Sandbostel
C.I.C. No 2
Justizanstalt
DDR Jugendlager
Weitere Nachnutzung

 

Spendenkonten:
Sparkasse Rotenburg-Bremervörde
Kto.: 280 160 38
BLZ: 241 512 35
IBAN: DE87 2415 1235 0028 0160 38
BIC: BRLADE21ROB

Volksbank Zeven
Kto.: 5 403 473 600
BLZ: 241 615 94
IBAN: DE43 2416 1594 5403 4736 00
BIC: GENODEF1SIT

Bremervörder Zeitung 11. Juli 2011

Gemeinsam gegen das Vergessen

Sandbostel. Völkerverständigung und Friedensarbeit müssen mit Leben erfüllt werden. Das weiß auch das Christliche Jugenddorf (CJD) Bremervörde und hat noch bis heute 14 russische Jugendliche und zwei Betreuerinnen aus dem Gebiet Tjumen in Sibirien zu Gast (BZ berichtete). Am Freitag brachten deutsche und russische Jugendliche in der Gedenkstätte Lager Sandbostel gemeinsam ein Projekt gegen das Vergessen auf den Weg. Von Tatjana Behrens

Ziel des Jugendaustausches ist es, gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Jugenddorf die Region um Bremervörde kennen zu lernen und bei gemeinsamen Projekten ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen zu bekommen. Neben einer Besichtigung der Stadt Stade und einer Wattwanderung zur Insel Neuwerk stand für die Jugendlichen auch ein "Arbeitstag" im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel auf dem Programm. Hier wurde ihnen auf anschauliche Weise ein Teil der gemeinsamen Geschichte beider Länder nahe gebracht. Nach einer Führung durch die Gedenkstätte setzten sich die Jugendlichen beider Nationen mit den Geschehnissen im Lager Sandbostel in den Kriegsjahren bis 1945 auseinander. Zunächst hieß es für die in drei Projektgruppen aufgeteilten Jugendlichen, einzutauchen in die Geschichte, um im Anschluss mit ihrer Arbeit selbst ein Teil der Geschichte der Gedenkstätte Sandbostel zu werden. Alle Jugendlichen arbeiteten in Projekten, die den Schicksalen der Sandbosteler Kriegsgefangenen einen Namen und manchmal auch ein Gesicht wiedergeben sollen. So legte eine Gruppe deutscher und russischer Jungen letzte Hand bei Infopulten an, die später in den Baracken auch in kyrillischer Schrift Auskunft geben sollen. Die Vorarbeit hatte zuvor die Metallwerkstatt des CJD Bremervörde geleistet. In Sandbostel wurden die Infopulte fertiggestellt und mit Farbe versehen. Eine weitere Gruppe fertigte am Computer der Gedenkstätte die Infotafeln, mit denen künftig auch russische Besucher in ihrer Sprache über die Schicksale in Sandbostel informiert werden.

Mit einer ganz besonderen Aufgabe waren Jugendliche betraut, die aus Ton die ersten Namenstafeln für den geplanten Stelenwald im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel herstellten. "Wir wollen hier denen, die anonym in Massengräbern verscharrt wurden, ihre Würde und ihren Namen wiedergeben sowie ihren Angehörigen einen Ort des Gedenkens", so John Cramer vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Cramer und Dr. Jens Binner, ein Mitarbeiter der Gedenkstätte Sandbostel, hatten den Jugendlichen zuvor Kopien der Personalkarten der ehemaligen Kriegsgefangenen gegeben. Deren Namen wurden später auf Tontafeln eingeritzt, damit sich die jungen Leute mit der Biographie des Gefangenen, dem sie seinen Namen wiedergaben, auseinander setzen konnten. "Ihr seid die ersten, die hier diese Tafeln erstellen, euch werden aber noch viele nachfolgen", so Cramer. Insgesamt sind rund 4 600 Namen von sowjetischen Kriegsgefangenen bekannt, die in Sandbostel umkamen. Jeder von ihnen soll im Stelenwald einen Namen erhalten. Vorbild ist ein ähnliches Projekt in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. John Cramer schätzt die Zeit, die für das Projekt in Sandbostel ins Land gehen wird, auf rund zehn Jahre. "Es werden also noch viele Gruppen hier an diesem Projekt tätig sein", erklärte er. Für die deutschen und russischen Jugendlichen der Gruppe war es etwas besonderes, das Projekt auf den Weg gebracht zu haben. "So wird man ein Teil der Geschichte, auch wenn die Geschehnisse schon so lange zurückliegen", so die 17-jährige Olga Pashuk. Eine Erfahrung, das junge Mädchen ebenso wie die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops nicht missen möchte.

 

Stiftung Lager Sandbostel • Gedenkstätte Lager Sandbostel • Greftstr. 3 • 27446 Sandbostel
info@stiftung-lager-sandbostel.de • Tel.: 04764-225 4810 • Fax: 04764-225 4819