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Bremervörder Zeitung 2. Mai 2008
Neue Generation stellt Fragen
Ehemalige Kriegsgefangene besichtigen Ausstellung in Sandbostel
Sandbostel (zz/lh). „Hier war kein Leben damals, es war trostlos und verwildert.“ Roger Cottyn erinnert sich noch gut an einen Besuch in den 80er Jahren, als er erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel betrat.
Voll des Lobes ist der 88-jährige Belgier indes, was sich auf dem historischen Gelände entwickelt hat, das er als junger Mann unfreiwillig kennenlernte. Roger Cottyn zählt zu den ehemaligen Kriegsgefangenen, die am 63. Jahrestag der Lagerbefreiung an einer Gedenkveranstaltung teilnahmen (die BZ berichtete). Zuvor hatte der Zeitzeuge in der Dokumentations­ und Gedenkstätte die Ausstellung zur Lagergeschichte besichtigt.
Roger Cottyn erzählt heute ohne Bitterkeit über seine Gefangenschaft, räumt sogar ein: „Ehrlich gesagt hatte ich es hier nicht schlecht.“ Der Hunger habe ihn zwar geplagt. Das wirklich Schlimme aber sei gewesen, „das Sterben nein, das ist ein zu schönes Wort das Krepieren“ ansehen zu müssen, wobei er auf Inhaftierte aus Russland und anderen osteuropäischen Nationen anspielt. „Russen sind wie ein Stück Holz auf Wagen geworfen worden“, erinnert er sich. Tausende Menschen waren während der Nazi-Herrschaft in dem Lager ums Leben gekommen. Seit seinem ersten Besuch auf dem Areal des ehemaligen Lagers in den 80er Jahren hat sich viel getan: „Wenn man sieht, welcher Be­trieb hier heute herrscht und wie Menschen sich dafür einsetzen“, so Roger Cottyn, um die Lagergeschichte und die damit verbundenen Leiden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, „dann ist das für uns etwas Schönes“.

Heue Abend Lesung
Leider Gottes könnten dies nicht mehr viele ehemalige Kriegsgefangene sehen. Der Belgier freut sich, dass nach Jahrzehnten des Schweigens, in denen als „Nestbeschmutzer“ gegolten habe, wer an jenes schwarze Kapitel erinnerte, nunmehr eine neue Generation Neugierde zeige und viele Fragen stelle. Bezug nehmend auf die Verantwortlichen des Gedenkstättenvereins und der Stiftung Lager Sandbostel spricht er seine Anerkennung aus: „Ich bewundere die Leute, die diesen Mut haben.“ Übrigens: Cottyn liest heute Abend um 20 Uhr in der evangelischen Lagerkirche in Sandbostel aus seinem Buch: „60 Monate in deutscher Kriegsgefangenschaft.“
Nicht jedem gelingt es, so sachlich über die eigene Vergangenheit als Kriegsgefangener in Hitler-Deutschland zu sprechen. Harry Callan aus Irland etwa, ein humorvoller Mensch, der aber von Emotionen übermannt wird, sobald er über seine Leidensgeschichte als Gefangener (unter anderem in Farge und Westertimke) spricht. 60 Jahre habe er eisern geschwiegen, sich erst 2005 seiner Familie geöffnet, berichtet er in Sandbostel unter Tränen.
Bernard Le Godais und Roger Cottyn
Die ehemaligen Kriegsgefangenen Bernard Le Godais (89 Jahre) aus Frankreich (links) und Roger Cottyn (88) aus Belgien besichtigten die Ausstellung über die Geschichte des Lagers Sandbostel.          Foto: zz/lh






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