Von Domenica Rode
Sandbostel. 34 Jugendliche aus sieben Nationen verbringen derzeit die Ferien in einem Workcamp des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge in Sandbostel. Hier leisten sie wichtige Instandsetzungsarbeiten der Kriegsgräber auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB in Sandbostel. Dabei geht es nicht nur um die Arbeit. Es geht um die Verständigung der Völker und um das Wachhalten der Erinnerung. Als Höhepunkt des Camps gestalteten die Jugendlichen eine eindrucksvolle Gedenkfeier auf dem Lagergelände und der Kriegsgräberstätte.
Auch 64 Jahre nach Kriegsende seien Gedenkfeiern dieser Art notwendig, um auf die grausamen Folgen des Krieges hinzuweisen, erklärte Sandbostels Bürgermeister Peter Radzio, der die zahlreichen Gäste vor der Lagerkirche herzlich begrüßte. Er dankte den Campteilnehmern aus Estland, Kirgistan, Moldawien, Polen, Russland, Weißrussland und aus Deutschland für ihr Engagement, die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Das Jugendcamp findet bereits das dritte Jahr in Folge in Sandbostel statt. Gastgeber ist die Gemeinde Sandbostel, die Federführung liegt beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der auch Hauptsponsor ist. Die Vorbereitung und Planung zum Jugendcamp wurde vom Arbeitskreis Jugendcamp durchgeführt. An dem Arbeitskreis beteiligten sich Vertreter von Volksbund, örtlichen Vereinen, dem Gemeinderat und weitere Interessierte. Die Samtgemeinde Selsingen und die Gemeinde Sandbostel unterstützen das Camp finanziell.
Campleiter Bodo Henze hieß die Anwesenden ebenfalls herzlich willkommen. Er dankte dem Leitungsteam, dem Fallschirmjägerbataillon 373 aus Seedorf, den ortsansässigen Vereinen und den Sandbostelern für die tatkräftige Unterstützung. Nach der Begrüßung ging es von der Lagerkirche zu Fuß zur knapp vier Kilometer entfernten Kriegsgräberstätte. Damit sollte sinnbildlich der Weg der Toten nachgegangen werden. An der Kriegsgräberstätte sangen die Jugendlichen Friedenslieder und brachten in Wortbeiträgen ihren Wunsch nach Frieden zum Ausdruck.
In seiner Rede hob Harald Ottmar, der Bezirksvorsitzende des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und Leiter der Regierungsvertretung in Lüneburg, die Besonderheit Sandbostels als historischer Ort hervor. Hier werde die Erinnerung an Schrecken und Krieg und Nationalsozialismus wachgehalten. In Sandbostel befand sich eines der größten Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht.
Heute befindet sich hier eine der größten niedersächsischen Kriegsgräberstätten. Der Ort vermittele einen mahnenden Eindruck über eine Zeit, in der bis 1945 über eine Million Menschen aus 46 Nationen das Lager durchlaufen haben, berichtete Ottmar. Ab Frühjahr 1945 hat die SS dieses Lager auch als Auffang- und Durchgangslager für KZ-Gefangene genutzt. Zwischen 10.000 und 50.000 Internierte kamen im Lager Sandbostel ums Leben.
„Der menschenverachtende Umgang mit Menschenleben, die Ausgrenzung von Menschen, die Verachtung von Minderheiten und religiösen Überzeugungen bis hin zu massenhaften – ja industriellen Töten – darf es nie wieder geben“, mahnte der Bezirksvorsitzende. Ottmar würdigte das Engagement der jungen Menschen, „Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Ost und West und zwischen Kulturen zu bauen“. Dies stimme ihn zuversichtlich, „dass der Weg in eine friedliche Zukunft auf der Basis des Erinnerns sicher beschritten wird“.
Heiner Hoffmeister, Referatsleiter im niedersächsischen Kultusministerium, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Gedenkstätte als Mahnmal zur Friedenssicherung. Der Initiative einzelner Bürgerinnen und Bürger in den achtziger Jahren, die den Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel gründeten, sei es zu verdanken, dass die Ereignisse rekonstruiert wurden. „Wir müssen die Erinnerung wach halten um der Opfer willen“, erklärte Hoffmeister.
Wichtig sei der Kontakt zu Zeitzeugen. Hoffmeister dankte Ruth Gröne, der Tochter eines in Sandbostel inhaftierten KZ-Häftlings und Roger Cottyn, der belgischer Kriegsgefangener im Lager Sandbostel war, für ihre Gesprächsbereitschaft mit den Jugendlichen. Beide waren auch auf der Gedenkveranstaltung anwesend. Zum Abschluss der Gedenkfeier legten Harald Ottmar und Heiner Hoffmeister einen Kranz nieder. |