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Bremervörder Zeitung 5. Mai 2007
„Haben A gesagt, nun ist es Zeit, auch B zu sagen“
Lager Sandbostel: Samtgemeinderat beschließt Übernahme der Bauträgerschaft
Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers und Ratsmitglieder lassen sich vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Buck informieren
Der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Buck (rechts) erläuterte den Ratsmitgliedern, darunter Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers (Dritter von links) und der Ratsvorsitzende Hein-Arne zum Felde (Zweiter von links), die geplanten Sanierungsmaßnahmen.  Foto: Siems

Von Frauke Siems


Sandbostel. Die Samtgemeinde Selsingen übernimmt die Trägerschaft für die Bau- und Sanierungsmaßnahmen zur Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB“ in Sandbostel. Einstimmig hat der Rat am Mittwochabend auf seiner Sitzung im Gasthof Zum Grünen Jäger“ einen entsprechenden Beschluss gefasst.
Vor der Zusammenkunft fand eine Besichtigung des Lagergeländes statt. Karl-Heinz Buck, der Vorsitzende der Stiftung Lager Sandbostel, führte die Ratsmitglieder über den von der Stiftung erworbenen Teil des Geländes und erläuterte die geplanten Bau-und Sanierungsmaßnahmen. Auch Dr. Klaus Volland, der stellvertretende Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, nahm an der Begehung teil.  In der anschließenden Sitzung beschrieb Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers die Ausgangslage: Die Stiftung Lager Sandbostel will auf dem ehemaligen Lagergelände eine Gedenkstätte errichten. Im Auftrag der Niedersächsischen Landesdenkmalpflege wurde ein so genannter „Masterplan“ erstellt. Auf dessen Grundlage haben Vorstand und Kuratorium der Stiftung einen Bau- und Sanierungsplan entwickelt, der von Investitionen in Höhe von 400.000 Euro ausgeht.
Wegen der internationalen Bedeutung des ehemaligen Lagers hat der niedersächsische Minister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) eine anteilige Förderung aus der Verbunddorferneuerung zugesagt. Die Mittel speisen sich aus dem EU-Fonds zur „Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)“.
Weil für die Bezuschussung im Rahmen der Dorferneuerung unterschiedliche Fördersätze gelten, hat die Stiftung einen Antrag gestellt, nach dem die Samtgemeinde die Trägerschaft für die geplanten Baumaßnahmen übernehmen solle. Die Stiftung könnte als privater Träger mit einem Zuschuss in Höhe von 30 Prozent rechnen. Für die Samtgemeinde beträgt der Fördersatz dagegen 75 Prozent.
Werner Borchers erläuterte den Finanzierungsplan für die drei geplanten Bauabschnitte. Der erste umfasst die Sicherung und Instandsetzung der Baracken sowie die Gestaltung der Außenanlagen und „steht“ nach Einschätzung Borchers auch dank einer Zuweisung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Höhe von 40.000 Euro. Von den Kosten in Höhe von rund 126.000 Euro 186.500 Euro veranschlagt. Der (Um-)Bau eines Dokumentationszentrums schlägt mit 87.500 Euro zu Buche. Hier blieben Eigenanteile in Höhe von 18.958 beziehungsweise 12.352 Euro bei der Samtgemeinde, wobei öffentliche Zuweisungen noch eingeworben werden müssten, wie der Verwaltungschef weiter mitteilte. Die Stiftung sei bereits sehr engagiert auf der Suche nach Sponsoren.
Der Rat folgte einstimmig der Beschlussempfehlung der Verwaltung: Die Samtgemeinde übernimmt die Bauträgerschaft im Sinne der vorgestellten Maßnahmen für bis zu 400.000 Euro „unter der Voraussetzung, dass diese aus der Dorferneuerung gefördert werden.“ Als Eigenanteil trägt die Samtgemeinde laut Beschluss zehn Prozent der Investitionen. Die Verwaltung stellt die Förderanträge, „wenn die restliche Co-Finanzierung aus anerkannt öffentlichen Mitteln in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lager Sandbostel gewährleistet für den ersten Bauabschnitt bleibe ein 6.755-Euro-Eigenanteil für die Samtgemeinde, so Borchers.
Für den Bauabschnitt II - die Dachsanierung des Küchengebäudes und die Ausbesserung der vorhandenen Parkplätze - wurden  im  Finanzierungsplanist“, wie der Beschluss weiter lautet. Die Samtgemeinde vergibt die Bauaufträge, die Bauleitung obliegt der Stiftung. Diese ist als Grundstückseigentümerin auch für den laufenden Betrieb und die Folgekosten zuständig.
Der Ratsvorsitzende Hein-Arne zum Felde (CDU) erklärte, auf dem ehemaligen Lagergelände werde „mit geringem Einsatz von Mitteln viel erreicht“. Kurz vor der Abstimmung hatte der CDU-Fraktionssprecher Angelus Pape bereits die Zustimmung der CDU/WFB-Fraktion angekündigt. Die CDU habe sich in das Vorhaben ursprünglich zwar „nicht stark einbinden“ lassen wollen. Die Dorferneuerung aber schaffe eine andere Ausgangslage. Er, Pape, hoffe auf gute Zusam­menarbeit mit der Stiftung.
Auch Sandbostels Bürgermeister Johann Gerken (CDU) hatte für die Trägerschaft durch die Samtgemeinde plädiert: „Wenn wir's jetzt nicht anpacken, werden wir nicht weiterkommen.“ Die Gemeinde Sandbostel sei nie gegen eine Gedenkstätte gewesen, lediglich über Größe und Standort sei diskutiert worden. Durch die Mitgliedschaft in der Stiftung habe die Samtgemeinde Selsingen A gesagt, jetzt sei es an der Zeit, auch B zu sagen.
SPD-Fraktionssprecher Rudolf Kahrs erinnerte daran, dass die Gedenkstätte Sandbostel in der Vergangenheit immer wieder auf der Tagesordnung gestanden habe. Er bedauere, dass es nicht früher zu einer positiven Entscheidung gekommen sei. Sie falle angesichts des fortschreitenden Verfalls der Baracken buchstäblich im letzten Moment. Gleichzeitig freute sich Kahrs, dass nach Gründung der Stiftung bislang alle Beschlüsse „in großer Übereinstimmung“ gefasst worden seien.
Selsingens Bürgermeister Reinhard Aufdemkamp (CDU) erklärte, wenn die Samtgemeinde Selsingen ihre Mitgliedschaft in der Stiftung ernst nehme, dürfe man sich der Bitte ihres Vorstandes „auf keinen Fall verschließen“.







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