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Bremervörder Zeitung 21. April 2007
"Sandbostel ist nahezu einmalig"
Bauhistoriker untersuchen Gebäude auf Teilen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers
Axel Drieschner, Bärbel Schulz im Gespräch mit Karl-Heinz Buck
Karl-Heinz Buck (rechts) vom Gedenkstättenverein bespricht mit den Bauhistorikern Barbara Schulz und Axel Drieschner das weitere Vorgehen bei den Untersuchungen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel. Fotos: C. Borgardt

Von Corvin Borgardt

Sandbostel. Wenige Tage vor dem Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB versuchen Historiker derzeit die Geschichte des Lagers näher zu erforschen - in diesem Fall die der Gebäude. Seit knapp zwei Wochen untersuchen die beiden Bauhistoriker Barbara Schulz und Axel Drieschner die noch erhaltenen Baracken auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes in Sandbostel.

Ziel der bauhistorischen Untersuchung ist es, eine Grundlage für eventuelle bauliche Veränderungen zu schaffen. „Außerdem können so fundierte Aussagen über die Baugeschichte des Lagers gemacht werden", erklärt Axel Drieschner im Hinblick auf die Arbeit eines Dokumentationszentrums. In den nächsten zwei Monaten werden Drieschner und seine Kollegin Barbara Schulz die Gebäude auf dem von der Gedenkstättenstiftung erworbenen Teil des ehemaligen Lagers genauestens unter die Lupe nehmen. Dabei gehen sie vor allen Dingen der Frage nach, was ist original und was wurde nachträglich an- beziehungsweise umgebaut.

„Wir versuchen, die einzelnen Bauphasen von 1939 bis Mitte der 50er Jahre - als in den Gebäuden DDR-Flüchtlinge untergebracht waren - zeitlich zu trennen", erklärt Barbara Schulz. Diese verschiedenen Bauphasen werden zunächst in Skizzen festgehalten und anschließend in farblichen Plänen anschaulich dargestellt. Ausgerüstet mit Klemmbrett, Maßband und Lasermessgerät haben die beiden Bauhistoriker aus Berlin bereits mehrere ehemalige Kriegsgefangenenlager in Deutschland untersucht - überwiegend in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Sandbostel ist jedoch für beide etwas Besonderes. „Das Lager in Sandbostel ist nahezu einmalig, da es besonders gut erhalten ist", meinen Drieschner und Schulz, die sonst häufig lediglich Fundamente oder Ruinen untersuchen können. Dass die beiden Experten die Gebäude überhaupt untersuchen können, macht die Niedersächsische Gedenkstättenstiftung in Celle möglich: sie finanziert das Projekt.

Barackenansicht   Bärbel Schulz und Axel Drieschner vermessen eine holzbaracke
Nachdem auf dem Lagergelände zahlreiche Bäume gefällt wurden, lassen die noch erhaltenen Baracken erahnen, wie es vor mehr als sechs Jahrzehnten in dem Lager ausgesehen haben könnte.
 
Ausgerüstet mit Maßband und Klemmbrett untersuchen die beiden Bauhistoriker Barbara Schulz und Axel Drieschner seit zwei Wochen die noch erhaltenen Gebäude auf einem Teil des Lagergeländes.

 

Zeitzeugen gesucht

Für die Erforschung der Bauhistorie des ehemaligen Lagers in Sandbostel suchen die Lagerstiftung und der Gedenkstättenverein Zeitzeugen. Menschen, die sich an die Bauphase oder an bauliche Veränderungen in der Nachkriegszeit erinnern können, werden gebeten, sich bei Karl-Heinz Buck unter der Telefonnummer 04767/1067 zu melden, (cb)

 

Das Programm am 29. April

Am Sonntag, 29. April, jährt sich der Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen-und KZ-Auffanglagers Stalag XB in Sandbostel zum 62. Mal. Die Gedenkveranstaltung an diesem Tag beginnt um 16.30 Uhr mit einer Andacht von Pastorin Esther Ockuhn auf der Kriegsgräberstätte in Sandbostel.

Um 17.30 Uhr beginnt die Kundgebung vor der Lagerkirche. Auf der Rednerliste stehen Dieter Gerloff (stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel), Landrat Hermann Luttmann, Niedersachsens Landesminister Hans-Heinrich Ehlen, Morten Paulsen (norwegischer Generalkonsul in Hamburg), Frank Walker (ehemaliger britischer Internierter des Lagers), Bernard Le Godais (ehemaliger französischer Kriegsgefangener) und Dr. Klaus Volland vom Gedenkstättenverein.

 






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