Sandbostel. Wenn irgendjemand ihm als jungem Mann prophezeit hätte, dass er einmal in Deutschland eine Rede halten würde und ein Minister, Konsuln und weitere Repräsentanten des öffentlichen Lebens ihm dabei zuhören würden, hätte Frank Walker denjenigen sicherlich als völlig übergeschnappt bezeichnet. Doch genau das ist eingetreten. Der aus der Nähe der englischen Hafenstadt Liverpool stammende Walker berichtete bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des 62. Jahrestages der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel über seine Gefangennahme und die anschließende Internierung.
Er war - damals 16 Jahre alt - Besatzungsmitglied eines englischen Handelsschiffes, das im November 1940 im Indischen Ozean von einem deutschen Hilfskreuzer angegriffen wurde, Kapitän, vier Offiziere und drei weitere Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Er selber wurde mit den anderen Überlebenden an Bord des deutschen Schiffes genommen und später mit einem Gefangenentransporter in ein in Frankreich gelegenes Lager gebracht. Dort gab es nach der 10-wöchigen Hungerfahrt auf See nun täglich einmal Rübensuppe und ein Stück Weißbrot. Doch nach vier Wochen ging es dann per Viehwagen nach Bremervörde und von dort aus ins Lager Sandbostel.
„Life in Sandbostel was pretty tough“, das Leben dort sei ziemlich hart gewesen, berichtete Walker rund 65 Jahre später. Unzureichendes Essen, dazu Arbeit als Bediener eines Jauchewagens oder als Torfstecher. Nach dem Ausbruch von Typhus im Lager wurden die britischen Gefangenen nach Westertimke verlegt.
Er sei darüber nicht traurig gewesen, denn das Stalag X B „war kein Spaß, es war ein Alptraum“. Die meisten „der Jungs“ seien dann Anfang 1943 in die Heimat zurückgeführt worden, er allerdings musste als Angehöriger eines Strafkommandos bis zur Befreiung im April 1945 dort ausharren.
Norwegische Internierte standen dann im Mittelpunkt einer dokumentarischen Lesung.
Nach einer Einführung von Dr. Klaus Volland trugen Anne Kahrs, Johanna Ochner und Niklas Bünting, Abiturienten des Gymnasiums Bremervörde, Texte und zum Thema vor. Nicht anwesend konnte diesmal Bernard Le Godais sein. Der Repräsentant der ehemaligen französischen Kriegsgefangenen, der sich seit Jahren für die Einrichtung einer Gedenkstätte in Sandbostel einsetzt, ist erkrankt, für ihn verlas Joachim Behnken eine Grußbotschaft.
Darin wünscht sich Le Godais ein Bildungsinstitut, das den Namen „Robert Schuman“ tragen soll, einem der Gründerväter eines gemeinsamen Europas.
Diese Stätte in Sandbostel solle ein „Wallfahrtsort“ der Bildung werden, an dem die Ideen Roberts Schumann verbreitet werden und ein „Europa der Herzen“ dargestellt werden soll. |