Von Harm Zimmering
Sandbostel. Als vor rund fünf Jahren die „Stiftung Lager Sandbostel“ ins Leben gerufen wurde und sich seitdem gewissermaßen als Dokumentationszentrum und als „Archiv vor Ort“ unter anderem der Aufarbeitung von unmenschlichen Greueltaten der Nationalsozialisten widmet und sich damit auch als eine mahnende Institution besonders für junge Menschen versteht, fanden sich seinerzeit nicht nur Anhänger dieses Vorhabens. Dass allerdings hat sich zwischenzeitlich gottlob geändert: Es gibt mittlerweile viele Befürworter der Stiftung. Sie unterstützen die Initiatoren immer häufiger mit Fundsachen und Exponaten aus der wenig ruhmreichen Vergangenheit des Lagers. Jetzt überbrachten Mitglieder der Bremervörder Reservistenkameradschaft (RK) 7 dem Stiftungsvorstand ein interessantes Hinweisschild, dass vor über 60 Jahren den Weg von Klenkendorf zu einem serbischen Arbeitskommando im Stalag XB von Sandbostel gewiesen hat.
Szenenwechsel: Vor acht Jahren wird in Klenkendorf das reetgedeckte Bauernhaus von Maria Burfeindt abgerissen. In dem Gebäude betrieb „Mariechen“ gleichzeitig eine Gaststätte, die für viele Einwohner der 1823 gegründeten früheren Moorkolonie ein beliebter Anlaufpunkt zum Austausch aktueller Geschehnisse oder einfach dörflicher Tratsch- und Klatschgeschichten war.
Nicht wenige Klenkendorfer trauerten deshalb ihrem geliebten Feierabendbier bei „Mariechen“ nach, als das Haus samt Gaststätte einem Neubau weichen musste. Nur der Saal hinter dem Dorfgemeinschaftshaus und jetzigem Schießstand blieb erhalten.
Viele Helfer beteiligten sich beim Abriss des ehrwürdigen Gebäudes. Und wie das bei der „Deinstallation“ von alten Gemäuern nun einmal so ist: Immer wieder stößt man auf scheinbar wertvolle „Altertümer“. So erging es damals auch Stephan Grotheer, der altes Heu und Stroh vom Dachboden räumte. Dabei fand der Versicherungskaufmann neben dem Schornstein ein altes und verwittertes hölzernes Hinweisschild mit der Aufschrift „M.-Stammlager XB, Serben, Krgf.-Arbs.-Kdo. - 3.200 m“.
Weil Grotheer schon damals Vorstandsmitglied der RK 7 war, nahm er das offensichtlich interessante Relikt aus unrühmlicher Vergangenheit mit und zeigte es seinen Kameraden kurz darauf im Vereinsheim in Bremervörde. Nach einem allgemeinen Bestaunen des Fundes, der jahrzehntelang friedlich unter Heu und Stroh geschlummert hatte, geriet das historische Objekt aus nationalsozialistischer Vorzeit jedoch schon bald erneut in Vergessenheit und setzte in den Reservaten der RK 7 seinen Dauerschlaf fort. Bis es ein Zufall erneut ans Tageslicht beförderte.
Vorstandsmitglieder der RK 7 berichteten eines Tages Horst Rademacher von ihrem Fund. Der pensionierte Regierungsschuldirektor aus Bremervörde, der gemeinsam mit dem früheren Superintendenten Hans-Wilhelm Hastedt viele Menschen mit den unterschiedlichsten Auffassungen zur Errichtung einer Gedenkstätte in Sandbostel an einen Tisch brachte und sie letztlich für ein gemeinsames Handeln im Sinne von Politik und Verwaltung, Vereinen und Einwohnern gewinnen konnte, schlug den RK 7-Mitgliedern spontan vor, ihren interessanten Dachbodenfund der Lager-Stiftung zu überlassen, wo es einer breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht werden könne.
Dieser guten Idee folgte prompt die Realisierung. Nach kurzer Rücksprache mit dem Stiftungsvorsitzenden Karl-Heinz Buck fuhren die RK-7-Vorstandsmitglieder Kai-Uwe Engelhardt, Enno Rugen, Jürgen Fischer und Uwe Lehmannnach Sandbostel und überreichten der Stiftung ihren historischen Fund, der einst in Klenkendorf auf ein serbisches Arbeitskommando im Stalag XB hingewiesen hatte.
Karl-Heinz Buck dankte der RK 7 und betonte, das hölzerne Dokument werde einen Ehrenplatz in der Ausstellung der Gedenkstätte erhalten und den Besuchern schon bald zugänglich gemacht werden. Ebenso erfreut war der Stiftungsvorsitzende über ein weiteres „Präsent“ von Enno Rugen: Der Feldwebel der Reserve hatte eine sehr gut erhaltene, von samtenem Stoff umhüllte Feldflasche mitgebracht, die sein verstorbener Vater als ehemaliger Sanitätssoldat einst im Lager Sandbostel benutzt hat. |