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Bremervörder Zeitung 30. April 2010

Bewegende Erinnerung an die Opfer von Stalag X B

Auf der Kriegsgräberstätte von Sandbostel verfolgen die Besucher die Kranzniederlegung. Fotos: Schmidt

Von Thomas Schmidt

Sandbostel. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Geschichte aus verschiedenen Gesichtspunkten zu beleuchten und darauf aufmerksam machen, dass ,Unrecht nicht durch Unrecht‘ getilgt werden kann.“ Mit diesem Credo haben sich gestern Schüler aus Hamburg auf einer bewegenden Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Sandbostel an die rund 500 Besucher, darunter Gäste aus ganz Europa, gewandt.

Nach einer Andacht mit Pastorin Esther Ockuhn und den Kranzniederlegungen auf der Kriegsgräberstätte von Sandbostel fuhren die Gäste zur Gedenkstätte, wo die Feier in der ehemaligen Lagerküche fortgesetzt wurde. Im Mittelpunkt einer beeindruckenden Multimedia-Präsentation der Schüler der Hamburger Schulen Lycée Français de Hambourg und des Gymnasiums Othmarschen standen Zeitzeugenbefragungen – in monatelanger Vorbereitung sorgfältig aufbereitet. Die Schrecken des Lageralltags riefen die Schüler in Erinnerung, nicht zuletzt die Menschen verachtende „Rangordnung“ der Gefangenen unterschiedlicher Nationalitäten. Im Zeichen der Versöhnung haben die Schüler ihr Projekt „Eine Brücke über die Oste“ genannt. Unterstützt wurden sie von französischen und deutschen Soldaten der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Die französischen Gefangenen von Stalag X B standen gestern im Blickpunkt. Der ehemalige Kriegsgefangene Maurice Leblan erinnerte an den täglichen Horror des Lageralltags.

An der Feier nahmen aber auch ehemalige Kriegsgefangene aus Belgien, Polen, Russland und den USA sowie ein Belgier teil, der als KZ-Häftling die Befreiung miterlebte.

Karl-Heinz Buck und Clement-Volker Poppe von der Stiftung Lager Sandbostel konnten zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Verwaltung begrüßen. Der Militärattaché an der französischen Botschaft Jean-Pierre Pinget drückte seine Hoffnung aus, dass sich die Schrecken von Stalag X B nie wiederholen mögen und leistete einen wichtigen Beitrag zur weiteren Aufarbeitung der Lagergeschichte: Er überreichte der Staatssekretärin im niedersächsischen Kultusministerium, Dr. Christine Hawighorst, Jahrzehnte lang unter Verschluss gehaltene Dokumente aus dem militärhistorischen Forschungsamt Frankreichs. Darin sind Listen enthalten, mit deren Hilfe einige der in den Massengräbern von Sandbostel liegenden Opfer von Stalag X B vermutlich identifiziert werden können.

Brigadegeneral Hartwig-Holger Tarnowski, Kommandeur der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt, zeigte sich von der Präsentation der Schüler beeindruckt. Die Devise könne nur heißen: „Null Toleranz“ in Sachen rechtsradikales Gedankengut, appellierte er an die Gäste der Feier.

Neben zahlreichen Vertretern des Landkreises und der Kommunen nahmen auch Landwirtschaftsminister a. D. Hans-Heinrich Ehlen sowie Ivar Buterfas, der sich vor Jahren vehement für die Errichtung einer Gedenkstätte eingesetzt hatte, an dem Festakt teil.

Nach der Veranstaltung in der ehemaligen Lagerküche legten Vertreter von Opferverbänden aus ganz Europa sowie deutsche und französische Offiziere Kränze und Gestecke am Gedenkstein vor der Lagerkirche nieder.

www.eine-bruecke-ueber-die-oste.de

 

 
 
 
 






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