Logo der StiftungBarackenansichtEhemalige KriegsgefangeneKüchengebäudeFriedhof der KZ-Häftlinge
Stiftung Lager Sandbostel
  Veranstaltungen

 

 

 

  
Bremervörder Zeitung 15. Juli 2010

Eine Anklage auf vier Seiten

Ivar Buterfas und seine Ehefrau bei der Gedenkveranstaltung in diesem Jahr in Sandbostel. Archivfoto: Schmidt
Sandbostel. Vier Seiten ihrer Wochenendbeilage widmete die Zeitung „Junge Welt“ im Juni dem ehemaligen Lager in Sandbostel. Die Überschrift steht für den Inhalt: „Gras wächst über die Verbrechen“. Man könnte über den tendenziösen Artikel in der marxistischen Postille zur Tagesordnung übergehen, wenn die Informationen nicht auf Aussagen von Ivar Buterfas beruhen würden. Von Rainer Klöfkorn

Mit einer Medienkampagne sorgte der Hamburger Buterfas 2004 dafür, dass der Umgang mit der Sandbosteler Lagergeschichte bundesweit zu einem Thema wurde. Das Ende ist bekannt: Geführt von zwei Moderatoren setzten sich alle Verantwortlichen an einen Tisch und gründeten die Lagerstiftung, die seitdem mit hohem finanziellen Aufwand von Bund und Land unterstützt wird und eine allerorten gelobte Gedenkstättenarbeit betreibt.

An Ivar Buterfas scheint diese Entwicklung allerdings vorbei gegangen zu sein. Der 77-Jährige – ausgestattet mit einem großen Ego – zeigt sich allem Anschein nach desinteressiert an der Arbeit in Sandbostel und zeichnet weiterhin das Bild einer Region, deren Bewohner die Vergangenheit leugneten und ihn als unliebsamen Störenfried darstellen.

In der „Jungen Welt“ hat er eine Zeitung (siehe Kasten) gefunden, für die eine solche Darstellung wie gerufen kommt. Das marxistische Blatt entsandte einen Reporter nach Sandbostel, der, begleitet von Buterfas, das ehemalige Lagergelände besichtigte. Ob ignorant oder blind – dass sich dort eine wissenschaftlich arbeitende Gedenkstätte befindet, entging dem „Junge-Welt“-Kollegen. Ansonsten könnte er kaum zu dem Ergebnis kommen, wonach „die Stadt (gemeint ist Sandbostel, d.R.) bis heute ein würdiges Gedenken verweigert“.

Dafür findet er anderes: Eine vom „Efeu überwucherte Klamotte im Unterholz“, die an den Volksaufstand von 1953 in der DDR erinnert, oder das Gebäude für den Verein Tiergnadenhof „Rasselbande“. „Das ist alles nur makaber“, kommentiert er das Gesehene und fragt: „Wie dick muss das Fell sein, um hier ruhig schlafen zu können?“

Buterfas erzählt ihm seine Erlebnisse. Ihm sei gedroht worden, dass sein Besuch in Selsingen, wo er sein Buch vorstellen wollte, der letzte sein könnte. Der Anrufer habe ihm gesagt, dass er selbst und seine Leute an einem 180 Kilo schweren Schwein einen „Gasversuch“ gemacht hätten. „Es hätte genau drei Minuten gedauert, bis das Schwein das Zeitliche gesegnet habe.“

Noch heute, heißt es in dem Bericht, sei der „Widerstand in Sandbostel beachtlich“. Es werde alles getan, um jede Erinnerung an das Lager auszulöschen. Wo der Zerfall der Baracken nicht schnell genug gegangen sei, habe man Schafe eingesperrt, weil der scharfe Dung die Zerstörung beschleunige. Der eigentliche Skandal sei jedoch „die Teilnahmslosigkeit, das fortdauernde Desinteresse der zuständigen Gremien.“ Dass in den vergangenen Jahr Bund und Land viel Geld zur Verfügung stellten, bleibt dem Leser verborgen.

Welch politisch geistig Kind die „Junge Welt“ ist, zeigt sich, wenn die DDR-Geschichte angeschnitten wird. Die Internierung der SS-Angehörigen nach dem Krieg in Sandbostel durch die Westalliierten wird verglichen mit dem, „was auch die Sowjets in ihrer Zone taten“. Der Unterschied: „Doch hier findet sich keine wütende Anklage und Ausstellung gegen die vermeintliche Willkür der Besatzungsmacht.“ Auch eine Begründung für den Bau der Lagerkirche wird genannt: „Damit die Zonenflüchtlinge beten und die Kommunisten daheim verfluchen konnten.“

Überhaupt – und da wird die Weltanschauung der „Jungen Welt“ deutlich – zeige sich die „Geschichtslosigkeit, in der diese bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft lebt. Was gestern war, interessiert so wenig, wie das, was morgen sein wird. Es zählt nur der heutige Tag und dessen Ertrag in Heller und Cent.“ Geschichte habe nur die Funktion, „Munition für die politische Propaganda zur Schmähung und Diskreditierung eines Gegners“ zu liefern.

Es ist nicht bekannt, ob Buterfas einverstanden mit dieser unsäglichen Darstellung ist. Wahrscheinlich ist jedoch, dass sich der 77-Jährige mit diesem Artikel bei den in Sandbostel tätigen Gedankstättenmitgliedern weiter ins Abseits befördert.

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Mai dieses Jahres sei erneut seine Ignoranz gegenüber der Entwicklung in Sandbostel in den vergangenen fünf Jahren deutlich geworden, berichten Anwesende. Aus dem Umstand, dass vergessen wurde, ihm einen Stuhl frei zu halten, konstruierte er einen Vorwurf, der in sein Weltbild passt: Ivar Buterfas als Kämpfer gegen die Ewig-Gestrigen.

Die „Junge Welt“

Die „Junge Welt“ ist eine überregionale Tageszeitung mit linkem, marxistisch orientierten Selbstverständnis. Sie wurde 1947 in der sowjetischen Besatzungszone gegründet. Die Leserzahl wird mit 50 000 angegeben. Aufgrund ihrer linksextremistischen und teilweise antizionistischen Ausrichtung wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet. Chefredakteur ist Arnold Schölzel. Der inoffizielle Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit ist Gegenstand der ARD-Dokumentation „Verraten – sechs Freunde und ein Spitzel“, die 2007 in der ARD gezeigt wurde. Auf die Frage , warum er seine Freunde verraten habe, antwortete er: „Hm. Na ja. Ihr habt 17 Millionen verraten.“
Den Artikel in der "Junge Welt" können Sie hier nachlesen.
Am 20. Juli erschien in der "Bremervörder Zeitung" ein Leserbrief von Ivar Buterfas.
 






  Stiftung Lager Sandbostel - Greftstr.5 - 27446 Sandbostel - Tel.: 04764-810520 - Fax: 04764-810521- info@stiftung-lager-sandbostel.de back top