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Bremervörder Zeitung 22. Mai 2008

Abschied nach 67 Jahren

Von Maikop nach Sandbostel: Batmis Kalakutok (73) aus Russland besucht das Grab seines Vaters

Batmis Kalakutok am Gedenkstein
Nahm eine 3.500 Kilometer lange Reise auf sich, um in Sandbostel am Grab seines Vaters zu beten: Batmis Kalakutok (73) aus Maikop im südlichen Russland. Fotos: bz/Buse
Von Nora Buse

Sandbostel. Batmis Kalakutok war sechs Jahre alt, als er seinen Vater zum letzten Mal gesehen hat. Das war 1941. Dann brach in Russland der Zweite Weltkrieg aus. Eristem Kalakutok geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft und starb im August 1942 im Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Stalag XB in Sanbostel. 67 Jahre später hat sein 73-jährige Sohn mit seiner Familie das Grab seines Vaters Eristem Kalakutok auf dem Friedhof der Kriegsgräberstätte in Sandbostel besucht.
Eine 3.500 Kilometer lange Reise von Maikop im südlichen Russland ins norddeutsche Sandbostel haben Batmis Kalakutok und seine Söhne Kazbek (45) und Inver (43) auf sich genommen, um am Grab ihres Vaters und Großvaters zu beten. Über das Internet haben die Männer erfahren, dass ihr Vater und Großvater im Zweiten Weltkrieg im Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Stalag XB interniert war. Der Historiker Dr. Klaus Volland führte die russische Familie zur letzten Ruhestätte ihres Angehörigen und machte mit ihnen einen Rundgang über das Gelände des ehemaligen Stalag XB. „Anhand historischer Dokumente vermuten wir, dass Eristem Kalakutok in diesem Areal des Friedhofs begraben sein muss", so Dr. Volland.

Eristem Kalakutok war Moslem und wurde am 5. Mai 1910 in Maikop, Hauptstadt der Republik Adygeja, geboren. Wie Millionen junger Männer musste auch der damals 31-jährige Landwirt im Sommer 1941 zum Kriegsdienst an die Front. „Die Soldaten wurden mit dem Zug an die Front transportiert. Im Juni, wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion, wurde der Zug bei der Besetzung Rownos in der Ukraine bombardiert. Die Soldaten sprangen zu unterschiedlichen Seiten. Die einen konnten fliehen. Die anderen wurden von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen und nach Sandbostel gebracht. Kalakutok zählte zu den Letzteren", erklärte Amin Shikov, ein in Lüneburg lebender Bekannter, der die Familie bei ihrem Besuch in Sandbostel als Dolmetscher begleitet hat. Eristem Kalakutoks Personalakte zufolge starb er am 4. August 1942 im Stalag XB im Alter von 32 Jahren. In Maikop hinterließ er Frau und Kinder.
66 Jahre ist das her. Nun reiste Batmis Kalakutok nach Sandbostel, um Erde von der letzten Ruhestätte seiner Mutter in Nowo-Bjegokai zu dem Grab seines Vaters zu bringen und für ihn zu beten. Wut empfindet der 73-jährige heute nicht: „Der Krieg ist Vergangenheit."
Batmis Kalakutok streu Erde auf ein Massengrab
Nahmen Abschied von ihrem Vater und Großvater: Batmis Kalakutok (von links) und seine Söhne Kazbek Kalakutok, Chefarzt des Krankenhauses in Maikop, und Inver Kalakutok, Unternehmer.
Familie Kalakutok Familie Kalakutok besichtigte mit dem Historiker Dr. Klaus Volland das ehemalige Lagergelände in Sandbostel.
 
 






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