Dr. Dietmar Kohlrausch, der langjährige Vorsitzende des Vereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel, ist am Dienstag völlig überraschend im Alter von 60 Jahren gestorben.
Kohlrausch, der aus einer Bremer Familie stammt, hat in Marburg studiert und dort mit einer Arbeit über die Beziehungen zwischen der Aufklärungszeit und der Antike promoviert.
Seit vielen Jahren leitete er das Archiv der Stadt Rotenburg und war in zahlreichen historisch-politischen Vereinigungen - oft an leitender Stelle - aktiv. Seine populär geschriebene Darstellung der Geschichte der Stadt Rotenburg ist inzwischen vergriffen. Kohlrausch hat zahlreiche Aufsätze über regionalgeschichtlichen Themen verfasst und eine lebhafte Vortragstätigkeit entwickelt. Sein langjähriges Engagement dafür, Menschen das Nachholen des Hauptschulabschlusses an der Volkshochschule Rotenburg zu ermöglichen, lag ihm besonders am Herzen.
Als der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel am 16. Januar 1992 gegründet wurde, erklärte sich Dietmar Kohlrausch bereit, das Amt des ersten Vorsitzenden zu übernehmen. Dieses Amt hat er über mehr als 17 Jahre bis zu seinem Tod innegehabt. Wichtige Impulse hat er bei der Gestaltung und Präsentation der Wanderausstellung „Das Kriegsgefangenenlager Sandbostel“ (1994), beim Aufbau der provisorischen Gedenkstätte am Großen Platz in Bremervörde (seit 1998), bei der Organisation von wissenschaftlichen Tagungen des Vereins (1998, 2002 und 2007), durch seine Ansprachen bei den jährlichen Kundgebungen am Befreiungstag des Lagers Sandbostel sowie zuletzt vor allem durch seine konstruktive Mitwirkung im Kuratorium der Stiftung Lager Sandbostel gesetzt. Über die Geschichte des Lagers Sandbostel hat er u. a. in Bremen und in Caen referiert.
Kohlrausch war ein gebildeter, sehr belesener, vielseitig interessierter und engagierter, humorvoller und warmherziger Mensch. Sein plötzlicher Tod reißt nicht nur für seine Familie, sondern auch für viele Menschen in der Elbe-Weser-Region und für seine zahlreichen in den Gedenkstätten tätigen Freunde eine große, schmerzliche Lücke. |