Sandbostel (zz/lh). Als junger Mann war er 1945 Kriegsgefangener im einstigen Lager Sandbostel. Bernard Le Godais aus Frankreich. Heute, mit 89 Jahren, bemüht er sich weiter hartnäckig um die Versöhnung zwischen früheren Feinden - und verfolgt mit Hilfe von Kurt Ringen aus Hanstedt oder Dietrich Heidenreich aus Selsingen die Entwicklung in Sachen Lager Sandbostel.
„Auf diesem Boden von Sandbostel habe ich damals verstanden, dass die Menschlichkeit in der Welt ohne Liebe nicht Wirklichkeit werden kann“, schreibt er an seine deutschen Freunde. Nach wie vor propagiert er die von Robert Schuman entwickelte europäische Idee: Der Würde des Menschen zu dienen, indem man die Versöhnung ehemals feindlicher Völker und Menschen fördert.
Er freue sich über die Gründung der Stiftung Lager Sandbostel und des Vereins „Pro Europa“. Und er regt an, Robert Schuman und seine Vorstellung von Versöhnung und christlicher Verbrüderung mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Etwa bei der Entwicklung eines europäischen Gedenkweges. „Ich habe selber diesen Weg durch sehr große Kälte im Februar 1945, unter schwierigen Bedingungen, müde und ausgehungert durchquert (...). Es war für uns und für all jene entsetzlich, die diese unendliche Strecke machten.“
Außerdem nimmt Bernard Le Godais Bezug auf die Entwicklung der Gedenk- und Dokumentationsstätte Lager Sandbostel. „Ich danke meinen zahlreichen Freunden, die hart für die Errichtung der Gedächtniswerkstatt in den authentischen Hütten des Lagers unter Leitung von Andreas Ehresmann gearbeitet haben.“ Positiv bemerkt er, dass Jugendgruppen sich mit ihren Geschichtslehrern über das frühere Lagerleben informieren.
„Sie lernen die Geschichte der gefangenen Soldaten kennen, die früher einmal die Feinde ihrer Vorfahren waren. Dass in der damaligen Zeit bedauernswerte Taten begangen wurden, wird vom Museum dankenswerterweise gut erklärt“, so Le Godais über die wissenschaftliche Arbeit.
„Aber wird der Geist dieser Jugendlichen genügend von den menschlichen Werten durchdrungen sein? Werden sie einschätzen können, was die Internierten an Opfer und Entsagung erlebten? Werden sie daraus ableiten können, was sie für die Konstruktion eines Europas der Menschlichkeit für einen Beitrag leisten sollen? Muss nicht die ethische Bedeutung der Nächstenliebe deutlicher er-scheinen?
Die Lehre von Robert Schuman sei ein „Europa der Herzen“. Und wenn der Traum von Bernard Le Godais richtig verstanden werde, „sind wir aufgefordert, in Sandbostel eine internationale Begegnungsstätte im Sinne und im Geiste von Robert Schuman aufzubauen.“ In Sandbostel hätten ehemalige Kriegsgefangene gelitten, „aber auch die Bürger der Gemeinde Sandbostel haben unter harten Prüfungen gelitten. Das ist beendet“ ist der Franzose froh. |