Hans-Werner Heitmann (Dritter von links) überreichte dem Stiftungsvorsitzenden Karl-Heinz Buck den Fördervertrag. Weiter mit von der Partie: Projektleiter Andreas Ehresmann (von links), Kurt Ringen, Dieter K.Kunze und Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers. Foto: Klöfkorn |
Sandbostel. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert die Sanierung der ehemaligen Baracken auf dem Gelände des früheren Lagers in Sandbostel. Einen Fördervertrag in Höhe von 40.000 Euro hat gestern der Bremervörder Ortskurator Hans-Werner Heitmann dem Vorsitzenden der Stiftung Lager Sandbostel, Karl-Heinz Buck, überreicht. Die Summe hilft, die Gesamtkosten von rund 450.000 Euro für die Dachsanierung von sechs Gebäuden ein Stück weit abzudecken.
Er sei sehr erfreut darüber, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn die Restaurierung des ehemaligen NS-Kriegsgefangenlagers in Sandbostel unterstütze, sagte Heitmann bei der Vertragsübergabe. Der ehemalige Sparkassendirektor kam gestern in Begleitung des Stader Stiftungskurators Dieter K. Kunze nach Sandbostel, wo beide von Vertretern der Gedenkstättenstiftung begrüßt wurden.
Alljährlich erreichten die Denkmalschutzstiftung „viele, viele Hilferufe“ (Heitmann), da die Mittel für die Denkmalpflege aus finanziellen Gründen vom Bund, Länder und Kommunen eingeschränkt werden mussten. Seit 1985 habe die Stiftung 3.000 Vorhaben gefördert und dafür 370 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
40.000 Euro erhält jetzt die Lagerstiftung. Das Geld ist bestimmt für den Erhalt von Holzbaracken, die sowohl außen wie auch innen gravierende witterungsbedingte Schäden aufweisen. Mit der Summe sollen anteilig die Zimmerer und Dachdeckerarbeiten für vier ehemalige Wohnbaracken sowie die Latrine und die Küchenbaracke bezahlt werden.
Nach Angaben von Experten befindet sich in Sandbostel bundesweit das einzige NS-Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager, in dem viele historische Gebäude erhalten sind. Unter den 25 Bauten sind Wohnbaracken aus Holz und Stein sowie Küchen-, Wasch- und Latrinengebäude. Auch das Wasserwerk sowie ein Arrestbunker sind noch vorhanden.
Das Lager wurde am 29. April 1945 von der britischen Armee befreit. Den Soldaten bot sich damals auf dem 35 Hektar großen Areal ein Bild des Grauens: Sie trafen auf etwa 14.000 Kriegsgefangene und rund 7.000 KZ-Häftlinge. Im Auffanglager fanden sie zahlreiche unbestattete Leichen. Etwa 50.000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge überlebten die Zeit von 1939 bis 1945 in Sandbostel nicht. Etwa eine Million Kriegsgefangene und zuletzt auch KZ-Häftlinge waren hier zwischen 1939 und 1945 interniert. Noch nach der Befreiung starben Hunderte an Auszehrung, Typhus und anderen Infektionskrankheiten.
Die Stiftung Lager Sandbostel erwarb bisher ein 3,2 Hektar großes Teilstück des ehemaligen Lagergeländes mit Baracken, die nun vor dem Verfall bewahrt werden sollen. Auf dem Gelände ist zudem eine Dokumentations-, Gedenk- und Begegnungsstätte geplant.
Um die sechs Gebäude vor dem Verfall retten zu können, sei es unbedingt notwendig, die Dächer winterfest zu machen, sagte der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Buck. Die Kosten dafür sowie für die Herrichtung der Freifläche und eines Zaunes betrügen etwa 450.000 Euro. Zuschussgeber sind neben der Stiftung Denkmalschutz
unter anderem die Europäische Union (EU), der Bund, das Land und die Samtgemeinde Selsingen.
Buck: „Wir gehen davon aus, dass der Bewilligungsbescheid in der nächsten Woche eingeht und wir dann mit den Sanierungsarbeiten beginnen können.“ Angesichts der Witterung dränge die Zeit. „Es ist wichtig, dass die Gebäude dicht gemacht werden und der Regen nicht mehr eindringen kann“, sagte der Stiftungsvorsitzende.
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