Am Freitag besuchte der ehemalige amerikanische Kriegsgefangene Frank Tacker aus
Nashville/Tennessee zusammen mit seiner Tochter Virginia und seinem Enkelsohn Franklin die letzten Stationen seiner Gefangenschaft: Bremervörde, Sandbostel und Westertimke. Der heute 84-jährige Frank Tacker wurde im Dezember 1944 während der verlustreichen Ardennenschlacht bei Baraque de Fraiture in Belgien gefangen genommen. Während seines Besuchs – dem ersten eines ehemaligen amerikanischen Gefangenen in Sandbostel und Westertimke nach dem Krieg – erinnert er sich präzise an viele Einzelheiten seiner Gefangenschaft: In Gerolstein in der Eifel wurde Tacker, damals im Rang eines Unteroffiziers („technical sergeant“), mit seinen Kameraden in einer Mausefallenfabrik eingepfercht. Im benachbarten Dockweiler musste er Tote aus einem Bombenkrater bergen und in einem Massengrab beerdigen. In Limburg verbrachte er einige Winterwochen im Stalag XII A, ehe er mit 700 weiteren amerikanischen Gefangenen in Viehwaggons, die acht Tage lang unterwegs waren, nach Bremervörde transportiert wurde.
Dr. Klaus Volland, kommissarischer Vorsitzender des Gedenkstättenvereins und
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Sandbostel, nahm die Gäste am Bahnhof Bremervörde im Empfang. Anschließend fuhr er mit ihnen auf der Strecke, die Frank Tacker damals zu marschieren hatte, zum ehemaligen Stalag X B Sandbostel. Auf dem Stiftungsgelände sah Frank Tacker die Holzbaracken wieder, in denen er bis Mitte April, krank und auf dem Fußboden liegend, hausen musste. Nebenan, so erinnert er sich, lebten sowjetische Gefangene, Kosaken, mit denen die Amerikaner Tauschgeschäfte machten. Die Familie Tacker besuchte auch die Ausstellung und sah das historische Filmmaterial der Gedenkstätte zu Sandbostel und Westertimke.
Am 15. April 1945 wurde der Großteil der amerikanischen Gefangenen, etwa 1800 Mann, wegen des fortwährenden Zustroms von KZ-Häftlingen aus dem Lager Sandbostel ausquartiert. Frank Tacker gehörte zu der letzten Gruppe, die sich zu Fuß auf den Weg nach Westertimke machte. Der ehemalige Elektroingenieur kann es bis heute nicht verstehen, dass es den Amerikanern von der SS mit Gewaltandrohung untersagt wurde, den ihnen beim Abmarsch begegnenden völlig ausgezehrten Häftlingen etwas Nahrung zuzustecken. In Westertimke übernahm der lokale Experte Uwe Heitmann die Führung der Gäste über das historische Gelände des Marlag/Milag Nord. Hier wurde Frank Tacker am 28. April 1945 von der britischen Armee befreit. Abschließend besuchte die amerikanische Familie auf dieser Erinnerungsreise die eindrucksvolle Anlage des Friedhofs Sandbostel. Unter den Toten des Lagers Sandbostel haben sich auch neun amerikanische Gefangene befunden, die schon bald nach dem Krieg exhumiert worden sind. |