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Bremervörder Anzeiger 24. August 2011
Sandbostel. Im Rahmen ihrer niedersächsischen Wahlkampftour besuchte Rebecca Harms (MdEP, Bündnis 90/ Die Grünen) die Gedenkstätte Sandbostel, um sich über den aktuellen Stand der Arbeiten in der Gedenkstätte zu informieren. Dabei stellte sie die Bedeutung von solchen Orten hervor, die daran erinnerten, weshalb und wofür es eine Europäische Union gäbe. Die Besichtigung der Gedenkstätte unter der Führung vom Gedenkstättenstiftungsvorsitzenden Karl-Heinz Buck und Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann fing bei der "Gelben Baracke" an, dem ersten Ausstellungsgebäude, das Ende 2012 fertig gestellt werden soll. Aktuell werden dort die elektrischen Leitungen gelegt. Die Ausstellung in der Gelben Baracke wird die Zeit des Kriegsgefangenenlagers dokumentieren, insbesondere den Alltag der Kriegsgefangenen bis hin zu den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, als Sandbostel Auffanglager für KZ-Insassen aus Neuengamme war, und die Befreiung durch die Alliierten. Rund 1,4 Millionen Euro aus Fördermitteln werden in die letztendlich zwei Ausstellungsgebäude investiert. "Ein ganz wichtiges Projekt", fand Rebecca Harms. Sie berichtete von ihren Erfahrungen aus Brüssel.
"Die Jugend in Europa erinnert sich nicht mal an den Mauerfall, noch weniger an einen geteilten deutschen Staat, geschweige denn an das Dritte Reich." Rebecca Harms
Sie zeigte sich beeindruckt von den "einmalig gut erhaltenen Gebäuden" und betonte, wie wichtig die Verarbeitung der Vergangenheit in Deutschland sei. Sie betonte, dass damit auch europäische Geschichte bearbeitet würde. Es schaffe ein Bewusstsein dafür, gerade in schlechteren Zeiten der Euro-päischen Union, weshalb es sie gäbe und weshalb ihr Erhalt auch wichtig sei. Gedenkstätten seien der "Schlüssel" zu diesem Bewusstsein. "Alle diese Projekte sind wichtig", sagte sie. Ihrer Erfahrung nach stünde Deutschland im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedsstaaten in seiner Vergangenheitsbewältigung gut da. Dank Stätten wie Sandbostel sei Deutschland relativ "unauffällig gegen Rechtspopulismus". Karl-Heinz Buck fügte hinzu, dass man in Sandbostel auch zeigen wolle, wohin es führen könne, wenn man keine Demokratie habe. Er berichtete weiter von den uner-wartet hohen Besucherzahlen. Alleine im vergangenen Jahre besuchten rund 7500 Menschen die Gedenkstätte, "Tendenz steigend". Zuletzt sei jemand "in Rom ins Auto gestiegen und nach Sandbostel gefahren". Mit Unterlagen in der Hand habe der Besucher nach den Spuren seines Vaters gesucht. Wie zur Bestätigung gesellte sich ein 72-jähriger Rotenburger zu dem Pressegespräch. Friedrich Vehse floh mit 19 Jahren aus der DDR und kam über Hamburg im Winter 1958 nach Sandbostel, als das Lager als Durchgangslager für junge männliche DDR-Flüchtlinge genutzt wurde. Zusammen mit Rebecca Harms schaute er sich die Gedenkstätte an - auf den Wegen seiner eigenen Vergangenheit.