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Bremervörder Zeitung 15. September 2009

Beidseitige Achtung als Ziel

Polnischer Vizekonsul erinnert an das Schicksal polnischer Gefangener im Lager Sandbostel

Zeitzeugin Charlotte Burczynski.
Zeitzeugin Charlotte Burczynski (Zweite von rechts) berichtete spontan von ihren persönlichen Erlebnisse während der Kriegszeit. Sie war 15 Jahre alt, als sie die polnischen Gefangenen beobachtete, die 1939 von Bremervörde nach Sandbostel getrieben wurden. Rechts: Der Vorsitzende der Gedenkstättenstiftung, Karl-Heinz Buck. Fotos: bz

Bremervörde (bz). Am Freitag hat auf der Kriegsgräberstätte Sandbostel eine Trauerfeier zu Ehren der im Lager Sandbostel verstorbenen polnischen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge stattgefunden. Michal Nowak, Vizekonsul am polnischen Generalkonsulat in Hamburg, sowie Karl-Heinz Buck und Clement Poppe als Repräsentanten der Stiftung Lager Sandbostel legten am Hochkreuz Kränze zu Ehren der polnischen Toten nieder.

Nowak und der Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, Dr. Klaus Volland, erinnerten in ihren Ansprachen an die verbrecherischen Ziele des deutschen Überfalls auf Polen vor 70 Jahren und an das Leiden und Sterben der polnischen Gefangenen in Sandbostel.

Vizekonsul Nowak, der zuvor die von Andreas Ehresmann kuratierte und in einer ehemaligen Lagerbracke gezeigte Sonderausstellung über die polnischen Kriegsgefangenen in Sandbostel besucht hatte, betonte, das Ziel des deutschen Überfalls auf Polen sei die Vernichtung des polnischen Volkes gewesen. Auch die nach Sandbostel gelangten polnischen Gefangenen hätten Zwangsarbeit für die deutschen Okkupanten zu leisten gehabt. Symbolischen Charakter trug es für Nowak, dass Polen bei Kriegsanfang die ersten Gefangenen in Sandbostel waren und bei Kriegsende zu den letzten gehörten, die als KZ-Häftlinge nach Sandbostel evakuiert wurden. Noch heute seien überlebende polnische Häftlinge von Grauen und Furcht erfüllt, wenn sie an das Lager Sandbostel zurückdächten.

Auch Dr. Klaus Volland (Rede Dr. Volland) stellte das Schicksal der polnischen Gefangenen in Sandbostel in den Gesamtzusammenhang des deutschen Vernichtungskriegs gegen Juden und Slawen und nannte die immense Zahl von sechs Millionen Menschen, die das polnische Volk durch den von Deutschland begonnenen Krieg verloren habe. Die Bemühungen seien zu intensivieren, auch die Namen der polnischen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, die anonym auf der Kriegsgräberstätte Sandbostel bestattet sind, zu ermitteln und auf dem Friedhof zu nennen. Volland erinnerte auch an die polnischen Soldaten, die während der ersten beiden Kriegsjahre in Sandbostel gestorben sind und auf dem Friedhof Parnewinkel ruhen.

Der erfolgreiche „Blitzkrieg“ gegen Polen löste, so Volland, „bei unseren Vätern und Großvätern“ ähnlich wie der gegen Frankreich Begeisterung aus. „Heute“, betonte er abschließend, „können wir uns einen Krieg zwischen Deutschen und Polen glücklicherweise nicht mehr vorstellen. Freuen wir uns über die offenen Grenzen und arbeiten wir daran, ein dauerhaft friedliches und freundschaftliches, von beiderseitiger Achtung getragenes Verhältnis zwischen unseren Völkern zu bewahren.“

Im Anschluss an die Ansprachen berichtete die Bremervörderin Charlotte Burczynski den Gästen der Veranstaltung spontan und eindrucksvoll über ihre persönlichen Erlebnisse während der Kriegszeit. Sie war 15 Jahre alt, als sie die polnischen Gefangenen beobachtete, die im Herbst 1939 unter Schlägen vom Bahnhof Bremervörde nach Sandbostel getrieben wurden.

Projektkoordinator Andreas Ehresmann (links) und der Erste Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, Dr. Klaus Volland.
Vizekonsul Michal Nowak Michal Nowak (links), Vizekonsul am polnischen Generalkonsulats in Hamburg.
 






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